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Wolfgang Egerter

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Wolfgang Egerter (* 4. Dezember 1930 in Schluckenau, Tschechoslowakei; † 8. September 2008 in Rosbach vor der Höhe) war ein deutscher Politiker (CDU), sudetendeutscher Vertriebenenfunktionär und Erwachsenenbildner. Von 1990 bis 1992 war er Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten bei der Thüringischen Landesregierung.

Leben

Herkunft, Studium und Beruf

Egerter besuchte während der Zeit des Nationalsozialismus eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt.<ref name="Heißig"/> Im Alter von vierzehn Jahren wurde er mit seiner Familie aus dem nördlichen Sudetenland vertrieben.<ref name="Heißig">Kurt Heißig: Wolfgang Egeter (Nachruf). In: Blätter der Deutschen Gildenschaft 1/2009, S. 19 ff.</ref> Er ließ sich in Landshut nieder.<ref name="Reichert">Günter Reichert (Red.): Der Heiligenhof. Bildungs- und Begegnungsstätte in Bad Kissingen. 60 Jahre. 1952–2012. Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk, Bad Kissingen 2011, ISBN 978-3-00-035894-4, 23.</ref>

Egerter studierte später Geschichte, Germanistik und Geographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (M.A. in osteuropäischer Geschichte). Von 1961 bis 1977 war er Lehrer und Leiter der Heimvolkshochschule für junge Akademiker in Hessen. Außerdem dozierte er an der Burse in Marburg.<ref name="Heißig"/>

Vertriebenenthematik

Egerter war bereits seit 1950 in führender Funktion in der Sudetendeutschen Jugend<ref name="Weger592">Tobias Weger: „Volkstumskampf“ ohne Ende? sudetendeutsche Organisationen, 1945–1955 (= Die Deutschen und das östliche Europa. Band 2). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-57104-0, S. 592.</ref> (SdJ) engagiert, außerdem von 1952 bis 1961 Sprecher des Arbeitskreises Sudetendeutscher Studenten (ASST).<ref name="Heißig"/> 1953 gründete er mit Tschechen und Slowaken auf einer Sudetendeutschen Hochschultagung<ref>Tobias Weger: „Volkstumskampf“ ohne Ende? sudetendeutsche Organisationen, 1945–1955 (= Die Deutschen und das östliche Europa. Band 2). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-57104-0, S. 305.</ref> die Arbeitsgemeinschaft der Jungen Generation für mittel- und osteuropäische Fragen.<ref name="Heißig"/> Den AAST überführte er dann in die Deutsche Gildenschaft (DG), deren Mitglied<ref name="Weger592"/> er war.<ref name="Reichert"/>

Von 1955 bis 1986 war Egerter führendes Mitglied<ref name="Weger592"/>, zuletzt stellvertretender Bundesvorsitzender des völkisch sudetendeutschen Witikobundes. 1986 trat er nach eigenen Angaben aus dem Witikobund aus, da er deren revanchistische Ansichten nicht mehr teilte.<ref name="Heißig"/>

Von 1972 bis 1988 war er erster Vorsitzender der DG.<ref name="Heißig"/> Er war zudem engagiert im Sudetendeutschen Rat, in der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) und im Sudetendeutschen Sozial- und Bildungswerk (SSBW),<ref name="Heißig"/> von 1994 bis 2006 Vorsitzender des Bundesverbandes und von 2007 bis 2008 Vorsitzender der Stiftung. Weiterhin war er Mitglied der Bundesversammlung sowie 1984 des Bundesvorstandes der SL.<ref name="Reichert"/> Egerter war darüber hinaus in den 1990er Jahren Mitinitiator des Aufrufs Versöhnung 95.<ref name="Heißig"/>

2002 begründete er die Akademie Mitteleuropa in Bad Kissingen mit, der er als geschäftsführender Vorstand vorstand.<ref name="Heißig"/>

Tätigkeit in der Politik

Hessen

Egerter lernte am Mitteleuropa-Kolleg den CDU-Landtagsabgeordneten Walter Wallmann kennen.<ref name="Heißig"/> Er trat der CDU Hessen bei<ref name="Heißig"/> und begründete 1970 den CDU-Stadtverband in Rosbach vor der Höhe und 1981 wurde er Kreisvorsitzender der CDU Wetterau.<ref name="fnp"/>

Von 1977 bis 1988 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag. 1989 wurde er als Nachfolger von Rudolf Wirtz Leiter der Verbindungsstelle zu den Kirchen und Religionsgemeinschaften im Büro des Ministerpräsidenten Walter Wallmann in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden. Dies löste heftige Proteste aus, denn Egerter wurde eine rechtsextreme Gesinnung vorgeworfen.<ref>Entkleidete Welt. In: Der Spiegel, 12/1989, 20. März 1989, S. 112.</ref> Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ignatz Bubis, verhinderte die Personalie.<ref>Cathrin Kahlweit: Finks Kleinkrieg. In: Süddeutsche Zeitung, 26. Juni 1996, S. 3.</ref> Die Umstände der Berufung durch Staatssekretär Alexander Gauland, die sogenannte Affäre Gauland, wurden später in dem Schlüsselroman Finks Krieg von Martin Walser verarbeitet.

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Thüringen

Egerter wurde stattdessen nach der Wende Leiter des „Hessenbüros“ im thüringischen Erfurt, um den Aufbau Ost der Thüringischen Landesregierung zu koordinieren.<ref name="fnp">Wetterauer CDU trauert um Egerter. In: Frankfurter Neue Presse, Nordausgabe, 10. September 2008, S. 4.</ref> Er war u. a. verantwortlich für die Partnerschaft zwischen Kleinpolen und Thüringen.<ref name="fnp"/> Von 1992 bis 2004 war er persönlicher Berater von Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU).<ref name="fnp"/> Egerter vertrat in dieser Zeit Thüringen in der Föderalismuskommission.<ref name="fnp"/> Zu den Ergebnissen seiner Arbeit gehört auch der Umzug des Bundesarbeitsgerichts (BAG) von Kassel nach Erfurt. Ferner knüpfte er für die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Robert-Bosch-Stiftung Kontakte nach Mittel- und Osteuropa.<ref name="Heißig"/>

Familie

Egerter war römisch-katholischen Glaubens. Er war ab 1964 verheiratet und Vater von zwei Kindern.<ref name="Heißig"/>

Auszeichnungen

Literatur

  • Kurt Heißig: Wolfgang Egeter (Nachruf). In: Blätter der Deutschen Gildenschaft 1/2009, S. 19 ff.
  • Günter Reichert (Red.): Der Heiligenhof. Bildungs- und Begegnungsstätte in Bad Kissingen. 60 Jahre. 1952–2012. Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk, Bad Kissingen 2011, ISBN 978-3-00-035894-4, 23.
  • Tobias Weger: „Volkstumskampf“ ohne Ende? sudetendeutsche Organisationen, 1945–1955 (= Die Deutschen und das östliche Europa. Band 2). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-57104-0, S. 592.

Weblinks

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Einzelnachweise

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