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Zoran Đinđić

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Datei:Zoran Đinđić, Davos.jpg
Zoran Đinđić (Davos, Januar 2003)
Datei:Zoran Djindjic signature.svg
Datei:Zoran Đinđić voice.ogg
Zoran Đinđićs Stimme (Aufnahme aus dem November 2002, in der Đinđić erklärt, wie durch Reformen des Landes ein EU-Beitritt Serbiens forciert werden soll)

Zoran Đinđić <templatestyles src="IPA/styles.css" />[ˈzɔran ˈdʑindʑitɕ] <phonos file="Sr-ZoranDjindjic.ogg"></phonos> ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); * 1. August 1952 in Bosanski Šamac, Jugoslawien; † 12. März 2003 in Belgrad, Serbien und Montenegro) war ein serbischer Politiker. Đinđić war Oberbürgermeister von Belgrad und von 2001 bis 2003 serbischer Ministerpräsident. Zudem war er mehrere Jahre Parteivorsitzender der Demokratska Stranka (DS).

Đinđić engagierte sich zunächst als Oppositionspolitiker gegen den langjährigen serbischen Machthaber Slobodan Milošević. Bei dessen Sturz durch einen friedlichen Aufstand am 5. Oktober 2000 nahm Đinđić eine Schlüsselrolle ein. Anschließend wurde er der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident Serbiens. Đinđić übernahm die Geschicke eines Landes, das durch die Jugoslawienkriege und die Bombardierungen durch die NATO verwüstet war und wirtschaftlich am Boden lag. Um das Land aus dieser Krise zu führen, strebte er eine Integration Serbiens in Europa an. Er galt als pragmatischer Politiker, der sich auch nicht davor scheute, Entscheidungen zu treffen, die ihm eigentlich widerstrebten, sofern sie aus seiner Sicht notwendig waren. Feinde machte er sich durch seinen Kampf gegen Korruption und das organisierte Verbrechen in Serbien. Auch die Auslieferung Miloševićs an das Den Haager Kriegsverbrechertribunal machte ihn bei vielen Serben verhasst. 2003 wurde Đinđić durch ein Attentat ermordet.

Leben

Frühe Jahre und Studium

Đinđić wurde 1952 als Sohn eines Offiziers der Jugoslawischen Volksarmee und einer Hausfrau in Bosanski Šamac in Bosnien geboren. Seine Kindheit verbrachte er zunächst in Travnik bevor die Familie aufgrund der Versetzung des Vaters nach Belgrad zog. Als Philosophiestudent an der Universität Belgrad begann er mit seinem politischen Engagement. Đinđić wurde 1974 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er mit anderen Studenten aus Kroatien und Slowenien eine oppositionelle nicht-kommunistische Studentengruppe gegründet hatte. Aufgrund der Intervention von Heinrich Böll und Willy Brandt musste Đinđić nur zwei Monate dieser Strafe absitzen.<ref>Wolfgang Messner: 10.Todestag von Zoran Djindjic. Die Begegnung mit Habermas ändert sein Schicksal. In: Stuttgarter Zeitung. 11. März 2013, abgerufen am 1. August 2025.</ref>

Nach seiner Haftentlassung lernte Đinđić in Belgrad zufällig Jürgen Habermas kennen, der ihn einlud, sein Studium in Deutschland fortzusetzen. Dieser Empfehlung folgte Đinđić und studierte anschließend in Frankfurt am Main und in Heidelberg. Nach dem Wechsel an die Universität Konstanz stellte er dort 1979 seine Doktorarbeit bei Albrecht Wellmer in Philosophie fertig. Sie trägt den Titel Marx’ kritische Gesellschaftstheorie und das Problem der Begründung. In ihr unterzieht Đinđić die Ansichten von Karl Marx zur Verfasstheit der Gesellschaft im Kapital einer grundsätzlichen Kritik.

Rückkehr nach Jugoslawien

Schwarz-Weiß-Aufnahme des jungen Đinđić
Đinđić in den 1990er Jahren

1989 kehrte Đinđić nach Jugoslawien zurück, um an der Universität Novi Sad zu lehren, und gründete 1989 mit anderen serbischen Dissidenten die Demokratska Stranka (DS) neu. Sie war 1945 nach der Machtübernahme der Kommunisten verboten worden. Ein Jahr nach der Neugründung wurde Đinđić ins serbische Parlament gewählt. 1994 schickte er sich an, Vorsitzender der DS zu werden und somit Dragoljub Mićunović zu beerben. Mićunović, der als politischer Mentor Đinđićs galt, wollte seinen Posten allerdings nicht abgeben, was zu Konflikten zwischen den beiden Männern führte.<ref>Tamara Nikčević: O sukobu, pomirenju i saradnji sa Zoranom Đinđićem. In: Vreme. 6. März 2013, abgerufen am 1. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bei einer Parteikonferenz erklärte Đinđić: „Mićunovićs Zeit ist vorbei [...]. Mićunović ist nicht Tina Turner, die jetzt besser singt als mit dreißig.“<ref>Đorđe Vukadinović: Čovek na mestu ili konac delo krasi. In: Vreme. 12. Januar 2002, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. Mai 2016; abgerufen am 12. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am Ende wurde Đinđić zum neuen Vorsitzenden der Partei gewählt.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion begann auch die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien ab dem Jahr 1990 zusammenzubrechen. 1991 erklärten zunächst die Teilstaaten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit. Serbiens Präsident Slobodan Milošević, der in Anbetracht des spürbaren Zerfalls Jugoslawiens zunehmend einen aggressiven großserbischen Nationalismus vertrat, war jedoch nicht bereit, dies zu akzeptieren. Dies führte zum 10-Tage-Krieg mit Slowenien und dem bis 1995 andauernden Kroatienkrieg.<ref>Hans-Joachim Hoppe: Die politische Führung des Milosevic-Regimes. Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Köln 1999, S. 8 f. (d-nb.info [abgerufen am 30. März 2026]).</ref> Mit den beginnenden Jugoslawienkriegen wollte Milošević auch seine allmählich bröckelnde Machtposition sichern.<ref>Hans-Joachim Hoppe: Die politische Führung des Milosevic-Regimes. Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Köln 1999, S. 3 (d-nb.info [abgerufen am 30. März 2026]).</ref>

