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Werg

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Datei:Drev och drevjärn samt träklubba 004.jpg
Kalfaterwerkzeuge (Hammer und Eisen) und Werg

Das Werg, als Arbeitsstoff auch Werch, Abwerch, Werrig, Hede<ref>Meyers Konversationslexikon, 4. gänzlich umgearbeitete Auflage, 16. Band, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1890, S. 536; Retrodigitalisat</ref> oder Heede<ref>W. Sprenger: Die Vorbereitung des Flachses für das Spinnen. In; Technologie der Textilfasern ( = Der Flachs. Flachsspinnerei Zweite Abteilung, Bd. 5, Teil 1), 1931, S. 15ff.; Vorschau über Springer Nature Link</ref> sowie der Kauder genannt, ist eine niedere Faserqualität, die beim Schwingen, Ribben und Hecheln (Reinigen) von Bastfasern von Leinen, Hanf oder Jute als Abfall bei der Arbeit (beim „Werk“)<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 854 (Werg und Werk).</ref> anfällt. Es kann zum Teil auch aus kurzen und groben Faserstücken sowie aus Fasern in Wirrlage bestehen und durch Schmutz und Schäben verunreinigt sein. Es ist ein Nebenprodukt der Langfaserproduktion.

Eigenschaften

Flachswerg besteht zu 70 bis 95 % aus etwa 100 bis 500 Millimeter langen Faserstücken sowie Anteilen an Staub und Schäben, bei Hanfwerg (früher lateinisch stuppa cannabina<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 398 (zu hanfwerck: Fasern von Cannabis sativa L., Werg von Hanf zur Wundbehandlung).</ref> variiert die Länge zwischen 10 und 500 mm, bei bis zu 98 % Faseranteil.<ref>Sachsenleinen, Produktdatenblatt Flachswerg und Hanfwerg</ref> Die Wärmeleitfähigkeit von Flachswerg als Dämmstoff liegt ähnlich wie bei herkömmlichen Dämmstoffen bei rund 0,040 W/(m·K).<ref>Flachshaus: Werg WG</ref>

Verwendung

Datei:Hennepvezel Cannabis sativa fibre.jpg
Hanffasern

Das Werg wird für die spätere Verarbeitung gereinigt, verfeinert und parallelisiert. Es kann danach in Trocken- und Nassspinnverfahren zu Garnen (Werggarn, engl. tow yarn) und Schnüren versponnen oder unversponnen verwendet werden (z. B. als Dicht- oder Füllstoff, in der Papierindustrie oder für Vliesstoffe).

Vor allem historisch relevant ist die Anwendung von Hanfwerg gemeinsam mit Holzteer, Pech oder Gummi beim Kalfatern zum Abdichten der Fugen zwischen hölzernen Schiffsplanken. Im Mittelalter wurde Werg bei der Anwendung von Arzneipflastern,<ref>Vgl. etwa Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 402 (wërg: Werg, Heilpflaster).</ref> aber auch als Grundstoff für Brandgeschosse, wie z. B. die Falarika. Hierzu wurde es mit Pech, Schwefel oder Naturharz vermischt und vor dem Fortschleudern in Brand gesetzt.

In der Sanitärtechnik wird neben dem modernen Teflonband nach wie vor Flachs- oder Hanfwerg verwendet, um durch das Auffüllen der Gewindespalten Wasser- und Heizungsrohre abzudichten. Bei Flüssigkeitseinwirkung quillt die Faser auf, die Quellung unterstützt nachträglich die Dichtwirkung. Soll das Rohr nahe der Verschraubung geschweißt oder gelötet werden, bietet Hanf eine hohe Temperaturstabilität, die mit Teflonband nicht erreicht werden kann. Das Zurückschrauben, um z. B. Rohrwinkel genau auszurichten, ist nur mit Hanfdichtungen möglich. Siehe auch: Dichtmaterial#Dichtungshanf

Ebenso wie Kurzfasern kann Werg als minderwertigere Faserfraktion in der Produktion von technischen Textilien und Zellstoff verwendet werden.

Symbolische Verwendung

Durch die Eigenschaft, schnell zu feiner Asche zu verbrennen, wurde Werg oft als Symbol für Vergänglichkeit verwendet, unter anderem in der Bibel.<ref>(Vorlage:Bibel/Link) und (Vorlage:Bibel/Link). Siehe auch Bagliani, Paravicini Agostino: Der Leib des Papstes. Eine Theologie der Hinfälligkeit. München : Beck, 1997, S. 42</ref> Im frühen Mittelalter kam im Byzantinischen Reich die Tradition auf, mit dem Verbrennen von Werg bei der Krönung von Machthabern auf die Vergänglichkeit ihrer Macht hinzuweisen. Das zu feiner Asche verbrennende Büschel Werg sollte dabei symbolisieren, was der Kaiser hat (quod habet).<ref>Bagliani, Paravicini Agostino: Der Leib des Papstes. Eine Theologie der Hinfälligkeit. München : Beck, 1997, S. 42</ref> Vermutlich zwischen 1064 und 1140 wurde diese Tradition für die päpstliche Amtseinführung übernommen.<ref>Bagliani, Paravicini Agostino: Der Leib des Papstes. Eine Theologie der Hinfälligkeit. München : Beck, 1997, S. 51</ref> Bis heute wird mit dem weißen Rauch von verbranntem Werg nicht nur der wartenden Menge auf dem Petersplatz die erfolgte Papstwahl angezeigt, sondern auch auf die Vergänglichkeit der Macht verwiesen. Bei dem alten Krönungsritual (welches seit 1963 von den Päpsten auf eigenen Wunsch ausgelassen wird), wurde zum symbolischen Verbrennen von Werg die dreimalige Formel gesprochen „Sancte Pater, sic transit gloria mundi (Heiliger Vater, so vergeht der Ruhm der Welt.).<ref>Louis Carlen: Sinnenfälliges Recht: Aufsätze zur Rechtsarchäologie und rechtlichen Volkskunde. Georg Olms Verlag. 1995; Seite 106</ref>

Weblinks

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Literatur

  • nova-Institut (Hrsg.): Das kleine Hanf-Lexikon. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2. Auflage, 2003; S. 74. ISBN 3-89533-271-2

Einzelnachweise

<references />