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Anthrachinonfarbstoffe

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Anthrachinon

Anthrachinonfarbstoffe sind eine umfangreiche Gruppe von Farbstoffen, mit Anthrachinon als gemeinsamem Strukturelement. Anthrachinon selbst ist farblos – durch Einführung von Elektronendonator-Gruppen, wie z. B. Hydroxy- oder Aminogruppen in die 1-, 4-, 5- oder 8-Position erhält man rote bis blaue Farbstoffe.<ref name="Hunger">Klaus Hunger (Hrsg.): Industrial Dyes: Chemistry, Properties, Applications. WILEY-VCH Verlag, Weinheim 2003, ISBN 978-3-662-01950-4, S. 35 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Anthrachinonfarbstoffe sind strukturell mit den indigoiden Farbstoffen verwandt und werden mit diesen gemeinsam in die Gruppe der Carbonylfarbstoffe eingeordnet.<ref name="Zollinger">Heinrich Zollinger: Color Chemistry: Syntheses, Properties, and Applications of Organic Dyes and Pigments. 3. Auflage. WILEY-VCH Verlag, Weinheim 2003, ISBN 3-906390-23-3, S. 255 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Vertreter dieser Farbstoffgruppe findet man sowohl bei den Naturfarbstoffen als auch bei den synthetischen Farbstoffen. Anthrachinonfarbstoffe sind bei den Beizen- und Küpenfarbstoffen, aber auch bei den Reaktiv- und Dispersionsfarbstoffen vertreten. Sie zeichnen sich durch eine sehr gute Lichtechtheit aus.<ref>Eintrag zu Anthrachinon-Farbstoffe. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Natürliche Anthrachinonfarbstoffe

Einer der wichtigsten Anthrachinonfarbstoffe pflanzlichen Ursprungs ist Alizarin, das aus dem Färberkrapp (Rubia tinctorum) gewonnen wird. Alizarin ist der Namensgeber für eine Reihe strukturell verwandter Farbstoffe, die Alizarinfarbstoffe (mitunter synonym für die Anthrachinonfarbstoffe verwendet). Es war der erste natürliche Farbstoff, für den bereits 1869 eine industrielle Synthese entwickelt wurde. Vorlage:Formel Zu den Anthrachinonfarbstoffen gehören die aus Schildläusen gewonnenen Insektenfarbstoffe Karminsäure, Kermessäure und die Laccainsäuren. Der Farbstoff Karmin mit dem Hauptbestandteil Karminsäure wird beispielsweise als zugelassener Lebensmittelfarbstoff E 120 verwendet.

Synthetische Anthrachinonfarbstoffe

Die Synthese der meisten Anthrachinonfarbstoffe geht von Anthrachinon-1-sulfonsäure (2) oder 1-Nitroanthrachinon (3) aus, die man durch Sulfonierung, bzw. Nitrierung von Anthrachinon (1) erhält. Vorlage:Formel Die Sulfonierung in der α-Position ist reversibel und sowohl die Sulfonsäuregruppen als auch die Nitrogruppen lassen sich relativ einfach durch Amino-, Alkylamino-, Hydroxy- und Alkoxy-Gruppen austauschen. Aminoanthrachinon (4) ist durch Umsetzung von Anthrachinonsulfonsäure mit Ammoniak oder durch Reduktion von Nitroanthrachinon zugänglich.<ref>Klaus Hunger (Hrsg.): Industrial Dyes: Chemistry, Properties, Applications. WILEY-VCH Verlag, Weinheim 2003, ISBN 978-3-662-01950-4, S. 200 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Ein wichtiges Zwischenprodukt für viele saure Anthrachinonfarbstoffe ist die Bromaminsäure (1-Amino-4-bromanthrachinon-2-sulfonsäure) (6), die ausgehend von 1-Aminoanthrachinon (4), über eine Sulfonierung mit Chlorsulfonsäure und anschließender Bromierung zugänglich ist. Vorlage:Formel Durch Austausch des Bromsubstituenten durch ein aliphatisches oder aromatisches Amin erhält man brillante blaue Farbstoffe.<ref>Heinz-Gerhard Franck, Jürgen W. Stadelhofer: Industrielle Aromatenchemie: Rohstoffe · Verfahren · Produkte. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 1978, ISBN 978-3-662-07876-1, S. 365 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Beispielsweise lässt sich Bromaminsäure mit 2-((3-Aminophenyl)sulfonyl)ethanol (7) zu dem brillantblauen Farbstoff (8) (Oxysulfonblau) kondensieren, aus dem man nach Veresterung mit Schwefelsäure den Reaktivfarbstoff C.I. Reactive Blue 19 erhält. Vorlage:Formel Reactive Blue 19 ist einer der ältesten, bereits 1949 patentierten<ref>Patent DE965902: Verfahren zum Fixieren wasserloeslicher organischer Verbindungen auf Unterlagen faseriger Struktur. Angemeldet am 19. Juli 1949, veröffentlicht am 19. September 1957, Anmelder: Hoechst AG, Erfinder: Johannes Heyna, Willy Schumacher.</ref> und nach wie vor wichtigsten Reaktivfarbstoffe.<ref>Patent DE4422160: Verfahren zur Herstellung von C.I. Reactive Blue 19. Angemeldet am 24. Juni 1994, veröffentlicht am 1. April 1996, Anmelder: Hoechst AG, Erfinder: Andreas Von Der Eltz.</ref>

Der erste synthetische Küpenfarbstoff auf Anthrachinon-Basis war Indanthron (C.I. Vat Blue 4) – dessen Synthese 1901 durch René Bohn entwickelt wurde: Vorlage:Formel Durch Dimerisierung von 2-Aminoanthrachinon (1) unter stark alkalischen Bedingungen bei 220–235 °C erhält man in zwei Schritten die Zwischenstufe 3, die intramolekular cyclisiert und zum Indanthron 5 oxidiert wird.<ref>Heinrich Zollinger: Color Chemistry: Syntheses, Properties, and Applications of Organic Dyes and Pigments. 3. Auflage. WILEY-VCH Verlag, Weinheim 2003, ISBN 3-906390-23-3, S. 289 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Einzelnachweise

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