Zum Inhalt springen

Nortriptylin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. Januar 2026 um 04:00 Uhr durch imported>ChemoBot (Entferne Parameter „Suchfunktion“ aus {{Infobox Chemikalie}} und bereinige Leerzeilen).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Strukturformel
Datei:Nortriptyline Structural Formula V1.svg
Allgemeines
Freiname Nortriptylin
Andere Namen
  • N-Methyl-3-(10,11-dihydro-5H-dibenzo[a,d]cyclohepten-5-yliden)propylamin (IUPAC)
  • Nortriptylinum (Latein)
Summenformel
  • C19H21N
  • C19H21N·HCl (Hydrochlorid)
Kurzbeschreibung

farbloses bis gelbliches Pulver (Hydrochlorid)<ref name="Sigma" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 200-788-8
ECHA-InfoCard 100.000.717
PubChem 4543
ChemSpider 4384
DrugBank DB00540
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N06AA10

Wirkstoffklasse

Trizyklische Antidepressiva

Eigenschaften
Molare Masse
  • 263,38 g·mol−1
  • 299,85 g·mol−1 (Hydrochlorid)
Löslichkeit

löslich in Wasser und Ethanol (Hydrochlorid)<ref name="Sigma" />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>

Hydrochlorid

Datei:GHS-pictogram-exclam.svg

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze<ref name="Sigma" />
Toxikologische Daten
  • 502 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="Kleemann" />
  • 22 mg·kg−1 (LD50Rattei.v.)<ref name="Kleemann" />
  • 370 mg·kg−1 (LD50Mausoral)<ref name="Kleemann" />
  • 17 mg·kg−1 (LD50Mausi.v.)<ref name="Kleemann" />
  • 405 mg·kg−1 (LD50Ratteoral, Hydrochlorid)<ref name="Kleemann">A. Kleemann, J. Engel, B. Kutscher, D. Reichert: Pharmaceutical Substances – Synthesis, Patents, Applications. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart 2000, ISBN 978-1-58890-031-9.</ref>
  • 13 mg·kg−1 (LD50Rattei.v., Hydrochlorid)<ref name="Kleemann" />
  • 260 mg·kg−1 (LD50Mausoral, Hydrochlorid)<ref name="Kleemann" />
  • 18,7 mg·kg−1 (LD50Mausi.v., Hydrochlorid)<ref name="Kleemann" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Nortriptylin ist der aktive Metabolit des trizyklischen Antidepressivums (TZA) Amitriptylin. Trotz derselben Wirkweise hat Nortriptylin weniger stark ausgeprägte Nebenwirkungen. Deswegen gilt es als ein TZA der zweiten Generation. Nortriptylin ist in Deutschland zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Es wird zudem bei der Therapie von Enuresis, Migräne, chronischen Schmerzen und ADHS<ref>Joseph Biederman, Thomas Spencer, Timothy Wilens: Evidence-based pharmacotherapy for attention-deficit hyperactivity disorder. In: The International Journal of Neuropsychopharmacology. Band 7, Nr. 1, März 2004, S. 77–97, doi:10.1017/S1461145703003973.</ref><ref>Martin D. Ohlmeier, Mandy Roy: ADHS bei Erwachsenen – ein Leben in Extremen: Ein Praxisbuch für Therapeuten und Betroffene. Kohlhammer Verlag, 2012, ISBN 978-3-17-027410-5 (google.de).</ref> verwendet.

Wirkungsmechanismus

Nortriptylin wirkt u. a. als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).<ref name="pmid18504571">J Kornhuber, M Muehlbacher, S Trapp, S Pechmann, A Friedl, M Reichel, C Mühle, L Terfloth, T Groemer, G Spitzer, K Liedl, E Gulbins, P Tripal: Identification of novel functional inhibitors of acid sphingomyelinase. In: PLoS ONE. Band 6, Nr. 8, 2011, S. e23852, doi:10.1371/journal.pone.0023852.</ref> Es hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin durch Blockieren der Serotonin- und Noradrenalin-Transporter. Die dadurch entstehende erhöhte Konzentration im synaptischen Spalt verstärkt die Reizweiterleitung. Zudem besitzt Nortriptylin eine schwache Affinität zum Dopamin-Transporter.<ref name="GelbeListe">Nortriptylin – Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen. In: Gelbe Liste Online. Abgerufen am 16. April 2022.</ref>

Nortriptylin wirkt schlafverbessernd, da es H1- und 5-HT2A-Rezeptoren antagonisiert.<ref name="GelbeListe" />

Metabolisierung

Die Metabolisierung erfolgt in der Leber durch das Enzym Cytochrom P450 2D6. Genetische Variationen des für Cytochrom P450 2D6 kodierenden Gens können Metabolisierung und Wirkstoffkonzentration im Körper beeinflussen.<ref name="GelbeListe" />

Unerwünschte Wirkungen

Wie bei anderen trizyklischen Antidepressiva stehen bei den Nebenwirkungen vor allem anticholinergen Effekte im Vordergrund.<ref>Torsten Kratz, Albert Diefenbacher: Psychopharmakotherapie im Alter. Vermeidung von Arzneimittelinteraktionen und Polypharmazie. In: Deutsches Ärzteblatt, (22. Juli) 2019, Band 116, Heft 29 f., S. 508–517, S. 511.</ref>

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Nortriptylin wird nicht zur Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren empfohlen.<ref name="Fachinformation">Fachinformation: Nortriptylin. (PDF) glenmark.de; Stand: April 2018.</ref>

Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit

Zur Anwendung von Nortriptylin in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Nortriptylin ist der aktive Metabolit von Amitriptylin. Amitriptylin zeigte bei verschiedenen Tierspezies nach sehr hohen Dosen fetotoxische und teratogene Effekte. Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Nortriptylin sollte während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten sowie im letzten Schwangerschaftsdrittel nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist dringend erforderlich. Nach Gabe höherer Dosierungen von Antidepressiva vor der Geburt wurden beim Neugeborenen Entzugserscheinungen in Form von Störungen der Herz- und Atemfunktion, Harn- und Stuhlentleerung sowie Unruhe beobachtet.<ref name="Fachinformation" />

Handelsnamen

Aventyl (USA, CDN), Pamelor (USA), Nortrilen (EU, D), Nortriptylin (D)

Literatur

  • EJ Wagena, PG Knipschild, MJ Huibers, EF Wouters, CP van Schayck: Efficacy of bupropion and nortriptyline for smoking cessation among people at risk for or with chronic obstructive pulmonary disease. In: Arch. Intern. Med. Band 165, Nr. 19, Oktober 2005, S. 2286–2292, doi:10.1001/archinte.165.19.2286, PMID 16246996.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein