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Pfarrkirche Dornbirn-St. Martin

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Datei:Stadtpfarrkirche St Martin, Dornbirn.jpg
Katholische Pfarrkirche hl. Martin in Dornbirn
Datei:StMartin Inside3.JPG
Innenansicht der Stadtpfarrkirche mit Blick zum Chor

Die römisch-katholische Pfarrkirche Dornbirn-St. Martin (auch: Marktkirche oder Pfarrkirche Dornbirn-Markt) steht im zentralen Stadtteil Markt in der Gemeinde Dornbirn im Bezirk Dornbirn in Vorarlberg. Sie ist dem heiligen Martin geweiht und gehört zum Dekanat Dornbirn in der Diözese Feldkirch. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz.<ref name=":0"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorarlberg – unbewegliche und archäologische Denkmale unter Denkmalschutz. (Memento vom 26. Juni 2016 im Internet Archive; PDF) Bundesdenkmalamt, Stand: 21. Juni 2016. PDF-Seite 16, Adresse: Marktplatz 1.</ref>

Lagebeschreibung

Die Kirche steht im zentralen Stadtteil Markt am Marktplatz.

Geschichte

Datei:Dornbirn Pfarrhof Umbau St. Martin.jpg
Zeichnung der Architekten Schöch und Kornberger zum Pfarrhof-Neubau mit einem projektierten, aber nicht ausgeführten Turmumbau 1901

Eine erste Erwähnung der St. Martins-Kirche ist auf 1130 datiert. Mit dem Jahre 1266 ist ein Pfarrer nachweisbar und mit dem Jahre 1401 ist eine Kirche beurkundet. 1453 entstand eine gotische Kirche, deren Turm in seiner Grundsubstanz bis heute erhalten ist. Nach einem Brand wurde die Kirche in den Jahren 1669 bis 1670 vergrößert und barockisiert. In den Jahren 1751 bis 1753 wurde ein Neubau nach den Plänen von Kaspar Koller errichtet, der Turm von 1453 beibehalten und 1767 auf die jetzige Höhe von 64 Metern aufgestockt.

In den Jahren 1839 bis 1840 erfolgte der heutige klassizistische Neubau des Kirchenschiffs, wiederum unter Erhalt des rund 60 m<ref name=":2">Anton Ulmer: Kirche St. Martin - Architektur Kirche St. Martin - Architektur. In: lexikon.dornbirn.at. Abgerufen am 11. November 2025.</ref> hohen, gotischen Turms,<ref name=":1">Unsere Kirche und Kapellen. In: pfarre-st-martin.at. Pfarrgemeinde Dornbirn Markt, abgerufen am 11. November 2025.</ref> nach den Plänen des k.k. Kreisingenieurs Martin von Kink.<ref name=":2" /> Die Weihe vollzog am 3. September 1857 der Brixener Fürstbischof Vinzenz Gasser.<ref name=":2" /> Der klassizistische Neubau war nun mit Apsis und Chor nach Westen ausgerichtet und erhielt nach Osten zum Marktplatz den Haupteingang mit einer monumentalen ionischen Tempelfassade aus sechs Freisäulen und einem klassischen Giebeldreieck. Der städtebaulich-architektonische Bruch ist bemerkenswert: „Fremdartig wirkt der tempelartige Vorhallenbau inmitten dieser Gartenstadt, umgeben von heimischen Hausformen“.<ref>Reclams Kunstführer Österreich, Baudenkmäler, Band II: Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Kärnten, Steiermark. Bearbeitet von Franz Fuhrmann, Laurin Luchner, Karl Oettinger, Erwin Heinle. Karl Ginhart, Hans Riehl. Philipp Reclam Jun., Stuttgart (o. J.), S. 71.</ref>

Ein 1901 von den Architekten Hanns Kornberger und Josef Schöch vorgelegter Plan zum klassizistischen Umbau des Kirchturms wurde nicht realisiert.

Der ursprünglich um die Kirche liegende Friedhof wurde 1842 anlässlich des Neubaus der Kirche etwa 300 Meter Luftlinie östlich hinter dem Rathaus neu errichtet, wo er noch heute als Friedhof Markt besteht. Der bisherige „alte“ Friedhof wurde aufgelassen, teilweise mit Bäumen bepflanzt und ist heute ein Teil des sogenannten Martinsparks. 1854 wurde beim alten Friedhof vom damaligen Pfarrer ein Missionskreuz errichtet.<ref>Hans Nägele: Wie das erste Gemeindeblatt in Vorarlberg entstanden ist. Feierabend Wochenbeilage zum Vorarlberger Tagblatt, 13. Jahrgang 1931, Folge 16, S. 184 f.</ref>

Architektur

Kirchenäußeres

Die Pfarrkirche St. Martin ist ein mächtiger klassizistischer Saalbau mit sechs monumentalen ionischen Säulen unter einem Satteldach und mit Rundchor, der an der Hauptgiebelfassade zum in der Stadt zentralen Marktplatz einen Säulenportikus über die gesamte Breite aufweist. Nördlich angefügt steht ein freistehender Kirchturm mit Giebelspitzhelm, der noch vom Vorgängerbau stammt. Das Tympanon des Portikus schmückt ein Mosaik mit dem Einzug Jesu in Jerusalem von Josef Huber aus dem Jahr 1924. An der Eingangswand über den drei Portalen ist ein Fresko Christus der Weltenrichter, davon links Einzug der Krieger in den Himmel mit Heiligen Martin und Maria und rechts die Kirchenlehrer Augustinus, Hieronymus und Chrysostomus und die Dichter Dante und Milton und Künstler Michelangelo, Dürer, Rubens, Signorelli und oben Kampf der bösen Geister ist ebenfalls von Josef Huber und aus dem Jahr 1923.<ref>Werner Matt: Wandgemälde St. Martin - „Die vier letzten Dinge“. In: Dornbirn Lexikon. Abgerufen am 1. Januar 2021.</ref>

Kircheninneres

Ausstattung

Der weite, breitgelagerte Saalraum wird von einer Segmentbogentonne überspannt. Pilaster und Gurte gliedern Wände und Gewölbe. Wandpfeiler trennen den eingezogenen, erhöhten Chorraum mit Apsis vom Schiff. Dort steht der Hochaltar von Johann Kaspar Rick (1808–1888).<ref name=":1" />

Im Inneren befindet sich an der Decke ein Fresko Anbetung der Könige und Hirten, mit Vertretern des Alten und Neuen Testamentes aus 1849 vom Maler Johann Kaspar Rick.<ref>E. Tiefenthaler: Rick, Johann Kaspar (1808-1888), Maler. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 9, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, ISBN 3-7001-1483-4, S. 132.</ref> Weitere Fresken stammen von Franz Plattner aus den Jahren 1876 bis 1877.

Von 1967 bis 1969 erfolgte eine Innenrestaurierung und durchgreifende Umgestaltung unter Architekt Emil Steffan.<ref name=":1" /><ref>Anton Ulmer: Ausstattung Kirche St. Martin - Ausstattung. In: lexikon.dornbirn.at. Abgerufen am 11. November 2025.</ref> Seitdem ist die Apsis nicht mehr das Orientierungsziel des Kirchenraumes, sondern dient nur noch als räumlicher Anhang. Liturgischer bedeutsam ist nun die neu gestaltete Raummitte, an der sich auch die Schritte der Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche (Taufe, Firmung, Eucharistie) ablesen lassen.<ref name=":1" /> Volksaltar und Taufstein sind Werke des Bildhauers Herbert Albrecht aus dem Jahr 1969.

Orgeln

Datei:Dornbirn Stadtpfarrkirche Orgelprospekt.jpg
Prospekt der Behmann-Orgel des Stadtpfarrkirche St. Martin

Die jetzige Kirche erhielt 1845 eine zweimanualige Orgel mit 30 Registern von Remigius Haaser (Immenstadt/Allgäu). Ab etwa 1925 sammelte die Gemeinde Geld für eine größere Orgel. Diese wurde 1927 von Josef Behmann (Sohn von Anton Behmann) aus Schwarzach mit zunächst 67, auf Kegelladen stehenden Registern erbaut. Der ungewöhnlich breit ausladende Prospekt mit insgesamt über 200, davon vielen stummen und überlangen klingenden, Pfeifen wurde nach einem Plan vom Bildhauer Thomas Mennel gefertigt. Eine Besonderheit stellen die 1928 durch Behmann ergänzten fünf, auf Schleifladen gestellten Hochdruckstimmen dar. Das Instrument verfügt somit über 72 Register auf drei Manualen und Pedal. Sie ist die mit Abstand größte Orgel Vorarlbergs und, von erneuerten Verschleißteilen abgesehen, original erhalten. Die Trakturen sind elektro-pneumatisch.

Die Orgel war bereits 1964 stark reparaturbedürftig. Ein Ersatz durch einen Neubau stand im Zuge der von 1967 bis 1969 vorgenommenen Kirchenumgestaltung zur Debatte. Verschiedene Gutachter kamen zu gegensätzlichen Ergebnissen, so dass man die Orgel stehen ließ und stattdessen 1970 die Chororgel baute. Nachdem Martin Haselböck 1984 deutlich für einen Erhalt des Behmann-Werkes plädierte<ref>Orgel Dornbirn, St. Martin. Abgerufen am 5. Januar 2022.</ref>, führte die Firma Kuhn (Männedorf) 1986 eine Restaurierung durch und stellte die durch die Abnutzung geringfügig veränderte Intonation wieder auf die des Erbauers ein.<ref>Nähere Informationen zur <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Orgel (Memento des Vorlage:IconExternal vom 18. Dezember 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.st-martin-dornbirn.at</ref> 2020/21 waren eine aufwendige Schimmelsanierung und erneute Ausreinigung von Haupt- und Chororgel fällig, welche Fa. Kuhn erledigte.<ref>Zeitungsimport VN: Große Orgel in St. Martin wird um 360.000 Euro restauriert. Abgerufen am 6. April 2025.</ref>

I Hauptwerk C–a3
1. Prinzipal mayor 16′
2. Flauto amabile 16′
3. Prinzipal primo 8′
4. Prinzipal piano 8′
5. Doppelgedeckt 8′
6. Viola baritona 8′
7. Flöte harmonique 8′
8. Salicional 8′
9. Großquinte 513
10. Oktave 4′
11. Hohlflöte 4′
12. Dolce 4′
13. Quinte 223
14. Superoktave 2′
15. Septim 117
16. Cornet IV-V 8′
17. Mixtur VI 223
18. Trompete 8′
19. Clairon 4′

Hochdruck-Register
20. Prinzipal 8′
21. Violine 8′
22. Gedeckt 8′
23. Tuba mirabilis 8′
II Schwellwerk C–a3
24. Bourdon 16′
25. Prinzipal secundo 8′
26. Tibia 8′
27. Gedeckt 8′
28. Gamba 8′
29. Quintatön 8′
30. Gemshorn 8′
31. Aeoline 8′
32. Vox coelestis 8′
33. Geigenprinzipal 4′
34. Traversflöte 4′
35. Viola d´amour 4′
36. Piccolo 2′
37. Harmonia ätherea III 223
38. Mixtur minor IV-V 2′
39. Trompete harm. 8′
40. Klarinette 8′
41. Glockenspiel (d0-d2)
III Schwellwerk C–g3
42. Quintatön 16′
43. Geigenprinzipal 8′
44. Bordun 8′
45. Viola di alta 8′
46. Konzertflöte 8′
47. Unda maris 8′
48. Dulciana 8′
49. Fugara 4′
50. Rohrflöte 4′
51. Flageolet 2′
52. Terzflöte 135
53. Cymbalo III-IV 2′
54. Vogelsang 1′
55. Oboe 8′
56. Vox humana 8′
Tremolo
Pedal C–f1
57. Mayorbaß 32′ (aus Nr. 58 + 1023′)
58. Prinzipalbaß 16′
59. Subbaß 16′
60. Violonbaß 16′
61. Harmonikabaß 16′
62. Echobaß 16′
63. Quintbaß 1023
64. Oktavbaß 8′
65. Cello 8′
66. Gedecktbaß 8′
67. Choralbaß 4′
68. Großtuba 32′
69. Hochdruck-Bombarde 16′
70. Posaune 16′
71. Baßtuba 8′
72. Baßtrompete 4′
Datei:Chororgel in St. Martin.jpg
Blick auf die Chororgel

Die Chororgel aus dem Jahre 1970 ist vom Orgelbauer Johannes Karl (Aichstetten) gebaut<ref>Dornbirn – St. Martin Haupt- und Chororgel – Orgel Verzeichnis – Orgelarchiv Schmidt. Abgerufen am 3. August 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, verfügt über 15 Register auf zwei Manualen und Pedal und hat vollmechanische Trakturen.

