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Zunftzeichen

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Datei:P2150382.JPG
Die Getreidegasse in Salzburg – ein gutes Beispiel für die Zunftzeichen, die als Nasenschilder ausgeführt sind.

Die mittelalterlichen Zünfte symbolisierten ihr Berufs- und Gemeinschaftsverständnis in Form von Zunftzeichen. Diese Zeichen sind teilweise von einem Wappenschild umgeben. Neben Zunftzeichen in Form eines Symbols gibt es weitere Zunftzeichen.

Gestaltung und Verbreitung

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Eisernes Tischzeichen der Schlosserzunft aus Ellwangen aus dem 18. Jahrhundert, heute im Landesmuseum Württemberg

Zunftzeichen dienten als Symbole der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zünfte. Häufig dienten sie, auf einem Nasenschild dargestellt, als Logos der Handwerksbetriebe. Viele der Zunftzeichen zeigen als sprechende Zeichen Objekte im direkten Bezug zum jeweiligen Handwerkszweig, beispielsweise eine Brezel für den Bäcker oder der Hammer für den Schmied. Teils gaben sich die Zünfte auch durch abstraktere Zeichen, etwa durch Verwendung von Schutzpatronen, zu erkennen. In katholischen Gegenden waren dies Schutzheilige und in den protestantischen später Gestalten der antiken Mythologie. Wie die Zusammensetzung der Zünfte (in denen zum Teil verschiedene Berufe kombiniert waren) variierten auch die Zeichen je nach Region.

Die Zunftzeichen hatten nicht nur eine Bedeutung für das Verständnis der jeweiligen Zunft nach innen, sondern dienten als Werbung oder als Zeichen für des Lesens nicht mächtige oder unterschiedlich mehrsprachige Bevölkerungsgruppen.<ref>Noch Anfang des 20. Jahrhunderts beschreibt Bertha Pappenheim in einem Reisebericht aus Galizien die praktische Funktion von Zeichen auf Ladenschildern für eine nicht vollständig alphabetisierte Gesellschaft: Charakteristisch für die durchschnittlich analphabetische Bevölkerung ist, daß die Firmenschilder nicht nur in hebräischer und polnischer Sprache Namen und Handel oder Handwerk verkünden, sondern daß, wie in der Kinderfibel ein Anschauungsbild gleichzeitig die Verständigung mit übernimmt. Einige dieser Bilder wiederholen sich ganz typisch, so die Schere und ein verschlungenes Ellenmaß für die Männerschneider, ein wie eine Käferlarve aussehendes, fest gewickeltes Kind auf den Schildern der Hebammen usw. Bertha Pappenheim, Sara Rabinowitsch: Zur Lage der jüdischen Bevölkerung in Galizien. Reise-Eindrücke und Vorschläge zur Besserung der Verhältnisse. Neuer Frankfurter Verlag, Frankfurt am Main 1904.</ref>

Weitere Zunftzeichen waren die Zunftlade oder -truhe bis zu den Zunftfahnen sowie Tischzeichen in Wirtshäusern. Die Zünfte hatten spezielle Trinkgefäße aus Metall oder Keramik, ja sogar eigene Totenschilde und Bahrtücher. Auf Versammlungen gab es Zunftstäbe, Zunftkerzen und die schon erwähnten Zunftfahnen als Zeichen der jeweiligen Zunft. Diese Zunftzeichen und ihre Verwendung war in ganz bestimmte Regularien integriert. Beispielsweise durften in der Zeit, in der die Zunfttruhe geöffnet war, nur bestimmte Personen sprechen, und das Trinken und Essen war untersagt.

Die traditionelle Verbreitung der Zunftzeichen führte dazu, dass auch für Berufe die erst lange nach der Auflösung der Zünfte entstanden solche Zeichen erdacht wurden, zum Beispiel für Elektriker oder das Kfz-Gewerbe.<ref>Zum Beispiel an der Fassade des 1924–1926 errichteten (ehemaligen) Gebäudes der Trierer Handwerkskammer: Jens Fachbach, Stefan Heinz, Georg Schelbert, Andreas Tacke (Hrsg.): Architekturführer Trier. Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-86568-728-9, S. 61–62.</ref> Zunftzeichen werden als Berufszeichen er- und anerkannt; finden sich häufig in abgewandelten Formen heute noch auf Firmenfahrzeugen, -insertionen und -briefköpfen. Sie werden auch heute noch als Zeichen verwendet, mitunter noch traditionell als Nasenschilder. Auf Versammlungen von Innungen werden diese Zeichen zum Teil auf Zunftflaggen gezeigt.

