Tariq Ramadan
Tariq Ramadan (* 26. August 1962 in Genf; arabisch طارق رمضان, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ist ein Schweizer Islamwissenschaftler und Publizist ägyptischer Herkunft. Er gilt als ein Vordenker eines europäischen Islam, wird aber auch oft als Vordenker des Islamismus kritisiert. Ab 2009 war er Professor für Islamwissenschaft an der Oxford University.
Seine Tätigkeit ruht seit 2017 aufgrund des Vorwurfs mehrerer sexueller Übergriffe. 2024 wurde er von einem Schweizer Gericht rechtskräftig wegen der Vergewaltigung und sexueller Nötigung einer Frau zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. 2026 verurteilte ein französisches Gericht ihn in Abwesenheit wegen der Vergewaltigung dreier weiterer Frauen zu einer weiteren Freiheitsstrafe von 18 Jahren. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Sein Großvater mütterlicherseits ist Hassan al-Banna, der Begründer der Muslimbrüder. Sein Vater, Said Ramadan, war führender Aktivist und Vertreter der Muslimbrüder.
Leben
Herkunft, Ausbildung und frühes politisches Engagement
Tariq Ramadan wurde 1962 in Genf als das jüngste von sechs Kindern geboren. Er ist ein Enkel von Hassan al-Banna, dem Begründer der ägyptischen Muslimbrüder, der 1949 nach von ihm verübten islamistischen Anschlägen auf die Obrigkeit von unbekannten Attentätern erschossen wurde. Gamal al-Banna (1920–2013), ein liberaler Islam-Gelehrter, war Ramadans Grossonkel. Sein Vater Said Ramadan, ein Vertreter der Muslimbrüder, musste 1954 unter dem politischen Druck des ägyptischen Staatschefs Gamal Abdel Nasser seine Heimat verlassen, ging nach Deutschland, wurde von der Universität zu Köln promoviert und ließ sich später in Genf nieder. Sein Bruder Hani Ramadan ist der Direktor des Islamischen Zentrums Genf.
Ramadan besuchte eine Schweizer Schule, studierte dann Philosophie, französische Literatur und Sozialwissenschaften in Genf und schloss sein Lizenziat mit einer Arbeit über Friedrich Nietzsche ab. Anschließend lehrte er an einer Genfer Sekundarschule, dem Collège des Coudriers. Zu dieser Zeit engagierte er sich in Dritte-Welt-Initiativen, reiste im Rahmen der Initiative Coup de Main mit seinen Schülern in verschiedene Entwicklungsländer und war dort für Hilfsorganisationen tätig.<ref name="Hamel-S155">Ian Hamel: La vérité sur Tariq Ramadan. Sa famille, ses réseaux, sa stratégie. Favre, Lausanne 2007, ISBN 978-2-8289-0854-6, S. 155 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="Fourest_08" details="S. 62.">Caroline Fourest: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Social Affairs Unit, London 2008, ISBN 978-1-904863-26-7.</ref> Damals kam er auch in Kontakt mit dem seinerzeitigen SP-Nationalrat Jean Ziegler. Dieser verdankte seine Wiederwahl nach eigener Aussage unter anderem „Unterstützern wie Tariq“.<ref name="Hamel-S155" /> 1991 ging Ramadan nach Ägypten, um islamische Theologie zu studieren, entschied sich jedoch gegen die langwierige Ausbildung an der al-Azhar-Universität und stattdessen für einen beschleunigten Intensivkurs bei einem Privatlehrer und Freund der Familie, Scheich Aqwabi.<ref name="Fourest_08" details="S. 62." />
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war Ramadan wieder als Lehrer tätig, nun am Collège de Saussure bei Genf. 1992 trat er als einer der Hauptredner auf der Jahrestagung der Union des Organisations Islamiques de France (UOIF) auf, die der Muslimbruderschaft nahesteht.<ref name="Fourest_08" details="S. 62." /> Im Jahr darauf führte er eine Kampagne gegen die Aufführung des Stückes Mahomet der Prophet von Voltaire. 1994 initiierte Ramadan die Gründung der Organisation Musulmans et Musulmanes de Suisse, die jedoch ohne größeren Erfolg blieb. Ein großer Teil der rund 300 Teilnehmer auf dem Gründungskongress kam aus Frankreich und stand der algerischen Islamischen Heilsfront (FIS) nahe. Die Beiträge waren sehr radikal und lösten ein ausgesprochen negatives Echo in der Schweizer Presse aus.<ref name="Ghadban" details="S. 66.">Ralph Ghadban: Tariq Ramadan und die Islamisierung Europas. Schiler Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89930-150-1.</ref> Anschließend verlegte er sein politisches Engagement wieder nach Frankreich. Er schaltete sich in die dortige Kopftuch-Kontroverse ein. So näherte sich Ramadan 1994 der Union des Jeunes Musulmans (UJM) an und trat regelmäßig auf deren Veranstaltungen in den Banlieues von Lyon auf. Im selben Jahr veröffentlichte er sein erstes Buch: Les Musulmans dans la Laïcité.<ref name="Ghadban" details="S. 66–67." /> Dass er in diesem Buch schrieb, Inhalte des Schulunterrichts in Biologie könnten der islamischen Lehre entgegenstehen, und Eltern dazu aufrief, ihre Kinder dagegen mit „Kreationismus“ zu indoktrinieren, löste einen Konflikt mit anderen Lehrern an seiner Schule aus.<ref name="Fourest_08" details="S. 80–82." />
Ramadans zweites Buch Islam – Le face-à-face des civilisations erschien 1995. Im selben Jahr belegte ihn das französische Innenministerium mit einem Einreiseverbot, weil er eine „Gefahr für die öffentliche Ordnung“ darstelle. Die französischen Behörden waren zu der Zeit wegen eines Terroranschlags der algerischen Groupe Islamique Armé (GIA) auf eine Pariser Metrostation alarmiert. Sie gingen davon aus, dass das von Ramadan geleitete Islamische Zentrum Genf als europäischer Unterschlupf für FIS- und GIA-Unterstützer diente.<ref name="Fourest_08" details="S. 87." /> Ein Aufruf gegen diese Maßnahme wurde von 17.500 Menschen unterzeichnet, neben der Genfer Moschee und dem Islamzentrum nahestehenden Islamisten auch von Vertretern der politischen Linken, der katholischen Kirche und der Französischen Liga für Menschenrechte. Ramadan stellte sich erfolgreich als Opfer einer ungerechten Verschwörung dar.<ref name="Fourest_08" details="S. 90." /> Jean Ziegler setzte sich im Nationalrat für eine Aufhebung der „willkürlichen“ Einreisesperre ein.<ref name="Fourest_08" details="S. 92." /> Zeitweise wurden Ramadan auch Vorträge an Schweizer Schulen untersagt, aber das Waadtländer Departement für Bildung sprach ihn schließlich von „jeglichem Verdacht des Fundamentalismus“ frei. Im Mai 1996 hob das Verwaltungsgericht Besançon das Einreiseverbot auf, was Ramadan zu einer „triumphalen Rückkehr“ nach Frankreich nutzte.<ref name="Fourest_08" details="S. 90." />
Bis 1998 wurde er an der Universität Genf mit einer Dissertation über die islamische Erweckung (Nahda) im 19. Jahrhundert promoviert. Die Dissertation wurde von der ersten Prüfungskommission unter seinem Doktorvater Charles Genequand abgelehnt, weil in ihr Ramadans Grossvater Hassan al-Banna ideologisch verklärt werde. Nachdem er – auf Vermittlung Jean Zieglers – zu Reinhard Schulze als neuem Betreuer gewechselt war (mit Richard Friedli als weiterem Gutachter), akzeptierte eine zweite Kommission die Arbeit und verlieh den Doktorgrad, allerdings ohne die übliche Ehrung und Gratulationen. Die Jury genehmigte die Veröffentlichung der Arbeit ausdrücklich „ohne Meinungsäußerung zu den beinhalteten Ansätzen“.<ref name="Ghadban" details="S. 68–69." /><ref>Jörg Schlabach: Scharia im Westen. Muslime unter nicht-islamischer Herrschaft und die Entwicklung eines muslimischen Minderheitenrechts für Europa (= Islam in der Lebenswelt Europa. Band 7). LIT Verlag, Berlin / Münster 2009, DNB 997753811, S. 79 (Zugl.: Erfurt, Univ., Magisterarbeit, 2009).</ref> Anschließend ging Ramadan auf Einladung der dortigen Islamic Foundation für ein Jahr mit seiner Familie nach Leicester, um seine Kenntnisse des Islam zu vertiefen. Die Leicester Islamic Foundation ist laut Gilles Kepel „eines der größten Zentren für die Verbreitung militanten sunnitisch-islamistischen Denkens“. Dort veröffentlichte er auch sein Buch Muslims in France – The Way Towards Coexistence.<ref name="Ghadban" details="S. 66." /> Ramadan gilt als eine der Persönlichkeiten, die im westlichen Kulturkreis die Ideologie der Muslimbruderschaft-Bewegung verbreiten.<ref>Emrah Erken: Die Religionsfreiheit wird für illiberale Glaubensauffassungen missbraucht / Die Rechtsordnung im Westen ermöglicht den Islamisten, was kein muslimisches Land tolerieren würde. In: Neue Zürcher Zeitung. 15. April 2024, S. 32.</ref>
Berufliches
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war Tariq Ramadan erneut als Lehrer am Collège de Saussure tätig. Parallel gab er bis zum Universitätsjahr 2003/04 als Lehrbeauftragter an der Universität Freiburg (Üechtland) Kurse zur Einführung in den Islam mit einer Wochenstunde.<ref>Dominique Avon: Islam und Muslime im europäischen Kontext. Reden eines medienwirksamen Menschen (1993–2013): Tariq Ramadan. In: Sabine Schmitz, Tuba Işik: Muslimische Identitäten in Europa. Dispositive im gesellschaftlichen Wandel. transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2561-5, S. 267–298, hier S. 270.</ref><ref>Urs Altermatt: Wie katholisch ist die Universität Freiburg wirklich? Eine historische Annäherung 1889–2007. In: Ders.: Die Universität Freiburg auf der Suche nach Identität. Essays zur Kultur- und Sozialgeschichte der Universität Freiburg im 19. und 20. Jahrhundert (= Essays zur Kultur- und Sozialgeschichte der Universität Freiburg im 19. und 20. Jahrhundert. Band 50). Academic Press Fribourg, Fribourg 2009, ISBN 978-3-7278-1600-0, S. 13–71, hier S. 64.</ref> Als Experte gehörte er mehreren Kommissionen des Europaparlamentes an und war 2003 Mitglied der von der Europäischen Kommission unter Romano Prodi einberufenen Hochrangigen Beratergruppe für den Dialog der Völker und Kulturen im euro-mediterranen Raum.<ref name="Fourest_08" details="S. 196." />
Anfang 2004 hätte er an der katholischen Universität von Notre Dame in Indiana (USA) eine Professur für Religion, Konflikt- und Friedensforschung antreten sollen. Das nach dem 11. September 2001 geschaffene Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten zog allerdings ein schon erteiltes Einreisevisum kurzfristig wegen der Finanzierung von Terrorismus wieder zurück.<ref>Zita Affentranger: Schillernder Gelehrter unter Verdacht. In: Basler Zeitung. 23. Oktober 2017 (bazonline.ch [abgerufen am 26. März 2026]).</ref> Das US-Außenministerium stützte seine Entscheidung auf eine Spende von 900 $, die Ramadan an palästinensische Hilfsorganisationen geleistet hatte, die auch die Hamas unterstützen. Im Januar 2010 unterzeichnete US-Außenministerin Clinton eine Ausnahmegenehmigung für Ramadan,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Middle East Digest – January 20, 2010 ( vom 1. Januar 2017 im Internet Archive). In: state.gov, abgerufen am 31. Mai 2020 (Auszug aus der täglichen Pressekonferenz des US-Aussenministeriums vom 20. Januar 2010).</ref> sodass dieser inzwischen wieder in die USA einreisen konnte.
Tariq Ramadan ist seit Oktober 2006 als Research Fellow am St Antony’s College der University of Oxford tätig. Seit 2009 hat er zudem eine Stiftungsprofessur für zeitgenössische Islamwissenschaft am orientalistischen Institut inne, finanziert vom Emirat Katar.<ref>Gero von Randow: #MeToo, Ramadan! Ein umstrittener Islamwissenschaftler wird der sexuellen Gewalt beschuldigt. Seine Anhänger in Frankreich glauben an eine Verschwörung. In: Die Zeit. Nr. 46/2017 (8. November 2017), S. 5 (Artikelanfang frei abrufbar).</ref> Er lehrt auch an der theologischen Fakultät derselben Universität. Des Weiteren ist er Direktor des 2012 gegründeten Research Centre of Islamic Legislation and Ethics (CILE) in der katarischen Hauptstadt Doha.
Die von Ramadan seit 2007 ausgeübte Tätigkeit als Gastdozent an der Erasmus-Universität Rotterdam zum Thema „Identität und Bürgergeist“ sowie seine Tätigkeit als Berater der Stadt Rotterdam in multikulturellen Fragen wurden von beiden Institutionen im August 2009 fristlos gekündigt mit der Begründung, Ramadan sei als Moderator in einem weitgehend vom iranischen Staat finanzierten Sender aufgetreten.<ref>Dirk Schümer: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Debatte um Tariq Ramadan: Entlassung wegen unangemeldeter Nebentätigkeit. ( vom 25. Dezember 2011 im Internet Archive) In: FAZ. 24. August 2009, abgerufen am 31. Mai 2020.</ref> Unter der Landesangabe „England“ ist er Präsident des European Muslim Network (EMN) mit Sitz in Brüssel.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Team ( vom 28. November 2019 im Internet Archive). In: eumuslim.net.</ref> Er ist einer der Unterzeichner der Botschaft aus Amman (Amman Message), ebenfalls der Initiative Ein gemeinsames Wort (A Common Word).
Anfang April 2019 teilte die Presse auf Grundlage einer Mitteilung des Nachrichtendienstes Tracfin mit, dass Tariq Ramadan von der Qatar Foundation als Berater monatliche Zahlungen in Höhe von 35.000 Euro erhalten hat<ref>Bernadette Sauvaget, Willy Le Devin: Le Qatar verserait 35 000 euros chaque mois à Tariq Ramadan. In: Libération. 5. April 2019, abgerufen am 12. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, obwohl er immer behauptete, seine Konferenzen auf freiwilliger Basis abzuhalten. So führte Tariq Ramadan am 1. Juni 2017 590.000 Euro von seinem katarischen Konto wieder nach Frankreich zurück, was ihm ermöglichte, eine Maisonettewohnung auf dem Montmartre-Hügel in Paris zu kaufen.<ref>Tariq Ramadan aurait touché 35 000 euros par mois de la part du Qatar. In: Le Parisien. 5. April 2019, abgerufen am 31. Mai 2020.</ref>
Privates
Tariq Ramadan ist seit 1986 verheiratet und hat vier Kinder. Seine Frau stammt aus der Bretagne. Sie konvertierte als Katholikin zum Islam und nahm den Namen Iman an. Das Ehepaar lebt getrennt.<ref>Raphaëlle Bacqué: Tariq Ramadan mis en examen pour viol. In: Le Monde. 4./5. Februar 2018.</ref> Ein Sohn besucht ein Internat, das von Yusuf Islam geleitet wird. Ramadan hat sich wiederholt von den Aussagen seines Bruders Hani Ramadan distanziert, der das Islamische Zentrum Genf (Centre Islamique de Genève) leitet und von Kritikern als Hardliner bezeichnet wurde, da er – u. a. in einem Aufsatz in Le Monde 2002 – die Steinigung von Ehebrecherinnen forderte.<ref>Der Kanton Genf legt den Arbeitskonflikt mit dem heutigen Leiter des Islamischen Zentrums Genf, Hani Ramadan, bei. In: Tages-Anzeiger. 16. Januar 2008.</ref>
Positionen
Tariq Ramadan tritt als Vertreter konservativer und orthodox-sunnitischer Positionen auf und bezeichnet sich als „Reformsalafist“. Ramadan setzt sich für die {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ein, die islamische Mission in Europa. Ihr Ziel sei, dass die Europäer den Islam freiwillig annehmen, ohne ihre Sprache oder Sitten ablegen zu sollen, solange diese mit der Scharia vereinbar seien. Ramadan äußerte, die Europäer nicht arabisieren oder turkisieren zu wollen. Auch äußerte er sich kritisch zu der Auffassung, dass Europäer als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) keinerlei Rechte haben.
Ausgangspunkt von Ramadans Lehre ist die These, dass weder der Islam noch die Schari'a in der Geschichte statische Größen gewesen seien, wie muslimische Fundamentalisten es behaupteten. Die Anwendung des Begriffs {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) („Bezirk des Krieges“) auf Europa sei deshalb heute überholt, zumal in Europa volle Religionsfreiheit gewährleistet sei, Muslime also nicht verfolgt würden. Ansonsten wären sie gezwungen, den {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) zu verlassen und in den {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) („Bezirk des Islam“) zu flüchten. Wichtig sei es, in nicht-islamischen Ländern zwischen den Traditionen der islamischen Welt und dem eigentlichen Kern zu unterscheiden, dem Ziel der Religion. Als eigenständige Leistung in der islamischen Begrifflichkeit gilt sein Konzept des {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) („Bezirk des Glaubensbekenntnisses“), welches den geographischen Bezirk ausserhalb des {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) bezeichnet, in dem die Muslime ihr Glaubensbekenntnis äussern und leben können, ohne Repressalien erwarten zu müssen.
Einem Muslim, der sich langfristig in Europa aufhalten möchte, stellte Ramadan (veröffentlicht 2001) folgende Bedingungen:
In drei Fällen ist ein solcher Aufenthalt nicht erlaubt:
- Es gibt dafür kein Bedürfnis oder klares Ziel.
- Der Muslim tut dies nur aus egoistischem Interesse oder dem Wunsch, die westliche Lebensweise, unter Missachtung der religiösen Gebote, anzunehmen.
- Der Muslim möchte sich mit Nicht-Muslimen verbünden, um den Islam zu bekämpfen.<ref name="Wer-sind-wir" details="S. 200.">Siehe Tariq Ramadan: Wer sind wir? In: Ders.: Muslimsein in Europa. Untersuchungen der islamischen Quellen im europäischen Kontext. Aus dem Französischen von Yusuf Kuhn. Mit einem Vorwort von Richard Friedli. MSV, Marburg 2001, ISBN 3-932399-24-2, S. 187–233.</ref>
Möglich ist der Aufenthalt unter folgenden Bedingungen:
- Er muss die Freiheit haben, die Schahāda auszusprechen und seine Religion zu praktizieren.
- Seine Arbeit oder sein Studium im Westen müssen der islamischen Gesellschaft dienen.
Ramadan formuliert fünf Hauptprinzipien für Muslime als Minderheit in Europa:
- Der Begriff {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) für Europa müsse durch seinen Begriff {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ersetzt werden.
- Ein Muslim, der seinen Aufenthalt oder gar die Staatsbürgerschaft in einem europäischen Land habe, müsse sich in den dortigen Gesellschaftsvertrag (im Sinne von Jean-Jacques Rousseau) fügen. Grundlage dafür sei die absolute Vertragstreue, an die ein Muslim gebunden ist. Sie ist eines der drei Grundprinzipien der islamischen Umma, die Ramadan formuliert.
- Im Gegenzug müssten die europäischen Gesetzgeber im Rahmen der garantierten Religionsfreiheit den Muslimen die Möglichkeit geben, beispielsweise repräsentative Moscheen zu bauen.
- Die Muslime müssten sich im vollen Umfang als Mitbürger betrachten, die am gesellschaftlichen Leben in allen seinen verschiedenen Aspekten teilhaben, ohne ihre eigenen – islamischen – Werte dabei aufzugeben („Statt Integration müssen wir Mitbestimmung und Teilhabe fordern“<ref>Islamwissenschaftler Ramadan: „Ich bin Angst einflößend und gruselig“. Interview mit Kübra Gümüsay. In: Die Zeit Campus. 1/2013.</ref>).
- Innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen der europäischen Staaten seien die Muslime frei, Entscheidungen nach ihren persönlichen Glaubensvorstellungen zu treffen.
Konflikte, die durch die Gesetzgebung entstehen können:
Konflikte entstehen beispielsweise, wenn es um spezifische Regeln geht, die zum Muslimsein gehören. Beispiele solcher Probleme in Europa sind Alkoholkonsum, Kopftuch, Zins, Pflichtversicherungen, Schächtung und viele andere. In solchen Fällen seien Lösungen innerhalb des rechtlichen Rahmens zu suchen. Es erfordere juristische Arbeit, um im jeweiligen Gesetzesrahmen Möglichkeiten für Muslime zu finden, ihren Glaubensregeln nicht zuwiderzuhandeln.<ref name="Wer-sind-wir" details="S. 211." /> Nur in einem Falle seien Muslime von ihrer Vertragspflicht befreit. Diese Ausnahme betreffe den Gewissensvorbehalt in Kriegsfragen. Ein Muslim muss in keinem Krieg dienen, der ungerecht oder aus wirtschaftlichen Interessen heraus geführt wird. Dies gelte ebenso für Kriege, die gegen andere Muslime geführt werden.<ref name="Wer-sind-wir" details="S. 216." />
Ramadans Konzept wendet sich sowohl gegen die von fundamentalistischen Predigern geforderte Ghettoisierung der Muslime als auch gegen eine Assimilation, die der Aufgabe des Islams gleichkäme. Unter gewissen Voraussetzungen sieht Ramadan (Stand 2005) zwischen dem Islam und dem Westen keinen Widerspruch im Hinblick auf die Möglichkeit, eine Zivilgesellschaft zu formen.<ref>Nasr Hamid Abu Zaid: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Islam – neu gedacht. ( vom 10. März 2007 im Internet Archive) In: NZZ. 29. April 2005.</ref><ref>Ludwig Ammann: Tariq Ramadan: Die konservative Reform. In: Katajun Amirpur, Ludwig Ammann (Hrsg.): Der Islam am Wendepunkt. Liberale und konservative Reformer einer Weltreligion. 2. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 2006, ISBN 3-451-05665-8, S. 23–33 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />zmo.de [ vom 28. September 2007 im Internet Archive; PDF; 1,3 MB]).</ref><ref>Naser Khader: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). 3. Auflage und rev. Auflage, 4. Auflage. Borgen, Valby 2006, ISBN 87-21-02298-4, S. 139 ff. (dänisch).</ref>
Ramadan sprach sich 2005 für die Aussetzung jedweder Körper- und Todesstrafen in der islamischen Welt (mit dem Ziel ihrer Überwindung) aus.<ref>Tariq Ramadan: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />An International call for Moratorium on corporal punishment, stoning and the death penalty in the Islamic World. ( vom 24. Juni 2025 im Internet Archive) In: tariqramadan.com, 30. März 2005, abgerufen am 31. Mai 2020 (englisch).</ref> Im Zuge der Kopftuch-Debatte bezeichnete er die traditionelle Kleidung der Muslimin (Hidschāb) als „Zeichen ihrer Identität“ und als „islamische Pflicht“, die jedoch kein „Zwang“ werden dürfe.
In seinem Konzept eines „islamischen Sozialismus“ will Ramadan eine antikapitalistische und antiimperialistische Politik mit religiösen Grundsätzen verbinden. Beide Ideologien werden mehrheitlich als unvereinbar aufgefasst.<ref>Nina Wiedl: Dawa and the Islamist Revival in the West. Hudson Institute, 14. Dezember 2009, abgerufen am 1. Februar 2026.</ref>
Wirkung in der Öffentlichkeit
Tariq Ramadan tritt für eine neue europäisch-muslimische Identität ein. In seinem Buch Muslimsein im Westen fordert er „die Partizipation am gesellschaftlichen Leben, kulturelle Projekte im Einklang mit der europäischen Kultur und der muslimischen Ethik“. Er bezeichnet sich als „Reformsalafist“ (Salafi reformist):<ref>Adam Shatz: How the Tariq Ramadan Scandal Derailed the #Balancetonporc Movement in France. In: The New Yorker. 29. November 2017, abgerufen am 18. August 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
“The aim is to protect the Muslim identity and religious practice, to recognize the Western constitutional structure, to become involved as a citizen at the social level and to live with true loyalty to the country to which one belongs”
„Ziel ist es, die muslimische Identität und religiöse Praxis zu schützen, die westliche Verfassungsstruktur anzuerkennen, auf sozialer Ebene als Bürger eingebunden zu werden und in ehrlicher Loyalität gegenüber dem Land zu leben, zu dem man gehört.“
Wirtschaftspolitisch macht Ramadan die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Probleme der Dritten Welt verantwortlich:
“[…] faced with neoliberal economics, the message of Islam offers no way out but resistance.”
„Gegenüber neoliberaler Wirtschaftspolitik lässt der Islam nur eine Antwort zu, den Widerstand.“
Seine bevorzugten Philosophen sind Muhammad Abduh und Dschamal ad-Din al-Afghani, die im 19. Jahrhundert die heiligen Schriften nach Ramadans Auffassung „rational“ neu interpretieren wollten, für welche Wissenschaft, Frauenemanzipation und Demokratie keinesfalls im Widerspruch zum Islam standen, die aber den westlichen Materialismus scharf kritisierten. Andere Philosophen und Prediger, auf die er sich bezieht,<ref>Marc Lebuis, Étienne Harvey: Tariq Ramadan His Scholars and His Jihad. In: Campus Watch, Human Rights Service. 3. Mai 2010, abgerufen am 26. März 2026.</ref> sind Abul Ala Maududi, Ibn Chaldūn, Ibn Taymiyya, Al-Māwardī, Ibn Al-Qayyim und Hasan al-Bannā.
Im Jahr 1993 sprach sich Ramadan in scharfen Worten gegen die geplante Genfer Aufführung von Voltaires Mahomet aus.<ref>Ian Buruma: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tariq Ramadan has an identity issue. ( vom 14. Februar 2007 im Internet Archive) In: International Herald Tribune. 4. Februar 2007, abgerufen am 31. Mai 2020.</ref> In der Frage der Steinigung von Ehebrecherinnen und Ehebrechern plädierte Ramadan für ein „Moratorium“ und eine „breite innerislamische Debatte“, um einen die gesamte islamische Welt umfassenden Konsens zu erzielen. In einer Debatte im französischen Fernsehen weigerte er sich, die Steinigung von Frauen pauschal zu verurteilen.<ref>Zita Affentranger: Schillernder Gelehrter unter Verdacht. In: Basler Zeitung. 23. Oktober 2017 (bazonline.ch [abgerufen am 24. Oktober 2017]).</ref> Ramadan hat mehrfach öffentlich alle Terroranschläge verurteilt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. In: tariqramadan.com, abgerufen am 31. Mai 2020.</ref> Im Januar 2015 äußerte er sich zu dem Anschlag auf Charlie Hebdo und attestierte der Zeitschrift unter anderem einen „Humor von Feiglingen“.<ref>Jürg Altwegg: Tariq Ramadan bezieht Stellung. Hass auf „Charlie“. In: faz.net. 20. Januar 2015, abgerufen am 26. März 2026 (Artikelanfang frei abrufbar).</ref> Als „führenden islamischen Denker“ unter Europas Muslimen der zweiten und dritten Generation, der aber auch grosses Misstrauen hervorrufe, führte ihn 2000 das Time Magazine in der Sparte „Erneuerer des Monats“.<ref>Nicholas Le Quesne: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Trying to Bridge A Great Divide ( vom 9. Juli 2011 im Internet Archive). In: Time Magazine. 2000 (englisch).</ref>
Kritik an Ramadan
Ramadans Kritiker – allen voran Caroline Fourest, Autorin von Frère Tariq („Bruder Tariq“) – sehen in ihm gleichwohl eine sich nur scheinbar aufgeklärt gebende Stimme des im Kern antiwestlich orientierten Islamismus. Fourest hält ihn gerade deswegen für besonders gefährlich, weil seine Ansichten auf den ersten Blick völlig vernünftig erscheinen. Kritiker lasten ihm überdies den Konflikt mit den französischen Journalisten Bernard-Henri Lévy und Alain Finkielkraut sowie Bernard Kouchner, André Glucksmann und Pierre-André Taguieff an, denen er 2003 in einem von Libération und Le Monde abgelehnten, aber von oumma.com abgedruckten Artikel eine Tendenz zum „jüdischen Kommunitarismus“ vorwarf. Ein weiterer Schritt von ihm war seine Forderung, jüdische Mitbürger sollten nicht „reflexartig“ Israel verteidigen. Dagegen finden seine Aufforderungen an die Muslime Zustimmung, sich von Regimen wie dem saudischen und vom Terrorismus zu distanzieren. Gilles Kepel deutet Ramadans jüngst geändertes Auftreten dergestalt, dass er sich im Image vom Sprecher der islamischen Jugend zum Universalintellektuellen gewandelt habe, um seinem Ehrgeiz besser gerecht zu werden. 