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Ednan Aslan

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Ednan Aslan (geboren am 7. November 1959 in Bayburt) ist ein österreichisch-türkischer Professor für islamische Religionspädagogik am Institut für Islamisch-theologische Studien der Universität Wien. Seine Hauptforschungsgebiete sind Muslime in Europa, muslimische Schüler an öffentlichen Schulen, Gewaltforschung und Radikalisierungsforschung.<ref>https://iits.univie.ac.at/ueber-uns/lehrbeauftragte/ednan-aslan/forschung/</ref> Seit 2012 betreut Aslan die Islam-Landkarte der Universität Wien.<ref>Stefan Beig: Streit um islamische Landkarte. In: Wiener Zeitung. 14. Februar 2012, abgerufen am 21. Februar 2025.</ref>

Ausbildung und Tätigkeiten

Aslan absolvierte 1988 ein Studium der Sozialpädagogik an der Fachhochschule für Sozialwesen in Esslingen. Von 1990 bis 1992 studierte er Pädagogik und Politikwissenschaft an den Universitäten Tübingen und Stuttgart. Er promovierte 1996 an der Universität Klagenfurt über die Religiöse Erziehung der muslimischen Kinder in Österreich und Deutschland.<ref>https://iits.univie.ac.at/ueber-uns/lehrbeauftragte/ednan-aslan/lebenslauf/</ref>

Von 1990 bis 2003 war Aslan Leiter des Instituts für Islamische Erziehung in Stuttgart, von 1997 bis 2003 Lehrender an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.<ref>https://iits.univie.ac.at/ueber-uns/lehrbeauftragte/ednan-aslan/lebenslauf/</ref>

Von 2003 bis 2006 war Aslan Abteilungsleiter der Religionspädagogischen Akademie der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, von 2005 bis 2006 Fachinspektor der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich für den islamischen Religionsunterricht an den Pflichtschulen in Wien.<ref>https://iits.univie.ac.at/ueber-uns/lehrbeauftragte/ednan-aslan/lebenslauf/</ref>

2006 übernahm Aslan die Leitung der Abteilung für Islamische Religionspädagogik an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien, 2017 den Vorstand des Instituts für Islamisch-Theologische Studien an der Universität Wien.<ref>https://iits.univie.ac.at/ueber-uns/lehrbeauftragte/ednan-aslan/lebenslauf/</ref> 2019 wurde er vom Rektor der Universität Wien von seinen Aufgaben als Institutsvorstand enthoben<ref>Lisa Nimmervoll: Aslan als Leiter des islamischen Uni-Instituts abberufen. In: Der Standard. 20. April 2019, abgerufen am 3. September 2023.</ref>, seit November 2022 ist er stellvertretender Institutsvorstand.<ref>Institut für islamisch Theologische Studien: Prof. Dr. Ednan Aslan. In: iits.univie.ac.at. Universität Wien, 23. November 2024, abgerufen am 16. November 2024.</ref>

Positionen

Aslan hatte ursprünglich ein traditionelles, konservatives Verständnis des Islam. Als junger Mann war er unter anderem von der iranischen Revolution fasziniert. Heute gilt er aber als Vertreter eines liberalen Islam.<ref name=":0">Erich Kocina, Eva Winroither: Islamprofessor zwischen den Fronten. In: Die Presse. 8. Juli 2017, abgerufen am 5. September 2023.</ref> Er geht auf Distanz zu einem Islam als unveränderlichem Dogmengebäude, da sich die Scharia den gegebenen Umständen von Zeit und Ort flexibel anpassen müsse. Darin zeige sich eine Offenheit für den Säkularismus, ohne dass sich die europäischen Muslime von ihren religiösen und kulturellen Wurzeln entfremden müssten. Im Hinblick auf den Gesichtsschleier muslimischer Frauen spricht er von einer „archaischen und allzu simplen Theologie“, einer „Gewalttheologie“ und „Theologie der geistigen Zerstörung“. Wer den Gesichtsschleier verteidige, bereite der Verherrlichung theologischer Gewalt den Weg.<ref>Ednan Aslan: Eine Gewalttheologie schlägt Wurzeln. In: Die Presse. 22. November 2008</ref>

Einschätzung des Islam in Österreich

Aslan vermisste 2012 in Österreich einen innerislamischen Diskurs. In einem Interview mit der Presse sagte er, der Diskurs in Bagdad sei im 9. und 10. Jahrhundert vielfältiger und liberaler gewesen als der gegenwärtige in Wien. Seine Einschätzung sehen manche muslimische Verantwortliche intern als Stellungnahme für einen traditionellen Islam, während nach außen hin zum Schein ein für die Gegenwart aufgeschlossener Islam präsentiert würde.<ref>Erich Kocina: Ednan Aslan: „Muslime brauchen gewisse Impulse“. In: Die Presse, 2. Juli 2012</ref>

Er hält eine „Theologie der Gewalt“, die sich seit dem 15. Jahrhundert durchgesetzt habe und zur Norm erstarrt sei, für eine der Ursachen des islamistischen Terrorismus.<ref>Evelyn Finger: Islamistischer Terror: „Diese Gewalt wird gepredigt“, in: Die Zeit 52, 17. Dezember 2014.</ref>

In Bezug auf die Kontroversen vor der Einführung des Islamgesetzes 2015 reagierte Aslan 2014 auf die Kritik verschiedener islamischer Organisationen an dem Gesetzesentwurf. Unter anderem verteidigte er das geplante Verbot der Auslandsfinanzierung muslimischer Organisationen und die Neuregelung der Imamausbildung.<ref>Entwurf: Bundesgesetz, mit dem das Gesetz betreffend die Anerkennung der Anhänger des Islam als Religionsgesellschaft geändert wird</ref><ref>Stellungnahme Aslans zum Entwurf des Islamgesetzes</ref><ref> Österreich: Der Islam wird heimisch, in: Die Zeit, 3. März 2015, von Ednan Aslan</ref>

2015 postulierte Aslan in der Sendung Orientierung des ORF 2, dass alle muslimischen Organisationen in Österreich das Ziel der Terrororganisation IS teilen würden, einen islamischen Staat gründen zu wollen. Zudem würden alle islamisch-theologischen Fakultäten außerhalb von Europa die Theologie des IS lehren.<ref>Farid Hafez: Wie ich zum Staatsfeind erklärt wurde: Die Operation Luxor und der Kreuzzug gegen den "politischen Islam". Promedia, Wien 2024, ISBN 978-3-85371-529-1, S. 61.</ref>

2016 wurde Aslan vom Politikwissenschaftler Farid Hafez angeklagt. Im Verfahren gab Aslan eine Ehren- und Unterlassungserklärung gegenüber Hafez ab, woraufhin das Verfahren unterbrochen wurde.<ref>Gegendarstellung. 1. September 2016, abgerufen am 16. Oktober 2025.</ref>

In einer Studie kam Aslan 2017 zu dem Schluss, islamistische Gewalttäter hätten, anders als in der deutschen Presse oft berichtet, sehr wohl ein Wissen über ihre Religion, den Islam. Die Untersuchung beruht auf 29 biografischen Interviews mit straffälligen Muslimen in Österreich.<ref>Islam spielt bei Radikalisierung größere Rolle als angenommen, Die Welt, 3. August 2017, Bericht nach Die Tagespost</ref>

„Unabhängig von ihrem religiösen Wissensstand sieht eine radikalisierte Person in der Theologie ein Angebot, das ihrem Leben Sinn und Struktur verleiht. Aufschlussreich ist, dass der Großteil der Befragten aus einem gläubigen muslimischen Elternhaus stammt und die Grundlagen des Islam bereits vor der Radikalisierung gekannt hat … Personen, die über ein höheres theologisches Wissen verfügen, fungieren als Autoritäten und spielen bei der Verbreitung der Ideologie eine zentrale Rolle … Wichtig ist ihnen [sc. den Interviewten] die Grenzziehung zur Mehrheit der Gläubigen … Die radikalen Gruppen und Individuen sehen sie als die einzig wahren Muslime... Das soziale Umfeld wird als verkommen wahrgenommen, die Demokratie abgelehnt, der Westen zum Feind der muslimischen Welt erklärt.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Aslan über muslimische gewalttätige Straftäter in Österreich, 2017

Kritisiert wurde diese Studie vom Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger. In seiner Studie kam er zum Ergebnis, es seien keine „Personen mit umfangreichem religiösem Wissen“. Laut dem Islamwissenschaftler Michael Kiefer würden sich viele einen „Lego-Islam“ aufbauen. Ramazan Demir, islamischer Gefängnisseelsorger, Imam und Religionspädagoge, bezeichnete die Studie von Aslan als „definitiv nicht richtig“.<ref>Bernhard Ichner: Experten widersprechen Ergebnissen von Aslans Radikalisierungsstudie. In: Kurier. 1. August 2017, abgerufen am 3. September 2023.</ref>