Im November 1996 fanden in Serbien Kommunalwahlen statt, zu denen die DS als Teil des Oppositionsbündnisses Zajedno (Deutsch: „Zusammen“) gemeinsam mit der Demokratischen Partei Serbiens (DSS), der Bürgerallianz und der Serbischen Erneuerungsbewegung (SPO) antrat. Das Bündnis kritisierte neben Milošević autokratischen Führungsstil auch dessen Kriegspolitik, weswegen Oppositionelle von den von den Sozialisten gesteuerten Medien des nationalen Verrats bezichtigt wurden.<ref>Hans-Joachim Hoppe: Die politische Führung des Milosevic-Regimes. Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Köln 1999, S. 19 (d-nb.info [abgerufen am 30. März 2026]).</ref> Zajedno konnte dennoch vor allem in größeren Städten Erfolge feiern. Daraufhin wurden zahlreiche Wahlergebnisse von der Regierung annulliert und am 27. November Neuwahlen durchgeführt, die von Zajedno wegen befürchteter Wahlfälschungen boykottiert wurden. Bei den Neuwahlen siegten vor allem regierungsnahe Kandidaten. Diese Vorkommnisse führten zu massiven Protesten, woraufhin die Wahlsiege der Opposition doch anerkannt wurden. Đinđić wurde Belgrads erster nicht-kommunistischer Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings kam es bald zu internen Konflikten im Oppositionsbündnis, insbesondere zwischen Đinđić und dem nationalistisch eingestellten Vuk Drašković von der SPO. Letztlich kündigte Đinđić an, dass die DS die serbischen Parlamentswahlen 1997 boykottieren würde, und Zajedno zerbrach.<ref>Aleksandar Čotrić: Ko je izdao koaliciju Zajedno. In: NIN. 20. September 2023, abgerufen am 29. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Bündnis aus Parteien, die lediglich die Ablehnung des serbischen Machthabers Slobodan Milošević einte, hatte nur einige Monate lang Bestand. Im Belgrader Stadtrat wurde Đinđić Ende September 1997 mit Stimmen der ehemaligen Verbündeten wieder abgewählt. Drašković und seine Partei verbündeten sich anschließend mit den Sozialisten, was die Opposition weiter schwächte.<ref>Hans-Joachim Hoppe: Die politische Führung des Milosevic-Regimes. Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Köln 1999, S. 19 f. (d-nb.info [abgerufen am 30. März 2026]).</ref> Đinđićs Nachfolger als Belgrader Bürgermeister wurde Spasoje Krunić von der SPO.

Im Februar 1998 begann der Kosovokrieg, in dem die serbisch-jugoslawische Seite mehrere Kriegsverbrechen begang. Im März 1999 starteten die Streitkräfte der NATO deshalb die Operation Allied Force und bombardierten jugoslawische Ziele. Diese Eskalation des Krieges hatte zur Folge, dass Milošević, mittlerweile nicht mehr Präsident Serbiens, sondern der Bundesrepublik Jugoslawien, die Opposition immer heftiger unterdrückte und teilweise Oppositionelle auch ermorden ließ. Der um sein Leben fürchtende Đinđić ging wie viele andere vorübergehend ins Exil nach Montenegro.<ref>Thomas Schmid: Im Exil in Montenegro. In: taz. 17. Mai 1999, abgerufen am 12. September 2025.</ref> Eine Anklage wegen Wehrdienstverweigerung wurde im August 1999, einen Monat nach Đinđićs Rückkehr nach Belgrad, wieder fallengelassen.<ref>1999 Country Reports on Human Rights Practices: Serbia-Montenegro. Außenministerium der Vereinigten Staaten, 25. Februar 2000, abgerufen am 13. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach Ende des Krieges kritisierte Đinđić das Vorgehen der NATO in einem Interview mit der taz, da es den Patriotismus der serbischen Bevölkerung gestärkt und zu einer weitreichenden Solidarisierung mit Milošević geführt habe. Zudem hielt Đinđić ein friedliches Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen im Kosovo nach dem NATO-Einsatz für unvorstellbar.<ref>zoran djindjic über ... Ergebnisse und Folgen der Angriffe der Nato auf Jugoslawien. In: taz. 24. März 2000, abgerufen am 12. September 2025.</ref>

Bei den jugoslawischen Präsidentschaftswahlen im September 2000 wirkte Đinđić als Wahlkampfleiter des aus 18 Parteien bestehenden Bündnisses Demokratische Opposition Serbiens (DOS), die den Kandidaten Vojislav Koštunica unterstützte. Obwohl Koštunica die Wahl gegen Slobodan Milošević gewann, erklärte sich Letzterer zum Wahlsieger. Dies löste mehrtägige Streiks und Massenproteste aus. Am 5. Oktober 2000 demonstrierten Zehntausende in Belgrad und besetzten das Parlament. Milošević floh und Koštunica konnte sein neues Amt antreten. Am Vorabend der Massenproteste traf sich Đinđić mit Milorad Ulemek, genannt „Legija“. Ulemek war Anführer der Jedinica za specijalne operacije (JSO), einer paramilitärischen Spezialeinheit, die dem Regime nahestand. Đinđić gelang es, Ulemek davon zu überzeugen, nicht mit Waffengewalt gegen die Demonstrierenden vorzugehen und so vermutlich ein Blutbad zu verhindern. Er selbst sagte diesbezüglich allerdings: „Der 5. Oktober ist niemandem zu verdanken, außer denen, die legal an den Wahlen teilgenommen haben, und den Bürgern, die am 5. Oktober auf die Straße gegangen sind.“<ref>Ubistvo Zorana Đinđića: Dvadeset i jedna izgubljena godina. In: Vreme. 12. März 2022, abgerufen am 13. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Nach dem Sturz des Milošević-Regimes führte Đinđić die DOS in die Parlamentswahlen im Dezember 2000. Dem Bündnis gelang ein überwältigender Wahlsieg und es erlangte die absolute Mehrheit im Parlament. Am 25. Januar 2001 wurde Zoran Đinđić zum serbischen Ministerpräsidenten ernannt.

Đinđić als Ministerpräsident

Reformen

Mehrere Männer sitzen sich an einer hölzernen Tafel gegenüber. Auf der Tafel steht ein Blumenstrauß.
Đinđić im Jahr 2001 bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin

Đinđić war bestrebt, marktwirtschaftliche Strukturen in Serbien aufzubauen. So brachte seine Regierung erste Privatisierungen und eine Liberalisierung der Preise auf den Weg. Des Weiteren forcierte Đinđić eine Integration Serbiens in Europa und verfolgte langfristig das Ziel eines Beitritts Serbiens in die Europäische Union. Auch wenn vor allem die wirtschaftlichen Reformen von westlichen Regierungen begrüßt wurden, verbesserten sich die Lebensumstände der Bevölkerung zunächst kaum.<ref name="Pragmatisch">Bill Hayton: Serbia's Machiavellian politics. In: bbc.co.uk. 9. August 2002, abgerufen am 14. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ebenso strebte Đinđić eine weitreichende Demokratisierung des Staatsapparates an. Unter Präsident Milošević waren Politik und Wirtschaft eng mit dem organisierten Verbrechen verflochten. Đinđić versuchte, den Einfluss von Kriminellen auf staatliche Institutionen zurückzudrängen. Personen im Staatsdienst, denen Kontakte zu kriminellen Gruppen oder zu Milošević nachgewiesen werden konnten, wurden entlassen. So verloren auch Geheimdienstchef Andrija Savić und sein Stellvertreter Milorad Bracanović ihre Stellung, nachdem beide von Ljubiša Buha, einem ehemaligen Anführer des kriminellen Surčin-Clans, belastet worden waren. Buha hatte sich nach einem gescheiterten Mordanschlag auf seine Person, der vermutlich vom konkurrierenden Zemun-Clan, der damals mächtigsten Gruppierung innerhalb der serbischen Mafia, beauftragt worden war, der serbischen Regierung als Kronzeuge angeboten, um bei der Aufklärung einer Reihe von ungelösten Morden zu helfen. Durch die darauffolgende Entlassung von Savić und Bracanović verlor der Zemun-Clan zwei hochrangige Verbündete innerhalb des Staatsapperates. Jedoch ging die Regierung davon aus, dass es mindestens einen weiteren Spitzel in den Reihen des Sicherheitsapperates gab, der weiterhin Interna an kriminelle Gruppen weitergab.<ref name="Dušan1">Dušan Reljić: Serbien nach der Ermordung von Zoran Đinđić. Stiftung Wissenschaft und Politik, 15. März 2003, S. 1, abgerufen am 29. März 2026.</ref> Deshalb wurde ein neues Gesetz gegen das organisierte Verbrechen beschlossen. Mit ihm wurde eine spezielle Kammer am obersten Gericht Serbiens geschaffen, welche die Aufgabe hatte, Mitglieder krimineller Vereinigungen zu verurteilen. Darüber hinaus sah das Gesetz schnellere Verfahren und einen besseren Zeugenschutz vor. Letzteres war besonders wichtig, um Buha zu schützen, dem der Zemun-Clan weiterhin nach dem Leben trachtete.<ref>Vision interrompue – Comment s’est produit l’assassinat de Zoran Djindjic ? L’assassinat de Zoran Đinđić, le 12 mars 2003, n’était pas l’assassinat. Fédération des Jeunes Serbes d’Europe, 6. Dezember 2024, abgerufen am 15. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Đinđićs entschiedener Kampf gegen den kriminellen Einfluss auf die Politik wird von vielen als Hauptgrund für dessen Ermordung gesehen. Im April 2003 bezeichnete Nataša Mićić, damals kommissarische Präsidentin Serbiens, den Getöteten als „Opfer des begonnen Kampfes gegen das organisierte Verbrechen“.<ref>Micic: "Djindjic war Opfer des Kampfes gegen das organisierte Verbrechen". In: Der Standard. 30. April 2003, abgerufen am 16. September 2025.</ref>

Der demokratische Aktivist und spätere Politiker Marko Blagojević beschrieb die Politik Đinđićs als eine Form des Machiavellismus: Nach Jahren des Autoritarismus sollte Serbien schnellstmöglich reformiert werden, um wieder Teil der internationalen Gemeinschaft sein zu können. Um die eigene Machtposition gegen Verbündete des alten Regimes und Kriminelle zu verteidigen, habe der Zweck für Đinđić die Mittel geheiligt.<ref name="Pragmatisch" /> Der serbische Journalist Stojan Cerović lobte im Jahr 2002 Đinđić dafür, dass er es geschafft habe, dass die aus einer Vielzahl von Parteien bestehende Regierungskoalition an einem Strang ziehe. Er sei dafür verantwortlich, dass in Serbien die öffentliche Ordnung wiederhergestellt sei.<ref name="Pragmatisch" /> Allerdings zerfiel die DOS bis ins Jahr 2003 hinein aufgrund interner Querelen zunehmend. So konnte der serbische Haushalt für das Jahr 2003 nur mithilfe von vier Abgeordneten von Miloševićs Sozialistischen Partei Serbiens verabschiedet werden.<ref>Dušan Reljić: Serbien in Zeitnot. Neuanfang nach 42 Tagen Ausnahmezustand? Stiftung Wissenschaft und Politik, 2003, ISSN 1611-6372, S. 7 (ssoar.info [PDF; abgerufen am 27. April 2026]).</ref> Đinđić selbst äußerte sich zu seinem Politikstil wie folgt: „Moral und Politik haben nichts miteinander zu tun. Wer Moral sucht, sollte in die Kirche gehen.“<ref>25. Januar 2001 - Zoran Djindjić wird serbischer Ministerpräsident. In: wdr.de. 25. Januar 2006, abgerufen am 30. März 2026.</ref>

