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Kanten

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Datei:Caraway bread.jpg
Kanten eines Roggenbrots mit Kümmel

Der Kanten (von „Kante“; besonders in Norddeutschland verwendete Bezeichnung) ist der Anschnitt oder das Endstück eines Brotlaibes.<ref>Kanten auf Duden.de</ref> Im Bäckergewerbe werden Kanten Anschnitt und Abschnitt genannt.<ref name="Sick-2006">Von Knäppchen, Knäuschen und Knörzchen. In: Spiegel Online. 13. September 2006; abgerufen am 19. August 2012.</ref>

Weitere regionale Bezeichnungen

Regional unterschiedlich werden auch andere Bezeichnungen für den An- und Abschnitt verwendet. Dass überhaupt ein Ausdruck für diesen Teil des Brotes existiert, ist darauf zurückzuführen, dass der Anschnitt eines frisch gebackenen Brotes sehr begehrt war, während das erst nach mehreren Tagen zu verbrauchende Endstück bereits hart und trocken war und oftmals in Flüssigkeit eingetaucht werden musste, bevor man es verzehren konnte. Im deutschen Aberglauben wurden mit dem Kanten verschiedene Vorstellungen verknüpft, etwa die Vorstellungen, das Endstück schmecke besonders gut, sei wichtig für die Zähne, verleihe Kraft und schütze vor Heimweh.<ref>Dialekt à la carte: Erstes abgeschnittenes Stück Brot – Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. August 2021; abgerufen am 22. Januar 2026.</ref>

  • Von Knust, Knus, Knut, Kniest, Knistchen, Kniezchen, Knüppchen, Küppchen oder Knaust spricht man im Nordosten und Nordwesten Deutschlands, aber auch teilweise im Ostmitteldeutschen.<ref name=":0">So bezeichnet die Mehrheit das Endstück vom Brot – kennen Sie den Begriff? 16. Dezember 2024, abgerufen am 1. Januar 2026.</ref>
  • Knorz, Knörzje, Knörzel, Knüstchen, Knüschen, Kürschtje, Knapp oder Knäppchen, Knörzchen, Knärzchen, Knetzle, Knerzla, Knernsche oder Köppla verwendet man im Rheinland, in Hessen, Franken und angrenzenden Gebieten.<ref name=":0" />
  • Rand, Ränftchen, Ranft, Ranften, Ranftl, Ränftl, Ränftel, Ränft, Rauft, Rindl, Rumpftl, Rumptschn sind Ausdrücke für Kanten im Mittel- und Süddeutschen Raum.<ref name=":0" />
  • In Mittelthüringen sind auch die Begriffe Feeze oder Fietze, in Südthüringen der Küppel bekannt.<ref name=":0" />
  • Knäusle, Knüssle, Mürggel, Riebel, Riebele (auch Brotriebel) sind Ausdrücke, die im schwäbisch-alemannischen Sprachraum gebräuchlich sind.<ref name=":0" />
  • Eine besonders im Bairischen und Österreichischen verbreitete Variante ist das Scherzl oder Scherze(r)l (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) „Rinde“) und betrifft ausschließlich die Endstücke.<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref>
  • Im Pfälzischen ist der Begriff Knorze gebräuchlich.<ref name=":0" />
  • Krüstchen sagt man im Limburger Raum, im Hinterland und im Westerwald.<ref name=":0" />
  • In Schwaben hört man für alle Arten von Anschnitt gelegentlich auch den Begriff Giggel.<ref name="Sick-2006" />
  • Im Wiener Dialekt kommt Bugl (für Bugel bzw. Buckel<ref>Brotanschnitt – Buckel. Eintrag in ostarrichi.org – Sprache in Österreich. Abgerufen am 19. August 2012.</ref>) zur Anwendung. Dies insbesondere im Zusammenhang bei der Bestellung beim Würstelstand („A Eitrige, an Bugl und a 16er-Blech“ für „Eine Käsekrainer, ein Brotendstück und eine Dose Ottakringer Bier“).<ref>Robert Sedlaczek: Das 16er Blech macht Karriere. Sedlaczek am Mittwoch. In: Wiener Zeitung. 13. März 2007. Abgerufen am 19. August 2012.</ref>

Knust und Knaust stehen auch für ein dickes, unförmiges, nicht sauber geschnittenes Stück Brot oder Teil eines Brötchens. Auch dazu existieren mehrere umgangssprachliche Varianten. So sagt man in Österreich Trumm, im Oberdeutschen Mocken und im Nord- und Mitteldeutschen Runksen, Runken oder Ranken. In Oberfranken gibt es den Rungsen oder Ranften. Der Begriff Knust wird regional auch für das Kerngehäuse von Kernobst gebraucht.

Als Verkleinerungsformen für den Kanten existieren z. B. Käntchen und Känchen. Scherzhaft wird der Kanten auch Schaukelbemme oder „Hintern“ genannt. Im Nieukerker und Gelderner Raum wird auch der Begriff „Popöchen“ humoristisch für das Ende eines Brotlaibes verwendet.

Siehe auch

Literatur

  • Dieter Berger: Der Knust. Das Endstück des Brotes in Mundart und Volksglauben Niedersachsens. In: Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung. Band 76, 1953, S. 44–63.
  • Nils-Arvid Bringéus [1976]: The Thrive-Bit. A Study of Cultural Adaptation. In: Alexander Fenton (Hrsg.): Food in Perspective. Proceedings of the Third International Conference on Ethnological Food Research. Cardiff, Wales 1977, Edinburgh 1981, S. 31–55.
    • Schwedisches Original: Trivsbiten. En studie i kulturell adaptation. In: Fataburen. Stockholm 1976, S. 185–202, PDF.
  • Wilfried Seibicke: Duden: Wie sagt man anderswo? Landschaftliche Unterschiede im deutschen Sprachgebrauch. 2. Auflage. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1983, ISBN 3-411-01978-6.
  • Eberhard Krienke: Uns Uckermark. Sprache und mundartliche Literatur einer Region. Schibri Verlag, Mirow 1996, ISBN 3-928878-46-8.

Weblinks

Wiktionary: Kanten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />