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Emil Steffann

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Datei:Emil Steffann.jpg
Emil Steffann

Emil Steffann, häufige Schreibweise: Emil Steffan, (* 30. Januar 1899<ref>Günter Rombold: Der Architekt Emil Steffann 1899 - 1968. In: Christlicher Kunstverein der Diözese Linz (Hrsg.): Christliche Kunstblätter. Linz Juni 1969, S. 49.</ref> in Gadderbaum, heute Bielefeld; † 23. Juli 1968 in Bonn)<ref>Nikolaus Rosiny: Gedenken an Emil Steffann. In: Ulrich Conrads (Hrsg.): Bauwelt. 59. Jahrgang, Nr. 34. Ullstein GmbH, Berlin 19. August 1968, S. 1052.</ref> war ein deutscher Architekt, der vor allem auf dem Gebiet Kirchen- und Klosterarchitektur wirkte.

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Franziskanerkirche St. Marien, Köln
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St. Laurentius, München
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St. Elisabeth, Opladen
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St. Bonifatius Krefeld (Stahldorf)
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St. Bonifatius in Dortmund
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St. Maria in den Benden, Düsseldorf-Wersten
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St. Mariä Himmelfahrt in Oedekoven
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St. Nikolaus in Velbert-Langenhorst
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St. Remaclus, Cochem-Cond/Mosel

Leben

Emil Steffann war der Sohn eines Arztes der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Seine Vorfahren waren Hugenotten. Er besuchte das Evangelisch Stiftische Gymnasium Gütersloh, wo er 1919 auch die Reifeprüfung ablegte.<ref>Friedrich Fliedner: 75 Jahre Gütersloher Gymnasium. Verlag F. Tigges, Gütersloh 1926. Dritte Seite: Festschrift zur Feier des 75jährigen Bestehens des Evangelisch-stift. Gymnasiums zu Gütersloh und der Grundsteinlegung zum Gymnasialneubau am 16., 17. und 18. August 1926. S. 82, Nr. 1379.</ref> Nach dem Kriegsdienst 1917/1918 im Ersten Weltkrieg als Luftauskundschafter besuchte er bis 1921 die Bildhauerklassen von Hans Perathoner an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld und der Kunstgewerbeschule Berlin. 1921 baute er in Lübeck für seine Mutter und Geschwister sein erstes Wohnhaus, unternahm bis 1928 Reisen, vielseitige autodidaktische Studien in Architekturbüros und auf Baustellen, die er auf Anraten von Walter Gropius an der Baugewerkschule Lübeck (Prof. Münch) abschloss, und wurde Architekt.

1926 lebte Steffann in Italien, arbeitete in Assisi mit dem dänischen Bildhauer Chresten Skikkild zusammen, wurde, tief beeindruckt von Assisi und dem Heiligen Franz von Assisi, Katholik und wandte sich Fragen des Kirchenbaus zu. 1931, anlässlich seines Besuches der Fronleichnamskirche (Rudolf Schwarz mit Hans Schwippert) in Aachen, befreundete er sich mit Rudolf Schwarz und wurde Mitglied der katholischen Jugendbewegung Quickborn auf Burg Rothenfels um Romano Guardini und Heinrich Kahlefeld, die eine Erneuerung der Liturgie und des Kirchenbaus anstrebten. Rudolf Schwarz übertrug Steffann die Bauleitung seines für Guardini entworfenen Wohnhauses in Berlin und gemeinsam entwickelten sie einen Vorschlag zum Neubau der Pfarrkirche St. Anna in Berlin-Lichterfelde.<ref>Rudolf Schwarz, Emil Steffann: Planmappe Sankt Anna. Hrsg.: Manfred Sundermann. BoD, 2023, ISBN 978-3-7534-7754-1.</ref>

In Lübeck entwarf Steffann Untergrund- und Hauskirchen für vom Nationalsozialismus bedrängte Katholiken (u. a. in Schlutup) und beschäftigte sich mit kleinen Bauaufgaben in dieser katholischen Diaspora.

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St. Remaclus. Innenraum

Von 1941 bis 1944 übernahmen Emil Steffann und Rudolf Schwarz Bau- und Planungsaufgaben im von den Deutschen besetzten Lothringen. Dort lernte Steffann Rudolf Steinbach kennen und befasste sich mit dem Wiederaufbau kriegszerstörter Dörfer.<ref>Gerhild Krebs: Emil Steffann. (PDF) In: Aus: Stätten grenzüberschreitender Erinnerung – Spuren der Vernetzung des Saar-Lor-Lux-Raumes im 19. und 20. Jahrhundert. Lieux de la mémoire transfrontalière – Traces et réseaux dans l’espace Sarre-Lor-Lux aux 19e et 20e siècles, Saarbrücken 2002, 3., technisch überarbeitete Auflage 2009. Publiziert als CD-ROM sowie im Internet unter www.memotransfront.uni-saarland.de. Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild Krebs, Johannes Großmann, 2002, abgerufen am 17. März 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In Boust errichtete er aus Kriegstrümmern an der alten Römerstraße ein Landarbeiterhaus und schuf mit seiner Gemeinschaftsscheune eine neue Dorfmitte. Seine Bauauffassung fasste er 1950 in seinem Beitrag Wiederaufbau aus Trümmern in der Architekturzeitschrift Baumeister<ref>Emil Steffann: Wiederaufbau aus Trümmern. Dargelegt an einem alten Dorf in Lothringen (1943/44). In: Dr. Rudolf Pfister unter Mitwirkung des Bundes Deutscher Architekten BDA (Hrsg.): Baumeister. 47.Jahrgang, Heft 8. Hermann Rinn - Georg D.W.Callwey, München 1. August 1950, S. 489–497.</ref> zusammen.<ref>Gisberth Hülsmann: Emil Steffann 1899–1968, Emil Steffanns Skizzen zur zerstörten Ortsmitte von Bust. Werk, Bauen + Wohnen, 1981, abgerufen am 15. Juli 2017.</ref> Mit Hilfe der freitragenden Dachkonstruktion, die er patentieren ließ, errichtete Steffann eine stützenfreie Halle, die über ein großes Scheunentor erschlossen wurde, für ihn eine Kirche bedeutete und zum Leitbild wurde.<ref>Gisberth Hülsmann: Die Notscheune im lothringischen Boust. Ein Leitbild. In: Conrad Lienhardt, Kunstreferat der Diözese Linz (Hrsg.): Reihe Kirchenbau. 2: Emil Steffann (1899–1968). Werk.Theorie.Wirkung. Schnell & Steiner, Regensburg 1999, ISBN 3-7954-1227-7, S. 41 - 48.</ref> Er entwickelte Gedanken über ein sinngerechtes Bauen, was für ihn ein material-, konstruktions- und ortsgerechtes Bauen voraussetzte, und verfasste die Baufibel für Lothringen.<ref>Emil Steffann: Baufibel für Lothringen. In: arch+ 72. arch+, 1. Dezember 1983, abgerufen am 17. Februar 2020.</ref> 1944 wurde Steffann mit Frau und Tochter in Frankreich zivilinterniert; 1946 kehrte er nach Lübeck zurück.

