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Harmotom

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Harmotom
Datei:Harmotome-211584.jpg
Harmotomkristalle aus der Typlokalität Sankt Andreasberg im Hart, Niedersachsen (Gesamtgröße 8,3 cm × 4,5 cm × 3,3 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1997 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Hrm<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel
  • Ba2(Si12Al4)O32·12H2O<ref name="IMA-Liste" />
  • Ba2(Ca0,5,Na)[Al6Si10O32]·12H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate (Tektosilikate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/F.13
VIII/J.25-070

9.GC.10
77.01.03.05
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P21/m (Nr. 11)Vorlage:Raumgruppe/11<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 9,88 Å; b = 14,14 Å; c = 8,69 Å
β = 124,8°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 1<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung meist komplex verwachsen
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5 bis 5<ref name="Lapis" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,41 bis 2,47; berechnet: 2,448<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit deutlich nach {010}, undeutlich nach {001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe farblos, weiß, grau, gelb, rosa, braun<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Glasglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,503 bis 1,508<ref name="Mindat" />
nβ 1,505 bis 1,509<ref name="Mindat" />
nγ 1,508 bis 1,514<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,005 bis 0,006<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 43° (gemessen); 80° (berechnet)<ref name="Mindat" />

Harmotom, auch unter den bergmännischen Bezeichnungen Andreasbergolith oder Kreuzzeolith bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ba2(Si12Al4)O32·12H2O<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Barium-Alumosilikat. Strukturell gehört Harmotom zur Familie der Zeolithe, genauer den Blätterzeolithen.

Harmotom kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische, komplex verwachsene Kristallzwillinge, aber auch körnige bis massige Mineral-Aggregate mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Harmotom farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine graue, gelbe, rosa, braune Farbe annehmen.

Etymologie und Geschichte

Datei:Harmotome-lc441c.jpg
Harmotom in der namensgebenden Zwillingsform

Der Name Harmotom ist zusammengesetzt aus den griechischen Worten

  • {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʰarmós/ „Zusammenfügung“, dessen Wurzel ἀρ-redupliziert in {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ararískɔː/ „(zusammen-/an)fügen“ – belegt als myk. fem. part. perf. <a-ra-ru-ja> /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ararui̯a/ „die zusammengefügte“, verwandt mit lat. artus „Glied“, ars „Kunst“ u. ai. /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɽtá/ɽtú/ – zu finden ist

und

  • τομή /<templatestyles src="IPA/styles.css" />tomɛ́ː/ „Schnitt“ von τέμνω /<templatestyles src="IPA/styles.css" />témn ɔː/ „(ab-/zer)schneiden, brechen“ (belegt in myk. <te-me-no> /<templatestyles src="IPA/styles.css" />témenos/ „abgeteiltes (heiliges) Stück Land“ u. <du-ru-to-mo> /<templatestyles src="IPA/styles.css" />drutómos/ „Holz fällend“), dessen Wurzeln τεμ-/τεμε-/τμη- auch in lat. templum „Tempel“ und vlt. temnō „verachten“ auftreten.

Die Übersetzung zusammengefügte Schnitte nimmt Bezug auf die Art der typischen Zwillingsbildung. Harmotom tritt gewöhnlich in säulenförmigen Zwillingen auf, bei denen die Hauptachsen der beiden Individuen zusammenfallen, die entsprechenden darauf senkrechten Richtungen aber sich kreuzen, also die Makrodiagonale des einen mit der Brachydiagonale des andern zusammenfällt, so dass die Kristalle im Grundriss die Form eines Kreuzes haben<ref>Pierer’s Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 44. bei Zeno.org</ref>. Diese Eigenart führte auch zum Synonym Kreuzzeolith.

Das zweite Synonym Andreasbergolith nimmt Bezug auf die Typlokalität Sankt Andreasberg im Oberharz, wo Harmotom 1801 erstmals entdeckt wurde. Erstmals beschrieben wurde das Mineral von René-Just Haüy.

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Harmotom zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Garronit, Gismondin, Phillipsit und Yugawaralith die „Gismondin-Phillipsit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/F.13 bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/J.25-70. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Harmotom zusammen mit Amicit, Flörkeit, Garronit-Ca, Garronit-Na, Gismondin, Gobbinsit, Martinandresit, Merlinoit, Montesommait, Phillipsit-Ca, Phillipsit-K, Phillipsit-Na und Yugawaralith eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.<ref name="Lapis" />

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Harmotom dagegen in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Gerüststruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten doppelt verbundener Vierer-Ringe“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Phillipsit-Ca, Phillipsit-K und Phillipsit-Na die „Phillipsitgruppe“ mit der System-Nr. 9.GC.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Harmotom in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er in der Gruppe „Gismondin und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.03 innerhalb der Unterabteilung „Echte Zeolithe“ zu finden.

Kristallstruktur

Harmotom kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/m (Raumgruppen-Nr. 11)Vorlage:Raumgruppe/11 mit den Gitterparametern a = 9,88 Å; b = 14,14 Å, c = 8,69 Å und β = 124,8 ° sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Datei:Harmotome - Bellsgrove Quarry, Strontian, North West Highlands, Scotland, UK.jpg
Harmotom-Kristallgruppe aus der Grube „Bellsgrove“ bei Strontian, Schottland (Größe 2,8 cm × 2,4 cm)

Harmotom bildet sich hydrothermal in Hohlräumen von Basalten, Phonolithen, Trachyten und Gneisen. Als Begleitminerale treten unter anderem andere Zeolithe sowie Baryt, Calcit, Galenit, Hyalophan, Kaolinit, Leucit, Pyrit, Quarz, Sphalerit und Strontianit auf.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Als relativ seltene Mineralbildung kann Harmotom an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit wurden bisher rund 300 Fundorte dokumentiert (Stand: 2019). Neben seiner Typlokalität Sankt Andreasberg und den nahe gelegenen Gruben Bergmannstrost und Samson trat das Mineral in Niedersachsen noch in der Grube Sankt Andreaskreuz am Beerberg auf. Weitere bisher bekannte Fundorte in Deutschland sind unter anderem der Nephelin-Basalt-Steinbruch Höwenegg bei Immendingen und der Wollastonit-Phonolith-Steinbruch Fohberg bei Bötzingen in Baden-Württemberg, der Silberberg bei Bodenmais und das Gebiet um Kemnath (Waldeck, Weha) in Bayern, mehrere Steinbrüche bei Hausen (Gießen), Steffenberg und Ober-Widdersheim sowie am Berg Das Buch bei Lindenfels in Hessen, das antiken Bleibergwerke Schwalenbach und Wohlfahrt in der Gemeinde Hellenthal in Nordrhein-Westfalen, mehrere Steinbrüche an verschiedenen Orten in Rheinland-Pfalz, der Große Horst und der Landkreis St. Wendel im Saarland, die Grube Schlickstal im Drängetal nahe Hasserode in Sachsen-Anhalt, mehrere Steinbrüche bei Bautzen und die Himmelsfürst Fundgrube in Sachsen sowie Steinbrüche bei Eisenach, Weitisberga und Schellbach in Thüringen.<ref name="Fundorte" />

Weitere Fundorte liegen unter anderem auf Tasmanien in Australien, an mehreren Orten von England, Schottland und Wales in Großbritannien; in mehreren Regionen von Italien; auf Honshū in Japan; British Columbia, Ontario und Québec in Kanada; auf den nördlichen und südlichen Inseln von Neuseeland; bei Kongsberg (Buskerud), Nittedal (Akershus), bei Oslo, in Trøndelag und am Fluss Sjoa in Norwegen; auf dem Mandlstein, den Hohen Tauern und der Steiermark in Österreich; im russischen Sibirien; Böhmen und Mähren in Tschechien; im Kleingebiet Bátonyterenye in Ungarn; sowie in vielen Regionen der USA.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 278.
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 795–796 (Erstausgabe: 1891).

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 30. Dezember 2019. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Harmotome. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 30. Dezember 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Harmotome Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 30. Dezember 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>