„Ss“ – Versionsunterschied
imported>Ralf Roletschek AZ: Weiterleitung nach SS (Begriffsklärung) erstellt |
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[[Datei:ß in various fonts.svg|mini|Der Buchstabe ß in verschiedenen Schrifttypen]] | |||
[[Datei:Zehn Krayse - Seite3.jpg|mini|ſ, s, ſs und ſʒ in der Reichsmatrikel der zehn [[Reichskreis]]e von 1532 ([[s:Hernach volgend die zehen Krayß|Wikisource]])]] | |||
Das [[Schriftzeichen]] '''ẞ''' ([[Großes ß|Großbuchstabe]]) bzw. '''ß''' (Kleinbuchstabe) ist ein [[Buchstabe]] des [[Deutsches Alphabet|deutschen Alphabets]]. Er wird als '''Eszett''' [{{IPA|ɛsˈt͜sɛt}}], '''scharfes S''' oder '''Scharf-S''' bezeichnet,<ref>[http://www.duden.de/rechtschreibung/sz_Buchstabe Duden zu ''ß'']</ref><ref>[https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/doppel-s-und-scharfes-s Duden zur s-Schreibung]</ref><ref>[https://www.atlas-alltagssprache.de/runde-7/f05d/ Atlas zur deutschen Alltagssprache]</ref> umgangssprachlich auch als „Doppel-S“ (in diesem Sinn nur vereinzelt in der Schweiz), „Buckel-S“, „Rucksack-S“, „Dreierles-S“ oder manchmal auch missverständlicherweise als „[[Schluss-s|Ringel-S]]“, dies bezeichnet jedoch üblicherweise eine andere S-Variante. | |||
Das ß dient zur Wiedergabe des [[Stimmloser alveolarer Frikativ|stimmlosen s-Lautes]] {{IPA|[s]|s}}. Es ist der einzige Buchstabe des [[Lateinisches Schriftsystem|lateinischen Schriftsystems]], der heutzutage ausschließlich zur Schreibung deutscher Sprachen und ihrer [[Dialekt]]e verwendet wird, so in der [[Sprachnorm|genormten]] Rechtschreibung des [[Standarddeutsch]]en und in einigen Rechtschreibungen des [[Niederdeutsche Sprache|Niederdeutschen]], sowie in der Vergangenheit auch in einigen Schreibungen des [[Sorbische Sprache|Sorbischen]]. Allerdings wird es nicht in der [[Schweizer Hochdeutsch|Schweiz]]<ref name="BK">Schweizerische Bundeskanzlei: {{Webarchiv |url=http://www.bk.admin.ch/dokumentation/sprachen/04915/05018/index.html?lang=de |text=''Leitfaden zur deutschen Rechtschreibung 2008'' |wayback=20131029200807}} Leitfaden zur deutschen Rechtschreibung. 3. Aufl. 2008.</ref> und [[Liechtenstein]] verwendet. Der offizielle Gebrauch der deutschen Sprache in [[Belgien]],<ref>[http://www.dglive.be/desktopdefault.aspx/tabid-506//739_read-986/ Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien: Zuständigkeiten]</ref> [[Dänemark]] ([[Nordschleswig]]),<ref>{{Webarchiv |url=http://www.nordschleswiger.dk/SEEEMS/2.asp |text=Website der deutschsprachigen Tageszeitung „Der Nordschleswiger“ (Dänemark) |wayback=20071217084053}}</ref> und [[Namibia]]<ref>Beispieltext: [http://www.nied.edu.na/assets/documents/02Syllabuses/03SeniorPrimary/GermanFirstLanguage/SP_Syllabuses_FL-GE_Mar2015.pdf ''Lehrplan für Deutsch als Muttersprache Klassen 4–7''; Republic of Namibia: Ministry of Education, Arts and Culture]</ref> sowie [[Italien]] ([[Südtirol]])<ref>{{Webarchiv|url=http://www.provinz.bz.it/landmaus/de/landmaus-online/landmaus-herunterladen.asp?redas=yes&somepubl9_action=300&somepubl9_image_id=154911 |wayback=20161024231824 |text=Landmaus Nr. 12 }}</ref> orientiert sich bei der Verwendung des ß an den in [[Deutschland]] bzw. [[Österreich]] geltenden Rechtschreibregeln. Ebenso wird in [[Luxemburg]] verfahren.<ref>Ministerin für Erziehung und Berufsausbildung, Mady Delvaux-Stehres: ''Communiqué – Neuregelung der deutschen Rechtschreibung im luxemburgischen Schulsystem.'' 3. August 2005 ({{Webarchiv |url=http://www.gouvernement.lu/salle_presse/communiques/2005/08/03delvaux_rechtschreibung/index.html |text=online |wayback=20130521005930}})</ref> | |||
Historisch gesehen geht das ß in der deutschen Sprache auf eine [[Ligatur (Typografie)|Ligatur]] aus dem [[Langes s|ſ]] (langen s) und [[z]] zurück.<ref group="Anm">Siehe Abschnitt [[#Entstehungsgeschichte|Entstehungsgeschichte]].</ref> Bedeutsam für die Form des ß in den heutzutage üblichen [[Antiqua]]-Schriftarten war jedoch auch eine Ligatur aus langem ſ und rundem s, die bis ins 18. Jahrhundert auch in anderen Sprachen gebräuchlich war.<ref group="Anm">Siehe Abschnitt [[#Die ſ-s-Ligatur in der Antiqua]].</ref> | |||
Das ß dient überdies in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Texten sowie allgemein in Dänemark und [[Norwegen]] bis ins 19. Jh. als Abkürzung für die Währung [[Schilling]]<ref>[https://wiki.genealogy.net/Abk%C3%BCrzungen_von_M%C3%BCnzen Abkürzungen von Münzen] Eintrag im [[GenWiki]], abgerufen am 9. September 2012.</ref> und „ßo“ steht für das Zählmaß [[Alte Maße und Gewichte (deutschsprachiger Raum)#Schock|Schock]].<ref>{{Literatur |Autor=Lempe Johann Friedrich |Titel=Bergmännisches Rechenbuch |Datum=1787 |Seiten=345 |Online=https://www.google.com/books/edition/Bergm%C3%A4nnisches_Rechenbuch/SCY7AAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&pg=PA345&printsec=frontcover}}</ref> | |||
Seit dem 29. Juni 2017 ist das [[Großes ß|große ß – ẞ]] – Bestandteil der amtlichen [[Deutsche Rechtschreibung|deutschen Rechtschreibung]].<ref name="Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung aktualisiert">{{Internetquelle |autor=Rat für deutsche Rechtschreibung |url=http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2017-06-29_Aktualisierung_Regelwerk.pdf |titel=Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung aktualisiert (Pressemitteilung) |format=PDF |abruf=2017-06-29}}</ref><ref name="Das ändert sich sofort an unserer Rechtschreibung">{{Internetquelle |url=https://www.welt.de/kultur/article166057791/Das-aendert-sich-sofort-an-unserer-Rechtschreibung.html |titel=Aus für „Majonäse“: Das ändert sich sofort an unserer Rechtschreibung |werk=welt.de |abruf=2017-06-29}}</ref> Über seine Aufnahme in das [[Deutsches Alphabet|deutsche Alphabet]] wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert. | |||
== Entstehungsgeschichte == | |||
[[Datei:Ausschnitt Titelseite im Siebmachers Wappenbuch.png|mini|Eine dem '''ß''' ähnliche Verwendung des deutlich getrennten '''ſs''' (im Wort '''groſses''') in [[J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch|Siebmachers Wappenbuch]] im Jahr 1777.]] | |||
[[Datei:Sz-ligatur-deutsche-kurrent.png|mini|[[Langes s]], z und ß in [[Deutsche Kurrentschrift|Deutscher Kurrentschrift]] (1866)]] | |||
=== Entstehung des ß in der deutschen Sprache === | |||
Im Zuge der [[Zweite Lautverschiebung|Zweiten Lautverschiebung]] im 7. und 8. Jahrhundert waren aus germanischem {{IPA-Phonem|t}} und /{{IPA|tː}}/ zwei verschiedene Laute entstanden – ein [[Frikativ]] und eine [[Affrikate]] –, die zunächst beide mit ''z'' oder ''zz'' wiedergegeben wurden. Zur besseren Unterscheidung gab es seit dem Althochdeutschen Schreibungen wie ''sz'' für den Frikativ und ''tz'' für die Affrikate.<ref>{{Literatur |Autor=Wolf-Dieter Michel |Titel=Die graphische Entwicklung der s-Laute im Deutschen |Sammelwerk=[[Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur]] |Band=81 |Ort=Halle (Saale) |Datum=1959 |Seiten=456–480 |Fundstelle=hier S. 461}}</ref> | |||
Der mit ''s'' bzw. ''ss'' geschriebene Laut, der auf ein ererbtes germanisches /s/ zurückgeht, unterschied sich von dem mit ''sz'' geschriebenen; das ''s(s)'' wurde als stimmloser retrahierter apiko-alveolarer Frikativ [s̠̺] ausgesprochen (d. h. mit deutlicher Tendenz zum /sch/-Laut, aber ohne Lippenrundung), das ''sz'' hingegen als stimmloser lamino-dentaler Frikativ [s̪̻] (d. h. mit starkem Zischton).<ref>{{Literatur |Autor=Helmut Esau |Titel=The Medieval German Sibilants /S/ and /ʐ/ |Sammelwerk=The Journal of English and Germanic Philology |Band=75 |Nummer=1/2 |Datum=1976 |ISSN=0363-6941 |Seiten=188-197 |Online= |Abruf=}}</ref><ref>{{Literatur |Autor=Douglas Q. Adams |Titel=The Distribution of Retracted Sibilants in Medieval Europe |Sammelwerk=Language |Band=51 |Nummer=2 |Datum=1975 |ISSN=0097-8507 |DOI=10.2307/412855 |Seiten=282–292 |Online= |Abruf=}}</ref> Auch als damals (im 13./14. Jahrhundert?) diese zwei Laute zu einem nicht-retrahierten [s] zusammenfielen (im [[Zimbrisch]]en, einer südbairischen Sprachinselmundart in Italien, ist der Unterschied bis in die Neuzeit erhalten geblieben<ref>[[Thesaurus Indogermanischer Text- und Sprachmaterialien|TITUS]]: [https://titus.uni-frankfurt.de/didact/zimbr/course/lesson1/remigius.htm ''Remigius Geisers Zimbrischkurs'' – Grundkurs in klassischem Zimbrisch: 1. Lektion (Aussprache)]</ref> – vor allem im besonders konservativen Dialekt der Sieben Gemeinden,<ref>TITUS: [https://titus.uni-frankfurt.de/didact/zimbr/course2/erg2.htm ''Remigius Geisers Zimbrischkurs'' – Grundkurs in klassischem Zimbrisch: Ergänzungslektion E2: Wieso „klassisches“ Zimbrisch?]</ref> wie in [[Asiago (Venetien)|Asiago]], aber auch in manchen anderen konservativen Dialekten wie [[Gottscheerisch#Unterscheidung zwischen mittelhochdeutsch s und z|Gottscheerisch]], vgl. [[Mittelhochdeutsche Sprache#Konsonanten|Mittelhochdeutsche Sprache § Konsonanten]]), behielt man beide Schreibungen bei. Man brachte sie aber dadurch durcheinander, weil niemand mehr wusste, wo ursprünglich ein ''sz'' gestanden hatte und wo ein ''ss''. | |||
Bei der Einführung des [[Buchdruck]]s im späten 15. Jahrhundert wurden Druckschriften aus den damals geläufigen [[Gebrochene Schrift|gebrochenen Schriften]] geschaffen. Dabei wurde für die häufig auftretende Buchstabenkombination aus [[Langes s|langem ''ſ'']] und [[z mit Unterschlinge]] („ſʒ“) eine Ligatur-[[Letter]] geschnitten. Diese [[Ligatur (Schrift)|Ligatur]] behielt man auch bei später eingeführten Druckschriften wie der [[Fraktur (Schrift)|Fraktur]] bei. | |||
=== Möglicher Einfluss tironischer Noten === | |||
Der [[Typograph]] [[Max Bollwage]] vermutet,<ref name="bollwage1999">Max Bollwage: ''Ist das Eszett ein lateinischer Gastarbeiter? Mutmaßungen eines Typografen''. In: ''Gutenberg-Jahrbuch'', Mainz 1999, ISBN 3-7755-1999-8, S. 35–41.</ref><ref name="bollwage2015">Max Bollwage: ''Kein Zett im Eszett? Mutmaßungen eines Typographen''. In: ''Buchstabengeschichte(n) : wie das Alphabet entstand und warum unsere Buchstaben so aussehen'', Graz 2015, ISBN 978-3-201-01998-9, S. 119–123.</ref> dass der Ursprung des Zeichens auf die [[Tironische Noten|tironischen Kürzungszeichen]] „-is“, „-um“, „et“ o. ä. in Form einer drei bzw. „sed“ und „ser“ in Form eines Hakens zurückzuführen sei. Der Typograph und Sprachwissenschaftler [[Herbert Brekle]] widerspricht dieser These.<ref name="brekle2001">Herbert E. Brekle: ''Zur handschriftlichen und typographischen Geschichte der Buchstabenligatur ß aus gotisch-deutschen und humanistisch-italienischen Kontexten''. In: ''[[Gutenberg-Jahrbuch]]'', Mainz 2001, ISBN 3-7755-2001-5, S. 67–76 ([https://epub.uni-regensburg.de/19612/5/Jahrbuch_2001.pdf online])</ref> Die Es-Zett-Ligatur lasse sich bis ins 14. Jahrhundert nachweisen. Die Kürzungszeichen seien nur für eine Übergangszeit „zur Repräsentation des stimmlosen s-Lautes umfunktioniert“ worden, druckschriftlich „setzt sich dagegen in der [[Schwabacher]]- und [[Fraktur (Schrift)|Frakturschrift]] ab dem frühen 16. Jh. die eigentliche Es-Zett-Ligatur durch.“<!-- Quelle: Abschnitt „Ergebnis“ in Brekels Artikel --> Bollwage vertritt die typographische Sichtweise, z und das „einer 3 gleichende Abkürzungszeichen“<!-- in [[Tironische Noten]] z.Z. nicht zu finden!--> bzw. der Haken sei vereinzelt aus offensichtlichen Gründen mit der Form des z zusammengefallen, bemerkenswert sei jedoch, „dass die Form der 3 unverändert geblieben ist und jahrhundertelang die Wandlung des Z nicht mitgemacht hat“. | |||
=== Das ß in der Antiqua === | |||
[[Datei:Szlig.svg|mini|hochkant|Das „ß“ als „ſs“-[[Ligatur (Typografie)|Ligatur]] in einer [[Antiqua]]-Schrift sowie als „ſz“-Ligatur in [[Textura]]- und [[Fraktur (Schrift)|Fraktur]]-Schrift.]] | |||
[[Datei:Arrighis-ß-Ligatur.jpg|mini| Ligaturen von ''ſf, ſſ, ſs (ß)'' und ''ſt'' in der ''Cancellaresca'' von [[Ludovico degli Arrighi|Arrighi]] 1522, darüber unligiertes ''ſs'']] | |||
[[Datei:PressoAlla.JPG|mini|''ß'' in [[Schreibschrift|kursivem]] [[Italienische Sprache|italienischem]] Text für ''ss'' bzw. ''ſs'': ''„preßo alla“'' statt „presso alla“. Venedig 19. Jahrhundert]] | |||
In einigen der ab dem 15. Jahrhundert entstehenden Antiquaschriften ist es eine Ligatur von langem ''ſ'' und rundem ''s''. Für das deutsche Eszett der gebrochenen Schriften wurde erst im 19. Jahrhundert ein Antiqua-Gegenstück entworfen. Dagegen gibt es für eine ''ſs''-Ligatur viel ältere Belegstellen. Die genaue Beziehung des Antiqua-ß zu Eszett und ''ſs''-Ligatur ist umstritten. | |||
==== Die ſ-s-Ligatur in der Antiqua ==== | |||
In Italien, wo die Antiqua entwickelt worden war, entstand eigenständig eine kursive Ligatur aus [[Langes s|langem ſ]] und [[Schluss-s|rundem s]], lange bevor das lange ſ im Laufe des 18. Jahrhunderts außer Gebrauch geriet. Die beiden Buchstaben wurden mit einem losen Bogen verbunden; dies war eine rein kalligrafische und typografische Variation ohne orthografische Funktion. Sie erscheint sowohl in Handschriften als auch im Druck bis Ende des 17. Jahrhunderts als eine Alternative für ''ſſ'' bzw. ''ss'' im Wortinneren. Die kursive Ligatur erscheint vor allem in Werken in [[Lateinische Sprache|lateinischer]], [[Italienische Sprache|italienischer]] und [[Französische Sprache|französischer]] Sprache.<ref name="brekle2001" /> | |||
Die ''ß''-Ligatur in der Antiqua findet sich erstmals bei einer um das Jahr 1515 entstandenen Schrift von [[Ludovico degli Arrighi|Lodovico Vicentino degli Arrighi]]. Er nahm sie auch 1522 in sein Kalligrafielehrbuch ''La Operina'' auf. In der „lateinischen“ Alltagsschrift des 17. und 18. Jahrhunderts erschien in Frankreich, England und eingeschränkt in Deutschland als Äquivalent zu ''ß'' die Ligaturform ''ſs'', wobei das lange s die Schleifen erhielt.<ref name="brekle2001" /> Im Druck lässt sich die [[Kursivschrift|kursive]] ''ß''-Ligatur bis auf einige Seiten (f. 299v.–302v.) einer [[Titus Livius|Livius]]-Ausgabe aus dem Jahre 1518 zurückverfolgen, wo sie in freier Variation zur ''ſſ''-Ligatur steht, die auch im restlichen Werk exklusiv vorkommt. Die Ausgabe trägt das Zeichen von [[Aldus Manutius]], erschien aber drei Jahre nach seinem Tod als Gemeinschaftsarbeit nach seiner Grundidee. | |||
Im Jahre 1521 erschien in Basel eine deutsche Übersetzung (Leonis Judae) von [[Enchiridion militis Christiani]] von [[Erasmus von Rotterdam]].<ref>{{cite book |author=Desiderius Erasmus |authorlink= |title=Enchiridion oder handtbuechlin eins waren Christenlichen vn[d] strytbarlichen lebens |date=1521 |location=Basel |language=de |url=https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10198492 }}</ref> Sie ist in einer Kursiv-Antiqua mit ''ß''-Ligaturen gedruckt, wobei diese sich in Wortformen wie ''wyßheit'', ''böß'' und ''schloß'' findet. | |||
Bis weit in das 17. Jahrhundert hinein gehörte es zu den typografischen Satzkonventionen in Italien, Frankreich und etwas weniger in Deutschland, vor allem in lateinischen, aber auch teilweise in italienischen und französischen Werken bei Antiquakursivsatz, die ''ß''-Ligatur zu verwenden. Sie kommt auch auf einigen Titelblättern von um 1620 gedruckten Werken von [[Johannes Kepler]] vor. | |||
Erst mit zunehmendem Druck deutscher Texte in Antiqua im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert erhielten auch gerade Antiquaschriften eine ß-Ligatur, die je nach orthografischer Konvention alternierend zu ''ſs''- oder ''ss''-Sequenzen verwendet wurde. Davor gab es vereinzelte Vorkommen dieser Typen.<ref name="brekle2001" /> | |||
Als die Nationalsozialisten in Deutschland im Jahr 1941 die Fraktur und sonstige [[Gebrochene Schrift|gebrochene Schriften]] abschafften und die Antiqua als „Normal-Schrift“ einführten, wurde von den zuständigen Ministerien auch eine Abschaffung des ß in Antiqua beschlossen, da der Buchstabe im Ausland unbekannt und selten in Antiqua-Schriften vorhanden war. Hitler intervenierte aber. Aus einem Schreiben des Reichsministers der Reichskanzlei: „Der Führer hat sich für eine Beibehaltung des ‚ß‘ in der Normalschrift entschieden. Er hat sich aber gegen die Schaffung eines großen ‚ß‘ ausgesprochen. Bei der Verwendung großer Buchstaben soll das ‚ß‘ vielmehr als ‚SS‘ geschrieben werden.“<ref>Schreiben des Reichsministers und Chefs der Reichskanzlei an den Reichsminister des Innern vom 20. Juli 1941. BA, Potsdam, R 1501, Nr. 27180. Enthalten in: Der Schriftstreit von 1881 bis 1941 von Silvia Hartman, Peter Lang Verlag, ISBN 978-3-631-33050-0</ref> | |||
==== Die deutsche Ersatzschreibung in Antiqua ==== | |||
[[Datei:Fraktur, Antiqua und Ersatzschreibung für das scharfe s 1790-1920 - Google Ngram Daten 2009.jpg|mini|hochkant=1.9|Zeitablauf 1790–1920 anhand dreier Wörter aus den [[Google Bücher|Google]]-[[N-Gramm|Ngram]]-Daten, deren OCR-Software oft ein ''langes s'' für ein ''f'' hält. Kurz vor 1800 breite Einführung der Antiqua mit „ſs“-Ersatz (orange); Wiedererstarken der Fraktur (blau) bis zirka 1830 und gleichzeitige Zunahme der „ss“-Schreibung (rot), die sich in der wiederkehrenden Antiqua durchsetzt; nach 1876 (Konferenz) und 1880 (Dudenempfehlung) ein kleines Revival von „ſs“ bis zur entscheidenden Konferenz 1901. Überproportional hervorgehoben die „sz“-Versuche (grün) nach 1850 bis 1880 und ein kleines Aufflackern um 1900.]] | |||
[[Datei:(Barb.01) Claßen.jpg|mini|'''Claßen''' (oben) in ''' ''lateinischer Schreibschrift'' ''' durch '''ſs''' wiedergegeben und als Gegenüberstellung '''Clahsen''' (unten) in der ''[[Deutsche Kurrentschrift|spitzen Kurrentschrift]]''. Man sieht die ''Ähnlichkeit'' und damit die Verwechslungsgefahr des '''ſ''' ''(langen-s)'' der ''' ''lateinischen Schreibschrift'' '''mit dem kleinen '''h''', wie es in derselben Form in der ''[[Deutsche Kurrentschrift|spitzen Kurrentschrift]]'' verwendet wird.]] | |||
===== Antiquasatz ===== | |||
In deutschem Antiquasatz wurde normalerweise bis ins 19. Jahrhundert an Stelle von ''ß'' entweder einfaches ''ss'' oder die Buchstabenfolge ''ſs'' (keine Ligatur) verwendet. Daneben traten nur selten die Sulzbacher Form des ''ß'' auf und – besonders in der von den [[Brüder Grimm|Brüdern Grimm]] propagierten historischen Schreibweise – das ''sz''. Die Verwendung von ''ſs'' erfolgte weiterhin, auch nachdem im Antiquasatz das gewöhnliche ''ſ'' im späten 18. Jahrhundert unüblich geworden war. Die Empfehlung der [[Orthographische Konferenz von 1876|Orthographischen Konferenz von 1876]] bestand darin, dass im Antiquasatz die Buchstabenfolge ''ſs'' verwendet werden sollte.<ref>''Regeln und Wörterverzeichnis für die deutſche Orthographie.'' (Auf Grundlage der von R. v. Raumer verfaßten Vorlage.) In: Dieter Nerius (Hrsg.): ''Die orthographiſchen Konferenzen von 1876 und 1901.'' Georg Olms, Hildesheim / Zürich / New York 2002, S. 140 (= Documenta Orthographica 5).</ref> | |||
Das eigentliche ''ß'' im Antiquasatz kam erst im späten 19. Jahrhundert auf und ist dann mit der [[Orthographische Konferenz von 1901|Orthographischen Konferenz von 1901]] zur amtlichen [[Sprachnorm|Norm]] erhoben worden. | |||
===== Lateinische Schreibschrift ===== | |||
Auch in [[Lateinische Schreibschrift|lateinischer Schreibschrift]] ([[Schreibschrift|Kursive]]) wurde ''ß'' bis Ende des 19. Jahrhunderts gerne durch ''ſs'' wiedergegeben.<ref>In zahlreichen Briefen aus dem 19. Jahrhundert sind Personennamen gegenüber der [[Deutsche Kurrentschrift|Kurrentschrift]] des übrigen Textes durch lateinische Schreibschrift hervorgehoben.</ref> Da das Lang-''ſ'' der Kursive grafisch mit dem ''h'' der [[Deutsche Kurrentschrift|Kurrentschrift]] übereinstimmte, wurde die ''ſs''-Gruppe der lateinischen Schreibschrift oft als ''hs'' missgedeutet, was sich in ungewöhnlichen Schreibweisen von Familiennamen niedergeschlagen hat, beispielsweise „Grohs“ statt „Groß“, „Ziegenfuhs“ statt „Ziegenfuß“, oder „Rohs“ statt „Roß“ ''(siehe dazu auch rechts das Bild: „Claßen in lateinischer Schreibschrift“)''. | |||
Namensschreibungen wie die Variante ''Weiſs'' blieben aus juristischen Gründen auch nach 1901 in dieser Form erhalten und wurden durch keine Regel orthografisch angepasst. Im Deutschland der Zwischenkriegszeit waren alleine im standesamtlichen Bereich Schreibmaschinen in Verwendung, die ''ſs'' als Sondertype enthielten.<ref>''Österreich in Geschichte und Literatur mit Geographie'', Band 29, Institut für Österreichkunde, 1985, S. 256.</ref> | |||
==== Das deutsche Eszett in der Antiqua ==== | |||
<!-- Wichtig: Hier geht's wirklich um „Eszett“ und nicht „ß“. Eszett ist der Kleinbuchstabe, der sich in den gebrochenen Schriften aus einer Ligatur des Digraphen sz verselbstständigt hat. --> | |||
Als im späten 18. und im 19. Jahrhundert deutsche Texte vermehrt in Antiqua gesetzt wurden statt in der allgemein üblichen [[Gebrochene Schrift|gebrochenen Schrift]], suchte man eine Antiqua-Entsprechung für das Eszett der gebrochenen Schrift. Die Brüder Grimm benutzten in der ''Deutschen Grammatik 1. Band'' im Jahr 1819 noch die Fraktur, 1826 allerdings die [[Justus Erich Walbaum|Walbaum]]-Antiqua. In späteren Werken wollten sie dann das Eszett durch eine eigene Form des Buchstabens ersetzen, setzen aber schließlich ''sz'' in Ermangelung des ihnen vorschwebenden Druckbuchstabens.<!-- Bitte angeben, ab wann Grimm das sz benutzte! --><!-- Quelle: Jamra --> | |||
