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Wilken F. Dincklage

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Lua-Fehler in package.lua, Zeile 80: module 'Module:Musikcharts/countries' not found Wilken Fritz Dincklage, auch Willem Dincklage (* 21. August 1942 in Hamburg als Wilken Fritz Müller; † 18. Oktober 1994 ebenda), war ein deutscher Musiker, Radiomoderator, Musikproduzent, Schauspieler und Unternehmer. Bekannt war er unter dem Künstlernamen Willem oder auch Der dicke Willem.

Namen

Seinen zweiten Vornamen Fritz<ref name="CSF Creative Funk Studios GmbH">Handelsregisterbekanntmachung von 15.12.1993 für CSF Creative Funk Studios GmbH (HRB 38 731) bei companyhouse.de.</ref> verkürzte er im Schriftverkehr auf F., so war er ab 1967 in Hamburg als Wilken F. Müller, Kaufmann, im Telefonbuch eingetragen.<ref>Amtliches Fernsprechbuch 2 für die Bereiche Hamburg, Nordniedersachsen, Elmshorn, Kaltenkirchen und Schwarzenbek 1967/68 – Personen- und Firmenverzeichnis: Hamburg – Alphabetteil, Seite 995 bei der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg</ref>

Ab 1973 führte er den Nachnamen Dincklage, den Mädchennamen seiner Mutter, da dieser seltener und einprägsamer als sein eigener Familienname war.<ref name="fundstueck" /> Für seine erste Single im gleichen Jahr Grüß mir den Herbert, Hein und Jan und mach kein’ Scheiß mit Fred (… ach Erika) nannte er sich Willem. Als Moderator wurde er anfangs mit seinem bürgerlichen Namen vorgestellt,<ref name="Schwer in Form"/> später hieß er auch im Radio nur Willem.

Als Texter, Komponist und Produzent verwendete er verschiedene Pseudonyme: So nannte er sich auf den ersten Alben der Rentnerband gemeinsam mit Ewald Lütge als Produzent Lob & Hudel<ref name="Schwer in Form" /> (von Lobhudelei). Dabei ist Lob das Pseudonym von Ewald Lütge und Lex Hudel sein eigenes Pseudonym.<ref name="Klau mich" />

Leben

Dincklage war gelernter Teekoster.<ref name="abendblatt1994"/> Später arbeitete der Kaufmann u. a. in Hamburg als Ostblock-Experte eines Industriekonzerns.<ref name="Schwer in Form"/>

In den 1970er Jahren wohnte er mit vierzehn Mitbewohnern – unter anderen Otto Waalkes, Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen, Steffi Stephan und Günter Fink – in der Künstler-Wohngemeinschaft Villa Kunterbunt in Hamburg-Winterhude.

Er war mit Elke Dincklage, geb. Hermann verheiratet.<ref name="fundstueck"/> Von seinem Kollegen Hans Herbert Böhrs wurde er als „Machertyp“ beschrieben. Dincklage konnte sich in acht Sprachen fließend unterhalten.<ref name="abendblatt1994"/>

Am 18. Oktober 1994 starb Wilken F. Dincklage im Alter von 52 Jahren an einer Lungenembolie.<ref name="fundstueck">Frank Rainer Huck: „Willem“: Der große Schwarze mit dem kleinen roten Mofa beim Saarländischen Rundfunk</ref> Nach Angaben von Hans Herbert Böhrs wog er bei seinem Tod über 250 kg.<ref name="abendblatt1994">Willem ist tot im Hamburger Abendblatt Nr. 245, Seite 13 vom 20. Oktober 1994.</ref>

Musik

Laut eigenen Angaben war seine Oma eine Opernsängerin. Als 15-Jähriger kaufte sich Dincklage ein Banjo und spielte bis Anfang der 1960er abends in einigen Jazzclubs in Hamburg. Dann spielte er Gitarre, welche er nach eigenen Angaben auf dem Rücken spielen konnte. Als Amateurmusiker spielte er Swing bei den Bismarcks und den Underbergs.<ref name="Schwer in Form"/>

