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Xylophagie

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Als Xylophagie (von Vorlage:GrcS und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) wird der Verzehr von Holz bezeichnet.

Lebewesen, die sich ausschließlich von Holz ernähren, werden als obligat xylophag beschrieben. Solche, die sich nur gelegentlich von Holz ernähren, als fakultativ xylophag.<ref name="Benke & Wallace, 2003" /> Wird ausschließlich verrottendes Totholz als Nahrungsquelle genutzt, spricht man auch von Saproxylophagie.<ref name="Chiappini & Nicoli Aldini, 2011" />

Biologie

Holz entsteht beim Sekundären Dickenwachstum höherer Pflanzen durch den Einbau von Lignin in die ursprüngliche Zellwand. Holz besteht dementsprechend hauptsächlich aus einem Verbund von Lignin und den ursprünglichen Zellwandbestandteilen (Cellulose, Hemicellulose und Pektin), der als Lignocellulose bezeichnet wird. Nur eine begrenzte Anzahl an Organismen hat die Fähigkeit entwickelt Lignocellulose in Bestandteile aufzulösen und als Nährstoff zu nutzen.<ref name="Cragg et al., 2015" /> Da Holz kaum Stickstoff enthält, sind die meisten xylophagen Organismen auf symbiontische Mikroorganismen angewiesen, die Stickstoff fixieren können.<ref name="McDonald et al., 2012" />

Prokaryoten

Unter den Bakterium|Bakterien sind insbesondere Vertreter der Actinobacteria (Rhodococcus), der Firmicutes, der Bacteroidetes (Bacteroides), der Alphaproteobacteria (Sphingomonas), der Betaproteobacteria (Burkholdia) und der Gammaproteobacteria (Teredinibacter) in der Lage Enzyme zu bilden, die Lignocellulose oder Cellulose abbauen können. Die Fähigkeiten zum Lignocellulose-Abbau bei den Archaeen sind nur wenig erforscht. Von einigen Archaeen, wie etwa Pyrococcus ist bekannt, dass sie Lignocellulose unter hohen Temperaturen abbauen können.<ref name="Cragg et al., 2015" />

Protisten und einzellige Eukaryoten

Protisten der Gattung Phytophthora erzeugen eine Reihe von Enzymen, mit denen sie Cellulose und Hemicellulose pflanzlicher Zellwände abbauen können. Bis zu 19 unterschiedliche Protisten aus den Gruppen der Parabasalia und der Oxymonaden leben in einer Erweiterung des Enddarmes von niederen Termiten, wo sie für die Verdauung von Holzpartikeln verantwortlich sind.

Von einzelligen Grünalgen der Gattung Chlamydomonas ist bekannt, dass sie Cellulose mit Hilfe einer Endoglucanase aufbereiten und verwerten können.<ref name="Cragg et al., 2015" />

Pilze (Fungi)

Datei:Braun- und Weißfäule.jpg
Holz mit Braunfäule (oben) und Weißfäule (unten)

Xylophage Ständerpilze haben zwei grundsätzlich verschiedene Strategien zum Abbau von Lignocellulose entwickelt, die traditionell als Weißfäule und Braunfäule bezeichnet werden. Weißfäule verursachende Pilze erschließen Lignocellulose über Cellulose-abbauende Enzyme (Cellulasen) und auch Lignin-abbauende Enzyme wie Laccasen, Ligninase, Manganperoxidase oder andere Peroxidasen. Diese Enzyme sind in der Regel zu groß um die verholzten Zellwände durchdringen zu können und der Abbau erfolgt nur an der Oberfläche der Zellwände. Braunfäule verursachende Pilze haben dagegen einen Großteil ihres Lignocellulose-abbauenden Enzymsystems verloren und durch ein System ersetzt, bei dem über Fenton-Reaktionen erzeugte Sauerstoffradikale den Abbau bewerkstelligen.<ref name="Cragg et al., 2015" />

Xylophage Schlauchpilze, Verursacher der Moderfäule, verfügen ebenfalls über Cellulose-abbauende Enzyme. Ihre Fähigkeiten zum Abbau von Lignin sind jedoch weniger stark ausgeprägt als bei den Weißfäule verursachende Ständerpilzen.<ref name="Cragg et al., 2015" />

Muscheln (Bivalvia)

In Holz bohrende Schiffsbohrmuscheln (Teredinidae) und die mit ihnen verwandte Familie der Xylophagaidae haben xylophage Formen hervorgebracht.<ref name="Cragg et al., 2015" /> Sie sind allerdings nicht in der Lage die für den Abbau von Lignocellulose notwendigen Enzyme vollständig selbst zu bilden, sondern sind auf die Hilfe von Gammaproteobakterien (Teredinibacter) angewiesen. Die Symbionten leben in speziell umgeformten Zellen (Bakteriocyten) in den Deshayes-Drüsen der Kiemen der Muschel. Für die Verdauung von Holz geeignete Enzyme der Symbionten werden von den Muscheln offenbar selektiv in den Verdauungstrakt transportiert.<ref name="O'Connor et al., 2014" />

Krebstiere (Crustacea)

Datei:Chelura terebrans (YPM IZ 082279).jpeg
Xylophager Flohkrebs Chelura terebrans

Unter den marinen Krebstieren ernähren sich je eine Gattung aus der Ordnung der Asseln (Limnoria) und der Ordnung der Flohkrebse (Chelura) von Holz, ohne dafür die Hilfe von Symbionten zu benötigen.<ref name="Wildish & Robinson, 2016" /> Die Asseln der Gattung Limnoria nutzen Hämocyanin aus ihrer Hämolymphe um das Grundgerüst der Lignocellulose aufzubrechen und so die Wirksamkeit ihrer körpereigenen Cellulose-abbauenden Enzyme zu erhöhen.<ref name="Besser et al., 2018" />

Insekten (Insecta)

Vertreter mehrerer Ordnungen der Insekten haben im Verlauf ihrer Entwicklungsgeschichte unabhängig voneinander eine xylophage Ernährungsweise angenommen. Dementsprechend vielfältig sind die Ausprägungen der Xylophagie und die dafür notwendigen physiologischen Anpassungen bei den Insekten. Einige Schaben und Termiten zum Beispiel sind zeit ihres Lebens auf Holz als Nahrungsmittel angewiesen. Bei zahlreichen anderen Vertretern der holometabolen Insekten ist Xylophagie hingegen auf das Larvenstadium beschränkt.<ref name="Chiappini & Nicoli Aldini, 2011" />

Xylophage Larvenstadien finden sich bei Schmetterlingen (Cossidae, Sesiidae), Hautflüglern (Siricidae) und zahlreichen Käfern (Scarabaeoidea, Buprestidae, Bostrichidae, Ptinidae, Lymexylidae, Oedemeridae, Cerambycidae und Curculionoidea).<ref name="Chiappini & Nicoli Aldini, 2011" />

Termiten produzieren Cellulase in ihren Speicheldrüsen und im Mitteldarm. Bei den niederen Termiten wandern die vorverdauten Holzpartikel in den bauchig erweiterten Enddarm, wo sie von den dort symbiontisch lebenden, geißeltragenden Protisten („Flagellaten“) phagocytiert und weiter verarbeitet werden. Die Flagellaten sind ihrerseits selbst wieder mit Symbionten (Bakterien und Archaeen) vergesellschaftet, die sowohl an ihrer Zelloberfläche als auch in ihrem Cytoplasma leben und an der Aufschließung der beteiligt sind. Den Enddarm der höheren Termiten bewohnen nur diese Prokaryoten. Ihnen fehlen die Flagellaten.<ref name="Cragg et al., 2015" />

Datei:Panaque teeth.jpg
Saugmaul und Zähne von Panaque nigrolineatus

Termiten sind eine Überfamilie innerhalb der Schaben. Die Zusammensetzung der symbiontischen Bakteriengesellschaft im Darm xylophager Schaben unterscheidet sich jedoch deutlich von jener der Termiten und zeigt mehr Ähnlichkeit mit omnivoren Schaben. Es wurde deshalb darauf geschlossen, dass sich Xylophagie bei anderen Schaben und Termiten unabhängig voneinander entwickelt hat.<ref name="Lampert et al., 2019" />

Wirbeltiere (Vertebrata)

Von Harnischwelsen der Gattung Panaque ist bekannt, dass sie große Mengen an Holz aufnehmen. Bis zu 70 % des Inhalts ihres Verdauungstraktes können aus Holz bestehen, das sie mit ihrem Saugmaul und löffelförmigen Zähnen von im Wasser liegenden Ästen und Stämmen abraspeln. Unklar ist jedoch noch, ob sie das Holz auch primär zur Nährstoffgewinnung verwerten und damit tatsächlich Xylophagie betreiben, was ihnen einen Überlebensvorteil in Zeiten mit geringem Nährstoffangebot bieten würde.<ref name="McDonald et al., 2012" /><ref name="Marden et al., 2017" />

Die Fische sind offensichtlich nicht in der Lage das Holz selbst zu verdauen.<ref name="McDonald et al., 2012" /><ref name="Marden et al., 2017" /> Allerdings finden sich in ihrem Verdauungstrakt Pilze<ref name="Marden et al., 2017" /> und Bakterien<ref name="McDonald et al., 2012" /> die das Potential zu Celluloseabbau und Stickstofffixierung aufweisen.

Medizin und Psychiatrie

In der Medizin und der Psychiatrie bezeichnet Xylophagie das zwanghafte Verzehren von Holz durch Menschen. Diese spezielle Essstörung gilt als Sonderform des Pica-Syndroms.<ref name="Knecht, 2010" />

Siehe auch

Einzelnachweise

<references> <ref name="Cragg et al., 2015"> S. M. Cragg, G. T. Beckham, N. C. Bruce, T. D. H. Bugg, D. L. Distel, P. Dupree, A. Green Etxabe, B. S. Goodell, J. Jellison, J. E. McGeehan, S. J. McQueen-Mason, K. Schnorr, P. H. Walton, J. E. M. Watts & M. Zimmer: Lignocellulose degradation mechanisms across the Tree of Life. In: Current Opinion in Chemical Biology, Band 29, 2015, S. 108–119, (Volltext). </ref> <ref name="McDonald et al., 2012"> R. McDonald, H. J. Schreier & J. E. M. Watts: Phylogenetic Analysis of Microbial Communities in Different Regions of the Gastrointestinal Tract in Panaque nigrolineatus, a Wood-Eating Fish. In: PLOS one, Band 7, Nummer 10, 2012, e48018, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}. </ref> <ref name="Benke & Wallace, 2003"> A. C. Benke & J. B. Wallace: Influence of Wood on Invertebrate Communities in Streams and Rivers. In: S. V. Gregory, K. L. Boyer & A. M. Gurnell (Hrsg.): The ecology and management of wood in world rivers, American Fisheries Society, Symposium 37, 2003, S. 149–177, (Digitalisat). </ref> <ref name="Chiappini & Nicoli Aldini, 2011"> E. Chiappini & R. Nicoli Aldini: Morphological and physiological adaptations of wood-boring beetle larvae in timber. In: Journal of Entomological and Acarological Research, Band 43, Nummer 2, 2011, S. 47–59, (Digitalisat). </ref> <ref name="O'Connor et al., 2014"> R. M. O’Connor, J. M. Fung, K. H. Sharp, J. S. Benner, C. McClung, S. Cushing, E. R. Lamkin, A. I. Fomenkov, B. Henrissat, Y. Y. Londer, M. B. Scholz, J. Posfai, St. Malfatti, S. G. Tringe, T. Woyke, R. R. Malmstrom, D. Coleman-Derr, M. A. Altamia, S. Dedrick, St. T. Kaluziak, M. G. Haygood & D. L. Distelb: Gill bacteria enable a novel digestive strategy in a wood-feeding mollusk. In: PNAS Plus, Band 111, Nummer 47, 2014, S. E5096–E5104, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}. </ref> <ref name="Wildish & Robinson, 2016">D. J. Wildish & S. M. C. Robinson: Ultimate cause(s) of dwarfism in invertebrates: the case of driftwood talitrids. In: Evolutionary Ecology Research, Band 17, 2016, S. 685–698, (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20190303014618

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<ref name="Besser et al., 2018"> K. Besser, G. P. Malyon, W. S. Eborall, G. Paro da Cunha, J. G. Filgueiras, A. Dowle, L. Cruz Garcia, S. J. Page, R. Dupree, M. Kern, L. D. Gomez, Y. Li, L. Elias, F. Sabbadin, S. E. Mohamad, G. Pesante, C. Steele-King, E. Ribeiro de Azevedo, I. Polikarpov, P. Dupree, S. M. Cragg, N. C. Bruce & S. J. McQueen-Mason: Hemocyanin facilitates lignocellulose digestion by wood-boring marine crustaceans. In: nature communications, Band 9, 2018, Artikel Nr. 5125, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}. </ref> <ref name="Lampert et al., 2019"> N. Lampert, A. Mikaelyan & A. Brune: Diet is not the primary driver of bacterial community structure in the gut of litterfeeding cockroaches. In: BMC Microbiology, Band 19, 2019, Artikel Nr. 238, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}. </ref> <ref name="Marden et al., 2017"> C. L. Marden, R. McDonald, H. J. Schreier & J. E. M. Watts: Investigation into the fungal diversity within different regions of the gastrointestinal tract of Panaque nigrolineatus, a wood-eating fish. In: AIMS Microbiology, Band 3, Nummer 4, 2017, S. 749–761, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}. </ref> <ref name="Knecht, 2010"> T. Knecht: Pica - qualitative Normabweichungen des Appetits. In: M. Ledochowski (Hrsg.): Klinische Ernährungsmedizin, Springer-Verlag, Wien, 2010, ISBN 978-3-211-88899-5, S. 697–704, (Vorschau). </ref> </references>