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Wyrzysk

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Vorlage:Infobox Ort in Polen

Wyrzysk (Vorlage:DeS Wirsitz) ist eine Stadt mit Sitz einer gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde im Powiat Pilski (Schneidemühler Kreis) der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage

Die Stadt liegt nördlich der Stadt Posen zwischen Anhöhen an dem Flüsschen Lobsonka, eines Nebenflusses der Netze (poln. Noteć). Die Entfernung zur Stadt Bromberg (Bydgoszcz) im Osten beträgt etwa 60 Kilometer.

Geschichte

Datei:PL Wyrzysk Rynek.JPG
Marktplatz in Wirsitz
Datei:Wirsitz Lobsens 1914.jpg
Wirsitz südlich der Stadt Lobsens auf einer Landkarte vom 1914
Datei:Posen 1905.png
Wirsitz östlich der Stadt Schneidemühl und westlich der Stadt Bromberg auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Urkunden, denen die näheren Umstände der Gründung der Stadt zu entnehmen wären, sind nicht erhalten geblieben. Als die Stadt 1773 von Preußen annektiert wurde, befand sie sich zusammen mit der zugehörigen Grundherrschaft im Besitz des Grafen Werbno Rydzinski. Dieser verkaufte die Grundherrschaft 1784 an Friedrich den Großen, der sie in ein staatliches Domänenamt umwandelte. Wirsitz galt seitdem als freie Stadt. Für die Evangelischen ließ Friedrich eine Kirche erbauen.<ref name="JFG">Goldbeck (1789), S. 98–99, Nr. 3).</ref><ref name="HW">Wuttke (1864), S. 466.</ref>

Von 1816 bis 1920 war Wirsitz Verwaltungsstandort des Landkreises Wirsitz im Regierungsbezirk Bromberg der preußischen Provinz Posen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Wirsitz zusammen mit dem Kreisgebiet aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags an Polen abgegeben. Aus der Stadt, die bis dahin mehrheitlich von Deutschen bewohnt war, wanderten nun viele deutsche Familien ab, auch um zu vermeiden, dass ihre Söhne Dienst im Polnisch-Sowjetischen Krieg leisten mussten. Es verblieb jedoch ein deutscher Bevölkerungsanteil in der Stadt.

Während des Überfalls auf Polen 1939 wurden in Wirsitz, Lobsens und an anderen Orten Bürgerwehren gebildet, um Diversionstätigkeiten im Rücken der polnischen Armee sowie Terrorakte gegen die polnische Bevölkerung durchzuführen.<ref>Christian Jansen und Arno Weckbecker: Der „Volksdeutsche Selbstschutz“ in Polen 1939/1940. Oldenbourg, München 1992, [1] ab S. 211</ref> Auf dem evangelischen Friedhof wurden 26 Polen von Deutschen ermordet. Im Zuge der deutschen Lebensraum im Osten Doktrin wurden viele Polen vertrieben und enteignet.

Von 1939 bis 1945 war Wirsitz während der deutschen Besetzung Polens Verwaltungsstandort des Landkreises Wirsitz im neu eingerichteten Reichsgau Danzig-Westpreußen. Hier wurden Kunstschätze aus der 100 km östlich gelegenen Stadt Thorn (heute Toruń in Polen) ab 1944 eingelagert, um sie vor Luftangriffen zu schützen. Nach dem Ende des Krieges fand man die Kunstschätze und verbrachte sie zurück zur Stadt Toruń. Weitere Teile der Kunstsammlung lagen in Sępólno Krajeńskie und im niedersächsischen Salzbergwerk Grasleben.<ref>Mariana Buskupa (Hrsg.): Historia Torunia 1920–1945 – W czasach Polski Odrodzoney i okupacji niemieckiej, Torun, 2006, S. 670 f.</ref>

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. In der darauf folgenden Zeit wurde die deutsche Minderheit aus Wirsitz vertrieben.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1783 Vorlage:0 207 davon 96 evangelische Deutsche, 53 Polen und 58 Juden<ref name="JFG" />
1802 Vorlage:0431 <ref name="AAM408">Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 408–415, Ziffer 812 (Google Books).</ref>
1816 Vorlage:0 439 davon 218 Evangelische, 173 Katholiken und 48 Juden<ref name="HW" />
1821 Vorlage:0489 in 52 Privatwohnhäusern<ref name="AAM408" />
1837 Vorlage:0 999 <ref name="HW" />
1861 1048 <ref name="HW" />
1885 1577 davon 735 Evangelische, 692 Katholiken und 150 Juden<ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1905 1532 davon 650 Evangelische und 80 Juden<ref name="MKL">Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 20, Leipzig und Wien 1909, S. 687.</ref>
1910 1660 am 1. Dezember, davon 951 mit deutscher Muttersprache (darunter 772 Evangelische, 119 Katholiken, 57 Juden und drei Sonstige) und 675 mit polnischer Muttersprache (sämtlich Katholiken)<ref>Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft 5: Regierungsbezirk Bromberg. 11. Kreis Wirsitz, S. 50–51, Ziffer 5 (Google Books).</ref>
seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2014 5172

Gemeinde

Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) gehören neben der Stadt Wyrzysk weitere 19 Schulzenämter (sołectwo).

Persönlichkeiten

Literatur

  • Wirsitz, Kreisstadt, Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Wirsitz (meyersgaz.org).
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Band 2, Marienwerder 1789, Teil I, S. 98–99, Nr. 3).
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 466.

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Belege

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Powiat Pilski

Vorlage:Normdaten