Auslieferung von Slobodan Milošević

Am 1. April 2001 wurde Slobodan Milošević von jugoslawischen Sicherheitskräften verhaftet und inhaftiert. Obwohl zunächst keine Anklage erhoben wurde, gab der damalige serbische Justizminister Vladan Batić bekannt, dass Ermittlungen gegen Milošević wegen Machtmissbrauchs und Korruption eingeleitet worden seien. Zuvor hatten die USA der jugoslawischen Regierung gedroht, sie würden das Ende der vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank an Jugoslawien ausgezahlten Wirtschaftshilfen veranlassen, wenn Milošević nicht verhaftet werden würde. Darüber hinaus forderten die USA die Auslieferung von Milošević an den Internationalen Strafgerichtshof.<ref>Milosevic arrested. In: bbc.co.uk. 1. April 2001, abgerufen am 14. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Präsident Koštunica opponierte gegen eine Auslieferung, weil sie aus seiner Sicht gegen die jugoslawische Verfassung verstoßen würde. Đinđić wollte die Auslieferung dennoch veranlassen. Jedoch reichte Miloševićs Anwalt Klage vor dem jugoslawischen Verfassungsgericht gegen eine Auslieferung ein. Das Gericht verfügte zunächst, dass innerhalb von zwei Wochen keine Auslieferung stattfindenen dürfe, um die Klage sorgfältig evaluieren zu können. Đinđić setzte sich allerdings über diesen Gerichtsbeschluss hinweg: Milošević wurde am 28. Juni 2001 per Hubschrauber vom Belgrader Zentralgefängnis zu einem NATO-Stützpunkt im Norden Bosniens geflogen und von dort nach Den Haag gebracht. Die Regierung rechtfertigte dieses Vorgehen damit, dass die Verfassungsrichter ehemalige Spießgesellen von Milošević seien. In einer Fernsehansprache sagte Đinđić, dass die Auslieferung der einzige Weg gewesen sei, um negative Konsequenzen für das Land zu verhindern. Dennoch gingen in Belgrad über 1.000 Milošević-Unterstützer auf die Straße und es kam zu Tumulten.<ref>Milosevic extradited. In: bbc.co.uk. 28. Juni 2001, abgerufen am 14. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Aufgrund der Auslieferung zog sich die Demokratische Partei Serbiens, die Partei von Koštunica, aus dem Regierungsbündnis zurück. Einen Tag nach der Auslieferung gab eine internationale Geberkonferenz etwa eine Milliarde US-Dollar an Hilfsgeldern frei, die die jugoslawische Wirtschaft wiederaufbauen sollten.<ref>Milosevic extradition unlocks aid coffers. In: bbc.co.uk. 29. Juni 2001, abgerufen am 14. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Đinđić kritisierte später den Prozess gegen Milošević und bezeichnete ihn als „Zirkus“. Die Verhandlung habe Milošević die Gelegenheit gegeben, weiterhin seine Propaganda zu verbreiten.<ref>Milosevic trial a 'political risk'. In: bbc.co.uk. 26. April 2002, abgerufen am 14. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Auslieferung Miloševićs sorgte für einen anhaltenden Machtkampf zwischen Đinđić und Präsident Koštunica. In dessen Verlauf erhoben beide den Vorwurf, der jeweils andere habe sie abhören lassen.<ref>Gertraud Illmeier: Zwei Männer und ein Skandal: Wer bespitzelte wen? In: Die Presse. 26. April 2008, abgerufen am 16. September 2025.</ref> Außerdem versuchte Đinđić zweimal, den Abgeordneten der Demokratischen Partei Serbiens ihre Sitze aberkennen zu lassen. Im Juni 2002 wurden schließlich 21 DSS-Abgeordnete „wegen ständiger Abwesenheit“ aus dem Parlament ausgeschlossen, woraufhin auch alle ihrer Parteikollegen ihre Mandate niederlegten.<ref>Vom Sturz Milosevics bis zur Ermordung Djindjics. In: FAZ. 12. März 2003, abgerufen am 16. September 2025.</ref><ref name="Pragmatisch" /> Für den Politikwissenschaftler Dejan Guzina war der Konflikt zwischen Đinđić und Koštunica auch eine Folge der unterschiedlichen Visionen, die die beiden Männer für Serbien hatten. Đinđić habe Serbien zu einer liberalen Demokratie, die Teil der europäischen Gemeinschaft ist, umbauen wollen, weshalb es für ihn keine Alternative zur Kooperation mit westlichen Staaten gegeben habe. Demgegenüber habe Koštunica Serbien eher als Brücke zwischen Ost und West gesehen. Deshalb habe er es im Gegensatz zu Đinđić auch nicht für notwendig erachtet, mit dem großserbischen Nationalismus zu brechen.<ref></ref>

Neben Milošević sollten laut Forderungen der internationalen Gemeinschaft auch Radovan Karadžić und Ratko Mladić von der serbischen Regierung festgenommen und ausgeliefert werden. In einem Interview mit dem Spiegel 2002 nahm Đinđić hierauf Bezug und entgegnete: „Jetzt soll ich das Leben unserer Polizisten riskieren, damit Mladić samt seiner bis zu 100 Mann starken Schutzgarde Den Haag auf dem Tablett serviert wird?“<ref name="spät">Renate Flottau: »Das sind doch billige Tricks«. Belgrads Premier Zoran Djindjic über ausbleibende EU-Aufbauhilfen und die Rückwirkungen des Milosevic-Tribunals. In: Der Spiegel. Nr. 9, 2002 (spiegel.de [abgerufen am 15. September 2025]).</ref> Đinđić befürchtete, dass nach einer Verhaftung Mladićs ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte. Daher empfahl er Karadžić und Mladić, sich zu stellen.<ref name="spät" /> Dies geschah nicht, beide wurden erst Jahre nach Đinđićs Tod festgenommen.