Der [[Duden]] von 1880 empfiehlt, das Eszett in Antiqua durch ''ſs'' zu ersetzen, lässt aber ausdrücklich auch einen ß-artigen Buchstaben zu.<ref>Konrad Duden: ''Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache''. 1880, Seite XIV. ([[commons:Duden - Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache|Wikipedia Commons]])</ref> Blei-Antiquaschriften wurden üblicherweise ohne ß ausgeliefert, sodass deutsche Texte aus dieser Zeit in ''Schweizer Satz'' erscheinen. Die [[Orthographische Konferenz von 1901|Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung von 1901]] schrieb auch im Antiqua-Satz den Buchstaben ß vor.<ref>Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Hrsg.): ''Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis.'' 1903.</ref> Schriftgießereien wurden verpflichtet, künftig bei Antiqua-Schriften ein ß mitzuliefern bzw. ein solches für Bestandsschriften nachzugießen. | |||
===== Buchstabenform ===== | |||
[[Datei:Sz modern.svg|mini|Glyphenvarianten des ''ß'']] | |||
<!-- Quelle: Jamra, Mosley --> | |||
Für die Form der [[Glyphe]] eines Antiqua-Eszett gab es verschiedene schriftgestalterische Ansätze. Erst im Anschluss an die [[Orthographische Konferenz von 1876|I. Orthographische Konferenz von 1876]] gab es erfolgreiche Bemühungen um eine einheitliche Form. 1879 veröffentlichte das ''Journal für die Buchdruckerkunst'' eine Tafel mit Entwürfen. Ein Ausschuss der Leipziger Typographischen Gesellschaft entschied sich für die sogenannte ''Sulzbacher Form''. | |||
1903, nach der Entscheidung für eine einheitliche Rechtschreibung, erkannte eine Kommission von Buchdruckerei- und Schriftgießereibesitzern die Sulzbacher Form an. In einer Bekanntmachung in der ''Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker'' beschreiben sie die charakteristischen Merkmale dieser sz-Form: „Das sogenannte lange Antiqua-ſ wird oben mit einem z verbunden, im Kopfe eingebogen und läuft im unteren Bogen in eine feine oder halbstarke Linie oder in einen Punkt aus.“<ref><!-- Autor und Titel fehlt --> In: ''Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker, Steindrucker und verwandte Gewerbe.'' XV. Jahrgang, Nr. 27, Leipzig, 9. Juli 1903 (Faksimile in: Mark Jamra: ''{{Webarchiv |url=http://www.typeculture.com/academic_resource/articles_essays/ |text=The Eszett |wayback=20110101005213}}.'' 2006, abgerufen am 17. April 2008).</ref> | |||
Die Sulzbacher Form wurde und wird aber nicht von allen Typographen akzeptiert. Etwa vier Grundformen finden größere Verbreitung:<!-- Theoriefindung? --> | |||
# Einzelbuchstaben „ſ“ und „s“ sind eng zusammengerückt | |||
# Ligatur aus „ſ“ und „s“ | |||
# Ligatur aus „ſ“ und z mit Unterschlinge („ʒ“) | |||
# Sulzbacher Form | |||
Heutzutage sind die meisten ''ß'' in Antiquaschriften entweder nach 2. oder nach 4. geformt, doch bisweilen findet sich auch eines nach 3., etwa auf Straßennamenschildern in [[Berlin]] und [[Bonn]]. Die Variante nach 1. wird selten verwendet. | |||
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WaldstraßePirna.JPG|''Form 1: ''Langes und rundes ''s'' für ''ß'' in [[Pirna]] (wie ¹) | |||
ClaßenKölnK.jpg|''Form 1'': ''Claßen'' in lateinischer Schreibschrift als ''Claſsen'' geschrieben, heute als historisches Firmenlogo, [[Köln]] Juli 2005 | |||
MainzStrSchilder.jpg|''Form 1 (links): ''Langes und rundes ''s'' für ''ß'' in „‑straſse“ und<br />''Form 3 (rechts):'' ß-Ligatur aus ''ſ'' und ''ʒ'' in „‑straße“ auf [[Emailleschild|emaillierten]] [[Straßenschild]]ern in Mainz | |||
Palatino1540.JPG|''Form 2:'' Italienisches Schriftmuster von 1540:<br />Im Alphabet Ligatur aus langem und kurzem s,<br />im Titel aber „Esſempio“, Kurz-s-Lang-s | |||
Gruesse-Schneidler-Legende.png|''Form 2:'' Schrift „Legende“ von [[Friedrich Hermann Ernst Schneidler|F. H. Ernst Schneidler]] | |||
Lang-s-Rund-s Blaeu.gif|Recklinckhuſen, Dorſten, Eßen. [[Blaeu-Atlas]], Mitte 17. Jahrhunderts | |||
Berliner Strassenschilder.jpg|''Form 3:'' Berliner Straßenschilder:<br />ß-Ligatur aus ''ſ'' und ''ʒ''. Und ''tz''-Ligatur aus ''t'' und ''ʒ'' nach einer Schrift von [[Herbert Thannhaeuser]], 1930er Jahre. | |||
Teistlergutstraße.jpg|''Form 3:'' Ältere [[Straßenschild#Linz|Linzer Straßenschilder]] nach einer Schrift von [[Friedrich Neugebauer]], 1950er Jahre (digitalisiert ''CAT Linz'')<ref>[http://www.peter-wiegel.de/CATLinz.html CAT Linz, peter-wiegel.de]</ref> | |||
Strasse-FF-Cst-Berlin.png|''Form 3:'' Schrift ''FF Cst Berlin''<br />in Anlehnung an Herbert Thannhaeuser | |||
ß from Hieronymi Aleandri Mottensis Tabulae utilißimae, Köln 1541.png|''Form 4:'' Hieronymus Aleander Mottensis, ''Tabulae utilißimae'', Köln 1541 | |||
ß in Arial + Helvetica.png|[[Arial]] mehr ſs (wie Form 2),<br />[[Helvetica (Schriftart)|Helvetica]] mehr ſʒ | |||
</gallery> | |||
== Rechtschreibung == | |||
[[Datei:ss-ß-Wien1880.png|mini|Aus dem „Buch der Schrift“, Wien 1880.<ref>''Neu-Hochdeutsch.'' In: Carl Faulmann: ''Das Buch der Schrift.'' 2. Aufl. Druck und Verlag der Kaiserlich-Königlichen Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1880, S. 226.</ref> ]] | |||
Das ''ß'' dient der Wiedergabe des stimmlosen s-Lautes, der [[Fortis]] {{IPA-Phon|s}}, dessen Darstellung durch ''s, ß'' und ''ss'' sich mit der Zeit gewandelt hat, zuletzt mit der [[Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996|Rechtschreibreform von 1996]]. | |||
=== Konzepte der s-Schreibung === | |||
[[Datei:Andrées Weltatlas1880Legende.png|mini|Andrées Weltatlas, Bielefeld/Leipzig 1880:<br />Im Antiqua-[[Satz (Druck)|Satz]] wurde im 19. Jahrhundert noch das ſ eingesetzt, um drei gleiche ''s'' aneinander zu vermeiden.]] | |||
Die Handhabung des ''ß'' gemäß den Regeln der Rechtschreibreform von 1996 folgt der sogenannten [[Heysesche s-Schreibung|heyseschen s-Schreibung]], die von [[Johann Christian August Heyse]] im Jahr 1829 formuliert wurde.<ref>[http://flitternikel.onlinehome.de/heyse-s.html Heysesche s-Schreibung in Frakturschrift]</ref> Von 1879 an galt sie in Österreich, bis sie im Rahmen der Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung durch die [[Orthographische Konferenz von 1901]] für Schulen und Ämter in deutschsprachigen Staaten ungültig wurde. Stattdessen galt ab dann die [[adelungsche s-Schreibung]] des Orthographen [[Johann Christoph Adelung]]. Mit der Rechtschreibreform von 1996 wurde die heysesche s-Schreibung in Österreich wiedereingeführt. | |||
=== Heutige Rechtschreibregeln === | |||
{{Hauptartikel|Heysesche s-Schreibung}} | |||
Gemäß den Regeln der Rechtschreibreform von 1996 schreibt man ''ß'' für den stimmlosen s-Laut:<ref>Siehe § 25 des amtlichen Regelwerks ([http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf PDF]).</ref> | |||
* nach einem betonten langen Vokal: ''Straße, aßen, aß, Buße, grüßt;'' | |||
* nach einem (gleichermaßen als lang geltenden) Doppelvokal ([[Diphthong]]): ''heißen, außen.'' | |||
Man schreibt aber ''s,'' wenn im Wortstamm ein Konsonant folgt: | |||
* ''Trost, Faust, räuspern, geistig.'' | |||
Beim Vorliegen einer [[Auslautverhärtung]]<ref>Siehe § 23 des amtlichen Regelwerks ([http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf PDF]).</ref> schreibt man ebenfalls ''s,'' wenn der s-Laut in verwandten Wortformen stimmhaft ist: | |||
* ''(ich) nieste'' ''(niesen)''; ''Gras'' ''(Gräser)''; ''löslich'' ''(lösen)''; ''Aas'' ''(des Aases)''. | |||
In der Schweiz und in Liechtenstein schreibt man statt ''ß'' immer ''ss.'' | |||
Ausnahmen und Sonderfälle: | |||
* Eigennamen: Personen- und Ortsnamen werden von den obigen Regeln nicht berührt. So schreibt man weiterhin Theodor ''Heu'''ss''''' (trotz des Diphthongs) oder umgekehrt ''Schü'''ß'''ler''-Salze, ''Litfa'''ß'''säule'' und ''Kö'''ß'''larn'' (trotz des kurzen Vokals). Ausnahme: Bei Eigennamen wird in der Schweiz stets ''ss'' verwendet, z. B. Hoene'''ss''' statt Hoene'''ß'''.<ref>So wird [[Uli Hoeneß]] in allen Schweizer Medien [[Uli Hoeness]] genannt (exemplarisch das [[Neue Zürcher Zeitung|NZZ]]-Dossier zu [https://www.nzz.ch/themen/uli-hoeness Uli Hoeness]).</ref> | |||
* Verschiedene Aussprachen schlagen sich in verschiedenen Schreibungen nieder: Sowohl ''Lö'''ss'''boden'' als auch ''Lö'''ß'''boden'' ist korrekt, da das ''ö'' kurz oder lang sein kann. Sodann schreibt man in Österreich ''Gescho'''ß''''' statt ''Gescho'''ss''','' da dort das ''o'' lang ist (sowohl für das [[Geschoss|Projektil]] als auch für die [[Geschoss (Architektur)|Etage]]); Ähnliches gilt für ''Spa'''ss''''' als aussprachebedingte Variante von ''Spa'''ß'''''. | |||
=== Rechtschreibregeln von 1901 bis 1996 === | |||
{{Hauptartikel|Adelungsche s-Schreibung}} | |||
Nach den von 1901 bis 1996 gültigen Regeln schrieb man ''ß'' in denselben Fällen wie heute; zusätzlich stand ''ß'' statt ''ss'' am Wortende (auch in Zusammensetzungen): ''Kuß, kußecht, Paß, Paßbild'' sowie am Wortstammende, wenn ein Konsonant folgte: ''(du) mußt, (es) paßt, wäßrig, unvergeßne, Rößl.'' | |||
In der adelungschen s-Schreibung richtet sich somit die Verteilung von ''ß'' und ''ss'' teils nach [[Graphotaktik|graphotaktischen]] Kriterien (Berücksichtigung der graphischen Umgebung: Wortende, Wortfuge oder folgender Konsonantenbuchstabe) und teils nach dem Kriterium der Aussprache (Berücksichtigung der Länge des vorangehenden Vokals). Wenn der s-Laut [[ambisyllabisch]] ist, steht ''ss.''<ref>[[Theodor Ickler]]: [http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=85 ''Laut-Buchstaben-Zuordnungen''], 14. Mai 2005 (Abschnitt ''4. s – ss – ß: Zur Problematik der „Heyseschen s-Schreibung“'').</ref> | |||
=== Historischer Vergleich als Tabelle === | |||
Ligaturen des Fraktursatzes sind nicht als solche dargestellt, um ihre Elemente möglichst getreu wiederzugeben. So ist das heute übliche Antiqua-ß hier nur für Lateinschreibung seit dem 20. Jahrhundert verwendet. | |||
{| class="wikitable" | |||
! colspan="2" style="background:#DDCCDD"| Fraktursatz || colspan="3" bgcolor="#CCCCDD" | Antiqua | |||
|- | |||
| bgcolor=#F8F8BBB | nach Adelung || bgcolor="#FFCFCF" | nach Heyse || bgcolor="#CCCCFF" | 19. Jahrhundert || bgcolor="#F8F8BB" | 20. u. 21. Jhd. (Adelung) || bgcolor="#FFCFCF" | 21. Jhd. (Heyse) | |||
|- | |||
| Waſſerschloſʒ || Waſſerschloſs || bgcolor="#EEEEFF" | Wasserschloſs (Bayern u. Preußen) || Wasserschloß || Wasserschloss | |||
|- | |||
| Straſʒeneinfluſʒ || Straſʒeneinfluſs || bgcolor="#EEEEFF" | Straſseneinfluſs (Bayern u. Preußen) || Straßeneinfluß || Straßeneinfluss | |||
|- | |||
| Meſʒergebniſʒ<br />(nach andern: Meſʒergebnis<ref>[[Daniel Sanders (Lexikograf)|Daniel Sanders]]: ''Handwörterbuch der deutschen Sprache.'' Verlag von Otto Wiegand, Leipzig 1869, S. 210 (Stichwort ''Er-Gêbnis'') u. S. 523 (''Méſsbar'' und folgende).</ref>) || Meſsergebniſs || bgcolor="#EEEEFF" | Meſsergebni(ſ)s (Bayern u. Preußen) || Meßergebnis || Messergebnis | |||
|- | |||
| Maſʒeinheit || Maſʒeinheit || bgcolor="#EEEEFF" | Maßeinheit,<br /> Maſseinheit (Bayern u. Preußen) || Maßeinheit || Maßeinheit | |||
|- | |||
| Maſʒſtab || Maſʒſtab || bgcolor="#EEEEFF" | Maſsstab (Bayern u. Preußen) || Maßstab || Maßstab | |||
|- | |||
| Paſʒſtraſʒe || Paſsſtraſʒe || bgcolor="#EEEEFF" | Paſsstraſse (Bayern u. Preußen) || Paßstraße || Passstraße,<br />Pass-Straße | |||
|- | |||
| Grasſoden || Grasſoden || bgcolor="#EEEEFF" | Grassoden (Bayern u. Preußen) || Grassoden || Grassoden | |||
