Kurt Warnekros
Kurt Warnekros (* 15. November 1882 in Neustrelitz; † 30. September 1949 in Paris) war ein deutscher Gynäkologe. Er war langjähriger Leiter der Frauenklinik in Dresden und führte 1930 eine der ersten geschlechtsangleichenden Operationen durch.
Leben und Wirken
Als Sohn des späteren Medizinprofessors Ludwig Warnekros an der Berliner Universität studierte Warnekros von 1902 bis 1907 Medizin in Würzburg und Berlin. 1908 erhielt er die ärztliche Approbation. Ab 1909 war er an der Frauenklinik der Universität Berlin tätig, an der er sich auch 1914 habilitierte. 1918 wurde Warnekros zum Professor ernannt und übernahm 1924 kommissarisch die Leitung der Klinik. Neben der Tätigkeit als Frauenarzt und Geburtshelfer arbeitete Warnekros gemeinsam mit seiner Schwester, einer ausgebildeten Röntgenassistentin, auch wissenschaftlich auf dem Gebiet der Röntgenstrahlung. So gab er ein viel beachtetes Buch mit Röntgenaufnahmen von Babys im Mutterleib heraus.
1925 übernahm er die Leitung der Frauenklinik des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt. Als erfolgreicher Geburtshelfer konnte er bald eine große Anzahl prominenter Patientinnen aufweisen, so unter anderem Prinzessin Ileana von Rumänien, eine Tochter König Ferdinands I. von Rumänien, oder die Frau des sowjetischen Außenministers Maxim Litwinow.
1930 machte Warnekros Schlagzeilen, als er eine der ersten geschlechtsangleichenden Operationen durchführte.<ref>Elemér v. Csicsáky: Ein Mann zum Weib geworden. Unterredung mit Prof. Warnekros über seine sensationelle Geschlechtsumbildungs-Operation. In: Pester Lloyd, 24. März 1931, S. 9 (online bei ANNO).</ref> Die Patientin Lili Elbe war zuvor unter dem Namen Einar Wegener als Landschafts- und Architekturmaler bekannt und wurde sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Organen geboren.<ref>Ein Mensch wechselt sein Geschlecht: Eine Lebensbeichte, aus hinterlassenen Papieren herausgegeben von Niels Hoyer. Aus dem dänischen Original Fra Mand til Kvinde übersetzt von Ernst Harthern-Jacobson. Reissner, Dresden 1932, S. 15.</ref> Nach der Transplantation von Eierstöcken sollte in einer vierten Operation eine Uterustransplantation durchgeführt werden.<ref>Sabine Meyer: Wie Lili zu einem richtigen Mädchen wurde. Transcript Verlag, 2015, S. 271–281.</ref><ref name="Biography.com, 2015">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Lili Elbe Biography.] In: Biography.com. A&E Television Networks, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 11. Dezember 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref name="Harrod, 2015">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: The Telegraph, 8. Dezember 2015. Abgerufen am 11. Dezember 2015 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Einige Monate danach im Jahr 1931 kam es zu Komplikationen, wahrscheinlich auf Grund von Transplantatabstoßung, an denen Lili Elbe verstarb.<ref>Lili Elbe. In: biography.com. 30. September 2022, abgerufen am 30. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Kritik an dieser Version siehe: Susanne Kailitz: Das Experiment. In: Die Zeit. 12. Januar 2012, abgerufen am 26. Juli 2012.</ref> Erst über 80 Jahre später wurde diese Operation weltweit erstmals erfolgreich durchgeführt.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig The world's first womb transplant: Landmark surgery brings hope to millions of childless women – and it could be in Britain soon.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Im Dezember 1931 schlug das Professorenkollegium der Medizinischen Fakultät der Deutschen Universität Prag Kurt Warnekros als Nachfolger von Prof. Weibl vor.<ref>Professor Warnekros soll Weibls Nachfolger werden. In: Prager Tagblatt, 18. Dezember 1931, S. 2 (online bei ANNO).</ref>
1933 wurde Warnekros NSDAP-Mitglied. Dennoch wurden gegen ihn 1936 Ermittlungen als „Judengünstling“ eingeleitet, der die Frauenklinik nicht hinreichend im Sinne des Nationalsozialismus leiten würde. Er hatte nämlich vor 1933 auch Marie-Anne von Goldschmidt-Rothschild, Tochter des deutschen Industriellen Fritz von Friedlaender-Fuld und Angehörige der bekannten Familie Rothschild, behandelt; ebenso nahm er auch weiterhin jüdische Patientinnen an. Da Warnekros auch die Frau des sächsischen NSDAP-Gauleiters Martin Mutschmann behandelte, wurden die Ermittlungen bald wieder eingestellt. Bis 1944 behandelte er weiter jüdische Patientinnen. Daneben wurden allerdings auch unter Warnekros an der Frauenklinik in Johannstadt Zwangssterilisationen durchgeführt.<ref>Albrecht Scholz, Birgit Töpolt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Praxis der Zwangssterilisierung in Dresden. ( vom 10. Januar 2016 im Internet Archive) In: Ärzteblatt Sachsen. Jg. 16 (2005), H. 4, S. 164–167 (PDF-Datei, 139 kB). Abgerufen am 10. Januar 2016.</ref>
1944 half Warnekros Eva Olbricht, der Frau von Friedrich Olbricht, einem der Mitverschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944, auf ihrer Flucht vor der Sippenhaft der Nazis.
Die Luftangriffe auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 zerstörten auch die Frauenklinik, viele von Warnekros’ Patientinnen kamen ums Leben. Warnekros sorgte für den Transport der Überlebenden nach Kreischa, wohin die Frauenklinik evakuiert wurde. Bis 1948 behielt Warnekros die Leitung der Frauenklinik, operierte aber zuletzt aus Krankheitsgründen nicht mehr selber. Kurz vor seinem Tod zog er auf Einladung der Baronin von Goldschmidt-Rothschild nach Paris.
Warnekros wurde 1949 zunächst auf dem Cimetière du Père-Lachaise beigesetzt. 1954 wurde seine Urne in das Familiengrab auf dem Friedhof Grunewald im Berliner Ortsteil Halensee überführt.<ref>Klaus Knerger: Das Grab von Kurt Warnekros. In: knerger.de. Abgerufen am 20. Juni 2022.</ref>
Sonstiges
Im 2015 gedrehten Film The Danish Girl über die Lebensgeschichte von Lili Elbe wird Warnekros von dem deutschen Schauspieler Sebastian Koch verkörpert.<ref>The Danish Girl (2015) – Full Cast & Crew, IMDb, abgerufen am 8. Januar 2016.</ref>
Werke
- Ueber die Funktion des M. constrictor pharyngis sup. bei der Sprache unter normalen und pathologischen Verhältnissen.- Berlin, 1908
- Der Wert prophylaktischer Bestrahlungen nach Carzinomoperationen und die Erfolge der Rezidivbehandlung mittels Röntgenlicht und Radium. In: Münchener medizinische Wochenschrift. 27 und 28, 1917.<ref>Münchener medizinische Wochenschrift 1917, Nr. 28. In: Medizinische Klinik. Wochenschrift für praktische Ärzte, Jahrgang 1917, S. 789 (online bei ANNO).</ref>
- Die Beseitigung der Röntgengase durch Absaugeentlüftung. In: Münchener medizinische Wochenschrift. Nr. 50, 1917.<ref>Münchener medizinische Wochenschrift 1917, Nr. 50. In: Medizinische Klinik. Wochenschrift für praktische Ärzte, Jahrgang 1918, S. 40 (online bei ANNO).</ref>
- Schwangerschaft und Geburt im Röntgenbild. – München, 1917
- Carcinombehandlung mit höchstgespannten Strömen (über 200000 Volt). In: Münchener medizinische Wochenschrift. Nr. 32, 1919.<ref>Münchener medizinische Wochenschrift 1919, Nr. 32. In: Medizinische Klinik. Wochenschrift für praktische Ärzte, Jahrgang 1919, S. 875 (online bei ANNO).</ref>
- Geburt und Nachgeburtsperiode im Röntgenbilde. – München: Bergmann, 1925
- Ernst Bumm. – München: Lehmann, 1925
- Ernst Bumm (mit Kurt Warnekros): Operative Gynäkologie. Band 1. J. F. Bergmann, München 1926.
Literatur
- Marina Lienert: Ein Held der Frauen. In: Sächsische Zeitung. 24./25. November 2007.
- Susanne Kailitz: Das Experiment. In: Die Zeit. 12. Januar 2012.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Warnekros, Kurt |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Gynäkologe |
| GEBURTSDATUM | 15. November 1882 |
| GEBURTSORT | Neustrelitz |
| STERBEDATUM | 30. September 1949 |
| STERBEORT | Paris |