Schneeglöckchen
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| Schneeglöckchen | ||||||||||||
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| Datei:Illustration Galanthus nivalis0.jpg
Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Illustration | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Galanthus | ||||||||||||
| L. |
Die Schneeglöckchen (Galanthus) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Die etwa 20 Arten kommen von Mittel-, Südeuropa bis Vorderasien und den Kaukasus vor. Sie sind seit Jahrhunderten beliebte Zierpflanzen, da sie zu den ersten Blütenpflanzen des Vorfrühlings gehören. Die meisten Arten blühen um den März herum. In Mitteleuropa ist nur das Kleine Schneeglöckchen heimisch. Einige andere Arten treten hier stellenweise verwildert auf. Das Hauptverbreitungsgebiet der Schneeglöckchen liegt in den Ländern rund um das Schwarze Meer.
Namensgebung
Der botanische Name Galanthus ist abgeleitet aus den griechischen Wörtern gála für Milch und ánthos für Blüte. Der deutsche Name „Schneeglöckchen“ bezieht sich auf das den Frühling anzeigende Herausragen von Galanthus nivalis aus dem Schnee.<ref>Thomas Richter: Das Schneeglöckchen zwischen Mariensymbolik und moderner Indikation. In: Tempora mutantur et nos? Festschrift für Walter M. Brod zum 95. Geburtstag. Mit Beiträgen von Freunden, Weggefährten und Zeitgenossen. Hrsg. von Andreas Mettenleiter, Akamedon, Pfaffenhofen 2007, ISBN 3-940072-01-X, S. 359–362, hier: S. 359 f.</ref> Andere deutsche Trivialnamen sind: Frühlingsglöckchen, Hübsches Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Lichtmess-Glocken, Märzglöckchen, Märzveilchen, Marienkerzen, Milchblume, Schnee-Durchstecher, Schneetulpe, Weiße Jungfrau, Weißglatze.
Beschreibung
Schneeglöckchen-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Geophyten bilden Zwiebeln als Überdauerungsorgane. Zwei bis – selten – drei parallelnervige Laubblätter stehen grundständig zusammen.
Dann wird der Blütenstand ausgetrieben mit einem langen Blütenschaft und nur einer Blüte. Anfangs umgibt ein Hochblatt die Blüten und schützt diese vor strenger Witterung. Bei günstigen Bedingungen durchbricht die Blüte die Scheide. Da der Stiel schwach gebaut ist, senkt sich die Blüte und nickt.
Die duftende, zwittrige, radiärsymmetrische Blüte besteht (wie bei Einkeimblättrigen üblich) aus dreizähligen Blütenblattkreisen. Die Blütenhülle besteht aus drei weißen freien äußeren Blütenhüllblättern und drei verwachsenen grünlichweißen inneren Blütenhüllblättern. Die drei inneren Blütenhüllblätter sind viel kleiner als die drei äußeren und normalerweise grün gezeichnet. Sie sind das Charakteristikum dieser Gattung. Zwei mal drei spitzkegelförmige Staubblätter stehen dicht zusammen. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen mit einem weißen Stempel und einer kopfigen Narbe. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.
Blütenformel: <math>\star\; P_{3+3} \; A_{3+3} \; G_{\overline{(3)}}</math>
Es werden Kapselfrüchte gebildet, die 18 bis 36 Samen enthalten. An den hellbraunen Samen, mit 3,5 mm Durchmesser, ist ein großer fleischiger Nährkörper (Elaiosom) angewachsen. Da der Stängel nach der Fruchtbildung schlaff auf den Boden fällt, können Ameisen (Myrmekochorie) an die Samen kommen. Sie haben eine Vorliebe für den am Samen festgewachsenen Nährkörper und tragen daher die Samen zu ihrem Bau. Unterwegs fressen sie den Nährkörper häufig auf und lassen den eigentlichen Samen unbeachtet liegen. So tragen sie zur weiten Ausbreitung des Schneeglöckchens bei.
