Zum Inhalt springen

Wohneigentumsquote

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 4. Februar 2026 um 06:16 Uhr durch imported>Redonebird (Abschnittlink korrigiert).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Die Wohneigentumsquote ist das Verhältnis der von Eigentümern selbst bewohnten Wohnungen zu der Gesamtzahl aller Wohnungen.

Allgemeines

Die Wohneigentumsquote soll als volkswirtschaftliche Kennzahl den Anteil der Eigentümer von Wohnraum messen, so dass der restliche Anteil auf Mietwohnungen entfällt. Maßgebend für die Entstehung von Wohneigentum sind ökonomische und demographische Einflüsse wie z. B. Einkommen, Immobilienpreise und Mieten, die Größe des Privathaushalts oder die Bevölkerungsdichte.

Beeinflussende Faktoren

Ferner wird die Wohneigentumsquote von einer ganzen Reihe außerökonomischer Größen bestimmt, z. B. der Wohnlage, historischen Ereignissen und Erfahrungen, die den nationalspezifischen Umgang mit Immobilien beeinflussen wie einer Währungsreform sowie kulturellen Faktoren wie Werten, Lebensstilen und Präferenzen.<ref>Karin Behring, Ilse Helbrecht: Wohneigentum in Europa, hrsg. von der Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg 2002. ISBN 3-933249-54-6</ref> Die Schaffung von Wohneigentum kann mit gezielten wohnungspolitischen Fördermaßnahmen auch ein Instrument der Sozialpolitik sein.<ref>Manfred G. Schmidt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wohneigentum als Äquivalent sozialstaatlicher Sicherung? (Memento des Vorlage:IconExternal vom 19. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archiv.schader-stiftung.de ohne Jahr, abgerufen am 19. Juli 2016</ref>

Durch den Wertverfall von Kapitalvermögen infolge der Weltwirtschaftskrise ab 2007 sowie den Rückgang der Geburtenrate bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung (Überalterung der Gesellschaft) mit den dadurch bedingten Finanzierungsproblemen der gesetzlichen Alterssicherung tritt Immobilienvermögen als Mittel der Altersvorsorge in den Industrienationen zunehmend in den Vordergrund (sog. Betongold).<ref>Ilse Helbrecht: Wohneigentum statt Rente? Demografischer Wandel und Altersvorsorge in acht europäischen Ländern im Vergleich Informationen zur Raumentwicklung Heft 2.2013</ref><ref> O.W. Lerbs, C.A. Oberst: Auswirkungen der Finanz- und Schuldenkrise auf den deutschen Eigenheimsektor / Impacts of the financial and economic crisis on the owner-occupied real estate market in Germany. Journal of Interdisciplinary Property Research (Zeitschrift für Immobilienökonomie), 2/2011, S. 49–65</ref>

Zugleich ist das Bauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wegen der dort verbreiteten Massivbauweise im internationalen Vergleich überdurchschnittlich teuer.<ref>Albrecht Hanser: Vorfertigung im internationalen Vergleich Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzwirtschaft, 2002</ref>

Deutschland

Der soziale Wohnungsbau begann nach dem Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik und gewann nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs noch an Bedeutung.<ref> Linksammlung mit historischen Daten zu Wohnungsbau und -bestand, abgerufen am 19. Juli 2016</ref>

Neben einem Stadt-Land-Gefälle bei der Wohneigentumsquote sind gegenwärtig auch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern festzustellen.<ref> Jörg Hackhausen: Vorteil Eigenheim Handelsblatt, 26. Mai 2014</ref><ref>Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Wohneigentum Juni 2009</ref> In Berlin ist die Quote mit rund 15 % am geringsten.<ref> Entwicklung und Eigentumsquote in Berlin Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 17/13709 vom 15. Mai 2014</ref> Die Wohneigentumsquote hängt zudem stark vom Haushaltseinkommen ab.<ref>Institut der deutschen Wirtschaft: Wohneigentumsquote: Die Mehrheit mietet Pressemitteilung Nr. 28 vom 13. Mai 2016</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Strukturkompass: Indikator L109 - Wohneigentumsquote (%) (Memento des Vorlage:IconExternal vom 19. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.sachsen-anhalt.de Webseite des Statistischen Landesamts Sachsen-Anhalt, Stand: 1. Januar 2014</ref>

Die Wohneigentumsquote ist in Deutschland verglichen mit den anderen europäischen Ländern und den USA relativ gering, in den Jahren 1993 bis 2018 aber von 38,8 % auf 46,5 % gestiegen.<ref>Entwicklung der Wohneigentumsquoten in Deutschland (in Prozent von 1950 bis 1998) WohnungsWirtschaft im Netz</ref><ref>Entwicklung der Wohneigentümerquote in Deutschland in den Jahren 1993 bis 2010 statista.de, abgerufen am 19. Juli 2016</ref><ref name="Destatis">Eigentümerquote nach Bundesländern im Zeitvergleich. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 16. April 2023.</ref> Die absolute Zahl der Wohneigentümer hat sich dabei jedoch nicht wesentlich erhöht, die Zunahme wird vor allem mit einem Kohorteneffekt erklärt. Danach sind in den betreffenden Jahren vor allem ältere Mietergenerationen weggefallen.<ref>Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft: Vereinfachungspotenziale Wohn-Riester - Mehr Wahlfreiheit, geringere Hemmschwellen Berlin, 2012</ref>

Die niedrige Quote hat eine ganze Reihe von Ursachen. So erschweren Eigenkapital-Anforderungen der Banken den Erwerb von Wohneigentum. Die Wohnungspolitik schafft Anreize für das Mieten.<ref>Wohneigentumsquote in Deutschland stagniert – Hauptgrund Kapitalmangel Haufe Online-Redaktion, 26. Februar 2018</ref><ref>Leo Kaas, Georgi Kocharkov, Edgar Preugschat, Nawid Siassi, 14. Januar 2020: Gründe für die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland Bundesbank Online, Research Brief</ref> Beim Erwerb einer vermieteten Wohnung kann der Vermieter Schuldzinsen von der Einkommensteuer absetzen, was aber beim Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum nicht möglich ist. Die Erbschaft- und Schenkungsteuer gewährt durch § 13d Erbschaftsteuergesetz auf zu Wohnzwecken vermieteten Wohnraum einen Bewertungsabschlag von 10 %. Auch das deutsche Mietrecht trägt dazu bei, dass der Erwerb von Wohneigentum zum Zwecke der Vermietung professionellen und privaten Investoren seit Jahrzehnten attraktiv erscheint.

Nach Bundesländern

Nach Bundesländern ergibt sich folgende Aufstellung:<ref name="Destatis" /><ref>Home ownership rate in the EU-28 2018, Statista</ref>

Bundesland
2018 in %

2014 in %
Berlin 17,4 Datei:Green Arrow Up.svg 14,2 Datei:Red Arrow Down.svg
Hamburg 23,9 Datei:Green Arrow Up.svg 22,6 Datei:Green Arrow Up.svg
Sachsen 34,6 Datei:Green Arrow Up.svg 34,1 Datei:Green Arrow Up.svg
Bremen 37,8 Datei:Red Arrow Down.svg 38,8 Datei:Green Arrow Up.svg
Mecklenburg-Vorpommern 41,1 Datei:Green Arrow Up.svg 38,9 Datei:Green Arrow Up.svg
Nordrhein-Westfalen 43,7 Datei:Green Arrow Up.svg 42,8 Datei:Green Arrow Up.svg
Sachsen-Anhalt 45,1 Datei:Green Arrow Up.svg 42,4 Datei:Red Arrow Down.svg
Thüringen 45,3 Datei:Green Arrow Up.svg 43,8 Datei:Red Arrow Down.svg
Deutschland 46,5 Datei:Green Arrow Up.svg 45,5 Datei:Red Arrow Down.svg
Hessen 47,5 Datei:Green Arrow Up.svg 46,7 Datei:Red Arrow Down.svg
Brandenburg 47,8 Datei:Green Arrow Up.svg 46,4 Datei:Green Arrow Up.svg
Bayern 51,4 Datei:Green Arrow Up.svg 50,6 Datei:Red Arrow Down.svg
Baden-Württemberg 52,6 Datei:Green Arrow Up.svg 51,3 Datei:Red Arrow Down.svg
Schleswig-Holstein 53,3 Datei:Green Arrow Up.svg 51,5 Datei:Green Arrow Up.svg
Niedersachsen 54,2 Datei:Red Arrow Down.svg 54,7 Datei:Green Arrow Up.svg
Rheinland-Pfalz 58,0 Datei:Straight Line Steady.svg 57,6 Datei:Red Arrow Down.svg
Saarland 64,7 Datei:Green Arrow Up.svg 62,6 Datei:Green Arrow Up.svg
Europa 69,3 Datei:Red Arrow Down.svg 70,0 Datei:Red Arrow Down.svg

Während die Stadtstaaten die niedrigsten Quoten aufweisen, sind in den Flächenstaaten höhere Eigentumsquoten zu verzeichnen. Damit lag Deutschland im europäischen Vergleich 2016 vor der Schweiz (42,5 %) am Ende der Skala.