Dort setzte er sich als Mitglied des Denkmalrates für den erhaltenden Wiederaufbau der kriegszerstörten Altstadt ein<ref>Emil Steffann: Bewahrung aus Ehrfurcht. In: Ulrich Conrads und Peter Neitzke (Hrsg.): Die Städte himmeloffen, Reden und Reflexionen über den Wiederaufbau des Untergegangenen und die Wiederkehr des Neuen Bauens 1948/49. Bauweltfundamente, Nr. 125. Birkhäuser, Basel, Boston, Berlin 2003, ISBN 3-7643-6903-5, S. 180–185.</ref>, die er auch durch einen angemessenen Verkehrsplan bewahren wollte.<ref>Emil Steffann: Gerettete Altstadt und moderner Verkehr – Eine Demonstration am Beispiel Lübeck. Die Zeit, 6. März 1947, abgerufen am 19. März 2018.</ref> 1947 holte Rudolf Schwarz ihn nach Köln, wo Steffann bis 1949 das Siedlungswerk der Erzdiözese Köln leitete.<ref>Michael Werling: Emil Steffann oder der diskrete Charme der 1950er Jahre. In: Landschaftsverband Rheinland, LWL Amt für Denkmalpflege im Rheinland (Hrsg.): Denkmalpflege im Rheinland. 32.Jahrgang, 4 - 4.Vierteljahr 2015. Klartext, Essen 2015, S. 175–184.</ref> 1949 bezog Steffann mit seiner Familie ein kleines Holzfertighaus (Architekt Alfons Leitl) in Mehlem. Dieses Haus wurde zu seiner Wohn- und Werkstatt bis zu seinem Tod 1968. In dieser Zeit baute er mit seinem Bauatelier<ref>Manfred Sundermann: Holz und Stein werden Dich lehren ... Schule des unbefangegen Bauens: Emil Steffann (1899–1968) Mitarbeiter, Schüler. In: Conrad Lienhardt, Kunstreferat Linz (Hrsg.): Reihe Kirchenbau. Band 2. Schnell & Steiner, Regensburg 1999, ISBN 3-7954-1227-7, S. 65 - 92.</ref> zahlreiche Kirchen, Klöster und Sozialbauten. Wichtige Mitarbeiter wurden Siegfried Östreicher, Nikolaus Rosiny, Paul Georg Hopmann, Heinz Bienefeld und Gisberth Hülsmann.

Steffanns letztes Werk war die Pfarrkirche St. Remaclus in Cochem-Cond. Zwei Monate nach der Konsekrierung dieser Kirche starb er im Juli 1968 an den Folgen eines Autounfalls.<ref>Pfarrkirche Sankt Remaclus. In: archINFORM; abgerufen am 28. April 2019.</ref>

Ehrungen

Für sein beispielgebendes Wirken im Kirchenbau wurden Steffann 1964 die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Darmstadt und der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und 1965 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.

Zitat

„Die Möglichkeiten neuer Gestaltung innerhalb einer jahrhundertealten Tradition sind beschränkt. Sie sind in dem sehr langsamen Wachstum der Idee beschlossen. welche der Tradition zugrunde liegt. Künstlerische Eigenwilligkeiten finden deshalb auf die Dauer keinen Nährboden, soweit sie nicht die in der Idee selbst schlummernden Möglichkeiten ans Licht bringen.“<ref>Emil Steffann: Besinnung. In: Alfons Leitl (Hrsg.): Baukunst und Werkform. Nr. 3. Verlag Nürnberger Presse, 1957.</ref>

Rezeption (Auswahl)

  • 1969 widmeten die Christlichen Kunstblätter Emil Steffann ein Heft<ref>Bischof Hermann Volk, Nikolaus Rosiny, Günter Rombold, Alfons Leitl, Heinrich Bartmann, Heinrich Kahlefeld, Hugo Kükelhaus, Gisberth Hülsmann: Der Architekt Emil Steffann 1899 - 1968. In: Christlichen Kunstverein der Diözese Linz (Hrsg.): Christliche Kunstblätter. Nr. 3. Linz Juni 1969, S. 49 - 75.</ref>
  • 1979 erinnerte die Bauwelt an Emil Steffann<ref>Ulrich Conrads, Herbert Muck, Gisberth Hülsmann, Manfred Sundermann: Zeitgemäßes - Unzeitgemäßes. In: Bauwelt. Nr. 19. Berlin 18. Mai 1979, S. 766 - 787.</ref>
  • 1980 zeigte die Kunsthalle Bielfeld in der Studiogalerie die Ausstellung Emil Steffann (kuratiert von Gisberth Hülsmann mit Manfred Sundermann in Zusammenarbeit mit Ulrich Weisner und Herbert Muck)<ref>Manfred Sack: Vollkommene Einfachheit. Die Zeit, 5. Dezember 1980, abgerufen am 13. Mai 2019.</ref>
  • 1981 eröffnete die Akademie der Architektenkammer NRW in der Kunstakademie Düsseldorf die von Manfred Sundermann kuratierte Wanderausstellung Zwei Rheinische Baumeister des XX. Jahrhunderts Rudolf Schwarz und Emil Steffann mit dem Symposium Über die Rückführung der Architektur auf die Philosophie.
  • Die Archives d’architecture moderne, AMA Brüssel, stellten in der Nr. 21-1981, sein Werk vor.
  • Die Architektur-Biennale Venedig 1992 Sakrale Architektur widmete sich dem Schaffen des Bauateliers Emil Steffann.
  • Conradt Lienhardt veröffentlichte 1999 zur Ausstellung in der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und im Franz Hitze Haus Münster die Monografie Emil Steffann (1899–1968) Werk/Theorie/Wirkung. ISBN 3-7954-1227-7
  • 1999 veröffentlichte Susanne Grexa ihre Doktorarbeit Der Architekt Emil Steffann 1899–1968. Der Verzicht auf Originalität als Programm. (Microfiche)
  • 2009 veröffentlichte der italienische Architekt und Bauhistoriker Tino Grisi seinen Essay Handlung ist alles, Form ist nichts. Die Wandlung des Raumes: Romano Guardini und Emil Steffann zum 40. Todesjahre. (deutsch/italienisch) und 2014 seine Doktorarbeit „Können wir noch Kirchen bauen?“ Emil Steffann und sein Atelier. ISBN 978-3-7954-2872-3
  • 2017 veranstaltete der Lehrstuhl für Architekturgeschichte der RWTH Aachen das Seminar „Gebaute Einfachheit – Zum Werk des Architekten Emil Steffann (1899–1968)“" zur Vorbereitung einer Ausstellung über Emil Steffann<ref>Caroline Helmenstein: Gebaute Einfachheit – Zum Werk des Architekten Emil Steffann (1899–1968). RWTH Aachen, Lehrstuhl für Architekturgeschichte, abgerufen am 28. April 2017.</ref>
  • 2021 veröffentlichte Manfred Sundermann die erste chronologische Zusammenschau des Werkes von Emil Steffann unter dem Titel: „Das naheliegende Einfache – Emil Steffann und die Baukunst 1921–1968, Bericht und Dokumente“, Norderstedt 2021, ISBN 978-3-7526-8846-7<ref>Manfred Sundermann: Das naheliegende Einfache - Emil Steffann und die Baukunst 1921–1968, Bericht und Dokumente. Books on Demand, 9. April 2021, abgerufen am 29. April 2021.</ref>

Charakteristische Merkmale seines Werkes

  • ein abgeschlossenes Kirchengelände aus Mauern und Höfen, die vor dem Treiben und Lärm der Straße schützen
  • einen Hof vor dem Gotteshaus zur Sammlung (frühchristlichen Kirchen vergleichbar)
  • Seitliches, nicht zentrales Erschließen der Kirche über eine Raumfolge aus Höfen, Wegen und seitlichen, niedrigen Anbauten
  • massive Mauern aus Trümmermaterial, Stein (Strebepfeiler und Rundbögen, Masse und Öffnung)
  • offene Dachstühle
  • altbewährte Mauer- und Zimmermannstechniken: rau belassene Mauern aus Bruch- oder Ziegelsteinen
  • sichtbare Dachkonstruktionen
  • einfache Baukörper, -weisen und -formen
  • abgestuftes Licht.

Werk (Auswahl)

Mehrere von Emil Steffann entworfene Kirchen wurden inzwischen abgerissen oder profaniert und umgewidmet.<ref>Wolfgang Pehnt: Kirchensterben. Deutschland schleift seine Gotteshäuser, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. August 2005, S. 35, abgerufen am 19. März 2023.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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