Die Blütezeit der Wildarten reicht von Oktober (Königin-Olga-Schneeglöckchen und Galanthus peshmenii) bis zum Ende des Frühlings (Kleines Schneeglöckchen); die Kulturarten blühen teilweise bis in den April.
Alle Wildarten stehen seit 1973 (CITES, Washingtoner Artenschutzübereinkommen) unter Artenschutz.
Zur Vermehrung der Pflanzen tragen außerdem auch Tochterzwiebeln bei, so dass sich häufig dichte Horste bilden. Diese können nach der Blüte geteilt werden, während die Pflanzen noch grün sind.<ref>Ein Meer an Blüten: Schneeglöckchen vermehren. In: ndr.de</ref>
Vorkommen
Die Heimat der Arten ist Europa und Südwestasien, von Kleinasien über den Kaukasus bis zur Region um das Kaspische Meer. Allein in der Türkei sind zwölf der akzeptierten Arten heimisch, in Georgien und im Süden Russlands je sieben und in Griechenland fünf Arten. In Nordamerika sind Pflanzen aus Kultur verwildert und Neophyten. In England sind Schneeglöckchen außerhalb der Gärten erst ab 1770 nachgewiesen. Sie verwilderten vermutlich aus Klostergärten.<ref name="Swift" />
Sie kommen in Waldwiesen, Auen und Laubwäldern vor und bevorzugen feuchte und schattige Standorte. Sie werden häufig als erste Frühlingsboten betrachtet und deshalb auch gerne in Grünanlagen und Gärten gepflanzt. In der Phänologie bedeutet die Erst-Blüte den Anfang des Vorfrühlings.
Arten und Klassifikation
Es gibt etwa 20 Arten in der Gattung Schneeglöckchen (Galanthus).<ref name="WCSP" /> Die am häufigsten als Zierpflanzen verwendeten Arten sind neben dem Kleinen Schneeglöckchen das Elwes-Schneeglöckchen oder Riesenschneeglöckchen mit breiten mattgrünen Blättern und das Woronow-Schneeglöckchen mit breiten glänzenden Blättern. Da häufig auch Züchtungen und Hybriden angepflanzt werden, ist eine sichere Bestimmung der Art nicht immer möglich. Zur Artbestimmung einiger Arten findet man einen illustrierten Bestimmungsschlüssel in den Weblinks.<ref name="BSL" />
Die folgende Zusammenstellung der Galanthus-Arten gibt Namen und das Jahr der Erstbeschreibung, wenn möglich eine Abbildung oder einen Link, das Verbreitungsgebiet<ref name="WCSP" />, die Blütemonate am Naturstandort sowie einige charakteristische Merkmale der Arten an. Ein Steckbrief stellt schematisch sechs Eigenschaften der 20 Wildarten dar.<ref name="citesbulbs" /> Skizziert sind links die Form des Blattaustriebes aus der Zwiebel, in der Mitte die Form und Lage der grünen Zeichnungen auf den inneren Blütenblättern und unten die Form der Laubblätter. Auf der rechten Seite sind die Laubblätter kurz charakterisiert. M und G stehen für matt bzw. glänzend, und die beiden Zahlenwerte sind die maximale Breite bzw. maximale Länge der Laubblätter in cm. Aufgrund der natürlichen Variabilität des Erscheinungsbildes der Pflanzen innerhalb einer Art durch genetische Faktoren und Wachstumsbedingungen ist dieser Steckbrief nicht für eine zweifelsfreie Bestimmung geeignet, sondern dient als ein erster Anhaltspunkt zur Artbestimmung. Er kann aber in vielen Fällen helfen, eine Art zu identifizieren.<ref name="citesbulbs" />
| Name | Trivialname | Blüte- zeit |
Bild | Steckbrief | Verbreitung | Besondere Merkmale |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Galanthus alpinus<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Sosn. | Kaukasus-Schneeglöckchen | 2 – 5 | Datei:Galanthus alpinus in Georgia (near Borjomi) 08.jpg<ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus alpinus.png | Nordöstliche Türkei bis Kaukasus | mattgrüne Laubblätter (gerollt) |
| Galanthus angustifolius<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Koss | Schmalblättriges Schneeglöckchen | 3 – 5 | Datei:Galanthus angustifolius, from Rize DSC06951.jpg | Datei:Poster galanthus angustifolius.png | Nord Kaukasus | schmale Laubblätter |
| Galanthus bursanus<ref name="Zubov2019" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Dimitri A. Zubov, Yıldiz Konca, Aaron P. Davis | 10 - 1 | Abb. im Weblink<ref name="Zubov2019" /> | Westliche Türkei | Herbstblüher, leicht gefaltete Laubblätter | ||
| Galanthus cilicicus<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Baker | Cilicisches Schneeglöckchen | 11 – 1 | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus cilicicus.png | Zentral- und Süd-Anatolien | Herbstblüher |
| Galanthus elwesii <templatestyles src="Person/styles.css" />Hook. f. | Elwes-Schneeglöckchen<ref name="Zander2008" />, Riesenschneeglöckchen, Türkische Schneeglöckchen<ref name="Gala" /> | 2 – 5 | Blüte vom Elwes-Schneeglöckchen mit der charakteristischen Zeichnung | Datei:Poster galanthus elwesii.png | Balkanhalbinsel, südwestliche Ukraine, Türkei | mattgrüne breite Laubblätter (gerollt) |
| Galanthus fosteri<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Baker | Foster-Schneeglöckchen | 1 – 3 (4) | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" />, <ref group="Abb. im Weblink" name="g_fosteri" /> |
Datei:Poster galanthus fosteri.png | Zentral-Anatolien, Syrien bis Jordanien | |
| Galanthus gracilis<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Čelak. | Zierliches Schneeglöckchen | 2 – 5 | Datei:Snowdrop Galanthus gracilis.jpg |
Datei:Poster galanthus gracilis.png | Bulgarien, Rumänien, Griechenland, südwestliche Ukraine, West-Anatolien | schmale Laubblätter |
| Galanthus ikariae<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Baker | Ikaria-Schneeglöckchen | 2 – 3 | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus ikariae.png | die ägäischen Inseln Skyros, Andros, Naxos und Ikaria | |
| Galanthus koenenianus<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Lobin, C.D.Brickell & A.P.Davis | Koenen-Schneeglöckchen | 2 – 3 | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus koenenianus.png | Nordost-Anatolien | |
| Galanthus krasnovii<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Khokhr. | Krasnov-Schneeglöckchen | 3 – 5 | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus krasnovii.png | Nordost-Anatolien bis West-Transkaukasien | mehr als 30 mm breite Blätter (gerollt) |
| Galanthus lagodechianus<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Kem.-Nath. | Lagodechi-Schneeglöckchen | (2)3 – 4 | Datei:Galanthus lagodechianuis 02.jpg<ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus lagodechianus.png | < Kaukasus und Transkaukasien | |
| Galanthus nivalis<ref name="Zander2008" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />L. | Kleines Schneeglöckchen<ref name="Zander2008" /> oder Gewöhnliches Schneeglöckchen<ref name="Rothmaler5" /> | 2 – 3 (4) | Datei:Galanthus nivalis close-up aka.jpg | Datei:Poster galanthus nivalis.png | Europa von den Pyrenäen bis zur Ukraine | schmale meist mattgrüne Blätter, (flach aneinander) |
| Galanthus panjutinii<ref name="Zubov-Davis2012" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Zubov & A.P.Davis | 3 | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus panjutinii.png | Die Art wurde 2012 aus dem westlichen Transkaukasien erstbeschrieben. | ||
| Galanthus peshmenii<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />A.P.Davis & C.D.Brickell | Peshmen-Schneeglöckchen | 10 – 11 | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus peshminii.png | Südwest-Anatolien sowie die zu Griechenland gehörende Insel Megisti | Herbstblüher |
| Galanthus platyphyllus<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Traub & Moldenke | Breitblättriges Schneeglöckchen | 5 – 6 (7) | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus platyphyllus.png | Heimat: West- und Zentral-Kaukasus | sehr breite Laubblätter |
| Galanthus plicatus<ref name="Zander2008" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />M.Bieb. | Clusius-Schneeglöckchen oder Faltblatt-Schneeglöckchen | 2 – 4 | Datei:Підсніжники в урочищі Холодний Яр.jpeg | Datei:Poster galanthus plicatus.png | Rumänien, Krim, Ukraine, Nord-Anatolien, Nordwest-Kaukasus | glänzende „gefaltete“ Laubblätter |
| Galanthus reginae-olgae<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Orph. | Königin-Olga-Schneeglöckchen, Herbst-Schneeglöckchen<ref name="Zander2008" /> | 10 – 12 + 12 – 3 |
Datei:Galanthus reginae olgae ssp vernalis 01.jpg | Datei:Poster galanthus reginae olgae.png | Nordwest-Sizilien, nordwestliche und westliche Balkanhalbinsel | Blätter (flach aneinander) mit weißlichen Mittelstreifen; Herbstblüher |
| Galanthus rizehensis<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Stern | Rizasee-Schneeglöckchen | 1 – 3 (4) | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus rizehensis.png | nordöstliches Anatolien und westlicher Kaukasus | |
| Galanthus samothracicus<ref name="WCSP" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Kit Tan & Biel | 1 – 2 | <ref group="Abb. im Weblink" name="g_samo" /> | Die Art wurde 2013 von der nordägäischen Insel Samothraki erstbeschrieben. | |||
| Galanthus transcaucasicus<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Fomin | Kaspisches Schneeglöckchen oder Transkaukasisches Schneeglöckchen | 12 – 4 | Datei:Galanthus transcaucasicus (in garden) 04.jpg<ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus transcaucasicus.png | Südliches und östliches Transkaukasien und nördlicher Iran | |
| Galanthus trojanus<ref name="Davis-Özhatay2001" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />A.P.Davis & Özhatay | 3 | <ref group="Abb. im Weblink" name="Plantarium" /> | Datei:Poster galanthus trojanus.png | Westliche Türkei | ||
| Galanthus woronowii<ref name="Rothmaler5" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />Losinsk. | Woronow-Schneeglöckchen | 1 – 4 | Datei:Galanthus woronowii flower1.JPG | Datei:Poster galanthus woronowii.png | Westlicher und zentraler Kaukasus und nordöstlichen Anatolien | glänzende breite Laubblätter (gerollt) |
Eine morphologische Klassifikation nach Stern (1956)<ref name="Stern56" /> verwendet die Anordnung der Laubblätter in der Zwiebel als Unterscheidungsmerkmal (erkennbar beim Austrieb aus der Zwiebel oder im Querschnitt). Weitere Unterscheidungsmerkmale sind z. B. die Art und Form der charakteristischen grünen Zeichnungen der inneren Blütenblätter oder die Farbe und Form der Laubblätter. Stern teilte die Gattung in drei Sektionen:
- Sektion Nivales (Beck) flache Blätter
- Sektion Plicati (Beck) gefaltete Blätter
- Sektion Latifolii (Beck) gerollte Blätter
Die Arbeiten von Artjuschenko (1965, 1966, 1970)<ref name="Artj65" /><ref name="Artj66" /><ref name="Artj70" /> führten zu einer weitgehend akzeptierten Klassifikation der Schneeglöckchenarten. Die Autorin nutzte nach detaillierten Studien neue Unterscheidungsmerkmale der Pflanzenanatomie, u. a. die Größe der Luftröhrchen im Blattquerschnitt oder die Form der Zellen in der Blattepidermis. Diese Merkmale kombinierte sie mit den bekannten morphologischen Merkmalen. Vorgeschlagen wurde eine Einteilung in zwei Gruppen: 1) Arten aus Europa und Kleinasien und 2) Arten aus dem Kaukasus. Durch Verwendung der Blattstellung beim Austrieb aus der Zwiebel<ref name="Gott04" /><ref name="Stern56" /> als weiteres Merkmal, erfolgte eine Einteilung in insgesamt fünf Gruppen.
| Gruppe | Form der Epidermiszellen | Hohlräume in den Blättern | Blattlage | Vorkommen | Name |
|---|---|---|---|---|---|
| I | rechteckig | keine | gerollt | Kaukasus und Insel Ikaria (Ägäis) | Galanthus ikariae (inkl. Galanthus woronowii) Galanthus krasnovii Galanthus platyphyllus |
| ja | Kaukasus | Galanthus alpinus Galanthus bortkewitschianus Galanthus caucasicus | |||
| groß | flach | Kaukasus und Kleinasien | Galanthus lagodechianus Galanthus transcaucasicus (inkl. Galanthus rizehensis) | ||
| II | spitz zulaufend | groß | flach | Europa und Kleinasien | Galanthus corcyrensis Galanthus nivalis Galanthus reginae-olgae |
| am Rande stark verengt | gefaltet | Galanthus plicatus Galanthus byzantinus |
Eine andere Unterteilung in die beiden Sektionen Galanthus und Viridifolii (<templatestyles src="Person/styles.css" />Kem. Nath.) erfolgte hauptsächlich anhand der Form der Epidermiszellen und des Verbreitungsgebietes. Die Blattfarbe ist hier ein Unterscheidungsmerkmal.<ref name="Artj66" /><ref name="Artj70" />
| Sektion 1 GALANTHUS | Sektion 2 VIRIDIFOLII <templatestyles src="Person/styles.css" />Kern.-Nath. |
|---|---|
| Blätter grau-grün, Epidermis der Blätter besteht aus länglichen Zellen die zum Rand verjüngt sind, Vorkommen in Mittel- und Südeuropa und in NW Kleinasien. |
Blätter grau-grün oder grün (glänzend, matt oder glanzlos), Epidermis der Blätter besteht aus rechteckigen Zellen, Vorkommen im Kaukasus und Kleinasien (ohne den NW – Ausnahme ist hierbei Galanthus ikariae) |
| 1a Galanthus nivalis <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. nivalis 1b Galanthus nivalis subsp. anpshilius <templatestyles src="Person/styles.css" />(Koss) Artjush. 2 Galanthus reginae-olgae <templatestyles src="Person/styles.css" />Orph. 3 Galanthus corcyrensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Beck) Stern 4 Galanthus gracilis <templatestyles src="Person/styles.css" />Orph. ex Boiss.§ 5 Galanthus elwesii <templatestyles src="Person/styles.css" />Hook.f. § 6 Galanthus plicatus <templatestyles src="Person/styles.css" />M.Bieb. 7 Galanthus byzantinus <templatestyles src="Person/styles.css" />Baker |
8 Galanthus caucasicus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Baker) Grossh. 9 Galanthus alpinus <templatestyles src="Person/styles.css" />Sosn. 10 Galanthus bortkewitschianus <templatestyles src="Person/styles.css" />Koss 11 Galanthus ikariae <templatestyles src="Person/styles.css" />Baker (inkl. Galanthus woronowii <templatestyles src="Person/styles.css" />Losinsk., in syn.) 12 Galanthus platyphyllus <templatestyles src="Person/styles.css" />Traub & Moldenke 13 Galanthus krasnovii <templatestyles src="Person/styles.css" />A.P.Khokhr. 14 Galanthus fosteri <templatestyles src="Person/styles.css" />Baker § 15 Galanthus transcaucasicus <templatestyles src="Person/styles.css" />Fomin (incl. Galanthus rizehensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Stern, in syn.) 16 Galanthus cilicicus <templatestyles src="Person/styles.css" />Baker §§ 17 Galanthus lagodechianus <templatestyles src="Person/styles.css" />Kern.-Nath. |
Klassifikation von Galanthus nach Artjuschenko 1966 und 1970 (§ + §§ Arten wurden im Ref.<ref name="Dav_Bar" /> hinzugefügt).
Kladogramm der evolutionären Entwicklung der Gattung Galanthus nach Ronsted et al.<ref name="Rons_13" />
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| Kladogramm der evolutionären Entwicklung der Gattung Galanthus nach Ronsted et al. (2013).<ref name="Rons_13" /> |
Züchtung
Die intensivere Züchtung begann in England nach dem Krimkrieg (1853–1856), als Soldaten von der Halbinsel Krim Zwiebeln von Galanthus plicatus mitbrachten, welche sich in England in den Gärten mit dem früher eingeführten Galanthus nivalis und dem türkischen Galanthus elwesii kreuzten.<ref>Andreas Fasel: Schneeglöckchen: „Diese zarte Pflanze macht etwas mit den Menschen“ - WELT. Abgerufen am 17. Februar 2025.</ref> Waren über Jahrzehnte nur ein paar Sorten bekannt, ist die Sortenvielfalt durch die Arbeit von Züchtern heute schon fast unübersichtlich groß geworden. Derzeit sind etwa 800 Sorten (davon 500 registrierte) von Schneeglöckchen bekannt, die aus mehreren Arten hervorgegangen sind. Ziel der Züchtung und der Auslese sind hauptsächlich die Blütenform und -größe sowie die Blühdauer. Einige Sorten haben gefüllte Blüten oder spezielle Muster bzw. Zeichnungen auf den inneren oder äußeren Blütenblättern. Eine weitere Besonderheit sind Blüten, die kein Blattgrün enthalten und deshalb weiß-gelb erscheinen.<ref name="sorten_3" /><ref name="sorten_4" /> Inzwischen gibt es eine Gruppe von Schneeglöckchen-Enthusiasten, sogenannte Galantophile,<ref>John Grimshaw, Joe Sharman: The ‘King of Snowdrops’, and the tale of the most expensive snowdrop ever sold. In: Country Life. 6. Februar 2021 (countrylife.co.uk).</ref> die bereit sind, für neue Sorten hohe Preise zu bezahlen. 2022 erzielte eine von Joe Sharman in Cambridgeshire gezüchtete Zwiebel der Variante Golden Tears auf einer Ebay-Auktion £1,850.<ref>Jamie Grierson, Single snowdrop bulb sells for £1,850 at auction. Guardian 22/02/2022</ref>
Eine übliche Vermehrungsmethode, um z. B. sterile Sorten zu vermehren, ist das Twin-Scaling, ein Teilen der Zwiebel in ruhendem Zustand. Hierbei wird die Zwiebel bis auf den Zwiebelboden herunter mit vielen Schnitten „gereizt“ oder vollständig in etwa 10 Teile zerschnitten, um die Bildung neuer Nebenzwiebeln anzuregen.<ref name="twin" />
Heilwirkung und Giftigkeit
Galantamin wird als Mittel gegen Demenz genutzt und um das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu bremsen.
Alle Pflanzenteile, besonders die Zwiebel, enthalten giftige Alkaloide. In der Zwiebel befindet sich vorwiegend das Amaryllidaceen-Alkaloid, in anderen Pflanzenteilen Tazettin, Galantamin und Lycorin. Eine kritische Dosis ist nicht bekannt.
Mögliche Vergiftungssymptome sind vermehrter Speichelfluss, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Gelegentlich werden Kreislaufstörungen mit Schweißausbruch und Benommenheit beobachtet.
Philatelie
Mit dem Erstausgabetag 3. Januar 2022 gab die Deutsche Post AG in der Dauerserie Blumen ein Postwertzeichen im Nennwert von 32 Eurocent mit dem Motiv Schneeglöckchen heraus. Der Entwurf stammt von den Grafikern Stefan Klein und Olaf Neumann aus Iserlohn.
Thermogenese
Manche Pflanzen können durch den eigenen Stoffwechsel Pflanzenteile signifikant über die Umgebungstemperatur erwärmen. Auch das Schneeglöckchen soll angeblich in der Zwiebel Eigenwärme erzeugen, um sich seinen Weg durch den Schnee zu schmelzen. Es gibt für Thermogenese beim Schneeglöckchen aber keinen wissenschaftlichen Beweis. Stattdessen liegt nahe, dass das Schmelzen des umgebenden Schnees auf der Absorption von Sonnenstrahlung und deren Umwandlung in Wärmeenergie beruht, so wie es häufig auch bei unbelebter Materie geschehen kann.<ref>Enno Logemann: Galanthus nivalis – Nicht nur ein Frühlingsbote. (PDF) In: Toxichem Krimtech 2016;83(2):121. Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie (GTFCh), 4. März 2016, abgerufen am 13. Februar 2020.</ref>
Quellen
- Aaron P. Davis: The Genus Galanthus. A Botanical Magazine Monograph. Royal Botanical Gardens, Kew 1999, ISBN 0-88192-431-8
- Gerald B. Straley, Frederick H. Utech: Galanthus. In:
- Hanneke van Dijk, Gert-Jan van der Kolk: Schneeglöckchen. Über Blumen, Galantophile und andere Dinge (übersetzt von Mechthild Ragg). Landwirtschaftsverlag, Münster 2004, ISBN 3-7843-3314-1.
- Heinz-Dieter Krausch: Kaiserkron und Päonien rot … Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen. Dölling ud Galitz, Hamburg 2003, ISBN 3-935549-23-7.
- Clemens Heidger, Josh Westrich, Veronica Cross: For Galanthophiles: Präsentation von 50 gartenwürdigen Schneeglöckchen. Edition Art & Nature, ISBN 978-3-00-034969-0.
- Enno Logemann: Galanthus nivalis – Nicht nur ein Frühlingsbote. In: Toxichem Krimtech Band 83, II, 2016, S. 121–125 (PDF).
- Günter Waldorf: Schneeglöckchen: Zauber in Weiß – Über dreihundert Sorten im Fotoporträt. DVA, München, ISBN 978-3-421-04020-6.
Weblinks
- Die Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) als Giftpflanze bei giftpflanzen.com.
- Wissenswertes über Schneeglöckchen, Sortenbeschreibungen
- Allgemeine Informationen über Schneeglöckchen
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wissenswertes vom Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum ( vom 11. Dezember 2009 im Internet Archive)
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
- Bestimmungsschlüssel – blumeninschwaben.de
Einzelnachweise
<references> <ref name="Zander2008"> Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2: Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7, S. 1426. </ref> <ref name="Davis-Özhatay2001"> Aaron P. Davis, Neriman Özhatay: Galanthus trojanus: a new species of Galanthus (Amaryllidaceae) from north-eastern Turkey. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Band 137, Nr. 4, 2001, S. 409–412, doi:10.1006/bojl.2001.0480. </ref> <ref name="WCSP"> Vorlage:WCSP </ref> <ref name="Swift"> Katherine Swift: The Morville Year. Bloomsbury, London 2011, ISBN 978-1-4088-1109-2, S. 262, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.. </ref> <ref name="Zubov-Davis2012"> Dmitriy A. Zubov, Aaron P. Davis: Galanthus panjutinii sp. nov.: a new name for an invalidly published species of Galanthus (Amaryllidaceae) from the northern Colchis area of Western Transcaucasia. In: Phytotaxa. Band 50, 2012, S. 55–63, (citesbulbs.myspecies.info PDF). </ref> <ref name="Zubov2019"> Dimitri A. Zubov, Yıldiz Konca, Aaron P. Davis: Galanthus bursanus (Amaryllidaceae): a new species of snowdrop from the Marmara Sea region, NW Turkey. In: Kew Bulletin Band 74, 2019, (doi:10.1007/s12225-019-9806-5). </ref> <ref name="Rothmaler5"> </ref> <ref name="twin"> judyssnowdrops.co.uk </ref> <ref name="sorten_3"> galanthomanie.de </ref> <ref name="sorten_4"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />galanthus.co.uk ( des Vorlage:IconExternal vom 27. Februar 2017 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. </ref> <ref name="BSL"> blumeninschwaben.de </ref> <ref name="Gala"> galanthomanie.de </ref> <ref name="Stern56"> Frederick Claude Stern: Snowdrops and Snowflakes – a study of the genera “Galanthus” and “Leucojum”. Royal Horticultural Society 1956 (books.google.com). </ref> <ref name="Gott04"> P. von Gottlieb-Tannenhain: Studien über die Formen der Gattung „Galanthus“. In: Abhandlungen der Kaiserlich-Königlichen zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien. 2, Nr. 4, 1904, S. 29. </ref> <ref name="Artj65"> Z. T. Artjushenko: A contribution to the taxonomy of the genus “Galanthus”. In: Botanicheskii Zhurnal (Moskau & Leningrad). 50, Nr. 10, 1965, S. 1430–1447. </ref> <ref name="Artj66"> Z. T. Artjushenko: A Critical review of the genus “Galanthus”. In: Botanicheskii Zhurnal (Moskau & Leningrad). 51, Nr. 10, 1966, S. 1437–1451. </ref> <ref name="Artj70"> Z. T. Artjushenko: Amarylldaceae J. St.-Hil. Akademii Nauk SSSR. Botanicheskii Institut, Leningrad 1970. </ref> <ref name="Dav_Bar"> A. P. Davis, J. R. Barnett: The leaf anatomy of the genus Galanthus L. (Arnaryllidaceae J. St.-Hil.) In: Botanical Joumal of the Linnean Society. 123, 1997, S. 333–352. </ref> <ref name="Rons_13"> Nina Rønsted, Dimitri Zubov, Sam Bruun-Lund, Aaron P. Davis: Snowdrops falling slowly into place: An improved phylogeny for “Galanthus” (Amaryllidaceae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 69, Nr. 1, Oktober 2013, S. 205–217, doi:10.1016/j.ympev.2013.05.019. </ref> <ref name="citesbulbs"> „citesbulbs.myspecies.info“ – Beschreibung aller Galanthus Arten (in Engl.) citesbulbs.myspecies.info </ref> <ref name="AP_Davis"> Aaron P. Davis: The Genus Galanthus. A Botanical Magazine Monograph. Royal Botanical Gardens, Kew 1999, ISBN 0-88192-431-8. </ref> <ref name="iucnredlist"> IUCN 2020. The IUCN Red List of Threatened Species. Version 2019-3. ISSN 2307-8235 iucnredlist.org </ref> </references>
Weblinks zu Abbildungen:
<references group="Abb. im Weblink"> <ref name="Plantarium"> Bilder von Galanthus-Arten auf Plantarium.ru (Latein + Russisch) </ref> <ref name="g_fosteri"> Bilder von Galanthus fosteri auf „revolution-snowdrops.co.uk“ (in Engl.) </ref> <ref name="g_samo"> Bilder von Galanthus samothracicus auf „revolution-snowdrops.co.uk“ (in Engl.) </ref> </references>