Willy Spatz
Willy Spatz (* 7. September 1861 in Düsseldorf; † 4. August 1931 ebenda) war ein deutscher Maler, Lithograf und Hochschullehrer.
Leben und Werk
Wilhelm Spatz, genannt Willy, war das fünfte von acht Kindern der Eheleute Gustav Wilhelm Gerhard Spatz, Kaufmann und Lotterie-Einnehmer in Düsseldorf,<ref>Eintrag der Firma G. W. Gerh. Spatz, 30. Mai 1862, Gustav Wilhelm Gerhard Spatz, Kaufmanns und Lotterie-Kollekteur in Düsseldorf, in Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, 1862. Oeffentlicher Anzeiger. Nr. 48, S. 380</ref> und der Johanna Wilhelmina, geborene Erbach.<ref>Familienbuch Euregio: Familie von Willy Spatz</ref>
1879 beendete Willy Spatz seine Schulausbildung am Städtischen Realgymnasium in der Klosterstraße Düsseldorf.<ref>Verzeichnisse der aus Prima und Sekunda seit der Eröffnung der Anstalt abgegangener Schüler: 1879 Wilhelm Spatz, in Festschrift zur fünfzigjährigen Gedenkfeier der am 28. Mai 1838 erfolgten Begründung des Realgymnasiums, Voß, Düsseldorf, 1888, S. 133</ref> Noch in der Sternstraße 71, dem Haus seiner Mutter, wohnend,<ref>Sternstraße 71, Spatz, Gustav Gerh. Wwe. Rentnerin E (=Eigentümer), Spatz, Wilhelm, Maler, in Adressbuch der Stadt Düsseldorf für das Jahr 1893, S. 636</ref> besuchte er bis 1891 die Kunstakademie Düsseldorf. Dort war er ein Schüler von Hugo Crola (Vorbereitungsklasse), Heinrich Lauenstein (Elementarklasse), Adolf Schill (Dekorations- und Ornamentikklasse) und Peter Janssen, dessen Meisterschüler er wurde. Die druckgrafischen Techniken erlernte er bei Carl Ernst Forberg. Sein Talent als Grafiker entfaltete er als Mitglied des Künstlerclubs St. Lucas,<ref>Königliche Museen zu Berlin (Hrsg.): Kunsthandbuch für Deutschland. 6., neubearbeitete Auflage, Verlag von Georg Reimer, Berlin 1904, S. 604 (Google Books)</ref> 1891 gegründet unter anderem von Olof Jernberg, Heinrich Hermanns, Helmuth Liesegang, August Deusser, Otto Heichert, Gustav Wendling und Arthur Kampf, welcher seine jüngste Schwester Mathilde Spatz (1869–1950) im Jahre 1889 geheiratet hatte.
Anschließend ging Spatz für ein Jahr nach München zu Carl von Marr. Sowohl in koloristischer Hinsicht als auch im Hinblick auf die der Münchener Kunst eigenen Art, religiöse Motive in zeitgenössischer und genrehafter Weise darzustellen, war diese Zeit von großer Bedeutung für seine künstlerische Entwicklung.<ref>Friedrich Schaarschmidt: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert. Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1902, S. 364 ff. (Digitalisat)</ref> Eine Studienreise unternahm er nach Paris.
