Zum Inhalt springen

Fenchelporling

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 6. April 2025 um 22:41 Uhr durch imported>Myzemil (Kleinigkeiten).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Fenchelporling
Datei:2006-08-20 Gloeophyllum odoratum.jpg

Fenchelporling (Osmoporus odoratus)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Blättlingsartige (Gloeophyllales)
Familie: Blättlingsverwandte (Gloeophyllaceae)
Gattung: Osmoporus
Art: Fenchelporling
Wissenschaftlicher Name
Osmoporus odoratus
(Wulfen) Singer

Der Fenchelporling oder die Fencheltramete (Osmoporus odoratus, Syn.: Gloeophyllum odoratum)<ref name=":1" /> ist eine Pilzart aus der Familie der Blättlingsverwandten (Gloeophyllaceae). Sie wurde erstmals 1788 vom Kärntner Botaniker Franz Xaver von Wulfen als Boletus odoratus beschrieben. Der Porling riecht aromatisch nach Fenchel.

Merkmale

Datei:2009-10-25 Gloeophyllum odoratum (Wulfen) Imazeki 62342.jpg
Ausschnittsvergrößerung der Poren des Fenchelporlings
Datei:Gloeophyllum odoratum a1.JPG
Fenchelporlinge auf der Oberseite eines Baumstumpfes

Die mehrjährigen Fruchtkörper sind zunächst knollig, später werden sie konsolenförmig, sie können einzeln stehen, oder zu Klumpen verwachsen sein. Die Oberseite ist bei jungen Exemplaren matt-filzig und gelb bis orangebraun gefärbt, ältere Fruchtkörper verkahlen und ändern ihre Farbe zu dunkleren Brauntönen bis zu schwarz. Die Zuwachszone der Hüte ist wulstig und heller gefärbt. Die Unterseite ist porig und jung gelb, später braun werdend. Die Poren mehrjähriger Exemplare sind in deutlichen Schichten angeordnet. Die Trama des Pilzes ist braun und korkartig. Kennzeichnend für die Art ist der Fenchel- oder Anisgeruch frischer Exemplare. Die Fruchtkörper werden bis zu 20 cm breit und stehen bis zu 10 cm vom Substrat ab.

Ökologie

Der Fenchelporling besiedelt sehr alte, dicke Nadelholzstümpfe, freiliegende Wurzelansätze oder im Boden vergrabene Stammstücke vor allem von Fichten, kommt aber auch an Tanne (Abies), Lärche (Larix) und Kiefer (Pinus) vor.<ref name=":0">Leif Ryvarden, Richard L. Gilbertson: European Polypores Part 1. Abortiporus-Lindtneria. In: Synopsis Fungorum. Band 6. Fungiflora, Oslo, Norway 1993, S. 1–387.</ref> Er kommt in allen heimischen Waldgesellschaften vor, sofern geeignete Substrate zur Verfügung stehen.

Verbreitung

Der Fenchelporling ist in der Holarktis verbreitet, in Europa ist er eine typische Art der Fichtenwälder und war ursprünglich auf die sub- und hochmontanen Gebieten beschränkt, ist mittlerweile aber mit dem Fichtenanbau auch in andere Gebiete vorgedrungen.

Artabgrenzung in Europa

In Europa kommen nur zwei Vertreter der Gattung Osmoporus vor.<ref name=":0" /><ref name=":1">C.-C. Chen, B. Cao, T. Hattori, B.-K. Cui, C.-Y. Chen: Phylogenetic placement of Paratrichaptum and reconsideration of Gloeophyllales. In: Fungal Systematics and Evolution. Band 5, Nr. 1, 2020, ISSN 2589-3823, S. 119–130, doi:10.3114/fuse.2020.05.07 (ingentaconnect.com).</ref> Dem zweiten Vertreter, Osmoporus protractus, fehlt der für den Fenchelporling so typische, komplexe, aromatische Geruch.<ref name=":0" /> Zudem bildet dieser dünnere, oberseits glattere, nicht so zerfurchte Fruchtkörper aus, die habituell eher an Vertreter der Blättlinge (Gloeophyllum) erinnern, sich von diesen jedoch durch das rein porige Hymenophor unterscheiden.<ref name=":0" />

Systematik

Die Gattung Osmoporus wurde lange Zeit als kongenerisch mit den Blättlingen (Gloeophyllum) angesehen, jedoch aufgrund phylogenetischer Studien wieder von dieser abgetrennt.<ref name=":1" /><ref>Ricardo Garcia-Sandoval, Zheng Wang, Manfred Binder, David S. Hibbett: Molecular phylogenetics of the Gloeophyllales and relative ages of clades of Agaricomycotina producing a brown rot. In: Mycologia. Band 103, Nr. 3, Mai 2011, ISSN 0027-5514, S. 510–524, doi:10.3852/10-209 (tandfonline.com).</ref> Die Gattung enthält drei Arten:<ref name=":1" />

Innerhalb der Blättlingsartigen (Gloeophyllales) ist die Gattung Osmoporus am nächsten mit den Gattungen Griseoporea, Veluticeps und Chaetodermella verwandt.<ref name=":1" />

Bedeutung

Aufgrund seiner Substratwahl tritt der Fenchelporling nicht als Schädling in Erscheinung, sondern wird eher durch Abbau alter Baumstümpfe nützlich. Als Speisepilz kommt er nicht in Frage.

Forschung

Extrakte des Fenchelporlings haben im Laborexperiment eine hemmende Wirkung gegenüber Thrombin, Trypsin<ref>Doljak et al.: (2001). Screening for selective thrombin inhibitors in mushrooms. In: Blood Coagulation and Fibrinolysis. 12, 2001, S. 123–128. PMID 11302474.</ref> sowie Cysteinproteasen<ref>A. Mlinarič, S. Kreft, A. Umek, B. Štrukelj, T. Popovič: Cysteine proteinase inhibitors screening of fungal species growing in Slovenia. In: Acta Pharmaceutica. 50, Nr. 1, 2000, S. 39–48.</ref> gezeigt.

Quellen

Literatur

  • Annarosa Bernicchia: Polyporaceae s. l. In: Fungi Europaea. Band 10. Candusso, Alassio (IT) 2005, ISBN 88-901057-5-5.
  • Josef Breitenbach, Fred Kränzlin (Hrsg.): Pilze der Schweiz. Beitrag zur Kenntnis der Pilzflora der Schweiz. Band 2: Heterobasidiomycetes (Gallertpilze), Aphyllophorales (Nichtblätterpilze), Gastromycetes (Bauchpilze). Mykologia, Luzern 1986, ISBN 3-85604-020-X.
  • Peter Schütt, Hans J. Schuck, Bernd Stimm: Lexikon der Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-53-8.

Weblinks

Commons: Fenchelporling (Gloeophyllum odoratum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />