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Lola Randl

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Lola Randl, Brustbild, sie schaut in die Kamera und lächelt, dahinter unverputzte Wand
Lola Randl (2026)

Lola Randl <phonos file="Lola-randl-prununciation-2024.ogg">anhören</phonos>/? (* 1980 in München) ist eine deutsche Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Im Mittelpunkt ihres Schaffens stehen Fragen nach modernen Vergesellschaftungsformen. Zwischen fiktionalen und autofiktionalen Gedankenwelten pendelnd, agiert die Künstlerin als Beobachterin, Erzählerin und Gestalterin. Entscheidende Inspirationen schöpft sie aus der Beschäftigung mit Vorgängen in der Natur.<ref name=":0">Lola Randl im Interview mit Denis Scheck: Druckfrisch: Lola Randl: 'Der lebende Beweis'. In: Literaturgesprächssendung des NDR/SWR, ausgestrahlt am 15.02.2026, verfügbar bis 15.02.2031. Abgerufen am 11. April 2026.</ref><ref name=":3">Lola Randl über Wachsen und Vergehen | Demeter. Abgerufen am 13. April 2026.</ref>

Leben und Wirken

Lola Randl wurde 1980 als Tochter der Landschaftsarchitektin Marie Randl-Entrup und des Komponisten Joe Mubare geboren. Sie wuchs abwechselnd bei ihrer Mutter, in einer Öko-Kommune in der Oberpfalz, und bei ihrem Vater in München auf.

Von 2001 bis 2006 studierte sie an der Kunsthochschule für Medien in Köln und war 2007 Absolventin der Drehbuchwerkstatt München. Während ihrer Ausbildung entstanden erste, zum Teil preisgekrönte Kurzfilme.<ref name=":2">Lola Randl filmportal.de. Abgerufen am 14. April 2026.</ref>

Ihr Spielfilmdebüt gab sie 2008 mit dem Film Die Besucherin. Lola Randl schildert darin das Leben einer erfolgreichen jungen Wissenschaftlerin und Mutter. Ein plötzliches Ereignis verhilft dieser, sich aus ihren bis ins Kleinste geregelten Routinen zu lösen. Sie wacht buchstäblich in einem neuen Leben auf, das ihres sein könnte.<ref>Stadtgame: Die Besucherin. In: Stadtgame.com. 28. Juli 2023, abgerufen am 13. April 2026.</ref> Der Film wurde im Rahmen der Berlinale uraufgeführt und für den Prix Genève-Europe nominiert. Er rangierte in der Kategorie „Beste Fiction: Drehbuch eines Nachwuchsautoren“.

Große Resonanz fand auch die zwischen 2007 und 2010 gedrehte sechsteilige Kurzfilm-Serie, Die Leiden des Herrn Karpf. Für die dritte Episode Geburtstag wurde Lola Randl mit dem Prix UIP (European Short Film) ausgezeichnet.<ref name=":2" /> Die Serie entstand in enger Zusammenarbeit mit dem österreichischen Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Rainer Egger.

Einschneidend und in jeglicher Hinsicht folgenreich waren die Erfahrungen, die die 2011 begonnenen Dreharbeiten zu ihrem zweiten Langfilm mit sich brachten. Die Erfindung der Liebe sollte verratene, instrumentalisierte Liebe thematisieren. Die Künstlerin sah sich jedoch mit dem plötzlichen Tod der jungen Hauptdarstellerin Maria Kwiatkowsky konfrontiert.<ref>Kritik zu Die Erfindung der Liebe | epd Film. Abgerufen am 13. April 2026.</ref><ref>Oliver Kaever: Kino: Die Erfindung der Liebe mit Maria Kwiatkowsky. In: Der Spiegel. 1. Mai 2014, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. April 2026]).</ref>

In einer Phase des Innehaltens und der Trauer, drehte Lola Randl Die Libelle und das Nashorn, eine Komödie, in der es um die Nähe zweier ungleicher Menschen geht, einer jungen Schriftstellerin und einem alternden Schauspielerstar. Der Film feierte beim Münchner Filmfest Premiere.<ref name=":2" />

Parallel dazu nahm Randl die Arbeit an dem zuvor begonnenen Film wieder auf. Sie entschloss sich, das Drehbuch umzuschreiben und im Zuge dessen den Tod der Darstellerin zu integrieren.

Diese Lösung, in der sich Kunst und Leben symbiotisch verbinden, sollte für das weitere Werk von Lola Randl bestimmend werden. Zunehmend überlagerten und befruchteten sich in den folgenden Jahren künstlerische Visionen und Lebensentwurf. Dabei wirkt die Freiheit der Kunst verstärkend auf das Loslassen von habitualisierenden Vorstellungen und Normen in die alltägliche Lebenspraxis zurück:

So erwarb Lola Randl 2014 gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und Arbeitspartner Philipp Pfeiffer die alte Schlossgärtnerei in Gerswalde, einem nur spärlich besiedelten Ort in der Uckermark. Ursprünglich war dieser Wirtschaftsbetrieb mit der Pflege eines im 19. Jh. angelegten Parks betraut. Auch umfasste die Gärtnerei verschiedene Gebäude, wie etwa ein Palmenhaus. Unter der metaphorischen Bezeichnung Der Große Garten entwickelte Lola Randl Gerswalde zum kulturell anspruchsvollen Ausflugs- und Sehnsuchtsort Berliner und internationaler Dorfromantiker. Dies traf in der uckermärkischen Gemeinde nicht auf ungeteiltes Gefallen. Hier wurde der plötzliche Zuzug vielmehr kontrovers aufgenommen.<ref name=":1" /><ref>Berlins 13. Bezirk: Das Hipsterdorf in der Uckermark. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 13. April 2026]).</ref>

Diese persönlichen Erfahrungen bildeten Ausgangspunkt und Gegenstand weiterer filmischer, wie literarische Arbeiten: die Fernseh-Serie „Landschwärmer“ (WDR, 2 Staffeln; Folgen 2011–2014), schildert beispielsweise die Landsehnsucht verschiedener Städter und kontrastiert sie auf luzide bis ironische Weise mit der Lebensrealität der Dorfbewohner. Auch der Dokumentarfilm Von Bienen und Blumen (DE 2018), der in der Reihe Neues Deutsches Kino im Juli 2018 beim Münchner Filmfest aufgeführt wurde, reflektiert das experimentelle Dorfleben in der brandenburgischen Uckermark.<ref>FFMUC 2018: Von Bienen und Blumen, Filmlöwin 3. Juli 2018, abgerufen am 6. Juli 2018.</ref><ref>Filmfest München. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. November 2019; abgerufen am 14. April 2026.</ref><ref name=":1">Stadt-Bewohner auf dem Land: Ein Dorf voller Konflikte. 3. Oktober 2021, abgerufen am 13. April 2026.</ref>

2019 erschien schließlich ihr erster autofiktionaler Roman mit dem namensgleichen Titel Der Große Garten. Die Publikation wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert und fand großes mediales Echo.<ref>www.deutscher-buchpreis.de</ref><ref>Verena Auffermann für deutschlandfunkkultur.de: Lola Randl: "Der große Garten" - Neurotische Städterin in der Uckermark. 9. März 2019, abgerufen am 13. April 2026.</ref><ref>Lola Randl über Wachsen und Vergehen | Demeter. Abgerufen am 13. April 2026.</ref>

In ihrem zweiten Roman Die Krone der Schöpfung (2020), gewann die Skepsis der Autorin an der verwirklichten Lebensordnung in Gerswalde Oberhand. Aus Sicht einer Landbewohnerin werden gesellschaftliche Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemieerfahrungen geschildert.<ref>Gustav Seibt: Menschen, Viren, Zombies. Definitorisch gelifteter Alltag: Lola Randl läutet die zweite Welle der Corona-Literatur ein. In: Süddeutsche Zeitung, 22. Oktober 2020, S. 10.</ref><ref>Eva Biringer: Lola Randl: Zombie-Corona auf dem Lande. In: Die Zeit. 1. Oktober 2020, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 13. April 2026]).</ref> Noch deutlicher spürbar werden Randls Zweifel in dem 2022 erschienenen Roman Angsttier: der Protagonist droht allmählich den Verstand zu verlieren.<ref>…wenn du die Luft anhältst und lauschst. 4. Februar 2024, abgerufen am 13. April 2026.</ref> Auch in dem Roman Der lebende Beweis (2026) verarbeitete Randl ihre wachsende Entfremdung von jener dörflichen Lebensordnung, die sie in der Uckermark geschaffen und gelebt hatte. Zugleich zieht sie mit sich selbst ins Gericht, um sich am Ende für einen Neubeginn zu öffnen: „Vor mir liegt ein unbeschriebenes Blatt und es fühlt sich an, als hätte ich alle Zeit der Welt“, lautet der letzte Satz.<ref name=":0" /> Lola Randl hält den zyklischen Verlauf der Natur, das Wieder-Verschwinden, das einem starken Wachsen folgt, für eine wichtige Dynamik, die als Maxime glückender Selbstentfaltung dienen kann.<ref name=":3" />

