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Toluidine

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Die Toluidine (auch als Aminotoluole (Aminotoluene) bzw. Methylaniline bekannt) bilden eine Stoffgruppe in der Chemie und sind aromatische Verbindungen mit einer Methylgruppe (–CH3) und einer Aminogruppe (–NH2) als Substituenten am Benzolring. Durch unterschiedliche Anordnung der Substituenten (ortho, meta oder para) ergeben sich drei Konstitutionsisomere mit der Summenformel C7H9N. Sie sind in erster Linie als Vorprodukte bei der Herstellung von Farbstoffen und Pigmenten von Bedeutung.

Vertreter

Toluidine
Name o-Toluidin m-Toluidin p-Toluidin
Andere Namen 2-Methylanilin,
1,2-Methylanilin,
1,2-Aminotoluol,
o-Tolylamin
3-Methylanilin,
1,3-Methylanilin,
1,3-Aminotoluol,
m-Tolylamin
4-Methylanilin,
1,4-Methylanilin,
1,4-Aminotoluol,
p-Tolylamin
Strukturformel Struktur von o-Toluidin Struktur von m-Toluidin Struktur von p-Toluidin
CAS-Nummer Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN
PubChem 7242 7934 7813
ECHA-InfoCard Vorlage:ECHA Vorlage:ECHA Vorlage:ECHA
Summenformel C7H9N
Molare Masse 107,16 g·mol−1
Aggregatzustand flüssig fest
Kurzbeschreibung farblos bis gelblich, verfärben sich an der Luft allmählich rotbraun
Schmelzpunkt −24,4 °C (alpha)
−16,3 (beta) °C<ref name="GESTIS_o"/>
−31 °C<ref name="GESTIS_m"/> 45 °C<ref name="GESTIS_p"/>
Siedepunkt 200 °C<ref name="GESTIS_o"/> 203 °C<ref name="GESTIS_m"/> 200 °C<ref name="GESTIS_p"/>
Dichte (20 °C) 0,9984 g·cm−3<ref name="Ullmann"/> 0,989 g·cm−3<ref name="Ullmann"/> 0,9619 g·cm−3<ref name="Ullmann"/>
Brechungsindex 1,5728<ref name="Ullmann"/> 1,5670<ref name="Ullmann"/> 1,5534<ref name="Ullmann"/>
pKs-Wert<ref name="CRC"/>
(der konjugierten
Säure BH+)
4,44 4,70 5,08
Löslichkeit 15 g·l−1 (20 °C)<ref name="GESTIS_o"/> 10 g·l−1 (20 °C)<ref name="GESTIS_m"/> 7,5 g·l−1 (20 °C)<ref name="GESTIS_p"/>
wenig löslich in Wasser
Flammpunkt 85 °C<ref name="Ullmann"/> 86 °C<ref name="Ullmann"/> 87 °C<ref name="Ullmann"/>
Zündtemperatur 482 °C<ref name="Ullmann"/> 482 °C<ref name="Ullmann"/> 482 °C<ref name="Ullmann"/>
GHS-
Kennzeichnung

o<ref name="GESTIS_o"/>, m<ref name="GESTIS_m"/>, p<ref name="GESTIS_p"/>
aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP)
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahr
H- und P-Sätze 301+331​‐​319​‐​350​‐​410<ref name="GESTIS_o" /> 301+311+331​‐​373​‐​410<ref name="GESTIS_m" /> 301+311+331​‐​317​‐​319​‐​351​‐​410<ref name="GESTIS_p" />
keine EUH-Sätze
202​‐​261​‐​273​‐​301+310
304+340+311​‐​305+351+338<ref name="GESTIS_o" />
273​‐​280​‐​301+310
302+352+312​‐​304+340+311​‐​314<ref name="GESTIS_m" />
273​‐​280​‐​301+310​‐​302+352+312
304+340+311​‐​305+351+338<ref name="GESTIS_p" />
Toxikologie 670 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="GESTIS_o" /> 450 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="GESTIS_m" /> 336 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="GESTIS_p" />