2003 kam es im französischen Fernsehen zu einem heftigen Wortgefecht mit dem damaligen Innenminister Nicolas Sarkozy, als Ramadan ein „Moratorium“ über Steinigungen vorschlug, das schariatische Gesetz aber nicht grundsätzlich verurteilen wollte. Fourest wirft Ramadan vor, eine {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) von Gelehrten anzustreben, die in ihrer Mehrheit Anhänger der Steinigung seien.<ref name="lexpressFourest"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Frère Tariq. Extraits exclusifs, Un livre de Caroline Fourest ( vom 12. November 2007 im Internet Archive). In: L’Express. 18. Oktober 2004.</ref>
Der Islamwissenschaftler Olivier Roy glaubt nicht, dass in Frankreich die Fundamentalisten den Grossteil seiner Anhänger stellen, ebenso wenig wie arme Muslime aus den Vorstädten. Vielmehr spreche Ramadan die zweite Generation der Einwanderer an, die Akademiker seien, sich aber nicht integriert fühlten, aber doch gerne zur Mittelschicht zählen würden. Begriffe wie „Würde“ und „Respekt“ fielen bei ihnen auf fruchtbaren Boden.
In den letzten Jahren ist Ramadan speziell in Frankreich wegen seiner islamistischen Positionen in die Kritik geraten. So wurden Anfang des Jahres 2016 Auftritte Ramadans in Béziers, Argenteuil sowie in der Cité Internationale Universitaire de Paris und im Institut du monde arabe abgesagt.<ref>Ariane Bonzon: Tariq Ramadan, une histoire très française. In: slate.fr, 9. Dezember 2015, aktualisiert am 5. Februar 2016, abgerufen am 31. Mai 2020.</ref><ref>Alain Gresh: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pourquoi il faut dialoguer avec Tariq Ramadan. ( vom 8. April 2016 im Internet Archive) In: contre-attaques.org, 4. April 2016, abgerufen am 31. Mai 2020.</ref>
Vergewaltigung von Frauen und sexualisierte Gewalt
Im Oktober 2017 erstattete die feministische Muslimin Henda Ayari bei der Staatsanwaltschaft von Rouen Anzeige gegen Ramadan; er sei 2012 in einem Pariser Hotel ihr gegenüber sexuell übergriffig geworden und habe sie vergewaltigt. Ayari hatte diesen Vorfall in ihrer 2016 erschienenen Autobiografie J’ai choisi d’être libre („Ich habe mich entschieden, frei zu sein“) erwähnt, ohne einen Namen zu nennen.<ref>Prominent Muslim scholar Tariq Ramadan accused of rape, sexual assault in France. In: France 24. 21. Oktober 2017, abgerufen am 21. Oktober 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), FRANCE 24 mit AFP).</ref> Am 20. Oktober 2017 machte Ayari auf Facebook ihn dann unter dem Hashtag #BalanceTonPorc („Verpfeif dein Schwein“) öffentlich: « {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) » („Es ist eine sehr schwierige Entscheidung, aber auch ich habe mich entschieden, dass es Zeit ist, meinen Angreifer anzuzeigen; es ist Tariq Ramadan“).<ref name="obs">Cécile Deffontaines: Henda Ayari, ex-salafiste franco-tunisienne, porte plainte contre Tariq Ramadan pour viol. In: L'Obs. 20. Oktober 2017, abgerufen am 23. Oktober 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Carlotta Gall: ‘I Could Not Forget What Happened to Me That Night With Him’. In: The New York Times. 3. November 2017, abgerufen am 14. November 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ramadans Anwalt, Yassine Bozrou, erklärte gemäß Le Parisien, sein Mandant werde Klage wegen Verleumdung einreichen.<ref name="guardian">Angelique Chrisafis: Feminist campaigner accuses Oxford professor Tariq Ramadan. In: The Guardian. 22. Oktober 2017, abgerufen am 23. Oktober 2017.</ref>
Wenige Tage nach dem Bekenntnis Ayaris reichte eine weitere Frau Klage wegen Vergewaltigung gegen Ramadan ein. Die behinderte 45-jährige Französin, die zum Islam konvertiert ist, sei 2009 in sein Hotelzimmer gelockt worden, wo er übergriffig geworden sei und sie vergewaltigt habe.<ref>Raphaëlle Bacqué, Besma Lahouri: Une deuxième plainte pour viol déposée contre Tariq Ramadan. In: Le Monde. 28. Oktober 2017, abgerufen am 31. Mai 2020.</ref> Gleichentags wurde bekannt, dass eine dritte Frau mitteilte, Ramadan habe ihr „pornografische“ Nachrichten geschickt und später versucht, sie anzuschwärzen und ihre Reaktionen zu beeinflussen.<ref>Jean-Michel Décugis: Une victime présumée de Tariq Ramadan: «Il a abusé de mes faiblesses». Deux jeunes femmes ont déjà déposé plainte contre Tariq Ramadan. Une troisième, Yasmina*, nous confie avoir été harcelée et menacée par l’islamologue. In: Le Parisien. 28. Oktober 2017, abgerufen am 31. Mai 2020.</ref>
Am 5. November 2017 berichtete die Zeitung Tribune de Genève von Vorwürfen, Ramadan habe in seiner Zeit Anfang der 1990er-Jahre als Lehrer am Genfer Gymnasium Collège de Saussure systematisch minderjährige Schülerinnen verführt. Der damalige Schuldirektor bestätigte der Zeitung, über derartige Aussagen informiert gewesen zu sein; Untersuchungen wurden damals nicht eingeleitet.<ref>Sophie Roselli: La direction du Collège avait été alertée. In: Tribune de Genève. 7. November 2017, abgerufen am 26. März 2026.</ref> Die Universität Oxford vereinbarte mit Ramadan daraufhin, dass er seine Lehrtätigkeit vorerst einstellen werde.<ref>Statement: Professor Tariq Ramadan. In: ox.ac.uk. University of Oxford, 7. November 2017, abgerufen am 7. November 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Aufgrund der Vorwürfe – deren Berechtigung er bestritt und als Teil einer Verleumdungskampagne wertete – wurde er im Januar 2018 bei seiner Einreise von der französischen Polizei festgenommen.<ref>Französische Justiz nimmt umstrittenen Islamforscher fest. In: welt.de. 3. Februar 2018, abgerufen am 1. Februar 2026.</ref> Nach Festnahme Ramadans in Paris leitete die Pariser Staatsanwaltschaft im Februar 2018 aufgrund von Vergewaltigungsvorwürfen ein Ermittlungsverfahren ein. Ramadan erstattete im Gegenzug Anzeige wegen Verleumdung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vergewaltigungsvorwürfe. Ermittlungen gegen Islamforscher Ramadan ( vom 3. Februar 2018 im Internet Archive). In: tagesschau.de. 2. Februar 2018, abgerufen am 3. Februar 2018.</ref> Bei der richterlichen Anhörung am 22. Oktober 2018 gab Ramadan erstmals sexuelle Beziehungen mit der Klägerin Henda Ayari und einer weiteren Person mit dem Pseudonym „Christelle“ zu, die ihn der Vergewaltigung beschuldigten. Es habe sich aber um „einvernehmlichen“ Sex gehandelt.<ref>(sda/afp): Ramadan gibt Sex mit Klägerinnen zu. In: bote.ch. 22. Oktober 2018, abgerufen am 26. März 2026.</ref><ref>Jürg Altwegg: Zu Besuch bei Henda Ayari. Die Frau, die nein sagte. Nach dem Attentat im „Bataclan“ legte die Salafistin Henda Ayari den Schleier ab und schrieb den Bestseller „Ich wählte die Freiheit“. Jetzt hat sie den Intellektuellen Tariq Ramadan der Vergewaltigung bezichtigt. Ein Besuch in Rouen, wo sie unter Polizeischutz lebt. In: faz.net, aktualisiert am 6. Dezember 2017, abgerufen am 31. Mai 2020 (Artikelanfang frei abrufbar).</ref>
Im Februar 2020 wies das Schweizerische Bundesgericht die Klage von Ramadan gegen eine der Genfer Klägerinnen zurück, die öffentlich über ihre erlittene Vergewaltigung berichtet hatte. Ramadan hatte versucht, die Frau und ihre Anwälte gerichtlich zum Schweigen zu bringen.<ref>Tariq Ramadan ne pourra pas imposer le silence à la plaignante genevoise. In: RTS Info. 5. Februar 2020, abgerufen am 31. Mai 2020 (französisch).</ref> Im Dezember 2022 eröffnete das Genfer Gericht das Verfahren wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung.<ref>Tariq Ramadan sera jugé à Genève pour viol et contrainte sexuelle. In: Le Temps. 5. Dezember 2022, abgerufen am 26. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Quelle: STA).</ref>
Im Mai 2023 wurde Ramadan vorerst freigesprochen,<ref>Antonio Fumagalli: Im Zweifel für den Angeklagten: Gericht spricht Tariq Ramadan vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. In: NZZ. 24. Mai 2023, abgerufen am 17. August 2023.</ref> dann aber vom Genfer Appellationsgericht im September 2024 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt, davon ein Jahr unbedingt. Ramadan zog das Urteil weiter ans Bundesgericht,<ref>Berufungsgericht – Tariq Ramadan wird doch wegen Vergewaltigung verurteilt. In: srf.ch. 10. September 2024, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. September 2024; abgerufen am 10. September 2024.
Aktualisierte Version: sda/schc; horm; kob: Wegen Vergewaltigung – Tariq Ramadan zieht Urteil ans Bundesgericht weiter. In: srf.ch. 10. September 2024, abgerufen am 26. März 2026.</ref> das im August 2025 seine Beschwerde abwies, womit das Urteil rechtskräftig wurde.
Zum ersten Verhandlungstag in seinem Prozess in Frankreich im März 2026 war er nicht erschienen, da er laut Angaben seines Anwalts in einer Genfer Klinik behandelt wurde. Damit hatte er eine Justizauflage nicht eingehalten, die ihm das Verlassen des Pariser Großraums untersagt hatte. Infolge dieses Verstoßes wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der Prozess wurde in seiner Abwesenheit geführt.<ref>aeh/dpa: Pariser Justiz erlässt Haftbefehl gegen Prediger Tariq Ramadan. In: spiegel.de. 6. März 2026, abgerufen am 7. März 2026.</ref> Am 25. März 2026 wurde er in Abwesenheit vom Pariser Strafgericht wegen Vergewaltigung von drei Frauen zu 18 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.<ref>sda/baus; lehl: Paris: Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wegen Vergewaltigung verurteilt. In: srf.ch. 25. März 2026, abgerufen am 25. März 2026.</ref> Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Schriften
Deutsch
- Der Islam und der Westen. M.S.V., Marburg 2000, ISBN 3-932399-22-6.
- Der Islam und die Muslime. Größe und Dekadenz in unserem alltäglichen Leben. Verlag Green Palace, Berlin 2000, ISBN 3-934566-00-6.
- Muslimsein in Europa. M.S.V., Marburg 2001, ISBN 3-932399-24-2.
- Die Muslime im Westen. Aufbauen und Mitgestalten (= Gegenwartsfragen. Band 2). Hrsg.: Muslimische Jugend in Deutschland e. V., Green Palace, Berlin 2003, ISBN 3-937321-01-2.
- Radikale Reform: Die Botschaft des Islam für die moderne Welt. Diederichs, München 2009, ISBN 978-3-424-35000-5.
- Muhammad: Auf den Spuren des Propheten. Aus dem Englischen von Fiona Pappeler und Felicitas Schreiber unter Mitwirkung von Kristiane Backer. Diederichs, München 2009, ISBN 978-3-424-35020-3.
Französisch
- {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Tawhid, Lyon 1998, ISBN 2-909087-37-9.
- {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Tawhid, Lyon 2002, ISBN 2-909087-82-4.
- {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Tawhid, Lyon 2002, ISBN 2-909087-80-8.
- {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Tawhid, Lyon 2002, ISBN 2-909087-81-6.
- {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Tawhid, Lyon 2004, ISBN 2-909087-84-0.
- {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Presse du Châtelet, Paris 2011, ISBN 978-2-84592-329-4.
Englisch
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- Western Muslims and the Future of Islam. Oxford University Press, New York / Toronto 2004, ISBN 0-19-517111-X.
- The Messenger: The Meanings of the Life of Muhammad. Allen Lane, London 2007, ISBN 978-0-7139-9960-0.
- The Evolution of Islamic Law: Challenges for Islamic Law and Possible Solutions. In: Mouhanad Khorchide, Klaus von Stosch (Hrsg.): Herausforderungen an die islamische Theologie in Europa = Challenges for Islamic theology in Europe. Herder, Freiburg im Breisgau 2012, ISBN 978-3-451-30712-6, S. 213–222.
Literatur
Deutsch
- Dan Diner, Gudrun Krämer: Kommentare und Diskussionsbeiträge zum Vortrag von Tariq Ramadan. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Blätter Verlagsgesellschaft mbH, Berlin März 2011 (blaetter.de).
- Ludwig Ammann: Tariq Ramadan: Die konservative Reform. In: Katajun Amirpur, Ludwig Ammann (Hrsg.): Der Islam am Wendepunkt. Liberale und konservative Reformer einer Weltreligion. 2. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 2006, ISBN 3-451-05665-8, S. 23–33 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />zmo.de [ vom 28. September 2007 im Internet Archive; PDF; 1,3 MB]).
- Ralph Ghadban: Tariq Ramadan und die Islamisierung Europas. Schiler Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89930-150-1.
- Florian Remien: Muslime in Europa: Westlicher Staat und islamische Identität. Untersuchung zu Ansätzen von Yusuf al-Qaradawi, Tariq Ramadan und Charles Taylor (= Bonner islamwissenschaftliche Hefte. Heft 3). EB-Verlag, Schenefeld/Hamburg 2007, ISBN 978-3-936912-61-6.
- Nina zu Fürstenberg: Wer hat Angst vor Tariq Ramadan? Der Mann, der den Islam reformieren und die westliche Welt verändern will. Herder, Freiburg 2008, ISBN 978-3-451-29877-6.
- Florian Zemmin: Vom gesellschaftlichen Engagement für den Islam zum islamischen Engagement für die Gesellschaft – Verschiebungen In Tariq Ramadans Plädoyer für eine ganzheitliche Moderne. In: Asiatische Studien. LXVI, 3 (2012), ISSN 0004-4717, S. 749–809.
- Ertuğrul Şahin: Europäischer Islam. Diskurs im Spannungsfeld von Universalität, Historizität, Normativität und Empirizität. Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-18155-0, S. 236–288, 315–321, 340–359 und passim.
- Hansjörg Schmid: Islam im europäischen Haus. Herder, Freiburg u. a. 2012, ISBN 978-3-451-32557-1, S. 226–236, 287–291, 304–308, 368–373 und passim.
Französisch
- Caroline Fourest: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). B. Grasset, Paris 2005, ISBN 2-246-66791-7.
- Aziz Zemouri: Faut-il faire taire Tariq Ramadan? L’Archipel, Paris 2005, ISBN 2-84187-647-0.
- Paul Landau: Le sabre et le coran, Tariq Ramadan et les frères musulmans à la conquéte de l’Europe. Rocher, Monaco 2005, ISBN 2-268-05317-2.
- Lionel Favrot: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). In: Lyon mag’. [ohne Nummer]. Vaulx-en-Velin, 2004, ISSN 1254-2717, S. 297–300.
- Jack-Alain Léger: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Denoël, Paris 2003, ISBN 2-207-25593-X.
- Jack-Alain Léger: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Éditions Hors commerce, Paris 2004, ISBN 2-915286-18-3.
Englisch
- Caroline Fourest: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Social Affairs Unit, London 2008, ISBN 978-1-904863-26-7.
- Gregory Baum: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). University of Notre Dame Press/Novalis, Notre Dame, Ind. / Toronto 2009, ISBN 978-0-268-02214-3.
Niederländisch
- Paul Berman: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)? Meulenhoff, Amsterdam 2007, ISBN 978-90-290-8063-7.
Weblinks
- Publikationen von und über Tariq Ramadan im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Tariq Ramadan im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />[Ehemalige] Website Tariq Ramadans ( vom 23. Juni 2025 im Internet Archive) (englisch, französisch, arabisch; letzte funktionierende Version)
Einzelnachweise
<references responsive=""> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ramadan, Tariq |
| ALTERNATIVNAMEN | طارق رمضان (arabisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | ägyptisch-schweizerischer Islamwissenschaftler und Publizist |
| GEBURTSDATUM | 26. August 1962 |
| GEBURTSORT | Genf |
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