|- | |||
| Hauseſel || Hauseſel || bgcolor="#EEEEFF" | Hausesel (Bayern u. Preußen) || Hausesel || Hausesel | |||
|} | |||
=== In der Schweiz und in Liechtenstein {{Anker|Schweiz}} === | |||
{{Annotiertes Bild | |||
| image = Old swiss vaccination certificate cover.png | |||
| image-width = 600 | |||
| image-left = -10 | |||
| image-top = -10 | |||
| width = 280 | |||
| height = 170 | |||
| caption = ß auf einem alten Schweizer [[Impfausweis]] | |||
}} | |||
Anstelle von ''ß'' wird in der [[Schweiz]] und in [[Liechtenstein]] immer ''ss'' geschrieben. In diesen Ländern steht ''ss'' – im Gegensatz zu anderen Doppelkonsonantenbuchstaben – nicht nur nach Kurz-, sondern auch nach Langvokalen und [[Diphthong]]en. Wie bei anderen [[Digraph (Linguistik)|Digraphen]] (z. B. ''ch'') ist die Länge oder Kürze des vorangehenden Vokals nicht erkennbar (''Masse'' steht sowohl für ''Maße'' wie für ''Masse, Busse'' steht sowohl für ''Buße'' wie für ''Busse;'' vgl. ''hoch'' und ''Hochzeit, Weg'' und ''weg''). Dem steht entgegen, dass das ''s'' solcher Wörter als (in schweizerischer Aussprache deutlich gedehntes) [[Silbengelenk]] fungiert (ambisyllabisches ''s'', d. h. das s wird sowohl der vorhergehenden wie der nachfolgenden Silbe zugerechnet – wie dies auch bei anderen Doppelkonsonanten der Fall ist).<ref>[[Peter Gallmann]]: [http://www.personal.uni-jena.de/~x1gape/Pub/Eszett_1997.pdf ''Warum die Schweizer weiterhin kein Eszett schreiben.''] (1996/1997)</ref> | |||
[[Datei:10 Franken Busse für Brunnenverunreinigung (Murten, 2008).jpg|mini|"Buße" auf altem Schild an einem Brunnen in Murten/FR]] | |||
Die frühen Antiquadrucke kannten in der Schweiz wie auch in Deutschland kein ''ß''. Im Bundesblatt der Schweizerischen Eidgenossenschaft fehlte nach der Umstellung von Fraktur auf Antiqua 1873 das ''ß'' zuerst, wurde aber bald darauf eingeführt, doch schon 1906 wieder aufgegeben. Der Beschluss der Zweiten Orthographischen Konferenz von 1901, ''ß'' auch für die Antiqua zwingend vorzuschreiben, fand in der Schweiz keine durchgängige Beachtung. In der Folge beschloss die Erziehungsdirektion (Kultusministerium) des [[Kanton Zürich|Kantons Zürich]] in den 1930er Jahren, das ''ß'' vom 1. Januar 1938 an in den kantonalen Volksschulen nicht mehr zu lehren; die anderen Kantone folgten. Als letzte schweizerische Tageszeitung entschied die ''[[Neue Zürcher Zeitung]]'', die am 1. August 1946 von Fraktur auf Antiqua umgestellt hatte, ab dem 4. November 1974 auf das ''ß'' zu verzichten.<ref>Urs Bühler: ''Apostrophitis und andere Seuchen. Fehlerreiches Schreiben ist wie Sprechen mit vollem Mund: unanständig und der Verständigung abträglich.'' In: ''Neue Zürcher Zeitung.'' 2. Dezember 2016, S. 12.</ref> Mit der Reform von 2006 wurde es auch offiziell für den amtlichen Schriftverkehr abgeschafft. Schweizer Verlage, die für den gesamten deutschsprachigen Markt produzieren, verwenden das ''ß'' jedoch weiterhin. | |||
In der Schweiz war es in der Antiqua seit jeher üblich, ''ss'' in ''s-s'' aufzutrennen, auch wenn es für ein ''ß'' steht. Beispielsweise wird das Wort ''Strasse'' (für ''Straße'') in ''Stras-se'' (für ''Stra-ße'') getrennt. Diese schweizerische Trennung wurde mit der Rechtschreibreform von 1996 als allgemeine Regel übernommen (1996: § 108; 2006: § 110; 2024: § 87). | |||
== Ersatzformen == | |||
[[Datei:Eszett-Schreibungen.png|mini|Kleinschrift mit ß, Ersetzung durch ss (nur zulässig, wenn kein ß vorhanden, oder in der Schweiz und Liechtenstein), Kapitälchen mit SS, Kapitälchen mit ß, Kapitälchen mit großen ß (ẞ).]] | |||
In der deutschen Rechtschreibung darf im Satz das ß nur dann durch ss ersetzt werden, wenn in einer [[Schrift]] oder einem [[Zeichensatz]] das ß nicht vorhanden ist. Manuskripte ohne ß müssen deshalb den Regeln entsprechend umgesetzt werden. In der Schweiz und in Liechtenstein wird das ß regulär durch ss ausgedrückt.<ref name="BK" /><ref name="Duden 117">''Duden. Die deutsche Rechtschreibung.'' 24. Auflage. Mannheim 2006, S. 117.</ref> | |||
== Großschreibweise == | |||
{{Hauptartikel|Großes ß}} | |||
{{Zeichen|ẞ}} | |||
Es gab jahrhundertelang keine [[Majuskel|Großbuchstabenform]] des Buchstabens ß. Da das ß im [[Standarddeutsch|Hochdeutschen]] nicht an einem Wortanfang stehen kann, wird ein solcher Großbuchstabe ([[Versal]]) ß im Hochdeutschen nur bei durchgängiger Großschreibung ([[Versalien|Versalschrift]]) benötigt. Als Ersatz entstanden zunächst folgende orthographisch zulässige Lösungsmöglichkeiten: | |||
* den Ersatz des ß durch SS (Regelfall) | |||
* die Verwendung des kleinen ß inmitten eines in Großbuchstaben geschriebenen Wortes (in Ausnahmefällen wie amtlichen Dokumenten) | |||
* den Ersatz des ß durch SZ (in Ausnahmefällen, bis 1996) | |||
Heute gibt es die weitere Option: | |||
* das (große) ẞ | |||
Seit dem 29. Juni 2017 ist das große ß (ẞ) Bestandteil der amtlichen [[Deutsche Rechtschreibung|deutschen Rechtschreibung]],<ref name="Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung aktualisiert" /><ref name="Das ändert sich sofort an unserer Rechtschreibung" /> wobei die Schreibweise STRASSE der Regelfall blieb, und STRAẞE nur eine Alternativschreibweise war.<ref>[https://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_Regeln_2016_veroeffentlicht_2017.pdf Amtliches Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung (2017), § 25, E3]. Abgerufen am 26. September 2025</ref> | |||
Seit dem 3. August 2024 gilt jedoch die Schreibweise STRAẞE mit „ẞ“ als Regelfall, und die Schreibweise mit „SS“ ist von nun an die Alternative.<ref>[https://www.rechtschreibrat.com/DOX/RfdR_Amtliches-Regelwerk_2024.pdf Amtliches Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung (2024), § 25, E3]. Abgerufen am 26. September 2025</ref> | |||
Der [[Großes ß#Computersatz|Großbuchstabe ẞ im Computersatz]] kann meist durch Verwendung bestimmter Tastenkombinationen eingegeben werden. | |||
== Besonderheiten der Verwendung == | |||
=== Alphabetische Sortierung === | |||
In der [[Alphabetische Sortierung|alphabetischen Sortierung]] (DIN 5007) wird das ''ß'' wie ''ss'' behandelt. Bei Wörtern, die sich nur durch ''ss'' bzw. ''ß'' unterscheiden, kommt das Wort mit ''ss'' zuerst, z. B. ''Masse'' vor ''Maße'' (DIN 5007, Abschnitt 6.1); der Duden weicht in dieser Hinsicht von der [[Sprachnorm|Norm]] ab: hier kommt das Wort mit ''ß'' zuerst. | |||
=== In Dokumenten === | |||
Personen mit ß im Familiennamen haben häufig Probleme, da viele elektronische Systeme ß nicht verarbeiten können und man auf die Umschreibung ss ausweichen muss. Gerade in Personalausweisen und Reisepässen ist der Name dann in zweierlei Weise geschrieben, einmal richtig mit ß und in der maschinenlesbaren Zone (MRZ) mit Umschrift als ss, was besonders im Ausland für Verwirrung und Verdacht auf Dokumentenfälschung sorgt. Österreichische Ausweisdokumente können (müssen aber nicht) eine Erklärung der deutschen Sonderzeichen (auf Deutsch, Englisch und Französisch, z. B. ''„ß“ entspricht / is equal to / correspond à „ss“'') enthalten. | |||
Schon vor Einführung des großen ẞ erlaubte der Duden, bei Namen in Dokumenten aus Gründen der Eindeutigkeit ß auch als Großbuchstaben zu benutzen (z. B. HEINZ GRO'''ß'''E).<ref>Z. B. ''Duden. Die deutsche Rechtschreibung.'' 25. Auflage 2009, S. 93.</ref> | |||
Am 1. Oktober 1980 entschied das [[Bundesverwaltungsgericht (Deutschland)|deutsche Bundesverwaltungsgericht]], dass die technisch bedingte fehlerhafte Wiedergabe von Sonderzeichen auf elektronischen Systemen ein wichtiger Grund für die Änderung des Familiennamens sein kann (der Kläger wollte die Schreibweise seines Namens von G'''ö'''tz in G'''oe'''tz ändern, war aber damit zunächst beim Standesamt gescheitert; Aktenzeichen: 7 C 21/78). Die seit 1. Januar 1981 geltende [[Allgemeine Verwaltungsvorschrift]] zum [[Namensänderungsgesetz]] erkennt in Nr. 38<ref>{{Internetquelle |url=https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_11081980_VII31331317.htm |titel=Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (NamÄndVwV) |abruf=2023-03-05}}</ref> Sonderzeichen im Familiennamen als Grund für eine Namensänderung an (auch eine bloße Änderung der Schreibweise, z. B. von Wei'''ß''' zu Wei'''ss''', gilt als solche). | |||
=== Im fremdsprachigen Raum === | |||
[[Datei:MiBverständnis.JPG|mini|Missverständnis bei der Wiedergabe des ß in Frankreich]] | |||
Wegen des Fehlens auf der dort verwendeten Tastatur und seiner optischen Ähnlichkeit mit dem B wird im Ausland manchmal fälschlicherweise der Großbuchstabe B als Ersatz verwendet, was für den deutschsprachigen Leser befremdlich wirkt. | |||
=== Niederlande === | |||
Obwohl der Buchstabe im Niederländischen nicht benutzt wird, hat er dort einen eigenen Namen: Ringel-S (auf Niederländisch „ringel-s“ geschrieben). Das ß wird im Niederländischen immer durch ss ersetzt: So schreibt man „edelweiss“ (statt Edelweiß) und „gausscurve“ (statt Gauß-Kurve). In alten niederländischen Manuskripten wird das ss jedoch als ſs dargestellt, welches dem deutschen ß stark ähnelt, wie zum Beispiel in der alten niederländischen Schreibweise für Hilfslehrerinnen: „Hulponderwysereſsen“ (heutzutage: „hulponderwijzeressen“). | |||
=== Englischsprachiger Raum === | |||
<!-- Im englischsprachigen Wiki zum „Sharp S“ steht allerdings: "β" should not be confused with the lower case Greek letter "β" (beta), … English speakers unfamiliar with German orthography may also confuse ß with B, which is also incorrect. http://en.wikipedia.org/wiki/Sharp_S#.C3.9F_vs._.CE.B2_and_B --> | |||
Im englischsprachigen Raum, in dessen Alphabet der Buchstabe nicht vorkommt, wird das ß bei manchen wegen seiner Form umgangssprachlich als ''German B'' (deutsches B) bezeichnet. Deshalb wird das „ß“ auch von den meisten Englischsprechenden als „B“ gelesen, z. B. die Bezeichnung „Weißer“ als „Weiber“. So kommt es auch vor, dass das „ß“ einfach als „b“ wiedergegeben wird; zum Beispiel „[[Sesamstraße|Sesamstrabe]]“ in einem britischen Satelliten-TV-Programmheft, das auch das Programm deutscher Sender listet. Gelegentlich wird das ß auch mit dem griechischen Buchstaben [[β]] (beta) verwechselt. | |||
Die korrekte Bezeichnung im Englischen lautet ''Sharp S'' oder ''Eszett'' wie im Deutschen. | |||
=== Sorbisch === | |||
[[Datei:Kirche Oßling AB 2011 14.JPG|mini|Beispiel für die Verwendung des ß im Sorbischen (wyßokoſcʒi = „Höhe“; heute ''wysokosći'')]] | |||
Bis zur Durchsetzung der auf dem [[Tschechische Sprache|Tschechischen]] basierenden und bis heute im Wesentlichen gültigen „analogen Rechtschreibung“ unter Federführung von [[Jan Arnošt Smoler]] in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Sorbische mithilfe der [[Schwabacher]] geschrieben. In dieser auf dem Deutschen basierenden Schriftnorm wurde das ß zur Darstellung des scharfen S-Lautes verwendet. Im Niedersorbischen war diese alte Schreibweise noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein gebräuchlich. | |||
=== Ungarisch === | |||
Das „scharf ausgesprochene Ess“ wird im Ungarischen als Doppel-Konsonant geschrieben wie in: Sziged. | |||
== Darstellung in Computersystemen und Ersetzung == | |||
=== Kodierung und Eingabe === | |||
Im [[ASCII]]-[[Zeichensatz]] aus dem Jahr 1963 ist das Zeichen nicht enthalten, weshalb viele ältere Computersysteme es nicht darstellen konnten. Allerdings enthielten bereits die von ASCII abgeleiteten Standards [[DIN 66003]] von 1974, [[ISO 6937]] von 1983 und [[ISO 8859-1]] (auch als Latin-1 bekannt) 1986 das Eszett. Fast alle modernen Computer verwenden den im Jahr 1991 eingeführten [[Unicode]]-Standard, womit das Eszett problemlos zu verarbeiten und darzustellen ist. Lediglich einige Programme, die noch auf älteren Zeichensätzen beruhen, können beim Datenaustausch Probleme bereiten. | |||
Das ß wird im internationalen [[Zeichenkodierung]]sstandard [[Unicode]], im [[Internet]]-Dokumentenformat [[Hypertext Markup Language#Zeichenvorrat|HTML]] und in [[UTF-8]] folgendermaßen definiert und kodiert; es kann über folgende [[Tastenkombination]]en des [[Betriebssystem]]s oder des jeweiligen [[Texteditor]]s eingefügt werden: | |||
{{Zeichencodierung | |||
|Anzahl = 2 | |||
|Name1 = lateinischer Kleinbuchstabe scharfes s (ß) | |||
|Name2 = lateinischer Großbuchstabe scharfes s (ẞ) | |||
|Unicode1 = 00DF | |||
|Unicode2 = 1E9E | |||
|Unicodename1 = LATIN SMALL LETTER SHARP S | |||
|Unicodename2 = LATIN CAPITAL LETTER SHARP S | |||
|UTF1 = C3 9F | |||
|UTF2 = E1 BA 9E | |||
|HTML1 = szlig | |||
|TexT1 = <span style="font-family:monospace;">"s</span> (german.sty) oder <span style="font-family:monospace;">\ss</span> oder <span style="font-family:monospace;">\3</span>;<br />innerhalb eines Wortes <span style="font-family:monospace;">Stra{\ss}enbahn</span> | |||
|TexT2 = <span style="font-family:monospace;">\MakeUppercase{\ss}</span>{{FN|5}} | |||
|TexM1 = | |||
|TexM2 = | |||
|E1_1 = | |||
|E1_2 = | |||
|E1_3 = | |||
|T2_1 = | |||
|T2_2 = | |||
|T2_3 = | |||
|WinT1 = {{Taste|[[Alt (Taste)|Alt]]|halten}} + {{Taste|2}}{{Taste|2}}{{Taste|5}} | |||
|WinT2 = | |||
|WinG1 = {{Taste|[[Alt (Taste)|Alt]]|halten}} + {{Taste|0}}{{Taste|2}}{{Taste|2}}{{Taste|3}} | |||
|WinG2 = | |||
|Mac1 = {{Taste|[[Wahltaste|⌥]]|halten}} + {{Taste|S}} | |||
|Mac2 = | |||
|Linux1 = {{Taste|[[Alt Gr]]|halten}} + {{Taste|[[Umschalttaste]]|halten}} + {{Taste|S}}{{FN|3}} | |||
|Linux2 = {{Taste|[[Alt Gr]]|halten}} + {{Taste|[[Umschalttaste]]|halten}} + {{Taste|S}} oder aktivierte {{Taste|[[Feststelltaste]]}} + {{Taste|ß}}{{FN|4}} | |||
}} | |||
{{FNBox| | |||
{{FNZ|3|Bei der Tastatureinstellung „Deutsch (Schweiz)“ oder „Deutsch (Liechtenstein)“.}} | |||
{{FNZ|4|Bei der Tastatureinstellung „Deutsch (Deutschland)“ oder „Deutsch (Österreich)“.}} | |||
{{FNZ|5|xelatex oder lualatex}}}} | |||
Auf manchen neueren Windows-Systemen kann das große scharfe S (ẞ) mit {{Taste|[[Alt Gr]]|halten}} + {{Taste|[[Umschalttaste]]|halten}} + {{Taste|ß}} eingegeben werden. | |||
Da nahezu alle modernen Computersysteme und -schriften auf [[Unicode]] basieren, kann das Eszett heutzutage theoretisch weltweit dargestellt, verarbeitet, übertragen und archiviert werden. Eine Ersetzung aus technischen Gründen ist deshalb nur noch selten nötig. | |||
=== Tastatur === | |||
Nur auf der [[Tastaturbelegung#Deutschland und Österreich|Tastatur nach deutscher Norm]] liegt die Eszett-Taste in der oberen Tastenreihe zwischen der Taste für die Ziffer [[Null]] und der Taste für den [[Akut]]akzent. Wie die [[Vereinigte Staaten|US-amerikanische]] Tastatur verfügt auch die [[schweiz]]erische Tastatur über keine standardisierte Taste für das Eszett. Auf der [[Niederländische Sprache|niederländischen]] und [[Türkische Sprache|türkischen]] Tastatur sowie auf der US-internationalen Tastaturbelegung kann es in Windows allerdings über {{Taste|AltGr}}+{{Taste|S}} eingegeben werden, beim deutschschweizerischen Layout dagegen ist es nur unter Linux ({{Taste|AltGr}}+{{Taste|S}}) und auf einem Mac möglich ({{Taste|⌥ Option}}+{{Taste|S}}). Das große ß – ẞ – kann mit der [[Neo-Tastaturbelegung]] nativ über {{Taste|Shift}}+{{Taste|ß}} eingegeben werden. | |||
<gallery> | |||
Keyboard of a German Olympia typewriter 1964.jpg|Olympia-Schreibmaschine von 1964 | |||
Keyboard on a notebook.jpg|Notebooktastatur, deutsches Layout | |||
Keyboard on a pocket-PC-2.jpg|Virtuelle Tastatur auf einem Pocket-PC | |||
Deutsche Tastaturbelegung E1 nach DIN 2137-01--2023-08.png|Deutsche Standard-Tastaturbelegung [[E1 (Tastaturbelegung)|E1]] mit kleinem und großen Eszett | |||
Windows-Tastatur_mit_E1-Tastenkappen.jpg|Standard-PC-Tastatur mit Tastaturbelegung E1 | |||
Neo 2.0-Tastaturlayout Ebene2.svg|ẞ oben rechts auf der [[Neo-Tastaturbelegung]] | |||
</gallery> | |||
=== Ersetzung und ähnliche Zeichen === | |||
Kann das Zeichen „ß“ nicht dargestellt werden, weil es in der verwendeten [[Schriftart]] oder dem [[Zeichensatz]] fehlt, so sollte es durch „ss“ ersetzt werden (aus „Straße“ wird „Strasse“). In den (behördlichen) [[Fernschreiben]] wurde das „ß“ bis in das frühe 21. Jahrhundert durch „sz“ ersetzt. Dies war unter anderem bei Familiennamen wichtig („Straßer“ wurde im Text zu „Straszer“).<ref>Zur Herkunft Hermann Möcker: ''Wittgenstein, Wüster und die Erstellung eines deutschen Norm-Alphabets. Das Wörterbuch für Volksschulen und die alphabetische Einreihung der deutschen Zusatzbuchstaben ä, ö, ß, ü.'' II. Teil. In: ''Muttersprache'' Bd. 97 (1987), S. 336–256, hier S. 351–353.</ref> Im Fernschreibverkehr und bei Schreibmaschinen ohne ß-Letter wurde das „ß“ durch „:s“ ersetzt, um zwischen Familiennamen wie etwa Strasser, Straszer und Straßer zu unterscheiden.<ref>Eugen Wüster: ''Neun Fragen zur Schreibung der deutschen S-Laute.'' In: ''Muttersprache'' Bd. 85 (1975) S. 122–139, hier S. 123 f.</ref> Die Ersetzung durch „β“ ([[Beta]]) oder „[[B]]“ war unter [[PC-kompatibles DOS|DOS]]-[[IBM-PC-kompatibler Computer|Systemen]] üblich (Zeichen 225 der [[Codepage 437]]; [[Color Graphics Adapter|CGA]], [[Enhanced Graphics Adapter|EGA]] oder [[Hercules Graphics Card|Hercules]] rendern es als β, [[Video Graphics Array|VGA]] als ß, als Reminiszenz davon kann unter Windows mit {{Taste|Alt}}+225 ein ß eingegeben werden). | |||
In der [[Chinesische Schrift|chinesischen Schrift]] erscheint die Form 阝 als [[Radikal 163]] bzw. [[Radikal 170]] und in Schriftzeichen, die auf diesen aufgebaut sind. | |||
== Literatur == | |||
* Herbert E. Brekle: ''[http://www-nw.uni-regensburg.de/~.brh22505.indogerm.sprachlit.uni-regensburg.de/Ligatur/LIGATUR.HTM Zur handschriftlichen und typographischen Geschichte der Buchstabenligatur ß aus gotisch-deutschen und humanistisch-italienischen Kontexten].'' In: Peter Amelung, [[Irmgard Bezzel]], Otto Böcher, Aloys Ruppel (Hrsg.): ''Gutenberg-Jahrbuch.'' Jg. 76, Mainz 2001, ISBN 3-7755-2001-5, S. 67–76. | |||
* Max Bollwage: ''Ist das Eszett ein lateinischer Gastarbeiter? Mutmaßungen eines Typografen.'' In: [[Stephan Füssel]], Hans J. Koppitz (Hrsg.): ''[[Gutenberg-Jahrbuch]].'' Jg. 74, Mainz 1999, ISBN 3-7755-1999-8, S. 35–41. | |||
* Hansjürgen Bulkowski: ''Liebe zur Sache. Die Dinge, mit denen wir leben.'' Kadmos, Berlin 2010, ISBN 978-3-86599-096-9, S. 26 f. | |||
* Utz Maas: ''Grundzüge der deutschen Orthographie.'' Niemeyer, Tübingen 1992, ISBN 3-484-31120-7, S. 310–317. | |||
* Peter Gallmann: ''[https://web.archive.org/web/20181221134510/http://homepages.uni-jena.de/~x1gape/Pub/Eszett_1997.pdf Warum die Schweizer weiterhin kein Eszett schreiben] (PDF-Datei; 23 kB).'' In: ''Sprachspiegel.''<!-- SVDS, Basel --> 1996, {{ISSN|0038-8513}}, S. 124–130.<br />Auch in: Gerhard Augst (Hrsg.): u. a.: ''Zur Neuregelung der deutschen Orthographie.'' Niemeyer, Tübingen 1997, ISBN 3-484-31179-7. | |||
* Wolf-Dieter Michel: ''Die graphische Entwicklung der ''s''-Laute im Deutschen.'' In: ''Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur.''<!--Niemeyer, Tübingen --> 1959, {{ISSN|0005-8076}}, S. 456–480. | |||
* Thorwald Poschenrieder: ''S-Schreibung – Überlieferung oder Reform?'' In: Hans-Werner Eroms, [[Horst Haider Munske]]: ''Die Rechtschreibreform, Pro und Kontra.'' Erich Schmidt, Berlin 1997, ISBN 3-503-03786-1. | |||
* Frauke Rüdebusch: ''Das ß''. In: ''Sprachdienst'' 4–5, 2017, S. 243–245. | |||
* Uta Stötzner: ''Die Geschichte des versalen Eszetts.'' In: ''Das große Eszett.''(Signa: Beiträge zur Signographie, Band 9), Denkmalschmiede Höfgen, Grimma 2006, ISBN 3-933629-17-9, S. 21–37. | |||
* Jan Tschichold: ''Herkunft und Form des ß in der Fraktur und der Antiqua.'' In: ''Schriften 1925–1947.'' Band 1, Brinkmann & Bose, Berlin 1991, ISBN 3-922660-37-1, S. 242–244.<!-- Dieses Buch nicht löschen, wird im Text zitiert --> | |||
== Weblinks == | |||
{{Commonscat|Sharp s|ß}} | |||
{{Wiktionary}} | |||
{{Wiktionary|Verzeichnis:Deutsch/Wörter mit ß}} | |||
* [http://faql.de/eszett.html Eszett, Umlaute und deren Sortierung] (FAQ-Liste des Usenet-Forums de.etc.sprache.deutsch) | |||
* Wilfried Kürschner: ''[http://www.orthografiereform.de/ausarbeitungen/eszett/hauptteil_eszett.html Der Buchstabe ß – Form und Name]'' | |||
* Eberhard Dilba: ''[http://eberhard-dilba.homepage.t-online.de/pdf-Dateien/Lexikon.pdf Typografie-Lexikon]'' ([[Portable Document Format|PDF]]), Stichwort „Scharfes s“ und „Langes s“ | |||
* Reinhard Markner: ''[http://sprachforschung.org/index.php?show=news&id=485 Ironie der Schriftgeschichte]'' | |||
* [https://www.fileformat.info/info/unicode/char/00df/index.htm Unicode Character 'LATIN SMALL LETTER SHARP S' (U+00DF)] | |||
* [http://www.stagn.de/empfehlung-rechtschreibreform Empfehlung des ''ständigen Ausschusses für Geographische Namen (StAGN)'' vom 17. September 1999 – zur Anpassung der Rechtschreibung von Toponymen an die reformierten Regeln] | |||
* [https://www.youtube.com/watch?v=ta1N5HC8ayw Über s, ss und ß] (Lehrvideo) | |||
* [https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/doppel-s-und-scharfes-s Duden zu s-Schreibung: s, ss und ß] | |||
== Anmerkungen == | |||
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== Einzelnachweise == | |||
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Aktuelle Version vom 28. März 2026, 05:03 Uhr
Das Schriftzeichen ẞ (Großbuchstabe) bzw. ß (Kleinbuchstabe) ist ein Buchstabe des deutschen Alphabets. Er wird als Eszett [<templatestyles src="IPA/styles.css" />], scharfes S oder Scharf-S bezeichnet,<ref>Duden zu ß</ref><ref>Duden zur s-Schreibung</ref><ref>Atlas zur deutschen Alltagssprache</ref> umgangssprachlich auch als „Doppel-S“ (in diesem Sinn nur vereinzelt in der Schweiz), „Buckel-S“, „Rucksack-S“, „Dreierles-S“ oder manchmal auch missverständlicherweise als „Ringel-S“, dies bezeichnet jedoch üblicherweise eine andere S-Variante.
Das ß dient zur Wiedergabe des stimmlosen s-Lautes <templatestyles src="IPA/styles.css" />. Es ist der einzige Buchstabe des lateinischen Schriftsystems, der heutzutage ausschließlich zur Schreibung deutscher Sprachen und ihrer Dialekte verwendet wird, so in der genormten Rechtschreibung des Standarddeutschen und in einigen Rechtschreibungen des Niederdeutschen, sowie in der Vergangenheit auch in einigen Schreibungen des Sorbischen. Allerdings wird es nicht in der Schweiz<ref name="BK">Schweizerische Bundeskanzlei: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Leitfaden zur deutschen Rechtschreibung 2008 ( vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive) Leitfaden zur deutschen Rechtschreibung. 3. Aufl. 2008.</ref> und Liechtenstein verwendet. Der offizielle Gebrauch der deutschen Sprache in Belgien,<ref>Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien: Zuständigkeiten</ref> Dänemark (Nordschleswig),<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Website der deutschsprachigen Tageszeitung „Der Nordschleswiger“ (Dänemark) ( vom 17. Dezember 2007 im Internet Archive)</ref> und Namibia<ref>Beispieltext: Lehrplan für Deutsch als Muttersprache Klassen 4–7; Republic of Namibia: Ministry of Education, Arts and Culture</ref> sowie Italien (Südtirol)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Landmaus Nr. 12 ( vom 24. Oktober 2016 im Internet Archive)</ref> orientiert sich bei der Verwendung des ß an den in Deutschland bzw. Österreich geltenden Rechtschreibregeln. Ebenso wird in Luxemburg verfahren.<ref>Ministerin für Erziehung und Berufsausbildung, Mady Delvaux-Stehres: Communiqué – Neuregelung der deutschen Rechtschreibung im luxemburgischen Schulsystem. 3. August 2005 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />online ( vom 21. Mai 2013 im Internet Archive))</ref>
Historisch gesehen geht das ß in der deutschen Sprache auf eine Ligatur aus dem ſ (langen s) und z zurück.<ref group="Anm">Siehe Abschnitt Entstehungsgeschichte.</ref> Bedeutsam für die Form des ß in den heutzutage üblichen Antiqua-Schriftarten war jedoch auch eine Ligatur aus langem ſ und rundem s, die bis ins 18. Jahrhundert auch in anderen Sprachen gebräuchlich war.<ref group="Anm">Siehe Abschnitt #Die ſ-s-Ligatur in der Antiqua.</ref>
Das ß dient überdies in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Texten sowie allgemein in Dänemark und Norwegen bis ins 19. Jh. als Abkürzung für die Währung Schilling<ref>Abkürzungen von Münzen Eintrag im GenWiki, abgerufen am 9. September 2012.</ref> und „ßo“ steht für das Zählmaß Schock.<ref>Lempe Johann Friedrich: Bergmännisches Rechenbuch. 1787, S. 345 (google.com).</ref>
Seit dem 29. Juni 2017 ist das große ß – ẞ – Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung.<ref name="Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung aktualisiert">Rat für deutsche Rechtschreibung: Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung aktualisiert (Pressemitteilung). (PDF) Abgerufen am 29. Juni 2017.</ref><ref name="Das ändert sich sofort an unserer Rechtschreibung">Aus für „Majonäse“: Das ändert sich sofort an unserer Rechtschreibung. In: welt.de. Abgerufen am 29. Juni 2017.</ref> Über seine Aufnahme in das deutsche Alphabet wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert.
Entstehungsgeschichte
Entstehung des ß in der deutschen Sprache
Im Zuge der Zweiten Lautverschiebung im 7. und 8. Jahrhundert waren aus germanischem <templatestyles src="IPA/styles.css" />/t/ und /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/ zwei verschiedene Laute entstanden – ein Frikativ und eine Affrikate –, die zunächst beide mit z oder zz wiedergegeben wurden. Zur besseren Unterscheidung gab es seit dem Althochdeutschen Schreibungen wie sz für den Frikativ und tz für die Affrikate.<ref>Wolf-Dieter Michel: Die graphische Entwicklung der s-Laute im Deutschen. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Band 81. Halle (Saale) 1959, S. 456–480, hier S. 461.</ref>
Der mit s bzw. ss geschriebene Laut, der auf ein ererbtes germanisches /s/ zurückgeht, unterschied sich von dem mit sz geschriebenen; das s(s) wurde als stimmloser retrahierter apiko-alveolarer Frikativ [s̠̺] ausgesprochen (d. h. mit deutlicher Tendenz zum /sch/-Laut, aber ohne Lippenrundung), das sz hingegen als stimmloser lamino-dentaler Frikativ [s̪̻] (d. h. mit starkem Zischton).<ref>Helmut Esau: The Medieval German Sibilants /S/ and /ʐ/. In: The Journal of English and Germanic Philology. Band 75, Nr. 1/2, 1976, ISSN 0363-6941, S. 188–197.</ref><ref>Douglas Q. Adams: The Distribution of Retracted Sibilants in Medieval Europe. In: Language. Band 51, Nr. 2, 1975, ISSN 0097-8507, S. 282–292, doi:10.2307/412855.</ref> Auch als damals (im 13./14. Jahrhundert?) diese zwei Laute zu einem nicht-retrahierten [s] zusammenfielen (im Zimbrischen, einer südbairischen Sprachinselmundart in Italien, ist der Unterschied bis in die Neuzeit erhalten geblieben<ref>TITUS: Remigius Geisers Zimbrischkurs – Grundkurs in klassischem Zimbrisch: 1. Lektion (Aussprache)</ref> – vor allem im besonders konservativen Dialekt der Sieben Gemeinden,<ref>TITUS: Remigius Geisers Zimbrischkurs – Grundkurs in klassischem Zimbrisch: Ergänzungslektion E2: Wieso „klassisches“ Zimbrisch?</ref> wie in Asiago, aber auch in manchen anderen konservativen Dialekten wie Gottscheerisch, vgl. Mittelhochdeutsche Sprache § Konsonanten), behielt man beide Schreibungen bei. Man brachte sie aber dadurch durcheinander, weil niemand mehr wusste, wo ursprünglich ein sz gestanden hatte und wo ein ss.
Bei der Einführung des Buchdrucks im späten 15. Jahrhundert wurden Druckschriften aus den damals geläufigen gebrochenen Schriften geschaffen. Dabei wurde für die häufig auftretende Buchstabenkombination aus langem ſ und z mit Unterschlinge („ſʒ“) eine Ligatur-Letter geschnitten. Diese Ligatur behielt man auch bei später eingeführten Druckschriften wie der Fraktur bei.
Möglicher Einfluss tironischer Noten
Der Typograph Max Bollwage vermutet,<ref name="bollwage1999">Max Bollwage: Ist das Eszett ein lateinischer Gastarbeiter? Mutmaßungen eines Typografen. In: Gutenberg-Jahrbuch, Mainz 1999, ISBN 3-7755-1999-8, S. 35–41.</ref><ref name="bollwage2015">Max Bollwage: Kein Zett im Eszett? Mutmaßungen eines Typographen. In: Buchstabengeschichte(n) : wie das Alphabet entstand und warum unsere Buchstaben so aussehen, Graz 2015, ISBN 978-3-201-01998-9, S. 119–123.</ref> dass der Ursprung des Zeichens auf die tironischen Kürzungszeichen „-is“, „-um“, „et“ o. ä. in Form einer drei bzw. „sed“ und „ser“ in Form eines Hakens zurückzuführen sei. Der Typograph und Sprachwissenschaftler Herbert Brekle widerspricht dieser These.<ref name="brekle2001">Herbert E. Brekle: Zur handschriftlichen und typographischen Geschichte der Buchstabenligatur ß aus gotisch-deutschen und humanistisch-italienischen Kontexten. In: Gutenberg-Jahrbuch, Mainz 2001, ISBN 3-7755-2001-5, S. 67–76 (online)</ref> Die Es-Zett-Ligatur lasse sich bis ins 14. Jahrhundert nachweisen. Die Kürzungszeichen seien nur für eine Übergangszeit „zur Repräsentation des stimmlosen s-Lautes umfunktioniert“ worden, druckschriftlich „setzt sich dagegen in der Schwabacher- und Frakturschrift ab dem frühen 16. Jh. die eigentliche Es-Zett-Ligatur durch.“ Bollwage vertritt die typographische Sichtweise, z und das „einer 3 gleichende Abkürzungszeichen“ bzw. der Haken sei vereinzelt aus offensichtlichen Gründen mit der Form des z zusammengefallen, bemerkenswert sei jedoch, „dass die Form der 3 unverändert geblieben ist und jahrhundertelang die Wandlung des Z nicht mitgemacht hat“.
Das ß in der Antiqua
In einigen der ab dem 15. Jahrhundert entstehenden Antiquaschriften ist es eine Ligatur von langem ſ und rundem s. Für das deutsche Eszett der gebrochenen Schriften wurde erst im 19. Jahrhundert ein Antiqua-Gegenstück entworfen. Dagegen gibt es für eine ſs-Ligatur viel ältere Belegstellen. Die genaue Beziehung des Antiqua-ß zu Eszett und ſs-Ligatur ist umstritten.
Die ſ-s-Ligatur in der Antiqua
In Italien, wo die Antiqua entwickelt worden war, entstand eigenständig eine kursive Ligatur aus langem ſ und rundem s, lange bevor das lange ſ im Laufe des 18. Jahrhunderts außer Gebrauch geriet. Die beiden Buchstaben wurden mit einem losen Bogen verbunden; dies war eine rein kalligrafische und typografische Variation ohne orthografische Funktion. Sie erscheint sowohl in Handschriften als auch im Druck bis Ende des 17. Jahrhunderts als eine Alternative für ſſ bzw. ss im Wortinneren. Die kursive Ligatur erscheint vor allem in Werken in lateinischer, italienischer und französischer Sprache.<ref name="brekle2001" />
Die ß-Ligatur in der Antiqua findet sich erstmals bei einer um das Jahr 1515 entstandenen Schrift von Lodovico Vicentino degli Arrighi. Er nahm sie auch 1522 in sein Kalligrafielehrbuch La Operina auf. In der „lateinischen“ Alltagsschrift des 17. und 18. Jahrhunderts erschien in Frankreich, England und eingeschränkt in Deutschland als Äquivalent zu ß die Ligaturform ſs, wobei das lange s die Schleifen erhielt.<ref name="brekle2001" /> Im Druck lässt sich die kursive ß-Ligatur bis auf einige Seiten (f. 299v.–302v.) einer Livius-Ausgabe aus dem Jahre 1518 zurückverfolgen, wo sie in freier Variation zur ſſ-Ligatur steht, die auch im restlichen Werk exklusiv vorkommt. Die Ausgabe trägt das Zeichen von Aldus Manutius, erschien aber drei Jahre nach seinem Tod als Gemeinschaftsarbeit nach seiner Grundidee.
Im Jahre 1521 erschien in Basel eine deutsche Übersetzung (Leonis Judae) von Enchiridion militis Christiani von Erasmus von Rotterdam.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Sie ist in einer Kursiv-Antiqua mit ß-Ligaturen gedruckt, wobei diese sich in Wortformen wie wyßheit, böß und schloß findet.
Bis weit in das 17. Jahrhundert hinein gehörte es zu den typografischen Satzkonventionen in Italien, Frankreich und etwas weniger in Deutschland, vor allem in lateinischen, aber auch teilweise in italienischen und französischen Werken bei Antiquakursivsatz, die ß-Ligatur zu verwenden. Sie kommt auch auf einigen Titelblättern von um 1620 gedruckten Werken von Johannes Kepler vor.
Erst mit zunehmendem Druck deutscher Texte in Antiqua im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert erhielten auch gerade Antiquaschriften eine ß-Ligatur, die je nach orthografischer Konvention alternierend zu ſs- oder ss-Sequenzen verwendet wurde. Davor gab es vereinzelte Vorkommen dieser Typen.<ref name="brekle2001" />
Als die Nationalsozialisten in Deutschland im Jahr 1941 die Fraktur und sonstige gebrochene Schriften abschafften und die Antiqua als „Normal-Schrift“ einführten, wurde von den zuständigen Ministerien auch eine Abschaffung des ß in Antiqua beschlossen, da der Buchstabe im Ausland unbekannt und selten in Antiqua-Schriften vorhanden war. Hitler intervenierte aber. Aus einem Schreiben des Reichsministers der Reichskanzlei: „Der Führer hat sich für eine Beibehaltung des ‚ß‘ in der Normalschrift entschieden. Er hat sich aber gegen die Schaffung eines großen ‚ß‘ ausgesprochen. Bei der Verwendung großer Buchstaben soll das ‚ß‘ vielmehr als ‚SS‘ geschrieben werden.“<ref>Schreiben des Reichsministers und Chefs der Reichskanzlei an den Reichsminister des Innern vom 20. Juli 1941. BA, Potsdam, R 1501, Nr. 27180. Enthalten in: Der Schriftstreit von 1881 bis 1941 von Silvia Hartman, Peter Lang Verlag, ISBN 978-3-631-33050-0</ref>
Die deutsche Ersatzschreibung in Antiqua
Antiquasatz
In deutschem Antiquasatz wurde normalerweise bis ins 19. Jahrhundert an Stelle von ß entweder einfaches ss oder die Buchstabenfolge ſs (keine Ligatur) verwendet. Daneben traten nur selten die Sulzbacher Form des ß auf und – besonders in der von den Brüdern Grimm propagierten historischen Schreibweise – das sz. Die Verwendung von ſs erfolgte weiterhin, auch nachdem im Antiquasatz das gewöhnliche ſ im späten 18. Jahrhundert unüblich geworden war. Die Empfehlung der Orthographischen Konferenz von 1876 bestand darin, dass im Antiquasatz die Buchstabenfolge ſs verwendet werden sollte.<ref>Regeln und Wörterverzeichnis für die deutſche Orthographie. (Auf Grundlage der von R. v. Raumer verfaßten Vorlage.) In: Dieter Nerius (Hrsg.): Die orthographiſchen Konferenzen von 1876 und 1901. Georg Olms, Hildesheim / Zürich / New York 2002, S. 140 (= Documenta Orthographica 5).</ref>
Das eigentliche ß im Antiquasatz kam erst im späten 19. Jahrhundert auf und ist dann mit der Orthographischen Konferenz von 1901 zur amtlichen Norm erhoben worden.
Lateinische Schreibschrift
Auch in lateinischer Schreibschrift (Kursive) wurde ß bis Ende des 19. Jahrhunderts gerne durch ſs wiedergegeben.<ref>In zahlreichen Briefen aus dem 19. Jahrhundert sind Personennamen gegenüber der Kurrentschrift des übrigen Textes durch lateinische Schreibschrift hervorgehoben.</ref> Da das Lang-ſ der Kursive grafisch mit dem h der Kurrentschrift übereinstimmte, wurde die ſs-Gruppe der lateinischen Schreibschrift oft als hs missgedeutet, was sich in ungewöhnlichen Schreibweisen von Familiennamen niedergeschlagen hat, beispielsweise „Grohs“ statt „Groß“, „Ziegenfuhs“ statt „Ziegenfuß“, oder „Rohs“ statt „Roß“ (siehe dazu auch rechts das Bild: „Claßen in lateinischer Schreibschrift“).
