Zinn(II)-hydroxid
Zinn(II)-hydroxid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Hydroxide mit Zinn in der Oxidationsstufe II.
Gewinnung und Darstellung
Bei der Zugabe von verdünntem Alkalihydroxid zu Zinn(II)-salzlösungen wird ein weißer Niederschlag gebildet, der in Wasser schwer löslich ist. Die Gleichung für die Bildung des reinen Hydroxids ist wie folgt:
- <math>\mathrm{SnCl_2 \ + \ 2 \ NaOH \longrightarrow\ {Sn(OH)_2 \downarrow} \ + \ 2 \ NaCl}</math>
Ähnlich wie bei Blei(II)-hydroxid, handelt es sich bei Sn(OH)2 jedoch um hydratisierte Oxide der Zusammensetzung SnO·x H2O (x < 1).<ref name="HoWi">Vorlage:Holleman-Wiberg</ref> Die Bezeichnung Zinn(II)-hydroxid wird normalerweise synonym dafür verwendet.
Die Zusammensetzung der Oxidhydrate ist in der Literatur umstritten. Es werden beispielsweise folgende Formeln angegeben<ref name="Honnick">W. D. Honnick, J. J. Zuckerman: Tin(II) hydroxide, Inorg. Chem., 1976, 15(12), 3034–3037, Vorlage:DOI</ref>
- 2SnO·H2O
- 3SnO·H2O
- 3SnO·2H2O
- 5SnO·2H2O
Die einzige dieser Verbindungen mit bekannter Kristallstruktur ist 6SnO·2H2O (3SnO·H2O) = Sn6O4(OH)4.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref> Die Substanz besteht aus einzelnen Clustern in Form eines Rhombendodekaeders, in denen die Zinn(II)-Ionen oktaedrisch angeordnet sind und die Dreiecksflächen des Oktaeders von Oxid- und Hydroxid-Ionen überkappt werden.
Es wurde berichtet, dass die Reaktion der Organozinnverbindung Me3SnOH mit Zinn(II)-chlorid reines Sn(OH)2 erhalten werden kann.<ref name="Honnick" /> Die Struktur des Produkts ist jedoch nicht bekannt.
Eigenschaften
Wird Zinn(II)-hydroxid in einer sauerstofffreien Atmosphäre erhitzt so bildet sich durch Dehydratisierung ein blauschwarzes Pulver, das Zinn(II)-oxid.<ref name="HoWi" />
- <math>\mathrm{Sn(OH)_2 \longrightarrow\ SnO + H_2O}</math>
Wie alle Zinn(II)-Verbindungen ist auch das Hydroxid ein Reduktionsmittel und oxidiert leicht zu Zinn(IV)-oxid.
Zinn(II)-hydroxid ist amphoter, es reagiert sowohl mit starken Säuren wie auch mit starken Basen. Mit starken Säuren bildet es Zinn(II)-salze und mit starken Laugen die Stannate(II), veraltet Stannite genannt. Letztere sind damit Salze einer Zinn(II)-säure, die sowohl Tri-[Sn(OH)3]−– wie auch Tetra-hydroxozinn(II)-[Sn(OH)4]2−–Verbindungen bildet.<ref name="HoWi" /> In starken Basen löst sich das Oxidhydrat zu den Alkalistannaten(II). Die Reaktionsgleichung für die Reaktion mit Natriumhydroxid zu Natriumstannat(II) ist wie folgt:
- <math>\mathrm{Sn(OH)_2 \ + \ 2 \ NaOH\longrightarrow\ Na_2Sn(OH)_4}</math>
Literatur
- Vorlage:Holleman-Wiberg
- Jander-Wendt, 3. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1959.
Einzelnachweise
<references/>