1897 erhielt Spatz eine Berufung an die Düsseldorfer Akademie, zuerst als Professor der Elementarklasse. Bis 1926 war er als ordentlicher Professor Leiter der Abteilung Malerei, daneben betrieb er bis 1915 eine Damen-Malschule im Ateliergebäude „Wunderbau“ in Pempelfort.<ref>„Ich kündigte gestern die Ateliers, die ich fast zweiundzwanzig Jahre für meine Damen-Malschule ununterbrochen gemietet hatte! Und somit gebe ich einen Teil meiner Lebenstätigkeit auf, der mir im Laufe der Jahre so lieb geworden war! Was für ein jugendlich-fröhliches u. arbeitsfreudiges Leben entwickelte sich oft dort in meinen Damen-Ateliers in dem Atelierhaus, der „Wunderbau“ genannt!“ Tagebuch von Willy Spatz 1914–1919, Eintrag vom 31. Januar 1915, Stadtarchiv Düsseldorf, 0-1-23-41.0000 (PDF (Scans))</ref>
Spatz wurde bekannt für seine großflächigen historisierenden Wand- und Ölgemälde. Zusammen mit seinem Düsseldorfer Akademie-Kollegen Claus Meyer schuf er Gemälde zur Ausstattung des Duisburger Rathauses. Sein Hauptbeitrag war dabei die Darstellung der Gründungsfeierlichkeiten der Duisburger Universität am 14. Oktober 1655.<ref>Gründung der Duisburger Universität am 14. Oktober 1655 in der Salvatorkirche, Webseite im Portal duisburg.de, abgerufen am 9. Februar 2025</ref> Insbesondere ein Wandgemäldezyklus in der Kapelle von Schloss Burg an der Wupper (entstanden von 1899 bis 1901) brachte ihm den Durchbruch für eine ganze Reihe weiterer derartiger Schöpfungen. In der Kapelle stellte er Die Macht des Christenthums über der Menschen Geist dar. Das erste Bild zeigt den Hl. Suitbertus, predigend, den „Apostel des Bergischen Landes“. Das zweite Bild ist ein Triptychon und illustriert das biblische Wort Ich will sie alle zu mir ziehen. Das dritte Bild zeigt Das Rosengärtlein des himmlischen Paradieses. Weitere Werke dieser Art sind fünf Wandgemälde, eine „sehende“ Justitia und vier historische Szenen aus dem deutschen Gerichtsleben im großen Plenarsaal des Oberlandesgerichts Düsseldorf aus dem Jahr 1913.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20151208155844
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Die meisten großen Arbeiten von Spatz wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erhalten ist jedoch der Zyklus im Oberlandesgericht Düsseldorf, samt seinen Erläuterungen dazu. Willy Spatz stellte darin Szenen „aus der Entwicklung des deutschen Rechtslebens“ dar. Das Bild Gang der Hirten zur Heiligen Familie von 1892, beschädigt im Krieg, wurde nun umfangreich restauriert und befindet sich im Museum Kunstpalast.<ref>Kunstwerk des Monats März: Willy Spatz (1861–1931) Gang der Hirten zur Heiligen Familie, 1892, auf Museum Kunstpalast, abgerufen am 11. März 2017</ref>
Spatz gilt als einer der späten Vertreter der Düsseldorfer Malerschule. Bereits seine frühen Gemälde kennzeichnen eine Mischung aus traditionellem Pathos der Historienmalerei, genrehaften Tendenzen und modernem Abstraktionsstreben. Sein Werk zeigt die effektvolle Lichtbehandlung der Pariser Salonmalerei, stimmungsbildende Gestaltungsmittel des Jugendstils und einen krassen, teilweise karikaturistischen Realismus alter Meister.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20160304070432
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}}, Webseite im Portal galerie-paffrath.de, abgerufen am 9. Januar 2016</ref> Weil Spatz nach einigen manierierten Bibelbildern „vornehmlich das Weib, das Weib in seinem Leiden, Sehnen, seiner Lust“ gemalt hatte, rühmte der Kunstkritiker Rudolf Klein-Diepold 1899 den Ideenreichtum und die Empfindungswelt des Künstlers, den er neben Willy von Beckerath und Alexander Frenz zu den „Neu-Idealisten“ der zeitgenössischen Düsseldorfer Malerei zählte.<ref>Rudolf Klein: Das heutige Düsseldorf. In: Alexander Koch (Hrsg.): Deutsche Kunst und Dekoration. Band 3 (Oktober 1898 – März 1899), S. 154 ff. (Google Books)</ref> Nach den Worten von Friedrich Schaarschmidt, Konservator der Kunstakademie Düsseldorf, begann mit Spatz eine eigenständige Linie, eine „phantastische Richtung“ in der Malerei, die Schaarschmidt als „eine Art Düsseldorfer Neuromantik“ bezeichnete. Einen Unterschied zur religiösen Malerei der Spätnazarener und Eduard Gebhardts erkannte Schaarschmidt insbesondere beim „unrealistischen“ Einsatz der Farbe, die er der künstlerischen Absicht zuschrieb, psychologische Wirkungen und Stimmungen hervorzurufen. Spatz strebte im Hinblick auf seine Figuren allerdings eine exakte historische Darstellung an. Daher betrieb er vor der Anfertigung seiner Gemälde umfangreiche Figuren- sowie Porträtstudien sowie Quellenforschungen. Die historische Genauigkeit stand für ihn über der künstlerischen Freiheit. Für viele seiner Werke konnte nachgewiesen werden, dass die dargestellten Personen starke Ähnlichkeiten mit Düsseldorfer Persönlichkeiten aufweisen.
