Wilhelm Meinberg
Wilhelm Meinberg (* 1. März 1898 in Wasserkurl; † 8. Februar 1973 in Kamen)<ref name="Klee400">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 400.</ref> war ein deutscher Politiker (NSDAP, DRP), SS-Gruppenführer (1941), Manager und Wehrwirtschaftsführer.
Leben
Wilhelm Meinberg besuchte die Volksschule in seinem Geburtsort Wasserkurl und dann das Realgymnasium in Unna, wo er ein Notabitur machte. Ab 1916 nahm er am Ersten Weltkrieg teil, wobei er zum Unteroffizier und Offiziersaspirant aufstieg. Vom 9. August 1918 bis zum 9. Oktober 1919 war er in britischer Kriegsgefangenschaft. Nach der Rückkehr wurde er im November 1919 Mitglied im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund. Meinberg absolvierte in Brandenburg und Mecklenburg eine Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich. 1923 nahm er an den „Ruhrkämpfen“ nach der Ruhrbesetzung teil; zudem beteiligte er sich an nicht weiter spezifizierten Kämpfen „im Osten“. Ebenfalls 1923 übernahm er den Bauernhof seines Vaters. Im gleichen Jahr heiratete er Elisabet Schmidt (* 1902), mit der er vier Kinder hatte (deren viertes jedoch mit drei Jahren starb).<ref>Zum Werdegang bis 1923 Andreas Dornheim: Beamte, Adjutanten, Funktionäre. Personenlexikon zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsnährstand. W. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-040086-3, S. 248–249.</ref>
Meinberg wurde 1929 Mitglied der SA, in der er am 1. Mai 1933 Sturmbannführer wurde. Zum 1. April 1930 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 218.582), in der er später das Goldene Parteiabzeichen erhielt.<ref>Gerd Wysocki: Arbeit für den Krieg. Herrschaftsmechanismen in der Rüstungsindustrie des „Dritten Reiches“; Arbeitseinsatz, Sozialpolitik und staatspolizeiliche Repression bei den Reichswerken „Hermann Göring“ im Salzgitter-Gebiet 1937/38 bis 1945. Steinweg-Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-925151-51-6, S. 64. Zur NSDAP-Parteimitgliedschaft siehe Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/28110379.</ref> Für die NSDAP wurde er Landwirtschaftlicher Gaufachberater im Agrarpolitischen Apparat des NSDAP-Gaus Westfalen.
Seit 1931 war Meinberg Vorstandsmitglied in der Westfälischen Landwirtschaftskammer und seit 1932 Mitglied des Preußischen Landtags. Im März 1933 wurde er zum Präsidiumsmitglied des Reichs-Landbundes ernannt, am 4. Mai 1933 zu dessen geschäftsführendem Präsidenten.<ref>Andreas Dornheim: Beamte, Adjutanten, Funktionäre. Personenlexikon zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsnährstand. W. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-040086-3, S. 248.</ref> Am 6. Mai 1933 ernannte ihn Ferdinand von Lüninck, der zu diesem Zeitpunkt schon westfälischer Staatskommissar im Bereich des Genossenschafts- und Verbandswesens war, zum „Staatskommissar für die Landwirtschaftskammer“.<ref name="albers">Helene Albers: Die stille Revolution auf dem Lande: Landwirtschaft und Landwirtschaftskammer in Westfalen-Lippe 1899–1999. Manuskript auf der Website der Landwirtschaftskammer 1999, S. 29 (PDF).</ref> Am 22. Juni wurde Meinberg zum Reichsobmann des Reichsnährstandes erhoben. Einen knappen Monat danach, am 20. Juli 1933, wurde er von dem wenige Wochen zuvor eingesetzten Reichsbauernführer Walther Darré zum ersten Landesbauernführer für Westfalen ernannt. Zudem übernahm er als Reichsobmann für die bäuerliche Selbstverwaltung und damit Stellvertreter Darrés zusätzlich Aufgaben in Berlin und siedelte 1934 schließlich ganz dorthin über. Daraufhin wurde im April 1934 Albert Kost sein Nachfolger als westfälischer Landesbauernführer.<ref>Andreas Dornheim: Beamte, Adjutanten, Funktionäre. Personenlexikon zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsnährstand. W. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-040086-3, S. 248; Helene Albers: Die stille Revolution auf dem Lande: Landwirtschaft und Landwirtschaftskammer in Westfalen-Lippe 1899–1999. Manuskript auf der Website der Landwirtschaftskammer 1999, S. 30–32 (PDF).</ref>
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels berief Meinberg im Oktober 1933 in den Verwaltungsrat des Werberats der deutschen Wirtschaft. Ab 20. Februar 1934 war er Ordentliches Mitglied im Deutschen Reichsbauernrat. In der SS war Meinberg seit dem 7. Oktober 1933 Mitglied (SS-Nummer 99.436), hatte ab dem 9. November 1933 den Rang eines Obersturmbannführers, seit 1. Januar 1935 den eines Brigadeführers und seit dem 30. Januar 1942 den eines Gruppenführers inne.
1936 ernannte der Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister Walther Darré Meinberg zu seinem persönlichen „Sonderbeauftragten für Fragen der Ernährungspolitik und der Marktordnung“ im Ministerium. Er und sein Stellvertreter Bernd von Kanne hatten nun alle Verordnungen und Erlasse, die sich auf die in der Amtsbezeichnung aufgeführten Fragen bezogen und die von Darré oder dessen Staatssekretär zu unterzeichnen waren, vorher im Entwurf gegenzuzeichnen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Da Meinberg in den Jahren 1936/1937 versucht hatte, während einer längeren Krankheit von Walther Darré dessen Amt als Reichsbauernführer zu übernehmen, wurde gegen ihn ein Ehrengerichtsverfahren eingeleitet, das aber auf Intervention von Hermann Göring für ein Jahr ausgesetzt wurde und danach nicht mehr aufgenommen wurde, da Göring Meinberg zu diesem Zeitpunkt schon in den Vorstand der Reichswerke Hermann Göring abberufen hatte.<ref>Daniela Münkel: Nationalsozialistische Agrarpolitik und Bauernalltag. Campus-Verlag, Frankfurt/Main / New York 1996, ISBN 3-593-35602-3, S. 106, Anm. 32.</ref> Im Rahmen dieser sogenannten „Meinberg-Affäre“ oder „Meinberg-Revolte“ wurde Wilhelm Meinberg am 12. Mai 1937 seines Amtes als Reichsobmann enthoben.<ref>Andreas Dornheim: Beamte, Adjutanten, Funktionäre. Personenlexikon zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsnährstand. W. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-040086-3, S. 248; Michael Schwartz: Konfliktregelung im Reichsnährstand: Der Westfalen-Streit und die Meinberg-Revolte. In: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie. Band 30, 1982, S. 176–203.</ref>
In den Reichswerken Hermann Göring war er von 1937 bis 1945 im Vorstand und der Stellvertreter von Paul Pleiger. Des Weiteren bekleidete er in den Reichswerken zahlreiche Vorstandsposten. Er war für das gesamte Personalwesen zuständig und richtete den Konzern im Führungsstil der SS aus, wofür er am 30. Januar 1942 zum SS-Gruppenführer (Generalsrang) ernannt wurde. Sein Adjutant in den Reichswerken war Karl Kritzler, der im August 1930 der NSDAP beigetreten war.<ref>Gerd Wysocki: Arbeit für den Krieg. Herrschaftsmechanismen in der Rüstungsindustrie des „Dritten Reiches“; Arbeitseinsatz, Sozialpolitik und staatspolizeiliche Repression bei den Reichswerken „Hermann Göring“ im Salzgitter-Gebiet 1937/38 bis 1945. Steinweg-Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-925151-51-6, S. 65.</ref> 1941 berief Göring als Beauftragter für den Vierjahresplan Meinberg zum „Sonderbeauftragten für den Kohle-Transport“. Meinberg war zudem Aufsichtsratsmitglied bei der Dresdner Bank und wurde im Juni 1940 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Es erfolgte seine Berufung in den Wehrwirtschaftsrat der Reichswirtschaftskammer und in den wehrwirtschaftlichen Ausschuss bei der Wirtschaftskammer Niedersachsen in Hannover.<ref>Gerd Wysocki: Arbeit für den Krieg. Herrschaftsmechanismen in der Rüstungsindustrie des „Dritten Reiches“; Arbeitseinsatz, Sozialpolitik und staatspolizeiliche Repression bei den Reichswerken „Hermann Göring“ im Salzgitter-Gebiet 1937/38 bis 1945. Steinweg-Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-925151-51-6, S. 479.</ref>
Darüber hinaus war Meinberg von November 1933 bis zur Niederlegung seines Mandats am 31. März 1943 Mitglied des nationalsozialistischen Reichstags.<ref>Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.B. – Die Volksvertretung 1946–1961. Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e. V., Berlin 2006, S. 807, {{#invoke:Vorlage:URN|f|errHide=1|errNS=0|errClasses=error editoronly|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URN}}{{#if: | Vorlage:URN – Parameter 3= wird nicht mehr unterstützt; bitte verwende resolver=}}.</ref>