Namensschreibungen wie die Variante Weiſs blieben aus juristischen Gründen auch nach 1901 in dieser Form erhalten und wurden durch keine Regel orthografisch angepasst. Im Deutschland der Zwischenkriegszeit waren alleine im standesamtlichen Bereich Schreibmaschinen in Verwendung, die ſs als Sondertype enthielten.<ref>Österreich in Geschichte und Literatur mit Geographie, Band 29, Institut für Österreichkunde, 1985, S. 256.</ref>
Das deutsche Eszett in der Antiqua
Als im späten 18. und im 19. Jahrhundert deutsche Texte vermehrt in Antiqua gesetzt wurden statt in der allgemein üblichen gebrochenen Schrift, suchte man eine Antiqua-Entsprechung für das Eszett der gebrochenen Schrift. Die Brüder Grimm benutzten in der Deutschen Grammatik 1. Band im Jahr 1819 noch die Fraktur, 1826 allerdings die Walbaum-Antiqua. In späteren Werken wollten sie dann das Eszett durch eine eigene Form des Buchstabens ersetzen, setzen aber schließlich sz in Ermangelung des ihnen vorschwebenden Druckbuchstabens.
Der Duden von 1880 empfiehlt, das Eszett in Antiqua durch ſs zu ersetzen, lässt aber ausdrücklich auch einen ß-artigen Buchstaben zu.<ref>Konrad Duden: Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 1880, Seite XIV. (Wikipedia Commons)</ref> Blei-Antiquaschriften wurden üblicherweise ohne ß ausgeliefert, sodass deutsche Texte aus dieser Zeit in Schweizer Satz erscheinen. Die Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung von 1901 schrieb auch im Antiqua-Satz den Buchstaben ß vor.<ref>Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Hrsg.): Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis. 1903.</ref> Schriftgießereien wurden verpflichtet, künftig bei Antiqua-Schriften ein ß mitzuliefern bzw. ein solches für Bestandsschriften nachzugießen.
Buchstabenform
Für die Form der Glyphe eines Antiqua-Eszett gab es verschiedene schriftgestalterische Ansätze. Erst im Anschluss an die I. Orthographische Konferenz von 1876 gab es erfolgreiche Bemühungen um eine einheitliche Form. 1879 veröffentlichte das Journal für die Buchdruckerkunst eine Tafel mit Entwürfen. Ein Ausschuss der Leipziger Typographischen Gesellschaft entschied sich für die sogenannte Sulzbacher Form.
1903, nach der Entscheidung für eine einheitliche Rechtschreibung, erkannte eine Kommission von Buchdruckerei- und Schriftgießereibesitzern die Sulzbacher Form an. In einer Bekanntmachung in der Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker beschreiben sie die charakteristischen Merkmale dieser sz-Form: „Das sogenannte lange Antiqua-ſ wird oben mit einem z verbunden, im Kopfe eingebogen und läuft im unteren Bogen in eine feine oder halbstarke Linie oder in einen Punkt aus.“<ref> In: Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker, Steindrucker und verwandte Gewerbe. XV. Jahrgang, Nr. 27, Leipzig, 9. Juli 1903 (Faksimile in: Mark Jamra: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Eszett ( vom 1. Januar 2011 im Internet Archive). 2006, abgerufen am 17. April 2008).</ref>
Die Sulzbacher Form wurde und wird aber nicht von allen Typographen akzeptiert. Etwa vier Grundformen finden größere Verbreitung:
- Einzelbuchstaben „ſ“ und „s“ sind eng zusammengerückt
- Ligatur aus „ſ“ und „s“
- Ligatur aus „ſ“ und z mit Unterschlinge („ʒ“)
- Sulzbacher Form
Heutzutage sind die meisten ß in Antiquaschriften entweder nach 2. oder nach 4. geformt, doch bisweilen findet sich auch eines nach 3., etwa auf Straßennamenschildern in Berlin und Bonn. Die Variante nach 1. wird selten verwendet.
-
Form 1: Langes und rundes s für ß in Pirna (wie ¹)
-
Form 1: Claßen in lateinischer Schreibschrift als Claſsen geschrieben, heute als historisches Firmenlogo, Köln Juli 2005
-
Form 1 (links): Langes und rundes s für ß in „‑straſse“ und
Form 3 (rechts): ß-Ligatur aus ſ und ʒ in „‑straße“ auf emaillierten Straßenschildern in Mainz -
Form 2: Italienisches Schriftmuster von 1540:
Im Alphabet Ligatur aus langem und kurzem s,
im Titel aber „Esſempio“, Kurz-s-Lang-s -
Form 2: Schrift „Legende“ von F. H. Ernst Schneidler
-
Recklinckhuſen, Dorſten, Eßen. Blaeu-Atlas, Mitte 17. Jahrhunderts
-
Form 3: Berliner Straßenschilder:
ß-Ligatur aus ſ und ʒ. Und tz-Ligatur aus t und ʒ nach einer Schrift von Herbert Thannhaeuser, 1930er Jahre. -
Form 3: Ältere Linzer Straßenschilder nach einer Schrift von Friedrich Neugebauer, 1950er Jahre (digitalisiert CAT Linz)<ref>CAT Linz, peter-wiegel.de</ref>
-
Form 3: Schrift FF Cst Berlin
in Anlehnung an Herbert Thannhaeuser -
Form 4: Hieronymus Aleander Mottensis, Tabulae utilißimae, Köln 1541
Rechtschreibung
Das ß dient der Wiedergabe des stimmlosen s-Lautes, der Fortis <templatestyles src="IPA/styles.css" />[s], dessen Darstellung durch s, ß und ss sich mit der Zeit gewandelt hat, zuletzt mit der Rechtschreibreform von 1996.
Konzepte der s-Schreibung
Im Antiqua-Satz wurde im 19. Jahrhundert noch das ſ eingesetzt, um drei gleiche s aneinander zu vermeiden.
Die Handhabung des ß gemäß den Regeln der Rechtschreibreform von 1996 folgt der sogenannten heyseschen s-Schreibung, die von Johann Christian August Heyse im Jahr 1829 formuliert wurde.<ref>Heysesche s-Schreibung in Frakturschrift</ref> Von 1879 an galt sie in Österreich, bis sie im Rahmen der Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung durch die Orthographische Konferenz von 1901 für Schulen und Ämter in deutschsprachigen Staaten ungültig wurde. Stattdessen galt ab dann die adelungsche s-Schreibung des Orthographen Johann Christoph Adelung. Mit der Rechtschreibreform von 1996 wurde die heysesche s-Schreibung in Österreich wiedereingeführt.
Heutige Rechtschreibregeln
Gemäß den Regeln der Rechtschreibreform von 1996 schreibt man ß für den stimmlosen s-Laut:<ref>Siehe § 25 des amtlichen Regelwerks (PDF).</ref>
- nach einem betonten langen Vokal: Straße, aßen, aß, Buße, grüßt;
- nach einem (gleichermaßen als lang geltenden) Doppelvokal (Diphthong): heißen, außen.
Man schreibt aber s, wenn im Wortstamm ein Konsonant folgt:
- Trost, Faust, räuspern, geistig.
Beim Vorliegen einer Auslautverhärtung<ref>Siehe § 23 des amtlichen Regelwerks (PDF).</ref> schreibt man ebenfalls s, wenn der s-Laut in verwandten Wortformen stimmhaft ist:
- (ich) nieste (niesen); Gras (Gräser); löslich (lösen); Aas (des Aases).
In der Schweiz und in Liechtenstein schreibt man statt ß immer ss.
Ausnahmen und Sonderfälle:
- Eigennamen: Personen- und Ortsnamen werden von den obigen Regeln nicht berührt. So schreibt man weiterhin Theodor Heuss (trotz des Diphthongs) oder umgekehrt Schüßler-Salze, Litfaßsäule und Kößlarn (trotz des kurzen Vokals). Ausnahme: Bei Eigennamen wird in der Schweiz stets ss verwendet, z. B. Hoeness statt Hoeneß.<ref>So wird Uli Hoeneß in allen Schweizer Medien Uli Hoeness genannt (exemplarisch das NZZ-Dossier zu Uli Hoeness).</ref>
- Verschiedene Aussprachen schlagen sich in verschiedenen Schreibungen nieder: Sowohl Lössboden als auch Lößboden ist korrekt, da das ö kurz oder lang sein kann. Sodann schreibt man in Österreich Geschoß statt Geschoss, da dort das o lang ist (sowohl für das Projektil als auch für die Etage); Ähnliches gilt für Spass als aussprachebedingte Variante von Spaß.
Rechtschreibregeln von 1901 bis 1996
Nach den von 1901 bis 1996 gültigen Regeln schrieb man ß in denselben Fällen wie heute; zusätzlich stand ß statt ss am Wortende (auch in Zusammensetzungen): Kuß, kußecht, Paß, Paßbild sowie am Wortstammende, wenn ein Konsonant folgte: (du) mußt, (es) paßt, wäßrig, unvergeßne, Rößl.
In der adelungschen s-Schreibung richtet sich somit die Verteilung von ß und ss teils nach graphotaktischen Kriterien (Berücksichtigung der graphischen Umgebung: Wortende, Wortfuge oder folgender Konsonantenbuchstabe) und teils nach dem Kriterium der Aussprache (Berücksichtigung der Länge des vorangehenden Vokals). Wenn der s-Laut ambisyllabisch ist, steht ss.<ref>Theodor Ickler: Laut-Buchstaben-Zuordnungen, 14. Mai 2005 (Abschnitt 4. s – ss – ß: Zur Problematik der „Heyseschen s-Schreibung“).</ref>
Historischer Vergleich als Tabelle
Ligaturen des Fraktursatzes sind nicht als solche dargestellt, um ihre Elemente möglichst getreu wiederzugeben. So ist das heute übliche Antiqua-ß hier nur für Lateinschreibung seit dem 20. Jahrhundert verwendet.
| Fraktursatz | Antiqua | |||
|---|---|---|---|---|
| nach Adelung | nach Heyse | 19. Jahrhundert | 20. u. 21. Jhd. (Adelung) | 21. Jhd. (Heyse) |
| Waſſerschloſʒ | Waſſerschloſs | Wasserschloſs (Bayern u. Preußen) | Wasserschloß | Wasserschloss |
| Straſʒeneinfluſʒ | Straſʒeneinfluſs | Straſseneinfluſs (Bayern u. Preußen) | Straßeneinfluß | Straßeneinfluss |
| Meſʒergebniſʒ (nach andern: Meſʒergebnis<ref>Daniel Sanders: Handwörterbuch der deutschen Sprache. Verlag von Otto Wiegand, Leipzig 1869, S. 210 (Stichwort Er-Gêbnis) u. S. 523 (Méſsbar und folgende).</ref>) |
Meſsergebniſs | Meſsergebni(ſ)s (Bayern u. Preußen) | Meßergebnis | Messergebnis |
| Maſʒeinheit | Maſʒeinheit | Maßeinheit, Maſseinheit (Bayern u. Preußen) |
Maßeinheit | Maßeinheit |
| Maſʒſtab | Maſʒſtab | Maſsstab (Bayern u. Preußen) | Maßstab | Maßstab |
| Paſʒſtraſʒe | Paſsſtraſʒe | Paſsstraſse (Bayern u. Preußen) | Paßstraße | Passstraße, Pass-Straße |
| Grasſoden | Grasſoden | Grassoden (Bayern u. Preußen) | Grassoden | Grassoden |
| Hauseſel | Hauseſel | Hausesel (Bayern u. Preußen) | Hausesel | Hausesel |
In der Schweiz und in Liechtenstein Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.
Anstelle von ß wird in der Schweiz und in Liechtenstein immer ss geschrieben. In diesen Ländern steht ss – im Gegensatz zu anderen Doppelkonsonantenbuchstaben – nicht nur nach Kurz-, sondern auch nach Langvokalen und Diphthongen. Wie bei anderen Digraphen (z. B. ch) ist die Länge oder Kürze des vorangehenden Vokals nicht erkennbar (Masse steht sowohl für Maße wie für Masse, Busse steht sowohl für Buße wie für Busse; vgl. hoch und Hochzeit, Weg und weg). Dem steht entgegen, dass das s solcher Wörter als (in schweizerischer Aussprache deutlich gedehntes) Silbengelenk fungiert (ambisyllabisches s, d. h. das s wird sowohl der vorhergehenden wie der nachfolgenden Silbe zugerechnet – wie dies auch bei anderen Doppelkonsonanten der Fall ist).<ref>Peter Gallmann: Warum die Schweizer weiterhin kein Eszett schreiben. (1996/1997)</ref>
Die frühen Antiquadrucke kannten in der Schweiz wie auch in Deutschland kein ß. Im Bundesblatt der Schweizerischen Eidgenossenschaft fehlte nach der Umstellung von Fraktur auf Antiqua 1873 das ß zuerst, wurde aber bald darauf eingeführt, doch schon 1906 wieder aufgegeben. Der Beschluss der Zweiten Orthographischen Konferenz von 1901, ß auch für die Antiqua zwingend vorzuschreiben, fand in der Schweiz keine durchgängige Beachtung. In der Folge beschloss die Erziehungsdirektion (Kultusministerium) des Kantons Zürich in den 1930er Jahren, das ß vom 1. Januar 1938 an in den kantonalen Volksschulen nicht mehr zu lehren; die anderen Kantone folgten. Als letzte schweizerische Tageszeitung entschied die Neue Zürcher Zeitung, die am 1. August 1946 von Fraktur auf Antiqua umgestellt hatte, ab dem 4. November 1974 auf das ß zu verzichten.<ref>Urs Bühler: Apostrophitis und andere Seuchen. Fehlerreiches Schreiben ist wie Sprechen mit vollem Mund: unanständig und der Verständigung abträglich. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Dezember 2016, S. 12.</ref> Mit der Reform von 2006 wurde es auch offiziell für den amtlichen Schriftverkehr abgeschafft. Schweizer Verlage, die für den gesamten deutschsprachigen Markt produzieren, verwenden das ß jedoch weiterhin.
In der Schweiz war es in der Antiqua seit jeher üblich, ss in s-s aufzutrennen, auch wenn es für ein ß steht. Beispielsweise wird das Wort Strasse (für Straße) in Stras-se (für Stra-ße) getrennt. Diese schweizerische Trennung wurde mit der Rechtschreibreform von 1996 als allgemeine Regel übernommen (1996: § 108; 2006: § 110; 2024: § 87).