Islam-Landkarte

Alsan leitet die 2012 geschaffene „Islam-Landkarte“ des Instituts für Islamisch-Theologische Studien der Universität Wien, wobei sich das Forschungsprojekt mit der Datenerfassung und wissenschaftliche Analyse islamischer Kultusgemeinden, Moscheeinrichtungen, Moscheegemeinden, Fachvereine und weitere Einrichtungen befasst. Die Karte liefert somit eine Übersicht über verschiedene Einrichtungen und ihrer geografischen Lage. Das kontroverse Projekt wurde 2021 zu einem Politikum und sorgte für viel Kritik und führt zu einem langjährigen über mehrere Instanzen geführten Rechtsstreit zwischen der Muslimischen Jugend Österreichs (MJÖ) sowie der Universität Wien. In dem Verfahren geht es unter anderem um die Gewichtung zwischen Datenschutz und wissenschaftlicher Freiheit.<ref>Weiter Streit über Islam-Landkarte: Uni Wien kritisiert zu viel Datenschutz. Abgerufen am 21. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Impressum. In: islam-landkarte.at. Abgerufen am 21. Februar 2025.</ref> Auch von wissenschaftlicher Seite wurde die Islam-Landkarte kritisiert. So merkte der Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker (Universität Wien) an: „Nicht jedes Produkt von Menschen im Wissenschaftsbetrieb ist Wissenschaft. Diese Landkarte ist nur als Objekt von Untersuchungen über wissenschaftliche Fehlleistungen von wissenschaftlichem Interesse.“<ref>„Wissenschaftliche Fehlleistung“. Abgerufen am 25. Juli 2025.</ref>

Studie zu islamischen Kindergärten

Die Pilot-Studie über islamische Kindergärten in Wien wurde vom Integrationsministerium finanziert, nachdem eine Finanzierung durch die Stadt Wien, die den ursprünglichen Auftrag erteilt hatte, wegen Geldmangels nicht zustande gekommen war.<ref>Kindergarten-Studie: Islamwissenschafter Ednan Aslan unter Kritik. In: profil.at. 8. Juli 2017 (profil.at [abgerufen am 15. Juli 2017]).</ref> Die Studie führte bereits nach der Veröffentlichung eines Zwischenberichtes der Ergebnisse im Dezember 2015 zu kontroversen öffentlichen Diskussionen.<ref>Siehe hinzu:

</ref> Eine Vorstudie wurde im März 2016 veröffentlicht, eine flächendeckende Studie zu islamischen Kindergärten in Wien war für Herbst 2017 angekündigt. Aslans Einschätzung nach gibt es in Wien etwa 150 islamische Kindergärten und 450 islamische Kindergruppen; insgesamt werden dort mehr als 10.000 Kinder betreut. Die Studie erfasste etwa ein Fünftel dieser Kinder.<ref>Vorstudie: „Kindergärten Wirkstätten politischen Islams“. In: Die Presse. 1. März 2016, abgerufen am 6. Juli 2017.</ref>

Der Studie wurden methodische Mängel vorgeworfen.<ref>Eva Winroither, Anna Thalhammer: Muslimische Kindergärten: Die Unschärfen der Aslan-Studie. 29. Februar 2016, abgerufen am 6. Juli 2017.</ref><ref>Islam-Studie: „Hat mit Forschung nichts zu tun“. In: Der Standard. 6. Juli 2017, abgerufen am 6. Juli 2017.</ref> Aslans Kritik richtet sich nicht gegen eine religiöse Erziehung von Kindern per se, er hält sie aber dann für gefährlich, wenn sie zu „einer religiös-politisch begründeten Isolation“ der Kinder sowie zur Verachtung von Menschen mit anderen Anschauungen führt.<ref>Aslan in einem Gastkommentar im Standard vom 16. Dezember 2015: Eine Studie, viel Aufregung und wenig Augenmaß.</ref> Im Juli 2017 berichtete der Falter, dass Beamte des Außenministeriums in die Vorstudie eingegriffen hätten und Inhalte überspitzt formuliert und verändert haben. Aslan entgegnete, dass er Änderungen angeordnet hätte und hinter der Studie stehe.<ref>Kindergartenstudie: Ministerium in der Kritik. In: ORF. 4. Juli 2017, abgerufen am 6. Juli 2017.</ref> Mouhanad Khorchide sah in der Kritik an Aslans Studie einen Ablenkungsversuch: „Statt sich mit den eigentlichen Fragen nach der Qualität dieser Kindergärten und deren Bildungsauftrag auseinanderzusetzen, wird die Debatte seitens derer, denen die Ergebnisse der Studie zu negativ erscheinen, personifiziert“.<ref>Studie umgeschrieben? Islam-Theologe verteidigt Aslan, in: Die Presse, 5. Juli 2017</ref>

In einer Stellungnahme heben die Mitarbeiter des von Aslan geleiteten Instituts für Islamisch-theologische Studien die freie und transparente Arbeitsweise am Institut hervor, was auch die Arbeit an der Kindergarten-Studie betrifft.<ref>Stellungnahme der Mitarbeiter des Instituts für Islamisch-theologische Studien</ref>

Im Juli 2017 wurde die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) von der Universität Wien mit der Überprüfung der Studie beauftragt.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ÖAWI: Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (Memento vom 1. November 2017 im Internet Archive). Abgerufen am 1. November 2017.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kindergartenstudie: Kommission für wissenschaftliche Integrität der OeAWI nimmt Arbeit auf (Memento vom 1. November 2017 im Internet Archive). Presseaussendung vom 24. Juli 2017, abgerufen am 1. November 2017.</ref> Im November 2017 kamen die Prüfer zu dem Ergebnis, dass kein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliege, die Arbeit allerdings Mängel aufweisen würde. So wurde etwa eine Einflussnahme seitens des Ministeriums bestätigt, in den meisten Fällen handle es sich aber um Änderungen, die den Inhalt nicht verändert hätten.<ref>derStandard.at: Studie zu Islamkindergärten: Prüfer sehen kein wissenschaftliches Fehlverhalten. Artikel vom 8. November 2017, abgerufen am 8. November 2017.</ref><ref>[1]. Link zu den Gutachten im Medienportal der Universität Wien, abgerufen am 25. Maerz 2019.</ref>

Im August 2017 prüfte die Magistratsabteilung 11 (MA 11) rechtliche Schritte gegen Ednan Aslan.<ref>Aslan-Studie: Magistrat prüft rechtliche Schritte. 7. August 2017, abgerufen am 3. September 2023.</ref> Dieser hatte zuvor behauptet, die Stadt Wien führe „mit allen Mitteln eine beispiellose Rufmordkampagne“ gegen ihn und hätte in Zusammenhang mit der Studie zu islamischen Kindergärten Aktenvermerke manipuliert. Nach einer Klage vor dem Handelsgericht verglich sich Aslan im April 2018 mit der Stadt Wien und widerrief seine Behauptungen.<ref>Stadt Wien gegen Aslan: Vergleich. 20. April 2018, abgerufen am 3. September 2023.</ref>

Veröffentlichungen

  • Religiöse Erziehung der muslimischen Kinder in Österreich und Deutschland. Dissertation. Klagenfurt 1997
  • (Hrsg.): Islamische Erziehung in Europa. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2009, ISBN 978-3-205-78310-7
  • (Hrsg.): Islamic Textbooks and Curricula. Lang, Frankfurt [u. a.] 2011, ISBN 978-3-631-63013-6
  • (Hrsg.): Zwischen Moschee und Gesellschaft. Imame in Österreich. Lang, Frankfurt [u. a.] 2012, ISBN 978-3-631-63076-1
  • mit Zsófia Windisch (Hrsg.): The Training of Imams and Teachers for Islamic Education in Europe. Lang, Frankfurt [u. a.] 2012, ISBN 978-3-631-63452-3
  • mit Martin Rothgangel & Martin Jäggle (Hrsg.): Religion und Gemeinschaft. Die Frage der Integration aus christlicher und muslimischer Perspektive. Vandenhoeck & Ruprecht, 2012, ISBN 978-3-8471-0074-4
  • (Hrsg.): Islamische Theologie in Österreich. Institutionalisierung der Ausbildung von Imamen, SeelsorgerInnen und TheologInnen. Lang-Edition, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-631-62869-0
  • mit Elif Medeni & Marcia Hermansen (Hrsg.): Muslima Theology. The Voices of Muslim Women Theologians. Lang-Edition, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-631-62899-7
  • mit Margaret Rausch (Hrsg.): Islamic Education in Secular Societies. Lang-Edition, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-631-64586-4

Siehe auch

Weblinks

Fußnoten

<references/>

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