Aufstand der JSO

Im November 2001 kam es zum Aufstand der JSO, die auch als „die roten Barette“ bekannt war. Die Paramilitärs waren mit Radpanzern in Belgrad aufgefahren, hatten Autobahnen blockiert und forderten die Ablösung des serbischen Innenministers Dušan Mihajlović. Grund hierfür war laut der JSO ein neues Gesetz der Regierung, welches die Auslieferung weiterer Personen neben Slobodan Milošević an den Internationalen Strafgerichtshof ermöglichte. Der politische Analyst Dušan Reljić sah in dem Aufstand aber eher eine implizite Forderung an die serbische Regierung, den Kampf gegen das organisierte Verbrechen, zu dem auch die JSO gute Beziehungen pflegte, aufzugeben.<ref name="Dušan1" /> Aufgrund ihrer Einsätze in den Jugoslawienkriegen genoss die Einheit ein hohes Ansehen in der serbischen Bevölkerung, auch Präsident Koštunica und die Sozialistische Partei Serbiens (die Partei von Slobodan Milošević) unterstützen den Aufstand.<ref>Milos Ciric: Mutiny, Assassination and a Serbian Political Conspiracy. In: Balkan Insight. 13. Juli 2018, abgerufen am 29. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die serbische Polizei war nicht gut genug ausgerüstet, um den Aufstand zu beenden. Deshalb war Đinđić dazu gezwungen, mit der JSO zu verhandeln. Am Ende wurde ein Kompromiss vereinbart: Mihajlović durfte seinen Posten zwar behalten, dafür wurden aber Goran Petrović, Chef des Staatssicherheitsdienstes, und sein Stellvertreter Zoran Mijatović entlassen. Beide Männer galten als Đinđićs Verbündete im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Der Aufstand der JSO gilt als größte innenpolitische Krise der Ära Đinđić, denn er führte dazu, dass eine eigentlich der Regierung unterstehende Einheit Ersterer die Besetzung politischer Posten vorschrieb.<ref>Miloš Vasić: Oružana pobuna – deset godina kasnije. In: Vreme. 9. November 2011, abgerufen am 15. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Position zur nationalen Frage

Zoran Đinđić und Anna Lindh stehen lächelnd vor einem Weihnachtsbaum
Zoran Đinđić und Anna Lindh bei einem Treffen in Stockholm

Im Zuge der Jugoslawienkriege war das ehemalige Jugoslawien bis 2001 weitgehend zerfallen. Lediglich die beiden Teilstaaten Serbien und Montenegro bildeten noch die Bundesrepublik Jugoslawien. Kurz vor seiner Ermordung schlug Đinđić vor, ein „Bündnis der serbischen Staaten“ zu schaffen: Serbien, Montenegro und die Republika Srpska sollten seiner Vorstellung nach in einem föderalen Nationalstaat zusammengefasst werden.<ref>SRBIJA, CRNA GORA I SRPSKA TREBA DA SE UJEDINE U JAKU NACIONALNU DRŽAVU! Sećate li se ove Đinđićeve izjave? (VIDEO). In: Espreso. 18. Februar 2020, abgerufen am 15. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Republika Srpska gehörte damals wie heute zum Staatsgebiet von Bosnien und Herzegowina, wird aber mehrheitlich von bosnischen Serben bewohnt. Seit den 2020er Jahren wird die Idee, alle Serben in einem Staat zusammenzufassen, erneut von Politikern in Serbien und der Republika Srpska propagiert, auch wenn dies gegen die staatliche Souveränität Bosnien und Herzegowinas verstößt.<ref>Marion Kraske: Die Aktualität von Srebenica. Von der Leugnung des Genozids zur »Serbischen Welt«. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Nr. 8, 2024, S. 77–84 (blaetter.de [abgerufen am 15. September 2025]).</ref>

Im Hinblick auf den Status des Kosovo suchte Đinđić den Dialog mit der internationalen Gemeinschaft, da er in dem unklaren Status des Kosovo eine unmittelbare Bedrohung für die Staatlichkeit Serbiens sah. Eine Unabhängigkeit des Kosovo lehnte er ab.<ref>Đinđić i kosovsko pitanje pre 20 godina: Odbijanje priznanja, poređenje sa RS, pritisci i atentat. In: kosovo-online.com. 12. März 2023, abgerufen am 15. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ermordung

Erster Attentatsversuch

Im Januar 2003 veröffentlichten verschiedene serbische Zeitungen einen Brief von Milorad Ulemek, in dem dieser Đinđić bedrohte, weil jener „Krieger des serbischen Volkes“ an das Haager Kriegsverbrechertribunal ausliefere.<ref name="Dušan1" /> Im Februar 2003 entkam Đinđić einem ersten Attentatsversuch. In Novi Beograd versuchte Dejan Milenković, ein Mitglied des Zemun-Clans, den Wagen des Ministerpräsidenten von der Straße zu drängen. Der Fahrer von Đinđićs Wagen reagierte jedoch geistesgegenwärtig und konnte Milenkovićs Wagen ausweichen. Đinđić blieb unverletzt. Milenković wurde verhaftet, aber nach wenigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Wieso dies geschah, ist unklar.<ref>Nicholas Wood: Greeks Hold Man in Serb Killing. In: The New York Times. 19. Juli 2004, abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

In Reaktion auf den Attentatsversuch erklärte Đinđić:

„Wenn jemand denkt, die Umsetzung der Gesetze dadurch aufzuhalten, dass er mich beseitigt, dann irrt er sich, weil ich kein System bin. Das System wird weiter funktionieren, und keiner wird durch die Beseitigung eines oder zwei Funktionäre in einem Staat amnestiert werden.“<ref>Zitate. In: zorandjindjic.org. Abgerufen am 18. September 2025.</ref>

Ermordung durch Heckenschützen

Der Schütze schoss von einem Haus aus, das sich schräg gegenüber des Regierungsgebäudes befand
Das Versteck des Schützen

Am 12. März 2003 wurde Zoran Đinđić vor dem Regierungsgebäude in Belgrad von einem Heckenschützen durch Schüsse in Bauch und Rücken ermordet. Er war gerade auf dem Weg zu einem Treffen mit der schwedischen Außenministerin Anna Lindh. Der Schütze hatte sich etwa 180 Meter entfernt am hinteren Fenster eines Nachbargebäudes auf die Lauer gelegt, um in den Innenhof schießen zu können.<ref>In Djindjic death aftermath, sweeping moves by justice. 26. März 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. Januar 2012; abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Auch der Leibwächter von Đinđić wurde schwer verletzt. Als Đinđić ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war bereits kein Puls mehr feststellbar. Nach seinem Tod wurde in Serbien der Ausnahmezustand verhängt, um der Exekutive mehr Möglichkeiten bei der Verfolgung der Täter zu geben, die man im Dunstkreis ehemaliger Milošević-Getreuer und dem so genannten Zemun-Clan vermutete. Zugleich wurde die „Operation Säbel“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) gestartet. Ihr Zweck war es, durch großflächige Verhaftungen nicht nur den Hintermännern des Attentats habhaft zu werden, sondern auch einen entscheidenden Schlag gegen das organisierte Verbrechen auszuführen. Nach Angaben des serbischen Innenministeriums wurden bis April 2003 über 10.000 Personen im Zuge der „Operation Säbel“ vorläufig festgenommen, wobei etwa 4.500 für längere Zeit in Gewahrsam blieben.<ref>Serbia and Montenegro: Alleged torture during “Operation Sabre”. Amnesty International, 2003, S. 1, abgerufen am 29. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Amnesty International äußerte sich besorgt über mögliche Menschrechtsverletzungen während der „Operation Säbel“. So habe es möglicherweise Fälle von Folter durch die Polizei gegeben.<ref>Serbia and Montenegro: Accession to the Council of Europe. Amnesty International, 3. April 2003, abgerufen am 29. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Als Haupttäter wurde am 25. März Zvezdan Jovanović, Vizekommandant der JSO, festgenommen. Wenig später fand man die Tatwaffe, ein Gewehr Heckler & Koch G3 SG 1, in unmittelbarer Nähe zu Jovanovićs Wohnung.<ref>Andrej Ivanji: Ein Soldat, der den Premier erschoss. In: Der Standard. 26. März 2003, abgerufen am 16. September 2025.</ref> Jovanović gestand zunächst, den Ministerpräsidenten erschossen zu haben. Ihm zufolge sollten weitere Morde unmittelbar folgen, um so die Regierung zu stürzen und Verbündete von Slobodan Milošević wieder an die Macht zu bringen.<ref>Vesna Peric Zimonjic: Assassin says Djindjic murder was to be first of many. In: The Independent. 9. April 2003, abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die serbische Regierung löste daraufhin die JSO mit sofortiger Wirkung auf.<ref>Gabriel Partos: Serbia's 'elite' enemy within. In: bbc.co.uk. 26. März 2003, abgerufen am 29. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Prozess

Ende 2003 begann der Prozess gegen insgesamt 13 Verdächtige vor einem Belgrader Spezialgericht. Im Verlauf des Prozesses behauptete die Verteidigung von Zvezdan Jovanović, dass dessen Geständnis nur zustande gekommen sei, weil während eines Polizeiverhörs Druck auf ihren Mandanten ausgeübt worden sei.<ref name="Falter">Gabriel Partos: Analysis: Marathon Djindjic trial. In: bbc.co.uk. 23. Mai 2007, abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Vor Gericht verweigerte Jovanović jede Aussage und begründete dies damit, dass er bereits vorverurteilt sei und kein faires Verfahren mehr zu erwarten habe.<ref>Djindjic 'sniper' remains silent. In: bbc.co.uk. 24. Dezember 2003, abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 2. Mai 2004 stellte sich auch der mutmaßliche Drahtzieher hinter dem Attentat Milorad Ulemek, Kommandant der JSO. Er ließ sich in der Nähe seines Hauses in einem Belgrader Vorort festnehmen. Neben Ulemek sollen auch die Oberhäupter des Zemun-Clans, Dušan Spasojević und Mile Luković, an der Planung des Attentats beteiligt gewesen sein. Beide wurden etwa zwei Wochen nach dem Attentat bei einer Schießerei mit der Polizei getötet.<ref>Serb police kill Djindjic suspects. In: bbc.co.uk. 28. März 2003, abgerufen am 18. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Am 3. Juni 2006 wurde ein wichtiger Zeuge bei Belgrad ermordet aufgefunden. Laut Berichten serbischer Medien hatte er bei seiner Aussage, die 2004 unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatte, den Sohn von Slobodan Milošević Marko belastet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zeuge im Djindjic-Prozess getötet. (Memento vom 20. Februar 2008 im Internet Archive) In: Tages-Anzeiger. 3. Juni 2006, abgerufen am 15. September 2025.</ref> Bereits im März 2004 war ein Zeuge der Anklage ermordet worden.<ref>Marion Kraske: Schüsse in Sniper City. In: Der Spiegel. 9. März 2004, abgerufen am 16. September 2025.</ref>

Ulemek und Jovanović wurden am 22. Mai 2007 wegen „Verbrechen gegen die Verfassungsordnung“ zu Freiheitsstrafen von jeweils 40 Jahren verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts hatte Ulemek die Rolle des Koordinators, während Jovanović der Todesschütze war. Zehn weitere Angeklagte, von denen fünf flüchtig waren, wurden zu Freiheitsstrafen zwischen acht und 35 Jahren verurteilt. Trotz der Verurteilungen blieben viele Fragen offen. Unklar bleibt beispielsweise inwiefern serbische Politiker in das Attentat verwickelt waren. Mehrere von ihnen, wie etwa der Gründer der rechtsextremen Serbischen Radikalen Partei (SRS) Vojislav Šešelj, hatten Andeutungen bezüglich eines baldigen Ablebends von Đinđić gemacht bzw. seinen Tod gefeiert.<ref name="Dušan1" /><ref>Nedim Sejdinović: Smrt od koje se Srbija nije oporavila. In: Vreme. 8. März 2023, abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ein Antrag des Anwalts der Familie Đinđić, nach dem Vojislav Koštunica ebenfalls vorgeladen werden sollte, um über eventuelle politische Hintergründe des Attentats auszusagen, wurde vom Gericht abgelehnt.<ref>Serbien: Premier Kostunica muss im Djindjic-Prozess nicht aussagen. In: Der Standard. 23. März 2007, abgerufen am 16. September 2025.</ref> Andere vermuten, dass hinter dem Attentat nicht politische, sondern ökonomische Gründe stecken. 2001 wurden in der kroatischen Zeitschrift Nacional Vorwürfe erhoben, nach denen Đinđić gemeinsam mit dem serbischen Geschäftsmann Stanko Subotić und dem montenegrinischen Präsidenten Milo Đukanović im Zigarettenschmuggel involviert gewesen sein soll. Laut Vladan Begović, während Đinđićs Amtszeit Leiter der Zollbehörde, war Đinđić aber ganz im Gegenteil stark daran interessiert, den Zigarettenschmuggel zu unterbinden, was ihm die Tabak-Lobby und kriminelle Gruppen, die hierdurch ihr Geschäftsmodell bedroht sahen, zum Feind gemacht habe.<ref>Svetlana Vojinović: Tobacco Mafia Was Angry at Djindjic. 27. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. Mai 2011; abgerufen am 17. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Fraglich ist auch, weshalb sich Ulemek sechs Monate nach Prozessbeginn plötzlich den Sicherheitskräften stellte.<ref name="Falter" />

In einem Berufungsverfahren reduzierte der Oberste Gerichtshof in Serbien am 29. Dezember 2008 die Strafen für drei Mitangeklagte, die Urteile gegen die Haupttäter bestätigte er in vollem Umfang.<ref>Djindjic-Mörder – Urteile bestätigt. In: Focus. 29. Dezember 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. März 2016; abgerufen am 16. September 2025.</ref> Bislang konnten drei der fünf flüchtigen Verurteilten gefasst werden: Sretko Kalinić und Milos Simović, wurden im Juni 2010 an der serbisch-kroatischen Grenze gefasst.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Flüchtiger Djindjic-Mörder gefasst. (Memento vom 13. Juni 2010 im Internet Archive) In: tagesschau.de. 10. Juni 2010, abgerufen am 16. September 2025.</ref> Im Februar 2011 wurde zudem im spanischen Valencia Vladimir Milisavljević verhaftet. Er war in Abwesenheit zu 35 Jahren Haft verurteilt worden.<ref name="SDDraht">Drahtzieher von Djindjic-Mord gefasst. In: Süddeutsche Zeitung. 10. Februar 2012, abgerufen am 13. Februar 2012.</ref>

Familie

Đinđić war mit Ružica Đinđić verheiratet und hatte zwei Kinder. Ružica Đinđić gründete nach dem Tod ihres Mannes die Zoran Djindjic Foundation, die u. a. jungen Menschen aus Serbien Praktika in deutschen Unternehmen vermittelt.<ref>Zoran Djindjic Internship Programme of German Business for the Countries of Western Balkans. Zoran Djindjic Foundation, abgerufen am 17. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Andenken

Eine Statue von Zoran Đinđić, die ihn beim Nach-Vorne-Gehen zeigt
Statue zu Ehren von Zoran Đinđić in Prokuplje

Zum Zeitpunkt seiner Ermordung waren weder Đinđić noch seine Partei in der Bevölkerung sonderlich beliebt. Nicht wenige sahen in ihm einen Verräter, weil er mit dem Internationalen Strafgerichtshof zusammengearbeitet hatte. Durch seine Ermordung kippte die Stimmung jedoch plötzlich. Es kamen Hunderttausende zu seinem Staatsbegräbnis.<ref>Vesna Peric Zimonjic: Thousands of Serbs pay their respects to Djindjic. In: The Independent. 16. März 2003, abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die mediale Rezeption der Beerdigung stellte vielfach Bezüge zum Tod von John F. Kennedy her.<ref></ref> Die Anthropologin Jessica Goldberg bemerkte, dass viele Menschen den Tod von Đinđić wie den eines Familienmitglieds betrauert hätten. Sie ist der Ansicht, dass Đinđić durch seine Ermordung zu einem Sinnbild einer heteronormativen demokratischen Männlichkeit geworden sei, die als eine Verbindung zwischen dem Konzept der Kernfamilie, dem serbischen Staat und seinen Bürgern wahrgenommen worden sei. Hierzu habe nicht zuletzt die prominente Präsenz von Đinđićs Frau und Kindern während seiner im Fernsehen übertragenen Beerdigung beigetragen. Die kriminellen Clans, die laut der öffentlichen Wahrnehmung hinter dem Attentat steckten, seien demgegenüber als dysfunktionale Männerbünde erschienen, die nicht zum Wohlergehen des Staates, sondern zu seinem Niedergang beitrügen.<ref></ref> Das Grab von Zoran Đinđić befindet sich auf dem Zentralfriedhof von Belgrad.<ref>Das Grab von Zoran Đinđić. Abgerufen am 16. September 2025.</ref>