Zusammen mit dem Toningenieur Konrad Plank gründete Müller in Hamburg noch in der Wrangelstraße Anfang 1972 die Aamok Musikproduktion- und Public Relation GmbH Hamburg (HRB 14619,<ref>Handelsregister im Hamburger Abendblatt vom 13. März 1972, Seite 11; Gesellschaftsvertretung am 17. Januar 1972, Eintrag im Handelsregister: 2. März 1972.</ref> kurz aamok) Mit Hilfe einer Promotion-LP mit verschiedenen von Plank aufgenommenen Künstlern (Cluster, Guru Guru, Ibliss, Kraftwerk, Andy Marx, Moosknukkl Groovband, Neu!, Parzival, Tomorrow's Gift) wurde Werbung für den Toningenieur Plank, den PR-Mann Müller und Aamok gemacht.<ref>Various – Aamok Sampler bei Discogs</ref> Aamok stellte zwischen 1972 und 1974 verschiedene Promotion-Platten her, teilweise in Zusammenarbeit mit Intercord.<ref>Aamok bei Discogs</ref> 1973 wurde die experimentelle Single Deutsches Weihnachts-Potpourri / Silence in the Night bei Linda veröffentlicht.<ref name="Michalke">AAMOK, Deutsches Weihnachts-Potpourri, 1973 bei Andreas Michalke</ref><ref name="Deutsches Weihnachts-Potpourri">Aamok – Deutsches Weihnachts-Potpourri bei Discogs</ref> Die A-Seite ist ein von Plank arrangiertes Weihnachtsmedley in einer Art Pre-Punk-Stil.<ref name="Michalke"/> Die B-Seite von Müller enthält nur den gesprochenen Satz Silence in the night gefolgt von Stille von knapp drei Minuten Länge.<ref name="Michalke"/>

Ebenfalls 1972 mietete er zusammen mit Plank in Hamburg-Winterhude eine alte Villa<ref name="fundstueck"/> und gründete mit ihm den dort ansässigen Kraut Musikverlag (HRB 16216).<ref name="fundstueck"/><ref>Hamburger Adressbuch. Wirtschafts- u. Firmenhandbuch. Hamburg und Schleswig-Holstein, Ausgabe Grossraum Hamburg. 1974/1975 – Personen- und Firmenverzeichnis: Hamburg – Alphabetteil, Seite 245 bei der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg</ref>

Die Villa wurde zu einer Künstler-WG, der Villa Kunterbunt. Er war der Hauptmieter und lebte dort unter anderem mit den damals unbekannten Künstlern Otto Waalkes, Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen zusammen.<ref>Günther Fink: Otto – der wandelnde Ostfriesenwitz wird Sechzig. In: Welt online, 12. Juli 2008.</ref>

1973 erschien seine erste Single Grüß mir den Herbert, Hein und Jan und mach kein’ Scheiß mit Fred (...ach Erika), produziert von aamok bei Intercord.<ref>Grüß Mir Den Herbert, Hein Und Jan Und Mach Kein’ Scheiß Mit Fred (… Ach Erika). In: Discogs.</ref>

Weiter produzierte er die Old Merrytale Jazzband. Außerdem verhalfen Plank und Dincklage dem Bassisten Peter Trunk zu einem Album.<ref name="Schwer in Form"/>

Zusammen mit Ewald Lütge gründete er mit mehreren Musikern aus der Hamburger Szene (Gottfried Böttger, Lonzo Westphal, Django Seelenmeyer, Peter Petrel) die Rentnerband. Bei den ersten beiden Alben ...alles klar (1974) und Revue (1975) war als Produzent Lob & Hudel (Pseudonyme von Lütge & Dincklage) angegeben. Auch waren Lob und Hudel als Autor an mehreren Stücken bei den beiden Alben beteiligt.

1975 erschien sein erstes Solo-Album Schwer in Form bei WEA.<ref name="Schwer in Form"/> Mit der Rentnerband ging er 1975 auf Tour.

1977 erschien mit Eine Nacht mit Onkel Carlo das dritte Album der Rentnerband und das letzte, an dem Dincklage beteiligt war; er verließ die Rentnerband, um als Solokünstler Willem weiter zu arbeiten.

Seine größten kommerziellen Erfolge erzielte er vor allem mit Coverversionen, wobei er die jeweilige Originalversion verulkte; beispielsweise enthält Tarzan ist wieder da ein Zitat aus Disco Duck von Rick Dees.<ref>Tarzan ist wieder da. In: cover.info.</ref><ref name="Tarzan bei Discogs"/><ref>Tarzan ist wieder da. In: offiziellecharts.de.</ref> Im Frühjahr 1977 konnte Tarzan ist wieder da Platz fünf der deutschen Singlehitparade erreichen. Im Jahr 1983 gelang ihm eine weitere Chartplatzierung auf Platz 19 mit Wat?, einer deutschen Fassung von Captain Sensibles Wot. Mit dieser Parodie des Films E.T. – Der Außerirdische schaffte er es zudem in die ZDF-Hitparade.<ref>Willem – Wat? (ZDF Hitparade 30.05.1983) bei YouTube</ref> Für die am 4. Januar 1985<ref>Helmut Radermacher: Elvis 50 – „Hallo Elvis“ Show. In: elvis.de</ref> in der ARD ausgestrahlten Fernsehsendung Hallo Elvis nahm Willem 1984 für das gleichnamige Album<ref name="Hallo Elvis"/> den Song Bist Du einsam heut Nacht, eine Coverversion von Are You Lonesome Tonight?, im Duett mit Helga Feddersen auf. Seine letzte Veröffentlichung war im Jahr 1986 eine Coverversion von Geil, deren Original von Bruce & Bongo gesungen wurde.

