Konzerthaus Dortmund
Das Konzerthaus Dortmund im Dortmunder Stadtkern wurde im September 2002 eröffnet.<ref name=":2">13. September 2002: Das Konzerthaus Dortmund wird eröffnet. In: WDR. 13. September 2017, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Der neu errichtete Saal verfügt über 1550 Sitzplätze,<ref>Wolfram Goertz: Nahverkehr zum Musentempel. In: Die Zeit. 29. September 2005, abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref name=":3">Frederik Hanssen: Konzerthaus Dortmund: Moll und Dur an der Ruhr. In: Der Tagesspiegel. 19. Januar 2020, abgerufen am 18. März 2025.</ref> davon 900 als Kleiner Saal nutzbar.<ref>Willi Keinhorst: Musikhäuser im Revier. In: Welt am Sonntag. 13. Dezember 2009.</ref> Der Saal weist eine Nachhallzeit von etwa zwei Sekunden auf, die als optimal für Konzertsäle gilt,<ref name="RND" /> und wird aufgrund seiner Akustik und rechteckigen Form mit dem Saal des Wiener Musikvereins verglichen.<ref name=":9">Manuel Brug: Der Pott will die Pole-Position. In: Die Welt. 16. September 2002, abgerufen am 18. März 2025.</ref><ref>Ulrich Bumann: Das Beethovenfest drängt`s nach Dortmund. In: General-Anzeiger. 29. Januar 2002, abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref name=":1" /> Gründungsintendant und einer der Hauptinitiatoren für das Projekt Konzerthaus war Ulrich Andreas Vogt.<ref>Über Uns. In: Konzerthaus Dortmund. Abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref name=":3" /> Raphael von Hoensbroech ist seit der Saison 2018/19 Intendant sowie Geschäftsführer des Konzerthauses.<ref>Benedikt Stampa: „Muss i denn …“ Abschied von einem der schönsten Konzertsäle. In: Konzerthaus Dortmund (Hrsg.): So klingt nur Dortmund. Saison 2018/19. Dortmund 2018, S. 5.</ref>
Veranstaltungen
Die Spielzeit beginnt jeweils im September und endet im Juli des nächsten Jahres.<ref>Julia Gaß: Konzerthaus Dortmund lädt zum Staunen ein. In: Dorstener Zeitung. 18. Mai 2022.</ref> Die Bandbreite des Programms reicht von Orchesterkonzerten, Klavierabenden, Kammermusik, konzertanten Opern, Chormusik über Jazz bis Weltmusik.<ref>Kultur verbindet die Menschen. In: Ruhr Nachrichten. 24. Dezember 2022.</ref><ref>Chorakademie verzauberte mit Weihnachtskonzerten im Konzerthaus | WIR IN DORTMUND. In: Wir in Dortmund. 16. Dezember 2021, abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref name=":25">Marion Heier: Klassik und Jazz im Konzerthaus Dortmund • Westfalen erleben. In: Westfalium. 10. Februar 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref> 2006 rief das Konzerthaus Dortmund das deutschlandweit erste Pop-Abo ins Leben: Mit Akustik-Pop wird eine jüngere Zielgruppe an die Strukturen eines klassischen Konzert-Abonnements herangeführt, was im Publikum viel Zuspruch findet.<ref>Das Konzerthaus Dortmund präsentiert wieder ein Pop-Abo. In: Ruhr Nachrichten. 22. Juli 2023.</ref>
Im Rahmen der Eigenveranstaltungen (circa 100 Eigenveranstaltungen pro Spielzeit)<ref name=":16">Julia Gaß: Konzerthaus reist mit vielen Stars durch Gefühlswelten. In: Halterner Zeitung. 19. April 2023.</ref> veranstaltet das Konzerthaus Konzerte mit Solisten wie Anne-Sophie Mutter,<ref name=":16" /> die das Konzerthaus als Vorbild für nachfolgende Konzerthäuser empfahl,<ref name=":1" /> sowie international tätigen Orchestern.<ref>Anke Demirsoy: Dortmund: Klang-Achttausender des London Symphony Orchestra. In: Neue Ruhr Zeitung. 22. Oktober 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Im Laufe der Jahre gastierten (teils mehrmals) Anne-Sophie Mutter,<ref>Anne-Sophie Mutter spielt in Dortmund. In: Dorstener Zeitung. 4. Juni 2018.</ref> Anna Netrebko,<ref name=":4" /> Cecilia Bartoli,<ref name=":4" /> Thomas Hampson,<ref>Das Konzerthaus Dortmund im digitalen Abo. In: Konzerthaus Dortmund. 25. Oktober 2018, abgerufen am 18. März 2025.</ref> Hilary Hahn,<ref>Anke Demirsoy: Die Geigerin vom anderen Stern in Dortmund: Hilary Hahn. In: Der Westen. 17. März 2025, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Yuja Wang,<ref>Edda Breski: Verstand und Gefühl: Yuja Wang im Konzerthaus Dortmund. In: Westfälischer Anzeiger. 5. Oktober 2014, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Jonas Kaufmann,<ref>Jonas Kaufmann: Viva Puccini! In: Online Musik Magazin. 2024, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Matti Salminen,<ref>Stefan Pieper: Die Rezension: Wagners Walküre im Konzerthaus Dortmund. In: Neue Musikzeitung. 25. November 2003, abgerufen am 18. März 2025.</ref> Yo-Yo Ma, Jan Lisiecki,<ref>Pedro Obiera: Klavier-Festival Ruhr: Jan Lisiecki triumphiert mit Chopin. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 7. Mai 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Lang Lang,<ref>Anke Demirsoy: Lang Lang und Paavo Järvi in Dortmunds Konzerthaus. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 9. Oktober 2022, abgerufen am 18. März 2025.</ref> Alfred Brendel,<ref>Stefan Pieper: Alfred und Adrian Brendel beim Klavierfestival Ruhr am 13. August. In: Neue Musikzeitung. 3. August 2003, abgerufen am 18. März 2025.</ref> das London Symphony Orchestra,<ref>Ralf Stiftel: London Symphony Orchestra übernimmt Residenz am Konzerthaus Dortmund. In: Westfälischer Anzeiger. 21. April 2020, abgerufen am 17. März 2025.</ref> die Berliner Philharmoniker,<ref>Edda Breski: Berliner Philharmoniker spielen im Konzerthaus Dortmund Ligeti. In: Westfälischer Anzeiger. 24. Februar 2017, abgerufen am 17. März 2025.</ref> das Boston Symphony Orchestra,<ref>Anke Demirsoy: Konzertauftakt in Dortmund mit Gästen aus Israel und Boston. In: Westfälische Rundschau. 5. September 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref> das Concertgebouw-Orchester aus Amsterdam,<ref>Klaus Albrecht: Senkrechtstarter Klaus Mäkelä gibt sich in Essen bescheiden. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 22. September 2024, abgerufen am 17. März 2025.</ref> das City of Birmingham Symphony Orchestra oder das New York Philharmonic.<ref name=":4" />
Darüber hinaus umfassen die Eigenveranstaltungen Konzerte in der Reihe Junge Wilde (etwa Konzerte mit Yuja Wang, Janine Jansen, Gautier Capuçon)<ref>Konzerte. In: Ruhr Nachrichten. 5. September 2023.</ref><ref>Julia Gaß: Cello-Jungstar spielte Livestream aus Dortmund. In: Dorstener Zeitung. 18. November 2022.</ref><ref>Junge Wilde. In: Konzerthaus Dortmund. 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref> sowie Vorträge, wie zum Beispiel die Reihe Kopfnoten mit dem Musikwissenschaftler Michael Stegemann.<ref>Vivaldi als Förderer und Lehrer. In: Ruhr Nachrichten. 14. Oktober 2022.</ref> Das Konzerthaus veranstaltet außerdem konzertante Opernaufführungen (wie Das Rheingold mit Yannick Nézet-Séguin),<ref>Mit offenen Armen. In: Konzerthaus Dortmund. Abgerufen am 17. März 2025.</ref> Kammermusikabende (beispielsweise mit Gidon Kremer) und Liederabende (etwa mit Julian Prégardien und Asmik Grigorian)<ref>Nachholtermin Julian Prégardien. In: Ruhr Nachrichten. 20. Dezember 2022.</ref><ref name=":16" /><ref>Liederabend Asmik Grigorian. In: Operabase. Abgerufen am 17. März 2025.</ref> sowie Jazz-, Pop- und Comedyabende (zum Beispiel mit Michael Wollny und Kat Frankie).<ref name=":3" /><ref>Rand Stiftel: Das Trio von Michael Wollny im Konzerthaus. In: Westfälischer Anzeiger. 8. November 2015, abgerufen am 18. März 2025.</ref><ref>Das Konzerthaus präsentiert sein neues Pop-Abo. In: Nordstadtblogger. 31. Juli 2023, abgerufen am 18. März 2025.</ref>
Die Fremdveranstaltungen des Konzerthauses Dortmund beinhalten unter anderem Konzerte der Dortmunder Philharmoniker,<ref name=":25" /><ref>Julia Gaß: Philharmoniker ehrten Taubenzüchter. In: Dorstener Zeitung. 16. November 2023.</ref> regelmäßige Auftritte weiterer deutscher Orchester,<ref>Edda Breski: Startenor Jonas Kaufmann mit Operettenhits im Konzerthaus Dortmund. In: Westfälischer Anzeiger. 19. April 2015, abgerufen am 18. März 2025.</ref><ref>Luisa Tiemann: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel in Dortmund: Live-Orchester spielt Fim-Musik. In: Ruhr-Nachrichten. 13. November 2022, abgerufen am 18. März 2025.</ref> Shows, Musicalproduktionen und Veranstaltungen wie das Klangvokal Musikfestival Dortmund<ref>Pedro Obiera: Klangvokal: Begeisterungsstürme für „Werther“ in Dortmund. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 10. Juni 2024, abgerufen am 17. März 2025.</ref> und das Klavier-Festival Ruhr.<ref>Klaus Albrecht: Sinfonik auf 88 Tasten: Igor Levit beim Klavierfestival Ruhr. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 1. Mai 2024, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
Als ein „Leuchtturmprojekt“ wurde in den Jahren 2003 bis 2004 eine halbszenische, konzertante Aufführung des Rings des Nibelungen von Richard Wagner mit internationaler Besetzung unter der Leitung von Hans Wallat aufgeführt.<ref name=":18">Thomas Tillmann: Götterdämmerung. In: Online Musik Magazin. 2004, abgerufen am 18. März 2025.</ref> Weitere große Projekte waren die viertägige Ruhr Residenz der Berliner Philharmoniker im Jahr 2017,<ref>Anke Demirsoy: Großereignis, Oberhammer: Die viertägige „Ruhr Residenz“ der Berliner Philharmoniker. In: Revierpassagen. 28. Februar 2017, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Wagners Tristan und Isolde mit Videoinstallationen von Bill Viola sowie Originalklang-Parsifal mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock.<ref>Stefan Schmöe: Zeitinsel I – Expedition Salonen: Tristan und Isolde. In: Online Musik Magazin. 17. September 2010, abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref>Thomas Hengelbrock sucht den Originalklang in Wagners „Parsifal“. In: Westfälischer Anzeiger. 21. Januar 2013, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
Veranstaltungsreihen (Auswahl)
Zu den festen Reihen der Dortmunder Dramaturgie gehören seit 2006 die Exklusivkünstler und die Jungen Wilden, die jeweils über drei Jahre wirken.<ref>Pop-Abo: Konzerthaus Dortmund wirbt um das junge Publikum. In: Bonner General-Anzeiger. 11. Mai 2006.</ref> Darüber hinaus veranstaltet das Konzerthaus Dortmund mehrtägige Festivals wie Zeitinsel und Curating Artist.<ref name=":19">Christian Wildhagen: Musik kann sehr politisch klingen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Januar 2011.</ref><ref name=":23">Anke Demirsoy: Dortmunder Sirenengesänge: Das Konzerthaus installiert mit der Reihe „Curating Artist“ ein kleines Festival im Spielplan. In: revierpassagen.de. 19. November 2019, abgerufen am 18. März 2025.</ref>
Exklusivkünstler
Als Exklusivkünstler waren von 2006 bis 2010 der Geiger Renaud Capuçon sowie der Pianist Fazıl Say zu erleben.<ref name=":21">Renaud Capuçon. In: Concerti. Abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref name=":22">„Zeitinsel“ zu Fazil Say am Konzerthaus Dortmund. In: come-on.de. Märkischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG, 11. März 2010, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Von 2010 bis 2013 folgte ihnen der Dirigent und Komponist Esa-Pekka Salonen,<ref>Esa-Pekka Salonen beginnt Residenz am Konzerthaus Dortmund. In: Westfälischer Anzeiger. 15. September 2010, abgerufen am 17. März 2025.</ref> der in dieser Zeit mehrere spektakuläre multimediale Produktionen – wie die Installation re-rite – nach Dortmund brachte.<ref>Teil des Orchesters sein. In: Die Welt. 3. November 2011, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Seither sind die Exklusivkünstler ausschließlich Dirigenten (Stand 2025).
Übersicht der Exklusivkünstler:
- 2006–2010: Renaud Capuçon (Geiger), Fazıl Say (Pianist)<ref name=":21" /><ref name=":22" />
- 2010–2013: Esa-Pekka Salonen (Dirigent)
- 2013–2016: Yannick Nézet-Séguin (Dirigent)<ref>Yannick Nézet-Séguin – Exklusiv bei Deutsche Grammophon, exklusiv am Konzerthaus Dortmund. In: Klassik Akzente. 26. September 2013, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
- 2016–2019: Andris Nelsons (Dirigent)<ref>Harald Suerland: Konzerthaus Dortmund präsentiert als Exklusivkünstler Andris Nelsons. In: Westfälische Nachrichten. 29. April 2016, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
- 2019–2022: Mirga Gražinytė-Tyla (Dirigentin)<ref>Gražinytė-Tyla mit Residenz am Konzerthaus Dortmund. In: Musik Heute. 4. April 2019, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
- 2022–2025: Lahav Shani (Dirigent)<ref>Geballte Virtuosität. In: Ruhr Nachrichten. 17. August 2023.</ref>
- 2025–2028: Tarmo Peltokoski (Dirigent)
Junge Wilde
Die Reihe „Junge Wilde“ bietet jungen Solisten am Anfang einer größeren Karriere über drei Jahre hinweg die Möglichkeit, sich dem Publikum in verschiedenen Kammermusikformationen im Rahmen der Eigenveranstaltungen des Konzerthauses zu präsentieren. Bisherige Künstler dieser Reihe waren:
-
Martin Fröst
-
Nicky Benedetti
-
Lukas und Arthur Jussen
Zeitinsel
Seit 2008 dienen die Zeitinseln – kleine mehrtägige Festivals – der Beschäftigung mit ausgewählten zeitgenössischen Komponisten wie beispielsweise Arvo Pärt, Sofia Asgatowna Gubaidulina und Beat Furrer.<ref name=":19" /><ref>Redaktion: Über beide Ohren Musik erleben: Klangwelten im Konzerthaus Dortmund. In: Ruhr Nachrichten. 8. November 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref name=":24">Dortmund feiert 20 Jahre Konzerthaus mit hochkarätigem Spielplan. In: Wir in Dortmund. 22. Mai 2022, abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref>Beat Furrer und die aufgehobene Zeit. In: Westdeutscher Rundfunk. 2024, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
Curating Artists
Seit 2019 veranstaltet das Konzerthaus Dortmund im Rahmen der Reihe Curating Artist kleine Festivals, die von dem jeweiligen Künstler – dem Curating Artist – selbst gestaltet werden. Hierbei wählt der jeweilige Künstler die auftretenden Musiker sowie das Programm des Festivals selbst aus.<ref name=":23" /> Die bisherigen Curating Artists waren u. a. Gautier Capuçon,<ref name=":24" /> Philippe Jaroussky und die Geigerin Hilary Hahn, die im Herbst 2023 für eine Woche Violinkonzerte (etwa von Tschaikowsky sowie Mendelssohn) und Kammermusik darbot.<ref>Annette Kiehl: Der „König der Countertenöre“. In: Westfalenspiegel. 4. Februar 2020, abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref>Heiko Schmitz: Stargeigerin Hilary Hahn begeistert in Tonhalle: Genies unter sich. In: Rheinische Post. 30. September 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref><ref>Julia Gaß: Hilary Hahns Festival endete mit einer Fiesta. Ruhr Nachrichten. 13. November 2020.</ref> Dabei werden im Rahmen der Reihe von den Künstlern auch Sonderformate wie Babykonzerte,<ref>Babykonzert mit Hilary Hahn. In: Konzerthaus Dortmund. 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Meisterklassen und öffentliche Gespräche veranstaltet.<ref>Christoph Vratz: Die ganz eigene Klang-Rede. In: Kultur.west. 14. Oktober 2021, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
Geschichte
Machbarkeitsstudie und Abriss des Universum-Kinos
Die Kulturstiftung Dortmund mit dem Arbeitskreis Pro Phil wurde auf Initiative des damaligen Vorsitzenden der Theater– und Konzertfreunde Dortmund e. V. – Ulrich Andreas Vogt – und des Dortmunder IHK-Präsidenten Fritz Jäger 1992 gegründet.<ref name=":4">Julia Gaß: 20 Jahre Freude am Konzerthaus. In: Halterner Zeitung. 31. August 2022.</ref> Ziel der Gründer war es, für den Bau einer Philharmonie für Westfalen zu werben.<ref name=":5">Goertz Wolfram: Kein Allerheiligstes. In: Rheinische Post. 6. September 2002.</ref> Ursprünglich war geplant, im Bereich der Westfalenhallen ein Konzerthaus zu integrieren. Da das Brückstraßenviertel Mitte der 1990er Jahre durch verschiedene Maßnahmen aufgewertet werden sollte,<ref name=":0">Oliver Volmerich: Bunt, laut, verrückt: Brückviertel ist „bunter Zirkus“ mit viel Musik. In: Ruhr Nachrichten. 28. August 2022, abgerufen am 17. März 2025.</ref> sah die Stadt Dortmund dort den optimalen Standort. Sie gab 1997 eine Studie in Auftrag, die klären sollte, wie man das alte Universum-Kino in der Brückstraße zu einem Konzertsaal umbauen könne.<ref name=":0" /> Eine Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, dass dies aufgrund der zu erwartenden Zuschauerkapazität, der erforderlichen Podiumsgröße und der Umsetzung einer guten Akustik nur durch einen Neubau unter Einbeziehung eines angrenzenden Kaufhauses möglich wäre.<ref name=":1">Oliver Volmerich: Wie das Konzerthaus nach Dortmund kam: „Es war eine mutige Sache“. In: Ruhr Nachrichten. 14. September 2022, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Am 1. Februar 1999 wurde mit dem Abriss der zu dem Zeitpunkt leer stehenden Gebäude des Kinos und des Kaufhauses begonnen. Die statischen Gegebenheiten in der Blockbebauung verlangten ein etagenweises Abtragen, um die Standsicherheit nicht zu gefährden. Beim Abriss entstanden in acht Monaten 45.000 Kubikmeter Schutt.
Bau des Konzerthauses
Das Konzerthaus (auch „Philharmonie für Westfalen“ genannt) wurde vom Architekt Ralf Schulte-Ladbeck konzipiert.<ref name=":1" /> Im Juli 2000 bezogen die Generalunternehmer Freundlieb und Hochtief ihr Baubüro in der Reinoldistraße.<ref name=":6">W. Preiss: Bau: In Dortmund entsteht eine Philharmonie für Westfalen Konzerthaus fürs Revier. In: VDI nachrichten. Nr. 46, 17. November 2000, S. 24.</ref> Insgesamt dauerte die Einrichtung der Baustelle mit einer Grundstücksfläche von 2500 Quadratmetern rund eine Woche; bis zu 200 Handwerker arbeiteten gleichzeitig.<ref name=":1" />
Am 16. Oktober 2000 wurde der Grundstein für den Bau des Konzerthauses gelegt.<ref>Philharmonie für Westfalen: Grundsteinlegung für Konzerthaus in Dortmund. In: Baunetz. 18. Oktober 2000, abgerufen am 17. März 2025.</ref> Im September des Folgejahres begann der Innenausbau. Im März 2002 wurde im Saal mit der Installation der akustischen Innenausstattung begonnen.<ref name=":1" /> In den Hochzeiten der Bauausführungen fuhren tägl. bis zu 50 LKW die Baustelle an. Insgesamt waren für den Rohbau 9000 Kubikmeter Beton nötig.<ref name=":1" /> Nachdem die handwerkliche Arbeit im Konzertsaal im April 2002 beendet worden war, wurden das Parkett verlegt sowie die Stühle eingebaut,<ref>Stefan Gawlick: Hörsäle der Welt: Konzerthaus Dortmund. In: Fidelity Online. 15. September 2019, abgerufen am 17. März 2025.</ref> sowie am 25. April 2002 die Orgel der Orgelmanufaktur Klais eingestimmt.<ref>Ein Poster für die Met. In: Werben & Verkaufen. Nr. 51, 18. Dezember 2008, S. 30.</ref>
