Wierzbięcice
Wierzbięcice (deutsch Oppersdorf) ist ein Ort der Stadt- und Landgemeinde Nysa im Powiat Nyski der Woiwodschaft Opole in Polen.
Geographie
Das Angerdorf Wierzbięcice liegt im Südwesten der Region Oberschlesien, etwa zehn Kilometer südöstlich von Nysa und 59 Kilometer südwestlich von Opole in der Schlesischen Tiefebene. Südlich des Dorfes liegt die stillgelegte Neisser Kreisbahn.
Nachbarorte von Wierzbięcice sind im Norden Domaszkowice (Ritterswalde), im Südosten Lipowa (Lindewiese) sowie im Südwesten Koperniki (Köppernig) und im Westen Kępnica (Deutsch Kamitz).
Geschichte
Der Ort wurde im dreizehnten Jahrhundert gegründet und erstmals im Jahre 1302 als „Operti villa“ urkundlich im Breslauer Zehntregister Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis erwähnt.<ref name="liber">Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis</ref> Für das Jahr 1363 ist es in der Schreibweise Oprechtsdorf belegt.<ref name="Knie" /> Die Hussitenkriege von 1428 führten zu einer verheerenden Verwüstung des Dorfes und auch der Kirche.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Oppersdorf mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.
Während der Napoleonischen Kriege war der Oppersdorf Kommandoquartier der Französischen Militärs. Nach der Neuorgliederung der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Oppersdorf ab 1816 zum Landkreis Neisse im Regierungsbezirk Oppeln. 1839 wurde ein neues Schulhaus erbaut. 1845 bestanden im Dorf eine katholische Kirche, eine katholische Schule, eine Waldwärterei und 131 weitere Häuser. Im gleichen Jahr lebten in Oppersdorf 951 Einwohner, davon elf evangelisch.<ref name="Knie">Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845, S. 462.</ref> 1855 wurden 979 Einwohner gezählt.<ref name="Triest">Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865, S. 965.</ref> 1874 wurde der Amtsbezirk Oppersdorf gebildet, dem die Landgemeinden Oppersdorf und Ritterswalde sowie die gleichnamigen Gutsbezirken eingegliedert wurden.<ref name="Territorial">Territorial.de</ref> 1885 lag die Einwohnerzahl bei 882.<ref>AGOFF Kreis Neisse</ref> 1933 waren es 706 Einwohner und 1939 702 Einwohner. Bis 1945 befand sich der Ort im Landkreis Neisse.<ref name="Vwg">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1945 kam der Ort unter polnische Verwaltung und wurde in Wierzbięcice umbenannt. Die einheimische deutsche wurde weitgehend vertrieben. 1945 bis 1950 gehörte Wierzbięcice zur Woiwodschaft Schlesien, anschließend zur Woiwodschaft Opole. Seit 1999 gehört es zum Powiat Nyski. 2010 wurden 489 Einwohner gezählt.
Sehenswürdigkeiten
- Die katholische St.-Nikolaus-Kirche (Vorlage:PlS) besteht seit 1253. Erstmals urkundlich erwähnt wurde im sie Jahre 1302 im Breslauer Zehntregister Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis.<ref name="liber" /> Eine weitere Erwähnung folgte 1335 in den Verzeichnissen des Erzpresbyteriums Neiße. Die Kirche wurde wiederholt erneuert und umgebaut, insbesondere nach den Verwüstungen in den Hussitenkriegen durch die Hussiten sowie nach dem großen Brand von 1630. Bei dem Kirchenbau handelt es sich um einen romanischen Saalbau mit einem halbkreisförmigen Chor. Der fünfgeschossige Westturm besitzt ein Pyramidendach sowie eine Attika im Stil der Renaissance von 1576. Der Innenraum ist bestückt mit neugotischen Altären und einer holzgeschnitzten Kanzel aus dem Jahr 1786, geschaffen vom Bildhauer J. Harttmann.<ref>Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 1004.</ref> Das Kirchengebäude steht seit 1964 unter Denkmalschutz.<ref name="Denkmal">ogolne/Zabytki w Polsce/rejestr-zabytkow/zestawienia-zabytkow-nieruchomych/stan%20na%2031.12.2017%20KOREKTA/OPO-rej.pdf Denkmalregister der Woiwodschaft Oppeln (polnisch; PDF; 913 kB)</ref>
- Das Pfarrhaus wurde im barock-klassizistischen Stil erbaut.
- An der Landstraße Nysa—Prudnik (Neiße—Neustadt) befinden sich zwei Kreuze. Eines davon stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Es ist ein kleineres aus Granit mit eingemeißelten Schleifen. Der Überlieferung nach wurde es von Dorfbewohnern zur Erinnerung an eine an dieser Stelle ermordeten Frau aufgestellt. Das zweite Kreuz wurde 1623 aufgestellt zur Erinnerung an ein abscheuliches Verbrechen von einem gewissen Melchior Rodewitz zur Erinnerung an die Brüder Kaspar und Friedrich Walde aus Lindewiese, die an der Mühle von Oppersdorf ermordet wurden. Der Auftrag kam von der Witwe des einen, die dafür 24 Taler bezahlte.
- Steinerne Wegekapelle
Vereine
- Freiwillige Feuerwehr OSP Wierzbięcice
- Fußballverein LZS Wierzbięcice
Persönlichkeiten
- Karl von Aulock (1771–1830), katholischer Geistlicher, zeitweise Pfarrer in Oppersdorf
Literatur
- August Kastner: Geschichte der Stadt Neisse. Neiße 1854.
- Ferdinand Minsberg: Geschichtliche Darstellung der merkwürdigsten Ereignisse in der Fürstenthums Stadt Neisse. Neiße 1834.
- Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865.
- Słownik geografii turystycznej Sudetów. pod red. M. Staffa, t. 21, Wrocław 2008.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />