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Clemente Russo

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Clemente Russo Vorlage:SportPicto
Datei:Clemente Russo Rio2016d.jpg
Clemente Russo bei den Olympischen Spielen 2016
Daten
Geburtsname Clemente Russo
Geburtstag 27. Juli 1982
Geburtsort Marcianise
Nationalität ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
Kampfname(n) Tatanka
Gewichtsklasse Schwergewicht
Stil Linksauslage
Größe 1,81 m
Profil in der BoxRec-Datenbank
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 0 × Goldmedaille 2 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
Weltmeisterschaften 2 × Goldmedaille 0 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
Mittelmeerspiele 1 × Goldmedaille 0 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
EU-Meisterschaften 1 × Goldmedaille 1 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
 Olympische Spiele
Silber 2008 in Peking Schwergewicht
Silber 2012 London Schwergewicht
 IBA-Weltmeisterschaften
Gold 2007 in Chicago Schwergewicht
Gold 2013 Almaty Schwergewicht
 Mittelmeerspiele
Gold 2005 Almería Schwergewicht
EU-Meisterschaften
Gold 2005 Cagliari Schwergewicht
Silber 2007 Dublin Schwergewicht

Clemente Russo (* 27. Juli 1982 in Marcianise, Provinz Caserta<ref>Clemente Russo - Parigi 2024</ref>) ist ein ehemaliger italienischer Boxer im Schwergewicht.

Boxkarriere

Vereine

Russo begann laut eigener Aussage im Alter von etwa 10 Jahren im Club Excelsior von Marcianise mit dem Boxsport, wo er von Domenico Brillantino, Domenico Iodice, Angelo Musone und Giuseppe Foglia trainiert wurde. Nach dem ersten nationalen Titelgewinn wurde er in die Nationalmannschaft des Jugendtrainers Valerio Nati einberufen. Als Erwachsener trainierte er bei Fiamme Oro, der Sportabteilung der Staatspolizei Polizia di Stato. 2012 wechselte er zu Fiamme Azzurre, der Sportabteilung der Strafvollzugspolizei Polizia Penitenziaria, der er bis zu seinem Karriereende angehörte. Zu seinen Trainern zählten Patrizio Oliva, Francesco Damiani und Maurizio Stecca. Mit rund 320 Kämpfen ist Russo bislang der Boxer mit den meisten Kämpfen in allen Kategorien des italienischen Boxsports.<ref>Fiamme Azzurre, il DAP saluta Clemente Russo</ref>

Jugenderfolge

Er gewann fünf nationale Meistertitel im Nachwuchsbereich<ref>Clemente Russo - Fair Play Menarini</ref>, sowie jeweils eine Bronzemedaille im Weltergewicht bei den Kadetten-Europameisterschaften 1997 in Bitola<ref>European Cadet Championships 1997</ref> und 1998 in Jūrmala.<ref>European Cadet Championships 1998</ref> Im Jahr 2000 gewann er eine Bronzemedaille im Halbschwergewicht bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Budapest.<ref>World Junior Championships 2000</ref>

Italienische Meisterschaften

Russo wurde bei den Erwachsenen achtmal Italienischer Meister; 2001 und 2003 im Halbschwergewicht, 2002, 2004, 2005, 2006 und 2007 im Schwergewicht, sowie 2020 im Superschwergewicht. Zwischen 2008 und 2020 hatte er, für italienische Spitzenboxer üblich, nicht an den nationalen Meisterschaften teilgenommen, um sich auf seine internationalen Wettkämpfe zu konzentrieren.<ref>Italian National Championships</ref>

EU-Meisterschaften und Mittelmeerspiele

Bei EU-Meisterschaften unterlag er 2003 in Straßburg und 2004 in Madrid jeweils im Viertelfinale des Halbschwergewichts gegen John Dovi<ref>European Union Championships 2003</ref> bzw. Constantin Bejenaru<ref>European Union Championships 2004</ref>, während er 2005 in Cagliari unter anderem mit einem Sieg gegen Alexander Powernow die Goldmedaille im Schwergewicht erkämpfte.<ref>European Union Championships 2005</ref> 2006 in Pécs verlor er im Viertelfinale des Schwergewichts gegen Vedran Đipalo<ref>European Union Championships 2006</ref> und erreichte 2007 in Dublin nach Siegen gegen Terwel Pulew, John M’Bumba und Krzysztof Zimnoch, sowie einer Finalniederlage gegen Elias Pavlidis, den zweiten Platz im Schwergewicht.<ref>European Union Championships 2007</ref>

2009 und bei den erst fünf Jahre später wieder ausgetragenen Meisterschaften 2014 nahm er nicht teil; die nächsten und bislang letzten EU-Meisterschaften fanden 2018 in Valladolid statt. Dabei schied Russo im Viertelfinale der Superschwergewichtsklasse gegen Ayoub Ghadfa aus.<ref>European Union Championships 2018</ref>

Russo ist darüber hinaus im Schwergewicht Gewinner der Mittelmeerspiele 2005 in Almería<ref>Mediterranean Games 2005</ref> und 2009 in Pescara.<ref>Mediterranean Games 2009</ref>

Europameisterschaften

Bei der Europameisterschaft 2002 in Perm verlor er noch in der Vorrunde der Halbschwergewichtsklasse gegen Mahamed Aryphadschyjeu<ref>European Championships 2002</ref> und 2004 in Pula im Achtelfinale derselben Klasse gegen István Szűcs.<ref>European Championships 2004</ref> 2006 in Plowdiw startete er im Schwergewicht und unterlag im Viertelfinale gegen Alexander Powernow.<ref>European Championships 2006</ref> An den folgenden sieben europäischen Wettkämpfen nahm er nicht teil, ehe er bei den Europaspielen 2019 in Minsk im Superschwergewicht antrat, wobei er in der Vorrunde gegen Marko Milun ausschied.<ref>European Games 2019</ref>

Weltmeisterschaften

Russo nahm im Halbschwergewicht an der Weltmeisterschaft 2003 in Bangkok und den Militärweltspielen 2003 in Catania teil, wo er im Achtelfinale gegen Mahamed Aryphadschyjeu<ref>World Championships 2003</ref> bzw. im Viertelfinale gegen Vüqar Ələkbərov ausschied.<ref>World Military Games</ref> 2004 in Fort Huachuca gewann er die Militär-Weltmeisterschaft im Schwergewicht, wobei ihm auch ein Sieg gegen Dieter Roth gelang.<ref>CISM Championships 2004</ref> Anschließend nahm er an keinen Militärmeisterschaften mehr teil.

Bei der WM 2005 in Mianyang unterlag er im Achtelfinale des Schwergewichts gegen Jasur Matschanov<ref>World Championships 2005</ref>, gewann jedoch 2007 in Chicago nach Siegen gegen Danny Price, Lukáš Viktora, Alexander Powernow, Milorad Gajović, Yushan Nijiati und Rachim Tschachkijew die Goldmedaille im Schwergewicht.<ref>World Championships 2007</ref> 2009 in Mailand verlor er im Achtelfinale gegen Jegor Mechonzew, nachdem er zuvor Julio Castillo und Wassili Lewit besiegt hatte.<ref>World Championships 2009</ref> 2013 in Almaty wiederholte er den Gewinn der Goldmedaille im Schwergewicht, nachdem er sich jeweils gegen Levan Guledani, Jim Andreasen, Marko Ćalić, Teymur Məmmədov und Jewgeni Tischtschenko durchgesetzt hatte.<ref>World Championships 2013</ref>

Olympische Spiele

Russo erreichte 2004 beim olympischen Qualifikationsturnier in Plowdiw mit Siegen gegen Tornike Ivelashvili, Mahamed Aryphadschyjeu und Daugirdas Šemiotas einen Startplatz<ref>Strandja Memorial (olympic qualifier) 2004</ref> bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen, wo er in der Vorrunde des Halbschwergewichts gegen den späteren Olympiasieger Andre Ward ausschied.<ref>Olympic Games 2004</ref>

Durch den WM-Titelgewinn 2007 war er automatisch für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifiziert und erreichte dort mit Siegen gegen Wiktar Sujeu, Oleksandr Ussyk und Deontay Wilder das Finale im Schwergewicht, wo er diesmal gegen seinen WM-Finalgegner von 2007, Rachim Tschachkijew, unterlag.<ref>Olympic Games 2008</ref>

Durch den Gewinn der WSB-Einzelwertung im Schwergewicht<ref>Abutalipov, Wang and Russo claim first three boxing quota places for London 2012</ref> war er auch für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifiziert und drang mit Siegen gegen Tumba Silva, José Larduet und Teymur Mammadov erneut in das Schwergewichtsfinale vor, wo er diesmal knapp gegen Oleksandr Ussyk verlor.<ref>Olympic Games 2012</ref>

Aufgrund seiner Ranglistenplatzierung in der semiprofessionellen APB-Liga<ref>Boxing 2016 Olympic-Games-Results-Book</ref> erhielt er auch einen Startplatz für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Im Schwergewicht startend siegte er gegen Hassan Chagtemi, schied dann aber im Viertelfinale gegen den späteren Olympiasieger Jewgeni Tischtschenko aus.<ref>Olympic Games 2016</ref>

WSB/APB

In der ab 2010/11 als Mannschafts-Weltmeisterschaft organisierten World Series of Boxing (WSB) führte er als Kapitän das italienische Team Italia Thunder zum WSB-Titelgewinn 2012<ref>Dolce Gabbana Milano Thunder Wins Wsb Team</ref>, nachdem er zuvor schon die Individualwertung 2011 gewonnen hatte. Er blieb im genannten Zeitraum ungeschlagen und siegte unter anderem gegen den späteren Olympiasieger Tony Yoka (2×) und den Weltmeister Məhəmmədrəsul Məcidov. Mit diesen Erfolgen sicherte er sich die Olympiateilnahme 2012. Bis zum Ende der Saison 2014 gewann er 19 von 22 Kämpfen und boxte 2017/18 nochmals in der WSB, wo er zwei von vier Kämpfen gewann.<ref>World Series of Boxing individual finals 2011</ref><ref>WSB playoff results: Clemente Russo knocked out in 1st round</ref>

Im August 2014 wurde auch seine Teilnahme an der semiprofessionellen Liga AIBA Pro Boxing (APB) bekanntgegeben<ref>Clemente Russo eager to compete in APB league & quality for 3rd Olympics</ref>, wobei er sich im Turniermodus zweimal für den APB-Titelkampf gegen Alexei Jegorow qualifizierte, dem er jedoch beide Male unterlag. Durch das Erreichen des zweiten Titelkampfes hatte er sich auch für die Olympischen Spiele 2016 qualifiziert.<ref>APB Heavyweight Champion Will Be Determined By Egorov</ref><ref>Aleksey Egorov retains his APB Heavyweight Championship after third victory over Clemente Russo</ref>

Karriereende

Nachdem er aufgrund einer COVID-19-Erkrankung nicht an den Qualifikationsturnieren für die Olympischen Spiele 2020 teilnehmen konnte und auch die vom Olympischen Komitee Italiens beantragte Wildcard durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) abgelehnt worden war, verkündete er im Juli 2021 seinen Rücktritt vom Leistungssport.<ref>Wild card negata a Clemente Russo, non andrà a Tokyo: “Un pugno nello stomaco”</ref><ref>Boxe, Clemente Russo scende dal ring: "Ciao Guagliò". Ora farà l'allenatore</ref>

Sonstiges

Russo ist in Marcianise geboren und aufgewachsen. Er ist seit 2008 mit der ehemaligen Judoka Laura Maddaloni verheiratet und Vater von drei Töchtern. Während und nach seiner Boxkarriere wurde er auch durch TV-Auftritte, unter anderem in den Reality-Shows The Mole, La talpa, Big Brother und L'isola dei famosi, sowie als Hauptdarsteller im Filmdrama Tatanka und als Moderator der Live-Comedy-Sendung Colorado bekannt. Für seine sportlichen Erfolge wurde er 2008 mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik in der Stufe Offizier, sowie mit der höchsten Auszeichnung des Nationalen Olympischen Komitees Italiens, dem Collare d’oro al merito sportivo, ausgezeichnet.<ref>Clemente Russo è un pugile e personaggio televisivo italiano.</ref> 2009 wurde er in den Bundesrat und damit in das höchste Entscheidungsgremium des italienischen Boxverbandes (FPI) gewählt.<ref>Clemente Russo e Angelo Musone nel consiglio federale della Fpi</ref>

Er ist Mitgründer und Mitbetreiber eines 2019 eröffneten Sportzentrums in San Nicola la Strada<ref>Clemente Russo and Maddaloni Brothers, nasce il centro sportivo nel Casertano</ref>, sowie seit 2021 Technischer Direktor der Sportabteilung Fiamme Azzurre der Strafvollzugspolizei Polizia Penitenziaria (Stand: April 2024).<ref>Clemente Russo: “Ho avuto un rigetto dalla boxe. Don King mi stimava, dissi no all’UFC perché senza etica”</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang 1974: Teófilo Stevenson | 1978: Teófilo Stevenson | 1982: Alexander Jagubkin | 1986: Félix Savón | 1989: Félix Savón | 1991: Félix Savón | 1993: Félix Savón | 1995: Félix Savón | 1997: Félix Savón | 1999: Michael Bennett | 2001: Odlanier Solís | 2003: Odlanier Solís | 2005: Alexander Alexejew | 2007: Clemente Russo | 2009: Jegor Mechonzew | 2011: Oleksandr Ussyk | 2013: Clemente Russo | 2015: Jewgeni Tischtschenko | 2017: Erislandy Savón | 2019: Muslim Gadschimagomedow | 2021: Julio César La Cruz | 2023: Muslim Gadschimagomedow | 2025: Muslim Gadschimagomedow Vorlage:Klappleiste/Ende

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