1994 wurde das 20-jährige Jubiläum der Rentnerband geplant.<ref name="abendblatt1994"/>

Radio

Beim Jugendfunk des Norddeutschen Rundfunks war er 1972 bekannt.<ref name="fundstueck"/> Dort wurden 1972 Beiträge von ihm vorproduziert.<ref name="fundstueck"/>

Frank Rainer Huck vom Saarländischen Rundfunk wurde auf ihn aufmerksam und am 27. April 1972 wurde ein Porträt von Neu! als Dincklages erster Beitrag für Pop Corner auf Studiowelle Saar gesendet.<ref name="fundstueck"/> Anschließend war er regelmäßiger freier Autor für den Saarländischen Rundfunk, wo er vor allem Musik aus Hamburg vorstellte.<ref name="fundstueck"/> Am 29. Juni 1972 gab es zum Beispiel einen Beitrag von Willem über die LP Lindenberg von Udo Lindenberg.<ref name="fundstueck"/><ref>Interview mit Udo Lindenberg beim Saarländischen Rundfunk</ref>

Außerdem war er freier Mitarbeiter bei Radio Bremen und Südfunk Stuttgart.<ref name="Schwer in Form"/>

Ab dem 1. Oktober 1973 war er ständiger Moderator des neuen Jugendmagazins Drugstore 1421. Nun pendelte er fast jede Woche zwischen Saarbrücken und Hamburg. Ab April 1976 moderierte er zusätzlich die Sendungen Pop non Stopp (Donnerstag) und die Hitparade Europa-Elf (Freitag). 1977 bewarb er sich beim Saarländischen Rundfunk für den Posten des Intendanten. Ende 1978 beendete Willem seine Tätigkeit beim Saarländischen Rundfunk.<ref name="fundstueck"/>

Dincklage war bei der Gründung der NDR 1 Welle Nord 1981 dabei.<ref name="Ernst Christ">Ernst Christ: Von Willem bis Jan Bastick. In: NDR 1 Welle Nord. Norddeutscher Rundfunk.</ref>

Später war er auf NDR2 zu hören.

Regelmäßige Sendungen waren von ihm beispielsweise

Nach der Wende brachte Dincklage seine Medienerfahrung zum Deutschlandsender in Ostberlin.<ref name="abendblatt1994"/>

1991 bewarb sich Dincklage mit seiner Firma Nord Report, der Hamburger Medienakademie e. V. sowie Stadtteilkulturgruppen um die freigewordene Hörfunkfrequenz 97,1 von Radio Korah.<ref>Seite 12 des Hamburger Abendblatt Nr. 111 vom 15. Mai 1991.</ref>

Bei Antenne MV, dem ersten Privatsender Mecklenburg-Vorpommerns, moderierte er ab 1993 die Sendung Willem – Bei Antenne MV ist der Bär los – Norddeutsche Top Twinnich<ref>Die Antenne verlässt das Dorf von Horst Müller bei ingeseibel.de</ref><ref>Antenne MV – Unsere Zeitung, Ausgabe Nr. 1/1993, Seiten 3 und 4 bei ingeseibel.de</ref> (plattdeutsch für Norddeutsche Top 20).

„Willem hatte zu jener Zeit bereits Visionen zum Laufen gebracht, deren Wert und Bandbreite man in der damaligen Radiowelt erst nach und nach erkennen konnte, die ihn aber unheimlich erfolgreich machten.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Diego Ludwig<ref name="Diego Ludwig"/>

Schauspieler

Wilken F. Dincklage war auch als Schauspieler tätig und spielte kleinere Nebenrollen in den Filmen:

Abgesehen von seiner schauspielerischen Tätigkeit war er Sprecher in einigen Hörspielen; beispielsweise lieh Dincklage seine Stimme der fiktiven Figur Der Schrat aus den Mecki-Hörspielen. Er sprach auch die Rolle des Erzählers in der deutschen Fassung der Rock-Version von Sergei Prokofjews musikalischem Märchen Peter und der Wolf.<ref>Peter and the wolf : deutsch gesprochene Version = Peter und der Wolf bei der Deutschen Nationalbibliothek</ref><ref>Peter And The Wolf (Peter Und Der Wolf) bei Discogs</ref>

Sonstiges

Auszeichnungen

Diskografie

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Studioalben

Kompilationen

Singles

Hörspiele

Als Gastsänger

Als Produzent

Sonstige Veröffentlichungen

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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