Die ursprünglich geplanten 60 Millionen DM Baukosten konnten nicht eingehalten werden. Insgesamt wurden 95 Millionen DM (rd. 48 Millionen Euro) ausgegeben.<ref>wn: Bereits gebaute und geplante Konzerthäuser. Abgerufen am 17. Juli 2025.</ref>
Die Wiener Philharmoniker sagten mit ihrem Auftritt im Konzerthaus Dortmund am 21. Mai 2002 zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Konzert in einem Saal zu, in dem zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch nie ein Orchester gespielt hatte.<ref name=":11">Udo Taubitz: Eine saubere Affäre. In: Stuttgarter Zeitung. 14. September 2002.</ref> Anfang September desselben Jahres konnte das Haus im Rahmen eines Tags der offenen Tür besichtigt werden; vom 13. bis 15. September wurde es mit Galakonzerten offiziell eröffnet.<ref name=":1" /><ref name=":7">Hochkultur für alle: Eröffnung des Konzerthauses in Dortmund. Pressemeldung über die Eröffnung. In: Baunetz. 13. September 2002, abgerufen am 18. März 2025.</ref>
Erste Jahre
Die ersten drei Jahre des Konzerthauses standen unter dem Motto des Aufbruchs; dabei konnten bald nach Aufnahme des Betriebs international tätige Orchester, Dirigenten, Solisten und Künstler verpflichtet werden, beispielsweise die Spitzenorchester aus Wien, London, Amsterdam, Berlin, München, Dresden und Leipzig mit Dirigenten wie Kent Nagano,<ref name=":15" /> Lorin Maazel,<ref name=":17">Julia Gaß: 20 Jahre Freude am Konzerthaus. In: Dorstener Zeitung. 31. August 2022.</ref> Zubin Mehta,<ref>Julia Gaß: Konzert-Ereignis „für den lieben Gott“. In: Halterner Zeitung. 9. November 2021.</ref> Kurt Masur,<ref name=":5" /> James Levine, Riccardo Muti, André Previn und Christian Thielemann.<ref name=":5" /><ref name=":17" /> Als Composer in Residence wurden Matthias Pintscher,<ref>Max Nyffler: Die hohe Kunst der Verschleierung: Matthias Pintscher – Composer in Residence, nicht nur bei Lucerne Festival. In: Neue Zürcher Zeitung. 5. August 2006.</ref> Hanspeter Kyburz,<ref>4. 6.: Oper und Konzert aktuell. In: Neue Musikzeitung. 4. Juni 2003, abgerufen am 18. März 2025.</ref> Karlheinz Stockhausen<ref name=":2" />, Rebecca Saunders<ref>Klang in Rot, Blau, Grau. In: Kultur.West. 1. Februar 2006, abgerufen am 18. März 2025.</ref> und Péter Eötvös verpflichtet.<ref>Wer spielt im Konzerthaus Dortmund? In: Die Welt. 9. Mai 2004, abgerufen am 18. März 2025.</ref> In den ersten Jahren wurde das Konzerthaus Mitglied der International Society for the Performing Arts und diente als Veranstaltungsort für zahlreiche Rundfunk- und Fernsehaufzeichnungen, wie z. B. die ECHO-Klassik-Verleihung 2003.<ref name=":14">Marieluise Jeitschko: Dortmund fordert Kölns Philharmonie heraus. In: Die Welt. 26. August 2001, abgerufen am 18. März 2025.</ref><ref>Echo Klassik in Dortmund verliehen. In: MusikWoche. 27. Oktober 2003, abgerufen am 18. März 2025.</ref>
Etablierung
Im Januar 2005 legte der Gründungsintendant Vogt nach Unstimmigkeiten mit der politischen Führung der Stadt seine Ämter nieder.<ref>Intendant des Konzerthauses Dortmund geht. Pressemitteilung. In: Neue Musikzeitung. 13. Januar 2005, abgerufen am 18. März 2025.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressekonferenz der CDU-Fraktion am 18.01.2005 ( vom 19. Juni 2015 im Internet Archive)</ref> Unter der Leitung des Nachfolgeintendanten Benedikt Stampa (2005 bis 2018)<ref name=":3" /> ist das Dortmunder Konzerthaus aufgrund seiner außergewöhnlich guten Akustik und des dankbaren Publikums für viele Orchester und Künstler ein beliebter Aufführungsort geworden. Seit 2006 verwendet das Konzerthauses den Slogan „So klingt nur Dortmund!