Darstellung

Die Toluidine werden aus Nitrotoluolen (aus Toluol durch Nitrierung zugänglich) durch Reduktion hergestellt. Die Reduktion kann zum einen mit Eisen, Essigsäure und Salzsäure durchgeführt werden (Béchamp-Reduktion). Heute überwiegt die katalytische Hydrierung mit Raney-Nickel. Als Lösungsmittel werden hier oft niedere, aliphatische Alkohole (Methanol, Ethanol, 1-Propanol oder 2-Propanol) eingesetzt. Die Hydrierung findet in der Regel bei Drücken zwischen 3 bar und 20 bar H2-Druck (sog. Niederdruckhydrierung) oder bei 20 bis 50 bar (sog. Mitteldruckhydrierung) statt.

Eigenschaften

Die Toluidine besitzen nahezu gleich hohe Siedepunkte, unterscheiden sich dagegen deutlich in ihren Schmelzpunkten. Das p-Toluidin besitzt aufgrund seiner Symmetrie den höchsten Schmelzpunkt und ist ein Feststoff.

Die Toluidine sind schwache Basen, ihre (pKS-Werte) liegen in der gleichen Größenordnung wie Anilin (4,603<ref name="CRC"/>).

Die Dampfdruckfunktionen ergeben sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) wie folgt:

Dampfdruckfunktionen der Toluidine
T (K) A B C
o-Toluidin<ref name="Dreisbach">R.R. Dreisbach, S.A. Shrader: Vapor Pressure-Temperature Data on Some Organic Compounds, in: Ind. Eng. Chem. 41 (1949), S. 2879–2880.</ref> 391,6–473,4 4,19168 1617,232 −87,126
m-Toluidin<ref name="Dreisbach"/> 394,9–476,5 4,19983 1618,386 −90,631
p-Toluidin<ref name="Stull">D.R. Stull: Vapor Pressure of Pure Substances Organic Compounds, in: Ind. Eng. Chem. 39 (1947), S. 517–540.</ref> 315–473,5 4,71884 1961,716 −57,0

Reaktionen

Die Toluidine bilden mit starken anorganischen und organischen Säuren stabile Salze.

Die wichtigsten Reaktionen sind die

Das chemische Verhalten der Toluidine wird also (wie beim Anilin) durch den aromatischen Kern und die Aminogruppe bestimmt.

Verwendung

Die Toluidine hatten früher fast ausschließlich als Zwischenprodukte zur Herstellung von Farbstoffen und Pigmenten sehr große Bedeutung. Ortho-Toluidin darf nach reduktiver Spaltung von Azogruppen nicht von Textilien oder Ledererzeugnissen, die längere Zeit mit der menschlichen Haut direkt in Berührung kommen, freigesetzt werden (Anlage 1 der Bedarfsgegenständeverordnung). Mittlerweile werden auch einige Herbizide auf Basis dieser Verbindungen hergestellt. o- und p-Toluidin sind wichtige Ausgangsstoffe zur Herstellung von Chlortoluidinen und nitrierten Toluidinen. Diese dienen, neben den Toluidinsulfonsäuren, zur Herstellung von Pharmazeutika, Farbstoffen und Pigmenten.

Über eine Diazotierung (und anschließende „Verkochung“) können aus den Toluidinen die Kresole erhalten werden.

Literatur

  • J.S. Bowers, Jr.: Toluidines in Ullmann’s Encyclopedia of Industrial Chemistry, 2012 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim, doi:10.1002/14356007.a27_159.

Einzelnachweise

<references> <ref name="CRC">CRC Handbook of Tables for Organic Compound Identification, Third Edition, 1984, ISBN 0-8493-0303-6.</ref> <ref name="Ullmann">J.S. Bowers, Jr.: Toluidines in Ullmann’s Encyclopedia of Industrial Chemistry, 2012 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim, doi:10.1002/14356007.a27_159.</ref> <ref name="GESTIS_o">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> <ref name="GESTIS_m">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> <ref name="GESTIS_p">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> </references>

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