Sechs Tage nach Đinđićs Ermordung wählte das Parlament Zoran Živković zu seinem Nachfolger. Živković kündigte an, die Arbeit seines Vorgängers fortzusetzen. Heutige Beobachter kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass die von Đinđić angestoßenen Reformen nach dessen Ermordung mehrheitlich nicht zu Ende gebracht wurden.<ref></ref><ref>Vedran Džihić: Zoran Djindjic’s Legacy & Serbia’s Never-ending Transition. Österreichisches Institut für Internationale Politik, 15. März 2023, abgerufen am 14. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Sandra Plesser: Zoran Djindjic: Symbol einer verpassten Chance für Serbien und die EU-Integration. In: Kosmo. 12. März 2024, abgerufen am 14. September 2025.</ref> Stattdessen kam es schon kurz nach dem Attentat zu einer zunehmenden politischen Polarisierung zwischen der DOS und der DSS. Während Živković und andere Politiker der Regierung der DSS aufgrund ihres Ausscheidens aus dem Regierungsbündnis eine moralische Mitschuld am Attentat auf Đinđić gaben, wurde Vojislav Koštunicas Rhetorik immer populistischer und er inszenierte sich als der letzte „echte“ Patriot in der serbischen Politik.<ref>Dušan Reljić: Serbien in Zeitnot. Neuanfang nach 42 Tagen Ausnahmezustand? Stiftung Wissenschaft und Politik, 2003, ISSN 1611-6372, S. 7 ff. (ssoar.info [PDF; abgerufen am 27. April 2026]).</ref> Die gegenseitigen Animositäten erschwerten auch die Regierungsbildung nach der Parlamentswahl 2003, bei der die rechtsextreme SRS stärkste Kraft wurde. Am Ende wurde Koštunica als Oberhaupt einer Minderheitsregierung ohne Unterstützung der DS zum Ministerpräsidenten vereidigt.<ref>Bernhard Lamers, Alexander Grunauer: Serbiens neue Regierung – Kostunica stellt Kabinett und Regierungsprogramm vor. Konrad-Adenauer-Stiftung, 4. März 2004, abgerufen am 27. April 2026.</ref>

Die serbische Historikerin Olga Popović Obradović sah in der Ermordung Đinđićs ein Zeichen dafür, dass sich Serbien dazu entschlossen habe, dessen Vision eines modernen Staates nicht zu entsprechen. Stattdessen habe sich Serbien für einen antimodernistischen Kurs entschieden, um zu vermeiden, moralische Verantwortung für die serbischen Verbrechen während der Jugoslawienkriege übernehmen zu müssen.<ref>Olga Popović Obradović: Serbia’s past and future. In: pescanik.net. 9. Juli 2008, abgerufen am 31. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Politikwissenschaftler Nemanja Mladenović geht davon aus, dass Đinđićs Ermorderung eine Machtdemonstration der serbischen Mafia war, die bis heute all jene abschrecken soll, die Serbien demokratisieren wollen.<ref></ref>

Noch im Jahr 2003 initiierte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Kooperation mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft das „Zoran-Djindjic-Stipendienprogramm“ (heute „Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans“). Seit 2014 ist auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit an dem Programm beteiligt. Durch die Stipendien sollen Hochschulabsolventen der Länder des ehemaligen Jugoslawien gefördert werden.

2007 wurde das erste Denkmal für Zoran Đinđić in Serbien in der Stadt Prokuplje eingeweiht.<ref>Denkmal in Serbien. In: taz. 2. August 2007, abgerufen am 16. September 2025.</ref> Die Universität Konstanz enthüllte 2013 anlässlich des 10. Jahrestages der Ermordung von Đinđić eine Gedenktafel für ihn an der Konstanzer Seepromenade.<ref>Das Wirken Zoran Djindjics. Universität Konstanz, 8. März 2013, abgerufen am 19. Januar 2024.</ref>

Der kroatische Theaterregisseur Oliver Frljić widmete dem ermordeten Ministerpräsidenten ein eigenes Stück. Zoran Đinđić wurde 2012 in Belgrad uraufgeführt und auch ins Deutsche übersetzt.<ref>Shirin Sojitrawalla: Zoran Dindic - Bei der Wiesbadener Biennale "Neue Stücke aus Europa" 2014 sucht Oliver Frljic nach Schuld. In: nachtkritik.de. 21. Juni 2014, abgerufen am 16. September 2025.</ref>

Publikationen

  • Serbien in Europa. Interviews und Texte aus den Jahren 2000–2003. Tanjug, Belgrad 2004, ISBN 978-86-80981-10-9.<ref>Michael Martens: Entweder wir oder der Bürgerkrieg. In: FAZ. 5. August 2004, abgerufen am 17. Juni 2016.</ref>
  • Experiment gegen die Moderne. Essays zum Scheitern des sozialistischen Jugoslawien. Aus dem Serbischen übersetzt von Ivan Glaser. LIT, Berlin 2017, ISBN 978-3-643-90870-4.

Filme

Literatur

  • Željana Tunić: Märtyrer, Wiedergänger, Bürger. Zoran Đinđić als Erinnerungsfigur im heutigen Serbien. Harrassowitz, Wiesbaden 2024, ISBN 978-3-447-12106-4 (Leseprobe).
  • Miloš Vasić: Atentat na Zorana Đinđića. Narodna Knjiga, Belgrad 2005, ISBN 86-331-1949-8 (serbisch).

Weblinks

Commons: Zoran Đinđić – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

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der Teilrepublik Serbien (1991–2006):
Dragutin Zelenović | Radoman Božović | Nikola Šainović | Mirko Marjanović | Milomir Minić (kommissarisch) | Zoran Đinđić | Nebojša Čović (komm.) | Žarko Korać (komm.) | Zoran Živković | Vojislav Koštunica

der unabhängigen Republik Serbien (seit 2006):
Vojislav Koštunica | Mirko Cvetković | Ivica Dačić | Aleksandar Vučić | Ivica Dačić (komm.) | Ana Brnabić | Ivica Dačić (komm.) | Miloš Vučević | Đuro Macut

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