Liste von Zunftzeichen

Zunft Beschreibung Zeichen
Apotheker Mörser mit Pistill.
Datei:Apoteker P7020071a.jpg
Bader … im güldenen Schild eine knotenweis verschlungene Aderlassbinde, in deren Mitte ein grüner Papagei prangte...<ref>Zitat: {{
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{{#if: Als Kaiser Wenzel durch eine heroische Bademagd aus der Gefangenschaft errettet wurde, belohnte er 1406 diesen Dienst durch ein Privileg, wonach das Handwerk der Bader künftig überall makellos, ehrlich und rein angesehen werden sollte; zugleich verordnete er den Badern ein Zunftwappen, nämlich im güldenen Schild eine knotenweis verschlungene Aderlassbinde, in deren Mitte ein grüner Papagei prangte. {{#if: Vorlage:": Text= und 1= gleichzeitig, bzw. Pipe zu viel }} }} Vorlage:": Text= fehlt }}{{#if: | {{#if: {{#invoke:Text|unstrip|{{{ref}}}}} Vorlage:": Ungültiger Wert: ref= {{{ref}}} }}

}} E. Götzinger: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885, S. 1027–1031.</ref>

Bäcker Eine Brezel oder zwei aufrecht stehende Löwen halten gemeinsam eine Brezel und jeweils ein Schwert. Die Schwerter sind durch die Brezel hindurch gekreuzt. Über der Brezel ist eine Krone. Oftmals ist ein 4er-Brötchen unter der Krone ebenfalls vorhanden.
Datei:Bäcker P7080185a.JPG
Datei:Bäcker P710025.JPG
Beton- und Stahlbetonbauer Latthammer gekreuzt mit einem Beil; dahinter die Flechterzange (Rabitz-, Monierzange) mit einem Zirkel auf gleicher Ebene mit der Gestellsäge und einem Dreieck.
Datei:Betonbauer.svg
Bierbrauer und Mälzer Brauerstern oder gekreuzte Maischkrücke, Malzschaufel und Bierschöpfer Vorlage:Annotiertes Bild
Buchbinder Vergolderolle, Pinsel und Falzbein über einer Buchpresse mit eingepresstem Buch.
Datei:Buchbinder P7100253a.JPG
Buchdrucker Doppeladler, der in den Fängen Winkelhaken und Tenakel hält.
Datei:Buchdrucker.jpg
Dachdecker Ein Schieferhammer gekreuzt mit einem sächsischen Ziegeldeckhammer zusammen mit einem Zirkel.
Datei:Zunftzeichen Dachdecker.svg
Elektroinstallateur Ein Blitz zwischen zwei Freileitungen und drei Isolatoren. [1], [2], [3]
Fischer Zwei gekreuzte Fische.
Datei:Fischer.jpg
Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 1) Lamm mit Flagge (auch bekannt als Osterlamm mit der Siegesfahne und ist öfters in Kirchen zu finden beziehungsweise bei christlichen Organisationen).
Datei:Schlachter P7100251a.JPG
Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 2) Stierkopf mit zwei Beilen darunter.
Datei:Zunftwappen-Schlachter.svg
Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 3) Löwe mit Axt.
Datei:Řezníci Louny.jpg
Friseur An einer Mauer hängendes Barbier(Rasier)becken. Aus der Barbier-, Bader und Wundarztzunft. Siehe: Friseurteller.
Datei:Friseurwappen-bunt-Herne.jpg
Gerber Löwe, Böcke, Strauch.
Datei:MemmingenSiebendaecherWappenGerber.jpg
Datei:Wappen Mittellöwen.png
Glaser Vier Gekreuzte Werkzeuge:

von hinten nach vorne Kröseleisen, Glaserdiamant/Glasschneider, Glaserhammer, Lötkolben/Feuerkolben

Datei:Glaser.svg
Goldschmied Drei Ringe und ein Pokal von einem Sechseck umgeben.
Datei:Goldschmied.svg
Handschuhmacher Ein Paar Handschuhe.
Datei:Handschumacher.jpg
Hufschmied Hufeisen über einer gemauerten Esse.
Datei:Hufschmied P7120284a.JPG
Hutmacher
Datei:Hutmacher.jpg
Kerzenzieher
(und Seifensieder)
Kerzenbündel
(und Seifenstücke).
Datei:Seifensieder.jpg
Klempner und Installateur Die wichtigsten Werkzeuge: den Löthammer und den Treibhammer.
Datei:Walldorf Wappenbaum Wappen Installateur.JPG
Knopfmacher
Datei:Knopfmacher.jpg
Konditor Baumkuchen.
Küfer Hammer und gekreuzte Bandhaken.
Datei:Frankweiler Bergborn5 1681.jpg
Krämer/Kramer, Händler Eine Waage haltende Hand.
Datei:Zz kramer P2160025.JPG
Kürschner Ein Hermelinwappen zwischen zwei aufrechten Löwen.
Datei:Kürschner P7100276a.JPG
Maler und Lackierer Im Schild drei kleinere Schilde, oben zwei nebeneinander, darunter eines in der Mitte
Datei:Zunftwappen-Maler.svg
Maurer Siegel mit mittigem leicht ausgestelltem Zirkel, umgeben von Hammer und Kelle in einem Zeichendreieck.
Datei:Maurer P7020069 retouched.jpg
Müller
Datei:Zunftwappen-Müller.svg
Optiker Brille und Fernrohr unter einem Kometen.
Datei:Optiker P7100272a retouched.jpg
Optiker wie vor, Wiener Gewerbewappen.
Datei:Wiener Gewerbewappen Optiker.jpg
Papiermacher
Datei:Wappen der Papiermacher.jpg
Pfandleiher Drei (goldene) Kugeln, die mittlere etwas tiefer hängend.
Posamentierer Wiener Gewerbewappen.
Datei:Wiener Gewerbewappen Posamentierer.jpg
Putzmacher Frauenkopf mit Hut.
Datei:Putzmacher P7100267a-1 retouched.jpg
Riemer Riemengeschirr im Wiener Gewerbewappen.
Datei:Wiener Gewerbewappen Riemer.jpg
Sattler Sattel und Werkzeuge.
Datei:Sattler P7100263a retouched.jpg
Schlosser Zwei gekreuzte Schlüssel, manchmal mit einem Zahnrad.
Datei:Schlosser P7100253a.JPG
Datei:Schlosser P7100279a.JPG
Schmied Hammer, Zange und Feuerschlange Aspis.
Datei:Zunftwappen-Schmiede.svg
Schneider Eine (offene) Schere, durch deren Grifflöcher ein Stoffband locker gezogen ist. Darunter ein Fingerhut.
Datei:Zunftwappen-Schneider.svg
Seifensieder
(und Kerzenzieher)
Seifenstücke
(und Kerzenbündel)
Datei:Seifensieder.jpg
Schreiner bzw. Tischler Hobel, Winkel und Zirkel.
Datei:Walldorf Wappenbaum Wappen Schreiner.JPG
Schröter Schrotleiter, Fasshaken und Weinfass mit sog. Stütz.
Schuhmacher Halbmondmesser, Stiefel, doppelköpfiger Adler.
Datei:Schumacher.jpg
Steinmetz bzw. Steinbildhauer Symbol mit drei Knüpfeln in einem Ring für Lehrling, Geselle und Meister.
Datei:Zeichen2.jpg
Stuckateur Ein Winkel hinter einer Mörtelkelle, überhöht von einem geöffneten Zirkel.
Datei:Walldorf Wappenbaum Wappen Gipser.JPG
Tuchmacher Rauherkratze und Tuchschere.
Datei:BleiglasZunftzeichenTuchmacher 0370.jpg
Weber Drei Weberschiffchen im Dreieck angeordnet.
Datei:Zunftwappen-Weber.svg
Windmüller Mühlstein davor Mehlsack mit Bockwindmühle.
Datei:Windmüller P7120283a.JPG
Zimmerer Siegel mit Schrotsäge, Breitbeil und Axt gekreuzt und einem Zirkel.
Datei:Zimmerer P7100260 a.JPG
Datei:ZimmererSiegel.jpg

Literatur

  • Alfred Grenser: Zunftwappen und Handwerkerinsignien. Eine Heraldik der Künste und Gewerbe. Rommel, Frankfurt am Main 1889, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}
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  • Leopold Schmidt: Zunftzeichen. Zeugnisse alter Handwerkskunst. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1979, ISBN 3-7017-0085-0.
  • Gisela Pekrul: Handwerks-, Innungs- und historische Zunftzeichen. Teil 1. Bau- und Ausbaugewerbe. edition digital, Godern 2010, ISBN 978-3-931646-42-4.
  • Gisela Pekrul: Historische Handwerkszeichen. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-931646-55-4.
  • Gisela Pekrul: Die Zeichen der Handwerker. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-9804256-2-9.
  • Gisela Pekrul: Schöne alte Zunftzeichen. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-931646-15-8.

Weblinks

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Einzelnachweise

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