“. Im Jahr 2018 trat Raphael von Hoensbroech als neuer Intendant sein Amt an, sein Vertrag wurde 2023 bis zum Jahr 2030 verlängert. Dabei wurden unter von Hoensbroech verschiedene neue Formate getestet, beispielsweise die Abteilung Community Music, die mit über 900 Workshops bis 2023 mehr als 10.000 Menschen erreichte.<ref>Stadt verlängert Vertrag bis 2030: Raphael von Hoensbroech bleibt Intendant am Konzerthaus Dortmund. In: Stadt Dortmund. 28. März 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
Architektur
Das Konzerthaus liegt im Brückstraßenviertel an der Kreuzung der Brückstraße mit der Ludwigstraße.<ref name=":2" />
Fassade
Die Fassade reiht sich in der Form in die umstehenden Gebäude ein; zugleich sticht die mit computergesteuerten LED-Leuchten<ref name=":3" /> versehene Ätzglasfassade optisch hervor. Dem Eingangsbereich mit der durchsichtigen Glasfront ist kein Vorplatz vorgelagert.<ref name=":1" /> Eine gläserne Passage schafft eine optische Verbindung zum Nachbargebäude.
Innenbereich
Im über den Haupteingang an der Brückstraße zugänglichen „Stadtfoyer“<ref name=":7" /> befinden sich eine Bar, Garderoben und die Abendkasse. Von hier ist der freistehende, durch zwei Betonpfeiler gehaltene Konzertsaal im ersten Stock ersichtlich, der über Treppen oder Fahrstühle erreichbar ist. Die inneren Räumlichkeiten wurden vom Maler Oliver Jordan gestaltet; so zieren die Foyers übergroße Ölporträts von Gustav Mahler, Arnold Schönberg und Igor Strawinsky.<ref>Julia Gaß: Konzerthaus bekommt bis 2027 fünf neue Künstler-Porträts. In: Ruhr Nachrichten. 6. Dezember 2022.</ref>
Konzertsaal
Der von außen geschlossene, schwarze Saal liegt wie ein schräg gestellter Kasten im Gebäude. Innen sind die Wände cremeweiß. Die schwarze Decke ist mit Leuchten, die wie ein Sternenhimmel angeordnet sind, versehen. Insgesamt verfügt der Saal über 1.550 Plätze auf drei Rängen,<ref name=":8">Andreas Fasel: Im September wird das Konzerthaus Dortmund eröffnet. In: Welt am Sonntag. 21. April 2002.</ref><ref name=":5" /> die mittels eines Vorhangs auf 900 Plätze reduziert werden können.<ref name=":5" /> Weitere 800 Personen haben im ansteigenden Parkett Platz. Die obersten Ränge bieten große Balkone. Das Beleuchtungssystem kann an verschiedene Veranstaltungsarten angepasst werden.
Akustik
Die Planung der Raumakustik erfolgte durch das Ingenieurbüro Graner + Partner,<ref name=":10">Über die Akustik im Konzerthaus. In: Ruhr Nachrichten. 15. September 2022.</ref> die neben den traditionellen Methoden der akustischen Berechnung auch virtuelle Simulationsprogramme einsetzten, mit denen die Konstruktionsschritte im Labor geplant werden konnten.<ref name=":8" /> Die Nachhallzeit von etwa zwei Sekunden<ref name=":9" /> gilt als optimal für professionelle Konzertsäle.<ref name="RND">Zwei Sekunden Nachhall. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 17. Juni 2016, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
Zwölf Holzsegel, die an der Decke über dem Podium hängen, optimieren durch Klangreflektion das gegenseitige Hören der Musiker auf der Bühne. Maßgeblich für die Tongestaltung im Raum sind unter anderem die schalldämmenden konvexen Gipswände und die Gipskarton-Platten an der Decke,<ref name=":11" /> die mit ihrer glatten und gebogenen Oberfläche die Klänge auffangen. Auch Form und Gestaltung der Stühle sind genau berechnet, diese besitzen unter der Sitzfläche eine Lochplatte aus Holz zur verbesserten Klangverteilung.
Ebenso wurde eine elektroakustische Verstärkung mit Lautsprechersystem integriert. Über die Tontechniker-Kabine ist es möglich, Tonaufnahmen vorzunehmen.
Orgel
Die Orgel wurde vom Architekturbüro Schröder, Schulte-Ladbeck entworfen, für die Disposition war Bernhard Buttman zuständig; gefertigt wurde sie in der Werkstatt Johannes Klais Orgelbau und am 25. April 2002 erstmals öffentlich gespielt.<ref name=":1" /> Die Kosten in Höhe von 920.000 Euro wurden von der Kulturstiftung der Industrie- und Handelskammer finanziert.<ref name=":9" />
Die Orgel besteht aus 53 klingenden Registern,<ref name=":15">Shoppen, Hören, Trinken oder: Konkurrenz für Industriebauten. In: Saarbrücker Zeitung. 1. März 2002.</ref> zwei Tremulanten und 15 verschiedenen Koppeln sowie solistisch prägnanten Pfeifenregistern. Sie ist 10,50 Meter breit, 12,60 Meter hoch, wiegt 20 Tonnen und besteht aus 3.565 Pfeifen,<ref name=":9" /> davon 306 aus Holz und 3.259 aus Zinn. In der Vorderansicht sind nur 41 Pfeifen aus Zinn sichtbar. Die kleinste Pfeife der Orgel misst acht Millimeter; die größte ist das C des 16′-Principal, eine Pfeife, die inklusive Fuß 8,13 Meter lang und 400 Kilogramm schwer ist. Der elektrische Spieltisch mit 61 Tasten pro Manual und 32 Pedaltasten ist auf dem Podium fahrbar. Die 70 Wippschalter für die Register und Koppeln befinden sich in vier Reihen neben den Manualen. 400 verschiedene Registrierungen können vorab gespeichert und abgerufen werden.
|
|
|
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
- Koppeln:
- Normalkoppeln: II/I, III/I, HD/I; III/II, HD/II; HD/III; I/P, II/P, III/P, HD/P; III Aequallage ab.
- Superoktavkoppeln: Super III/III, Super HD/III.
- Suboktavkoppeln: Sub III/III, Sub HD/III.
- Spielhilfen:
- Rollschweller und zwei Schwelltritte für II. und III. Manual
- Setzer mit Sequenzer Auf/Ab 400fach
Mitgliedschaften
Das Konzerthaus Dortmund ist seit 2012 Mitglied der European Concert Hall Organisation.<ref name=":3" /><ref name=":1" /> Diese Organisation ist ein Zusammenschluss aus europäischen Konzerthäusern, um etwa den kulturellen Austausch sowie Nachwuchskünstler zu fördern.<ref>European Concert Hall Organisation „beeindruckt“ von Baden-Badener Festival – Vertreter aus Lissabon, Amsterdam, Stockholm, Wien, Brüssel, Warschau. In: Goodnews 4. 9. Februar 2023, abgerufen am 18. März 2025.</ref><ref>Debut Ben Goldscheider. In: Luzerner Zeitung. 29. August 2023.</ref>
Nachhaltigkeit
Im Herbst des Jahres 2023 wurde das Konzerthaus Dortmund im Rahmen seiner Teilnahme an dem Projekt Ökoprofit mit einem Gütesiegel für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Seit Sommer 2023 deckt das Konzerthaus rund 10 Prozent des eigenen Strombedarfs durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hauses.<ref>Konzerthaus Dortmund bekommt ein Gütesiegel für Nachhaltigkeit. In: WDR. 19. Oktober 2023, abgerufen am 17. März 2025.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references responsive />
Koordinaten: 51° 30′ 58″ N, 7° 28′ 0″ O
{{#coordinates:51,516111111111|7,4666666666667|primary
|dim=300
|globe=
|name=
|region=DE-NW
|type=landmark
}}