Im Zeitvergleich

Eigentümerquote Deutschland nach Jahr
Jahr 1998 2002 2006 2010 2014 2018
Quote 40,9 % 42,6 % 41,6 % 45,7 % 45,5 % 46,5 %
Quelle: Statistisches Bundesamt<ref name="Destatis" />

Österreich

Mit dem Gemeindebau entstand in Österreich seit den 1920er Jahren der soziale Wohnungsbau. Im Jahr 2021 lag die Wohneigentumsquote mit 54 % deutlich über derjenigen in Deutschland (49 %),<ref name="eurostat2021" /> jedoch drei Prozentpunkte niedriger als 2014.<ref>Wohnstatistiken/Wohnbesitzverhältnisse Eurostat, November 2015</ref>

Schweiz

Im Jahr 2021 betrug die Wohneigentumsquote in der Schweiz 42,2 %.<ref name="eurostat2021" /> 2014 waren es noch lediglich 37,4 % gewesen. Die steigende Tendenz war vor allem auf die Zunahme bei Stockwerkeigentum zurückzuführen.<ref>Stefan Pulfer: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wohneigentumsquote (Memento vom 19. Juli 2016 im Internet Archive) Webseite des Bundesamts für Wohnungswesen, abgerufen am 19. Juli 2016</ref> Je städtischer ein Gebiet ist, desto tiefer ist die Quote. Am tiefsten ist sie im Kanton Basel-Stadt mit 16,0 Prozent, die höchsten Quoten haben Wallis (57,2 Prozent), das viele Baulandreserven hat, und Kanton Appenzell Innerrhoden (57,0 Prozent).<ref>Statistik Schweiz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wohneigentumsquote nach Kanton (Memento vom 29. August 2016 im Internet Archive)</ref>

In der Schweiz ist der Anteil an Mietwohnungen bei 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen höher, während bei 5-Zimmer- und größeren Wohnungen der Eigentumsanteil höher ist. Eigentumsquote nach Zimmeranzahl:<ref>Statistik Schweiz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wohnverhältnisse nach Zimmerzahl und Bewohnertyp (Memento vom 10. März 2016 im Internet Archive), abgerufen am 10. März 2016</ref>

1-Zimmer 2-Zimmer 3-Zimmer 4-Zimmer 5-Zimmer 6-Zimmer und größer
Wohneigentumsquote 2014 9,0 % 13,4 % 24,8 % 45,6 % 74,4 % 89,4 %

Weitere Europäische Union

Die durchschnittliche Wohneigentumsquote in der Europäischen Union (EU) liegt seit Jahren stabil um die 70 %.<ref> Wohnstatistiken/Wohnbesitzverhältnisse Eurostat, Dezember 2020</ref><ref>Distribution of population by tenure status, 2014 (% of population) Bevölkerung nach Wohnbesitzverhältnissen, 2014 (in % der Bevölkerung), Eurostat, 2015 (graphische Darstellung)</ref><ref>Stefan Buchberger: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Immobilien-Eigentumsquote in Europa - EU-Schlusslicht Deutschland (Memento vom 18. Juli 2016 im Internet Archive) 14. August 2015</ref>

In postrealsozialistischen Staaten liegt die Quote innerhalb der EU am höchsten. So waren 2021 die Länder mit dem höchsten Eigentümeranteil Rumänien (95 %), Ungarn (92 %), Kroatien (91 %), Litauen (89 %) und Polen (87 %).<ref name="eurostat2021">Share of people living in households owning or renting their home, 2021. In: europa.eu. Eurostat, abgerufen am 15. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die hohe Eigentumsquote in diesen Staaten wird mit der dortigen Privatisierung nach dem Ende des Realsozialismus erklärt.<ref>Andreas Kunze: Immobilieneigentum: Deutschland fast am Ende in Europa. 10. September 2012, abgerufen am 15. April 2023.</ref> In Westeuropa liegen die Mittelmeerländer an der Spitze (Malta 82 %, Portugal 78 %, Spanien 76 %, Italien 74 %, Griechenland 73 %). In den Beneluxländern liegt die Quote bei 70 bis 71 %, in Frankreich bei etwa 65 %; in den skandinavischen EU-Ländern rangierte sie 2021 von 70 % in Finnland über 65 % in Schweden bis 59 % in Dänemark. Österreich (54 %) und Deutschland (49 %) sind in der EU die Länder mit der geringsten Eigentumsquote.<ref name="eurostat2021" />

Weblinks

Einzelnachweise

<references />