Hexachlorcyclohexan
Hexachlorcyclohexan, genauer 1,2,3,4,5,6-Hexachlorcyclohexan, ist der Name eines Gemischs von verschiedenen stereoisomeren chemischen Verbindungen aus der Gruppe der Halogenkohlenwasserstoffe.
Überblick
Die verbreitetste Verbindung ist dabei γ-Hexachlorcyclohexan, welches als Insektizid eingesetzt wird und unter dem Namen Lindan besser bekannt ist. Die anderen isomeren chemischen Verbindungen sind α-Hexachlorcyclohexan, β-Hexachlorcyclohexan und δ-Hexachlorcyclohexan. Daneben gibt es in geringer Menge noch ε-Hexachlorcyclohexan. Die η-, θ- und ζ-Isomere wurden nur im Labor synthetisiert.<ref>Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg: Stoffbericht Hexachlorcyclohexan (HCH). 1. Auflage, 1993 (pdf, 7,37 MB).</ref> Da die früher durch den Herstellungsprozess (aus Benzol, das unter UV-Strahlung chloriert wird, wobei fünf der acht möglichen Isomere entstehen) mit vorhandenen und mit ausgebrachten α-, β-, δ- und ε-Isomere sich als geschmacksverändernd, toxischer, als Insektizid weniger wirksam und noch schwerer abbaubar erwiesen, als die ebenfalls nicht unproblematische γ-Struktur (die im technischen Hexachlorcyclohexan nur zu 9–18 % enthalten ist),<ref>Rückstände von Pestiziden im Erdboden (PDF; 978 kB).</ref> wurde später nur isomerenreines γ-Hexachlorcyclohexan als Fraß- und Kontaktgift eingesetzt. Lindan (also γ-Hexachlorcyclohexan) wurde erstmals 1825 durch Michael Faraday hergestellt.<ref>M. Faraday: Ueber neue Verbindungen von Kohlenstoff und Wasserstoff und über einige andere bei der Zersetzung des Oels durch Hitze erzeugte Substanzen. In: Annalen der Physik. Band 81, Nr. 11, Januar 1825, S. 303–334, doi:10.1002/andp.18250811104.</ref><ref>M. Faraday: XXVI. On new compounds of carbon and hydrogen, and on certain other products obtained during the decomposition of oil by heat. In: Philosophical Magazine. Band 66, Nr. 329, 30. September 1825, S. 180–197, doi:10.1080/14786442508673946.</ref> Bei der thermischen Zersetzung bilden sich unter anderem Phosgen und Chlorwasserstoff. α-Hexachlorcyclohexan kommt als einziges 1,2,3,4,5,6-Hexachlorcyclohexan in zwei enantiomeren Formen vor: (+)-α-Hexachlorcyclohexan und (−)-α-Hexachlorcyclohexan. Im Insektizid findet man herstellungsbedingt α-Hexachlorcyclohexan als Racemat [1:1-Gemisch aus (+)-α-HCH und (−)-α-HCH]. In der Leber von wild lebenden Rehen fand man jedoch vornehmlich (−)-α-HCH, die Abbaugeschwindigkeit von (+)-α-HCH ist signifikant höher als die von (−)-α-HCH. Der Abbau erfolgt also enantioselektiv.<ref name=Pfaffenberger></ref>
α-, β- und γ-Hexachlorcyclohexan wurden in den Anhang A des Stockholmer Übereinkommens aufgenommen.<ref>COP4 – Governments unite to step-up reduction on global DDT reliance and add nine new chemicals under international treaty. 9. Mai 2009, abgerufen am 9. März 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zudem ist Hexachlorcyclohexan als „prioritärer gefährlicher Stoff“ in Anhang X der europäischen Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) aufgeführt.<ref>Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik in der konsolidierten Fassung vom 20. November 2014Vorlage:Abrufdatum. Anhang X Nr. 18.</ref>
Außerdem sind α- und β- und γ-HCH unter dem Rotterdamer Übereinkommen über das Verfahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung für bestimmte gefährliche Chemikalien sowie Pestizide im internationalen Handel (Anlage III) geregelt.<ref>Annex III Chemicals. In: pic.int. Abgerufen am 6. Januar 2026.</ref>
Eigenschaften
| 1,2,3,4,5,6-Hexachlorcyclohexane | ||||||||||||
| Name | (−)-α-Hexachlorcyclohexan | (+)-α-Hexachlorcyclohexan | β-Hexachlorcyclohexan | γ-Hexachlorcyclohexan (Lindan) | δ-Hexachlorcyclohexan | ε-Hexachlorcyclohexan | ζ-Hexachlorcyclohexan | η-Hexachlorcyclohexan | θ-Hexachlorcyclohexan | |||
| Strukturformel | (+)-α-HCH | (−)-α-HCH | β-HCH | γ-HCH | δ-HCH | ε-HCH | ζ-HCH | η-HCH | θ-HCH | |||
| räumliche Struktur | Datei:(-)-Alpha-Hexachlorocyclohexane.svg | Datei:(+)-Alpha-Hexachlorocyclohexane.svg | Datei:Beta-Hexachlorocyclohexane.svg | Datei:Gamma-Hexachlorocyclohexane.svg | Datei:Delta-Hexachlorocyclohexane.svg | Datei:Epsilon-Hexachlorocyclohexane.svg | ζ-HCH | η-HCH | θ-HCH | |||
| CAS-Nummer | Vorlage:CASRN (Isomerengemisch) | |||||||||||
| Vorlage:CASRN (Racemat) | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | |||||
| Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | |||||||||||
| PubChem | 727 | |||||||||||
| Summenformel | C6H6Cl6 | |||||||||||
| Molare Masse | 290,83 g·mol−1 | |||||||||||
| Aggregatzustand | fest | |||||||||||
| Kurzbeschreibung | farbloser bis gelblicher kristalliner Feststoff | |||||||||||
| Schmelzpunkt | 158 °C<ref name="GESTIS_a">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 309 °C<ref name="GESTIS_b">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 113 °C<ref name="GESTIS_c">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 139 °C<ref name="GESTIS_d">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 219 °C<ref></ref> | |||||||
| Siedepunkt | 288 °C<ref name="GESTIS_a" /> | 323 °C (Zersetzung)<ref name="GESTIS_c" /> | ||||||||||
| Dichte | 1,89 g·cm−3<ref name="GESTIS_b" /> | 1,85 g·cm−3<ref name="GESTIS_c" /> | 1,55 g·cm−3<ref name="GESTIS_d" /> | |||||||||
| Löslichkeit | sehr schwer löslich in Wasser (0,2–8 mg/l)<ref name="GESTIS_b" /><ref name="GESTIS_c" /><ref name="GESTIS_d" /> | |||||||||||
| GHS-Piktogramme |
Gefahr<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref> | |||||||||||
| H- und P-Sätze | 301‐312‐351‐410<ref name="GESTIS_a" /><ref name="GESTIS_b" /> | 301‐312‐332‐362‐373‐410<ref name="GESTIS_c" /> | 301‐312‐351‐410<ref name="GESTIS_d" /><ref name="Sigma" /> | |||||||||
| keine EUH-Sätze | ||||||||||||
| 201‐202‐273‐280‐301+310‐302+352+312<ref name="GESTIS_a" /> | 202‐264‐273‐280‐301+310‐302+352+312<ref name="GESTIS_b" /> | 260‐263‐273‐280‐301+310‐302+352+312<ref name="GESTIS_c" /> | 202‐264‐273‐280‐301+310‐302+352+310<ref name="GESTIS_d" /> | 273‐280‐301+310‐501<ref name="Sigma" /> | ||||||||
| MAK | Schweiz: 0,1 mg·m−3 (gemessen als einatembarer Staub)<ref name=SUVA-gamma>Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva): Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach 58-89-9 bzw. γ-1,2,3,4,5,6-Hexachlorcyclohexan)Vorlage:Abrufdatum</ref> |
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Weblinks
- CDC: HEXACHLOROCYCLOHEXANE (PDF; 0,3 MB)
Einzelnachweise
<references responsive />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Giftiger Stoff bei Verschlucken
- Gesundheitsschädlicher Stoff bei Hautkontakt
- Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung
- Umweltgefährlicher Stoff (chronisch wassergefährdend)
- Gesundheitsschädlicher Stoff bei Einatmen
- Stoff mit reproduktionstoxischer Wirkung
- Gesundheitsschädlicher Stoff (Organschäden)
- Chlorcycloalkan
- Cyclohexan
- Persistenter organischer Schadstoff nach Stockholmer Übereinkommen
- Persistenter organischer Schadstoff nach dem Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung
- Gefährliche Chemikalie nach dem Rotterdamer Übereinkommen