ehemalige Werkstatt, im Vordergrund links ein Zitronenbäumchen, in der Mitte Holzstühle und Plastiktisch, rechts im Anschnitt eine Küchenarbeitsplatte
Blick in die „Officina Città“ (2026)

In diesem Sinne hat sie während ihrer Zeit als Villa Massimo-Stipendiatin in Rom (2024/2025) den Grundstein für ein mögliches Schwesterprojekt für Den Großen Garten in Gerswalde gelegt.<ref>Villa Massimo | Lola Randl. Abgerufen am 14. April 2026.</ref> Unter dem Eigennamen Officina.Città, der nicht von ungefähr an die legendäre Filmstadt Cinecittà erinnert, soll eine ausgediente römische Autowerkstatt zu einem neuen Lebens- und Begegnungsort werden, den die Künstlerin als planetarischen Garten versteht. Hier hat sie der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck im Februar 2026 aufgesucht, um über das Buch Der lebende Beweis zu sprechen.<ref name=":0" />

Filmografie (Auswahl)

  • 2001: Vom Bett aus bedacht (Kurzfilm), (Drehbuch und Regie)
  • 2003: Geh aus mein Herz (Kurzfilm), (Drehbuch, Regie, Schnitt)
  • 2004: Nachmittagsprogramm (Kurzfilm), (Drehbuch und Regie)
  • 2006: Wohlfühlwochenende (Kurzfilm), (Drehbuch und Regie)
  • 2005/2006: Verena Verona (Kurzfilm), (Drehbuch, Regie, Produktion)
  • 2007: Die Leiden des Herrn Karpf: Morbus Bechterew (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera, Regie, Produktion)
  • 2007/2008: Die Besucherin, (Drehbuch und Regie)
  • 2008: Die Leiden des Herrn Karpf: Der Besuch (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
  • 2009: Die Leiden des Herrn Karpf: Der Geburtstag (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
  • 2009/2010: Die Leiden des Herrn Karpf: Die Bekanntschaft (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
  • 2010: Die Leiden des Herrn Karpf: Die Gehirnerschütterung (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
  • 2010: Die Leiden des Herrn Karpf: Der Steuerausgleich (Kurzfilm), (Drehbuch, Kamera und Regie, zusammen mit Rainer Egger)
  • 2012: Die Libelle und das Nashorn, (Drehbuch und Regie)
  • 2011–2013: Die Erfindung der Liebe, (Drehbuch und Regie)
  • 2013–2014: Landschwärmer (Fernsehserie, Drehbuch, Regie, Produktion)
  • 2016–2017: Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer? (Drehbuch und Regie)
  • 2018: Von Bienen und Blumen (Regie, Drehbuch, gemeinsam mit Sonja Fröhlich und Kamera)
  • 2022: Theorie und Praxis: fünfteilige Doku-Serie im Diskussionsformat für arte-TV mit Anke Stelling zur Frage, wie sich auf dem Land ein gutes Leben realisieren lässt.

Bücher

  • Der Große Garten. Roman. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2019, ISBN 978-3-95757-709-2.
  • Die Krone der Schöpfung. Roman. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2020, ISBN 978-3-7518-0006-8.
  • Angsttier. Roman. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0060-0.
  • Der lebende Beweis. Roman. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2026, ISBN 978-3-7518-1063-0.

Auszeichnungen

Literatur

  • Theo Breuer: Zwanzig Tage – Zwanzig Romane : Ein Buchspiel. In: Matrix. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 58. Ausgabe, Pop Verlag, Ludwigsburg 2019, S. 7–167.

Weblinks

Commons: Lola Randl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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