Ersatzformen
In der deutschen Rechtschreibung darf im Satz das ß nur dann durch ss ersetzt werden, wenn in einer Schrift oder einem Zeichensatz das ß nicht vorhanden ist. Manuskripte ohne ß müssen deshalb den Regeln entsprechend umgesetzt werden. In der Schweiz und in Liechtenstein wird das ß regulär durch ss ausgedrückt.<ref name="BK" /><ref name="Duden 117">Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 24. Auflage. Mannheim 2006, S. 117.</ref>
Großschreibweise
Es gab jahrhundertelang keine Großbuchstabenform des Buchstabens ß. Da das ß im Hochdeutschen nicht an einem Wortanfang stehen kann, wird ein solcher Großbuchstabe (Versal) ß im Hochdeutschen nur bei durchgängiger Großschreibung (Versalschrift) benötigt. Als Ersatz entstanden zunächst folgende orthographisch zulässige Lösungsmöglichkeiten:
- den Ersatz des ß durch SS (Regelfall)
- die Verwendung des kleinen ß inmitten eines in Großbuchstaben geschriebenen Wortes (in Ausnahmefällen wie amtlichen Dokumenten)
- den Ersatz des ß durch SZ (in Ausnahmefällen, bis 1996)
Heute gibt es die weitere Option:
- das (große) ẞ
Seit dem 29. Juni 2017 ist das große ß (ẞ) Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung,<ref name="Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung aktualisiert" /><ref name="Das ändert sich sofort an unserer Rechtschreibung" /> wobei die Schreibweise STRASSE der Regelfall blieb, und STRAẞE nur eine Alternativschreibweise war.<ref>Amtliches Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung (2017), § 25, E3. Abgerufen am 26. September 2025</ref>
Seit dem 3. August 2024 gilt jedoch die Schreibweise STRAẞE mit „ẞ“ als Regelfall, und die Schreibweise mit „SS“ ist von nun an die Alternative.<ref>Amtliches Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung (2024), § 25, E3. Abgerufen am 26. September 2025</ref>
Der Großbuchstabe ẞ im Computersatz kann meist durch Verwendung bestimmter Tastenkombinationen eingegeben werden.
Besonderheiten der Verwendung
Alphabetische Sortierung
In der alphabetischen Sortierung (DIN 5007) wird das ß wie ss behandelt. Bei Wörtern, die sich nur durch ss bzw. ß unterscheiden, kommt das Wort mit ss zuerst, z. B. Masse vor Maße (DIN 5007, Abschnitt 6.1); der Duden weicht in dieser Hinsicht von der Norm ab: hier kommt das Wort mit ß zuerst.
In Dokumenten
Personen mit ß im Familiennamen haben häufig Probleme, da viele elektronische Systeme ß nicht verarbeiten können und man auf die Umschreibung ss ausweichen muss. Gerade in Personalausweisen und Reisepässen ist der Name dann in zweierlei Weise geschrieben, einmal richtig mit ß und in der maschinenlesbaren Zone (MRZ) mit Umschrift als ss, was besonders im Ausland für Verwirrung und Verdacht auf Dokumentenfälschung sorgt. Österreichische Ausweisdokumente können (müssen aber nicht) eine Erklärung der deutschen Sonderzeichen (auf Deutsch, Englisch und Französisch, z. B. „ß“ entspricht / is equal to / correspond à „ss“) enthalten.
Schon vor Einführung des großen ẞ erlaubte der Duden, bei Namen in Dokumenten aus Gründen der Eindeutigkeit ß auch als Großbuchstaben zu benutzen (z. B. HEINZ GROßE).<ref>Z. B. Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 25. Auflage 2009, S. 93.</ref>
Am 1. Oktober 1980 entschied das deutsche Bundesverwaltungsgericht, dass die technisch bedingte fehlerhafte Wiedergabe von Sonderzeichen auf elektronischen Systemen ein wichtiger Grund für die Änderung des Familiennamens sein kann (der Kläger wollte die Schreibweise seines Namens von Götz in Goetz ändern, war aber damit zunächst beim Standesamt gescheitert; Aktenzeichen: 7 C 21/78). Die seit 1. Januar 1981 geltende Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Namensänderungsgesetz erkennt in Nr. 38<ref>Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (NamÄndVwV). Abgerufen am 5. März 2023.</ref> Sonderzeichen im Familiennamen als Grund für eine Namensänderung an (auch eine bloße Änderung der Schreibweise, z. B. von Weiß zu Weiss, gilt als solche).
Im fremdsprachigen Raum
Wegen des Fehlens auf der dort verwendeten Tastatur und seiner optischen Ähnlichkeit mit dem B wird im Ausland manchmal fälschlicherweise der Großbuchstabe B als Ersatz verwendet, was für den deutschsprachigen Leser befremdlich wirkt.
Niederlande
Obwohl der Buchstabe im Niederländischen nicht benutzt wird, hat er dort einen eigenen Namen: Ringel-S (auf Niederländisch „ringel-s“ geschrieben). Das ß wird im Niederländischen immer durch ss ersetzt: So schreibt man „edelweiss“ (statt Edelweiß) und „gausscurve“ (statt Gauß-Kurve). In alten niederländischen Manuskripten wird das ss jedoch als ſs dargestellt, welches dem deutschen ß stark ähnelt, wie zum Beispiel in der alten niederländischen Schreibweise für Hilfslehrerinnen: „Hulponderwysereſsen“ (heutzutage: „hulponderwijzeressen“).
Englischsprachiger Raum
Im englischsprachigen Raum, in dessen Alphabet der Buchstabe nicht vorkommt, wird das ß bei manchen wegen seiner Form umgangssprachlich als German B (deutsches B) bezeichnet. Deshalb wird das „ß“ auch von den meisten Englischsprechenden als „B“ gelesen, z. B. die Bezeichnung „Weißer“ als „Weiber“. So kommt es auch vor, dass das „ß“ einfach als „b“ wiedergegeben wird; zum Beispiel „Sesamstrabe“ in einem britischen Satelliten-TV-Programmheft, das auch das Programm deutscher Sender listet. Gelegentlich wird das ß auch mit dem griechischen Buchstaben β (beta) verwechselt.
Die korrekte Bezeichnung im Englischen lautet Sharp S oder Eszett wie im Deutschen.
Sorbisch
Bis zur Durchsetzung der auf dem Tschechischen basierenden und bis heute im Wesentlichen gültigen „analogen Rechtschreibung“ unter Federführung von Jan Arnošt Smoler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Sorbische mithilfe der Schwabacher geschrieben. In dieser auf dem Deutschen basierenden Schriftnorm wurde das ß zur Darstellung des scharfen S-Lautes verwendet. Im Niedersorbischen war diese alte Schreibweise noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein gebräuchlich.
Ungarisch
Das „scharf ausgesprochene Ess“ wird im Ungarischen als Doppel-Konsonant geschrieben wie in: Sziged.
Darstellung in Computersystemen und Ersetzung
Kodierung und Eingabe
Im ASCII-Zeichensatz aus dem Jahr 1963 ist das Zeichen nicht enthalten, weshalb viele ältere Computersysteme es nicht darstellen konnten. Allerdings enthielten bereits die von ASCII abgeleiteten Standards DIN 66003 von 1974, ISO 6937 von 1983 und ISO 8859-1 (auch als Latin-1 bekannt) 1986 das Eszett. Fast alle modernen Computer verwenden den im Jahr 1991 eingeführten Unicode-Standard, womit das Eszett problemlos zu verarbeiten und darzustellen ist. Lediglich einige Programme, die noch auf älteren Zeichensätzen beruhen, können beim Datenaustausch Probleme bereiten.
Das ß wird im internationalen Zeichenkodierungsstandard Unicode, im Internet-Dokumentenformat HTML und in UTF-8 folgendermaßen definiert und kodiert; es kann über folgende Tastenkombinationen des Betriebssystems oder des jeweiligen Texteditors eingefügt werden:
<templatestyles src="FN/styles.css" />
Auf manchen neueren Windows-Systemen kann das große scharfe S (ẞ) mit Alt Gr + Umschalttaste + ß eingegeben werden.
Da nahezu alle modernen Computersysteme und -schriften auf Unicode basieren, kann das Eszett heutzutage theoretisch weltweit dargestellt, verarbeitet, übertragen und archiviert werden. Eine Ersetzung aus technischen Gründen ist deshalb nur noch selten nötig.
Tastatur
Nur auf der Tastatur nach deutscher Norm liegt die Eszett-Taste in der oberen Tastenreihe zwischen der Taste für die Ziffer Null und der Taste für den Akutakzent. Wie die US-amerikanische Tastatur verfügt auch die schweizerische Tastatur über keine standardisierte Taste für das Eszett. Auf der niederländischen und türkischen Tastatur sowie auf der US-internationalen Tastaturbelegung kann es in Windows allerdings über AltGr+S eingegeben werden, beim deutschschweizerischen Layout dagegen ist es nur unter Linux (AltGr+S) und auf einem Mac möglich (⌥ Option+S). Das große ß – ẞ – kann mit der Neo-Tastaturbelegung nativ über Shift+ß eingegeben werden.
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Olympia-Schreibmaschine von 1964
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Notebooktastatur, deutsches Layout
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Virtuelle Tastatur auf einem Pocket-PC
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Deutsche Standard-Tastaturbelegung E1 mit kleinem und großen Eszett
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Standard-PC-Tastatur mit Tastaturbelegung E1
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ẞ oben rechts auf der Neo-Tastaturbelegung
Ersetzung und ähnliche Zeichen
Kann das Zeichen „ß“ nicht dargestellt werden, weil es in der verwendeten Schriftart oder dem Zeichensatz fehlt, so sollte es durch „ss“ ersetzt werden (aus „Straße“ wird „Strasse“). In den (behördlichen) Fernschreiben wurde das „ß“ bis in das frühe 21. Jahrhundert durch „sz“ ersetzt. Dies war unter anderem bei Familiennamen wichtig („Straßer“ wurde im Text zu „Straszer“).<ref>Zur Herkunft Hermann Möcker: Wittgenstein, Wüster und die Erstellung eines deutschen Norm-Alphabets. Das Wörterbuch für Volksschulen und die alphabetische Einreihung der deutschen Zusatzbuchstaben ä, ö, ß, ü. II. Teil. In: Muttersprache Bd. 97 (1987), S. 336–256, hier S. 351–353.</ref> Im Fernschreibverkehr und bei Schreibmaschinen ohne ß-Letter wurde das „ß“ durch „:s“ ersetzt, um zwischen Familiennamen wie etwa Strasser, Straszer und Straßer zu unterscheiden.<ref>Eugen Wüster: Neun Fragen zur Schreibung der deutschen S-Laute. In: Muttersprache Bd. 85 (1975) S. 122–139, hier S. 123 f.</ref> Die Ersetzung durch „β“ (Beta) oder „B“ war unter DOS-Systemen üblich (Zeichen 225 der Codepage 437; CGA, EGA oder Hercules rendern es als β, VGA als ß, als Reminiszenz davon kann unter Windows mit Alt+225 ein ß eingegeben werden).
In der chinesischen Schrift erscheint die Form 阝 als Radikal 163 bzw. Radikal 170 und in Schriftzeichen, die auf diesen aufgebaut sind.
Literatur
- Herbert E. Brekle: Zur handschriftlichen und typographischen Geschichte der Buchstabenligatur ß aus gotisch-deutschen und humanistisch-italienischen Kontexten. In: Peter Amelung, Irmgard Bezzel, Otto Böcher, Aloys Ruppel (Hrsg.): Gutenberg-Jahrbuch. Jg. 76, Mainz 2001, ISBN 3-7755-2001-5, S. 67–76.
- Max Bollwage: Ist das Eszett ein lateinischer Gastarbeiter? Mutmaßungen eines Typografen. In: Stephan Füssel, Hans J. Koppitz (Hrsg.): Gutenberg-Jahrbuch. Jg. 74, Mainz 1999, ISBN 3-7755-1999-8, S. 35–41.
- Hansjürgen Bulkowski: Liebe zur Sache. Die Dinge, mit denen wir leben. Kadmos, Berlin 2010, ISBN 978-3-86599-096-9, S. 26 f.
- Utz Maas: Grundzüge der deutschen Orthographie. Niemeyer, Tübingen 1992, ISBN 3-484-31120-7, S. 310–317.
- Peter Gallmann: Warum die Schweizer weiterhin kein Eszett schreiben (PDF-Datei; 23 kB). In: Sprachspiegel. 1996, ISSN 0038-8513, S. 124–130.
Auch in: Gerhard Augst (Hrsg.): u. a.: Zur Neuregelung der deutschen Orthographie. Niemeyer, Tübingen 1997, ISBN 3-484-31179-7. - Wolf-Dieter Michel: Die graphische Entwicklung der s-Laute im Deutschen. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. 1959, ISSN 0005-8076, S. 456–480.
- Thorwald Poschenrieder: S-Schreibung – Überlieferung oder Reform? In: Hans-Werner Eroms, Horst Haider Munske: Die Rechtschreibreform, Pro und Kontra. Erich Schmidt, Berlin 1997, ISBN 3-503-03786-1.
- Frauke Rüdebusch: Das ß. In: Sprachdienst 4–5, 2017, S. 243–245.
- Uta Stötzner: Die Geschichte des versalen Eszetts. In: Das große Eszett.(Signa: Beiträge zur Signographie, Band 9), Denkmalschmiede Höfgen, Grimma 2006, ISBN 3-933629-17-9, S. 21–37.
- Jan Tschichold: Herkunft und Form des ß in der Fraktur und der Antiqua. In: Schriften 1925–1947. Band 1, Brinkmann & Bose, Berlin 1991, ISBN 3-922660-37-1, S. 242–244.
Weblinks
- Eszett, Umlaute und deren Sortierung (FAQ-Liste des Usenet-Forums de.etc.sprache.deutsch)
- Wilfried Kürschner: Der Buchstabe ß – Form und Name
- Eberhard Dilba: Typografie-Lexikon (PDF), Stichwort „Scharfes s“ und „Langes s“
- Reinhard Markner: Ironie der Schriftgeschichte
- Unicode Character 'LATIN SMALL LETTER SHARP S' (U+00DF)
- Empfehlung des ständigen Ausschusses für Geographische Namen (StAGN) vom 17. September 1999 – zur Anpassung der Rechtschreibung von Toponymen an die reformierten Regeln
- Über s, ss und ß (Lehrvideo)
- Duden zu s-Schreibung: s, ss und ß
Anmerkungen
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Einzelnachweise
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