Spatz war Mitglied des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten, um 1900 im Vorstand<ref>41. Künstlerverein Malkasten, a. Ehrenmitglieder: Andreas Achenbach, Ludwig Knaus, Adolf Menzel, Oswald Achenbach; b. Vorstand: Erdmann, Geyer, Lins, Prof. Kröner, Kohle, Preyer, Massau, Otto, Prof. Spatz in Adressbuch der Stadt Düsseldorf für das Jahr 1900, Vereine, S. 987</ref> und (mindestens für die erste Ausgabe des Jahres 1900) auch künstlerischer Beirat der Zeitschrift Die Rheinlande. Während des Ersten Weltkriegs führte er ein historisch bedeutendes Tagebuch in 21 Bänden mit etwa 10.000 Seiten.<ref>Michael Brockerhoff: Maler Willy Spatz als Weltkriegs-Chronist. Artikel vom 13. August 2014 im Portal rp-online.de, abgerufen am 9. Januar 2016</ref>
1902 erhielt Spatz den Roten Adlerorden IV. Klasse, verliehen durch Wilhelm II.<ref>Personalnachrichten: Seine Majestät Kaiser und König haben Allergnädigst geruht, (…), dem Geschichtsmaler, Professor Willy Spatz zu Düsseldorf den Roten Adler-Orden IV. Klasse, (…), in Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, 1902, S. 392</ref> Nach seinem Tod im Jahre 1931 fand Anfang 1932 in der Kunsthalle ihm und Wilhelm Degode zu Ehren eine Gedächtnisausstellung statt.<ref>Bemerkenswerte Vorkommnisse vom 1. Oktober 1931 bis 1. Oktober 1932, in Adressbuch der Stadt Düsseldorf, 1933</ref>
Schüler
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Literatur
- Spatz, Willy. In: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Band II, Dresden 1898, S. 780.
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- Galerie G. Paffrath (Hrsg.): Willy Spatz: Ölstudien, Aquarelle, Zeichnungen. Ausstellungskatalog (Juni–September 1982), Düsseldorf 1982.
- Pierre Friedrich: Betrachtungen eines unpolitischen Bildprogramms. Böhlau Verlag, Köln 2015.
Weblinks
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- Fotogalerie des Wandgemäldezyklus von Prof. Spatz im Plenarsaal des OLG Düsseldorf
- Mutter mit Kind, Milieustudie/Zeichnung, Privatsammlung Jörg Dierchen/Dresden
- Willy Spatz, Auktionsresultate im Portal artnet.de
- Willy Spatz (1861–1931), Gang der Hirten zur Heiligen Familie, 1892, Bettina Baumgärtel: Kunstwerk des Monats März 2017, auf YouTube, abgerufen am 11. März 2017
Einzelnachweise
<references />
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| NAME | Spatz, Willy
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| ALTERNATIVNAMEN | Spatz, Wilhelm
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| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler des Historismus, Professor an der Kunstakademie Düsseldorf
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| GEBURTSDATUM | 7. September 1861
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| GEBURTSORT | Düsseldorf
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| STERBEDATUM | 4. August 1931
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| STERBEORT | Düsseldorf
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