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Willem Johannes Leyds

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Leyds-Veth.JPG
Willem Johannes Leyds, Bildnis von Jan Veth (1896)

Willem Johannes Leyds (* 1. Mai 1859 in Magelang, Niederländisch-Indien; † 14. Mai 1940 in Den Haag) war ein niederländischer Jurist, der von 1884 bis zum Ende des Zweiten Burenkriegs 1902 als hoher Beamter und Diplomat der Südafrikanischen Republik (Transvaal) diente. Er war von 1889 bis 1898 „Staatssekretär“ (zweithöchstes Regierungsmitglied) der Südafrikanischen Republik und anschließend bis 1902 ihr Botschafter in Belgien und weiteren europäischen Staaten.

Leben

Leyds wurde auf Java geboren, das damals zum niederländischen Kolonialreich gehörte und wo sein Vater Schulleiter war. Als er sechs Jahre alt war, starb der Vater und die Familie kehrte in die Niederlande zurück. Er wurde zuerst zum Lehrer ausgebildet und studierte dann Rechtswissenschaft in Amsterdam, wo er 1884 zum Doktor des Rechts promoviert wurde.<ref name="EncyAfri">Van Niekerk: LEYDS, WILLEM JOHANNES, in: Encyclopaedia Africana, abgerufen am 26. März 2026.</ref>

Direkt im Anschluss trat er auf Einladung des Präsidenten Paul Kruger in den Staatsdienst der von Buren (europäischstämmigen Siedlern) geführten Südafrikanische Republik (Transvaal), die nach dem Ersten Burenkrieg ihre Unabhängigkeit wiedererlangt hatte. Er wurde zunächst Staatsprocureur, ein Amt ähnlich dem des Justizministers oder Generalstaatsanwalts. Er galt als enger Vertrauter des Präsidenten Kruger, der Leyds 1888 – im Alter von erst 29 Jahren – zum Secretary of State (Staatssecretaris) nominierte, dem zweithöchsten Regierungsamt in der Südafrikanischen Republik. Als Secretary of State betrieb er Politik im Sinne der im Staat dominierenden Buren. Während seiner Amtszeit von 1889 bis 1898 – er wurde zweimal wiedergewählt – war er für die Gründung der Eisenbahngesellschaft Nederlandsch-Zuid-Afrikaansche Spoorwegmaatschappij (NZASM), den Bau der Bahnverbindung zur Delagoabucht (Mosambik), die Gründung einer Zentralbank, einer eigenen Münzprägeanstalt und die Schaffung eines effizienten Beamtenapparats verantwortlich.<ref name="EncyAfri"/>

Aus Familien- und Gesundheitsgründen trat Leyds 1898 als Staatssekretär zurück und ging als Botschafter der Südafrikanischen Republik wieder nach Europa. Er nahm seine Residenz in Brüssel, war aber nicht nur in Belgien, sondern in insgesamt sechs europäischen Staaten gleichzeitig akkreditiert.<ref name="EncyAfri"/> Spätestens seit 1899, während des Zweiten Burenkriegs mit Großbritannien, betrieb er in verschiedenen europäischen Ländern, vor in allem Frankreich, im Deutschen Kaiserreich und in den Niederlanden eine intensive Kampagne, um in der Presse und der Öffentlichkeit die burische Sache zu stärken. Zu seinen Kontakten im Deutschen Reich gehörte Theodor Mommsen.<ref>Percy Alport Molteno: Selection from the Correspondence of Percy Alport Molteno, 1892–1914. S. 53.</ref> Auch die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten wollte er erreichen. Die Stärke seines Einflusses auf die europäische Öffentlichkeit und die Presse ist unklar. Der Historiker Ulrich Kröll resümierte: „Leyds hat den europäischen Kampfplatz für sein Land mit Bravour gewonnen […]. Andererseits wäre auch ohne die Initiative und das Geld des ‚Drahtziehers‘ Ledys eine internationale Agitation zugunsten der Buren in Fluß gekommen […]“.<ref>Ulrich Kröll: Die internationale Buren-Agitation 1899–1902. Regensberg, Münster 1973, ISBN 3-7923-0349-3, S. 323–323.</ref>

Leyds war auch die Verwaltung der beträchtlichen Kapitalanlagen der Südafrikanischen Republik in Europa anvertraut. Mit diesen haushaltete er so gut, dass er nach der Niederlage der Buren und der Annexion von Transvaal durch Großbritannien verdeckt die Schulen des Christelik-Volkseie Onderwys (Christlich-Nationalen Unterrichts), die Wiedererscheinung niederländischsprachiger Zeitungen und burischer Parteien finanzieren konnte. Er schrieb mehrere Geschichtsbücher über den Unabhängigkeitskampf des Transvaal, bewahrte das Andenken an den Präsidenten Kruger und beriet Anführer der Buren hinsichtlich der politischen Taktik zur Wiedererlangung der Selbstverwaltung. Der spätere südafrikanische Premierminister Jan Christiaan Smuts würdigte Leyds 1936 als „die bedeutendste Persönlichkeit in der Geschichte Transvaals nach 1884 neben Präsident Kruger“.<ref name="EncyAfri"/>

Literatur

  • Martin Bossenbroek: The Boer War. Jacana Media, Auckland Park 2015, ISBN 978-1-4314-1049-1.
    • deutsch von Andreas Ecke: Tod am Kap. Die Geschichte des Burenkrieges. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-68812-6.
  • Ulrich Kröll: Die internationale Buren-Agitation 1899–1902. Regensberg, Münster 1973, ISBN 3-7923-0349-3.

Einzelnachweise

<references />

VorgängerAmtNachfolger
Willem Eduard BokStaatssekretär der Südafrikanischen Republik
1889 bis 1898
Francis William Reitz
Botschafter der Südafrikanischen Republik in Belgien
1898 bis 1902

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