In seiner Funktion als SS-Gruppenführer nahm er an der Gruppenführer-Tagung am 4. Oktober 1943 in Posen teil, bei der Heinrich Himmler die erste Posener Rede hielt.<ref>Romuald Karmakar: Das Himmler-Projekt. DVD 2000, Berlin, ISBN 3-89848-719-9.</ref>
Nach Kriegsende war Meinberg für 22 Monate in britischer und amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Anschließend war er zunächst als Landwirt tätig. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes war er in der Nachkriegszeit ein enger Mitarbeiter des ehemaligen Staatssekretärs im Reichspropagandaministerium Werner Naumann, der mit dem Naumann-Kreis die FDP nationalsozialistisch unterwandern wollte.<ref>Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Zweite aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 400, mit Bezug auf die Quelle BAK N 1080/273; Andreas Dornheim: Beamte, Adjutanten, Funktionäre. Personenlexikon zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsnährstand. W. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-040086-3, S. 249.</ref> 1953 wurde Meinberg Mitglied der Deutschen Reichspartei, für die er am 29. November zum Vorsitzenden des Direktoriums gewählt wurde. In dieser Stellung blieb er bis 1955. Zudem wurde er zum Vorsitzenden der Partei gewählt, was er – mit einer einmonatigen Unterbrechung 1957 – bis 1960 blieb. Er kandidierte für diese Partei erfolglos zu den Bundestagswahlen 1953, 1957 und 1961.<ref>Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.B. – Die Volksvertretung 1946–1961. Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e. V., Berlin 2006, S. 807, {{#invoke:Vorlage:URN|f|errHide=1|errNS=0|errClasses=error editoronly|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URN}}{{#if: | Vorlage:URN – Parameter 3= wird nicht mehr unterstützt; bitte verwende resolver=}}.</ref> Nach Gründung der NPD wurde er deren Vorstandsmitglied, Redakteur der Parteizeitung Deutsche Nachrichten und von 1967 bis 1973 Gesellschafter der diese tragenden Deutschen Nachrichten Verlags-GmbH.<ref>Joachim Lilla u. a. (Bearbeiter): Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4, S. 408–410, hier S. 410.</ref>
Literatur
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- Wilhelm Meinberg: Die Deutsche Reichs-Partei in der Krise unserer Zeit. Auszug aus: Reichsruf-Schriftenreihe, o. J. Reprint in: Fred R. Richards: Die NPD. Alternative oder Wiederkehr? Reihe: Geschichte und Staat, 121. Olzog, München 1967, S. 143–147.
Weblinks
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Einzelnachweise
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- Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich)
- Deutscher Kriegsgefangener der Briten
- Deutscher Kriegsgefangener der Vereinigten Staaten
- Verbandsfunktionär (Deutschland)
- Agrarpolitiker
- Landesbauernführer
- Wehrwirtschaftsführer
- Reichstagsabgeordneter (Deutsches Reich, 1933–1945)
- Mitglied des Preußischen Landtags (Freistaat Preußen)
- Preußischer Staatsrat (ab 1933)
- DNVP-Mitglied
- Mitglied im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund
- Mitglied im Stahlhelm
- NSDAP-Mitglied
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- SA-Mitglied
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- NPD-Mitglied
- Deutscher
- Geboren 1898
- Gestorben 1973
- Mann