Konzerte

An Samstagen im Mai und Juni findet jeweils vormittags eine halbstündige „Orgelmusik zum Dornbirner Markt“ statt,<ref>Orgelmusik zum Dornbirner Markt. Abgerufen am 29. August 2024.</ref> im Herbst gibt es das „Internationale Festival Symphonische Orgelkunst“.<ref>31. Internationales Festival Symphonische Orgelkunst 2024 St. Martin - Dornbirn. Abgerufen am 29. August 2024.</ref>

Glocken

Im Turm hängen insgesamt sechs Glocken. Nachdem zwei Glocken von 1600 und 1814 im Ersten Weltkrieg für Rüstungszwecke beschlagnahmt wurden,<ref name=":1" /> sind noch zwei historische Bronzeglocken vorhanden: Die kleinste, das ehemalige Sterbeglöckchen, wurde 1731 von Johann Baptist Aporta in Bregenz gegossen und hat den Ton h2, die größere mit dem Ton ges1 stammt von Hans Malin aus Lothringen aus dem Jahr 1548. Vier Glocken wurden vom Böhlerwerk in Kapfenberg 1922 aus Gussstahl gegossen.

Das Geläut (ohne Totenglocke) erklingt in der Disposition b0–des1−es1–ges1–b1.<ref>Arlberg09: Dornbirn (Vorarlberg) Geläute (alter Zustand) der Stadtpfarrkirche St. Martin auf YouTube, 2. August 2011, abgerufen am 25. Februar 2024 (Videoaufnahme des Vollgeläuts; Laufzeit: 7:00 min).</ref>

Pfarrhof

Datei:Dornbirn Pfarrhof.jpg
Pfarrhof, Ansicht von Nordosten, links im Hintergrund St. Martin (2010)

Zum Kirchenensemble der St. Martinskirche gehört der unmittelbar nördlich neben der Kirche errichtete Pfarrhof, der als drittes Pfarrhaus an dieser Stelle 1901 nach Plänen des Dornbirner Architekten Hanns Kornberger neu errichtet wurde.<ref>Johann Peer: Denkmal Guide Vorarlberg. Dornbirn, Hohenems, Lustenau, Kummenberg. Bucher, Hohenems / Wien / Vaduz 2017, ISBN 978-3-99018-279-6, S. 16.</ref> Das repräsentative, zweigeschoßige, spätklassizistische Gebäude steht auf einem quadratischen Grundriss unter einem Flachdach mit umlaufender Attika. Nach Osten Richtung Marktplatz weist die Hauptfassade einen monumentalen, zweigeschoßigen Portikus auf, dessen ionische Säulen mit denen der Martinskirche korrespondieren. Der Pfarrhof ist denkmalgeschützt.<ref name=":0" />

2008–2009 erfolgte der Umbau des Pfarrhauses zum Pfarrzentrum und Veranstaltungsgebäude nach Plänen der Dornbirner Architekten Michael Heim und Wolfgang Ritsch, wobei der Dachausbau mit einem über die Attika hinaus erhöhten Flachdach und Oberlicht weitere Nutzungsmöglichkeiten ergab.<ref>Pfarrhof und Kirchturm - St. Martin. In: stadtarchiv.dornbirn.at. Abgerufen am 4. April 2026.</ref><ref>Pfarrzentzum St. Martin. Vermietung. In: kath-kirche-dornbirn.at. Abgerufen am 4. April 2026.</ref>

Tonträger

  • Bach’s Memento. Orgelwerke von Johann Sebastian Bach in romantischen Bearbeitungen. Johannes Geffert an der historischen Behmann-Orgel (1927/28) von St. Martin in Dornbirn (Österreich). 2000, Edition Lade EL CD 030, CD (Johannes Geffert, Orgel).
  • Die historische Behmann-Orgel der Pfarrkirche St. Martin in Dornbirn. Rudolf Berchtel spielt ausgewählte Choral-Improvisationen von Sigfrid Karg-Elert (1877–1933). 2002, Edition Lade EL CD 041, CD (Rudolf Berchtel, Orgel).
  • Symphonische Orgelkunst. Helmut Binder an der historischen Behmann-Orgel (1927/28) der Pfarrkirche St. Martin in Dornbirn (Österreich). 1994, Edition Lade EL CD 011, CD (Helmut Binder, Orgel).
  • Franz Schmidt: Orgelwerke Vol. 1-3, Andreas Jetter an der Behmann-Orgel, Label: Ambiente Audio

Literatur

  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Vorarlberg. Dornbirn. Hrsg. Bundesdenkmalamt. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1983, ISBN 3-7031-0585-2, S. 132–134.

Weblinks

Commons: Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 47° 24′ 49,1″ N, 9° 44′ 29,4″ O

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