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Weiße Braunelle

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Weiße Braunelle
Datei:Prunella laciniata LC0049.jpg

Weiße Braunelle (Prunella laciniata)

Systematik
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae
Untertribus: Nepetinae
Gattung: Braunellen (Prunella)
Art: Weiße Braunelle
Wissenschaftlicher Name
Prunella laciniata
(L.) L.

Die Weiße Braunelle (Prunella laciniata) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Braunellen (Prunella) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung

Datei:Prunella laciniata sl6.jpg
Stängel mit fiederspaltigen Laubblättern
Datei:Prunella laciniata sl8.jpg
Blüte: die Oberlippe des Kelchs ist gestutzt und ihre Zähne fehlen fast.
Datei:Prunella laciniata sl10.jpg
Staubblätter und Griffel: die beiden längeren Staubfäden weisen unterhalb der Staubbeutel einen dornförmigen Zahn auf
Datei:Prunella laciniata 2021-09-06 1242.jpg
Fruchtstände
Datei:Plantarum indigenarum et exoticarum icones ad vivum coloratae, oder, Sammlung nach der Natur gemalter Abbildungen inn- und ausländlischer Pflanzen, für Liebhaber und Beflissene der Botanik (16088406901).jpg
Illustration aus Plantarum indigenarum et exoticarum icones ad vivum coloratae, oder, Sammlung nach der Natur gemalter Abbildungen inn- und ausländischer Pflanzen, für Liebhaber und Beflissene der Botanik

Vegetative Merkmale

Die Weiße Braunelle wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 30 Zentimetern. Sie besitzt eine kurze, reich bewurzelte Grundachse. Die oberirdischen Pflanzenteile sind meist ziemlich dicht mit weißen, etwas krausen Gliederhaaren besetzt. Der aufsteigende bis aufrechte Stängel ist kantig und oft verzweigt.

Die anfangs rosettig gehäuften, aber meist gegenständig am Stängel verteilten Laubblätter sind meist in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist bis zu 3 Zentimeter lang. Die einfache Spreite der Grundblätter ist bei einer Länge von 1 bis 5 Zentimetern sowie einer Breite von 0,5 bis 1,5 Zentimetern eiförmig-elliptisch mit ganzrandigem oder schwach ausgebuchtetem Blattrand und schwach fiedernervig, beiderseits dicht zottig behaart. Die Stängelblätter sind bis zu 7 Zentimeter lang, meist schwächer behaart, ganzrandig oder häufiger fiederspaltig, mit jederseits zwei bis drei linealischen, stumpfen, oft ihrerseits mehr oder weniger gelappten Blattabschnitten.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Über den obersten Stängelblättern befinden sich in den sitzende, 2 bis 6 Zentimeter langen, scheinährigen Blütenständen die dicht angeordneten Blüten. Die Hochblätter sind breiter als lang, besitzen eine scharf abgesetzte Spitze und sind am Rand und an den netzig verbundenen Nerven grün (oft mehr oder weniger violett überlaufen); sie sind rauhaarig, dazwischen weißhäutig und mehr oder weniger kahl.

Die zwittrige Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der etwa 12 Millimeter lange Kelch ist deutlich zweilippig. Die Kelchoberlippe besitzt einen breiten, gestutzten und kurz bespitzten Mittelzahn und viel schmalere, dreieckige Seitenzähne. Die Kelchunterlippe hat noch wesentlich schmalere und längere Zähne. Die 15 bis 18 Millimeter lange Krone ist gelblichweiß, größtenteils kahl, mit einer etwa 11 Millimeter langen, allmählich erweiterten Kronröhre sowie einer etwa 5 Millimeter langen, oben schwach flaumigen Oberlippe und 4 bis 5 Millimeter langer, herabgeschlagener Unterlippe. Die vorderen Staubblätter besitzen einen fast 1 Millimeter langen, leicht vorwärts gekrümmten Zahn, die hinteren haben einen viel kürzeren, etwas rückwärts gekrümmten Fortsatz.<ref name="HegiGams1964" />

Die Klausen sind 2 bis 2,5 Millimeter lang.

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28 oder 32.<ref name="Rothmaler4-10" />

Verwechslungsmöglichkeiten

Prunella laciniata wird häufig mit der Prunella vulgaris f. leucantha verwechselt. Sie ist jedoch außer durch die stets viel stärkere Behaarung und die größeren Blüten besonders auch durch den Stängelbau zu unterscheiden: Die äußeren Schichten der nur durch schwach entwickeltes Kollenchym gestützten Stängelrinde bestehen aus großzelligem, farblosem Parenchym, die inneren dagegen aus kleineren, chlorophyllreichen Zellen.

Vorkommen und Artenschutz

Prunella laciniata kommt in vielen Teilen des Mittelmeerraums vor, in Europa nördlich bis zum belgischen Kalkgebiet, Ostdeutschland, Ungarn, Südrussland, östlich bis zum Kaukasusraum und Nordiran und südlich bis zu den Atlasländern.<ref name="POWO" />

Prunella laciniata ist eine ursprünglich mediterrane, doch auch in Mitteleuropa ziemlich weit verbreitete Art, die zerstreut bis selten im mittleren und südwestlichen Teil Deutschlands vorkommt. Während sie im Süden wenig große Standortansprüche stellt und in sehr verschiedenen Wiesentypen gedeiht, ist sie an ihrer Nordgrenze auf trockene Kalkhänge beschränkt.

Die Weiße Braunelle wächst in trockenen Magerwiesen, an steinigen Südhängen, auf Bachschutt und in lichten Eichen- und Föhrengehölzen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Festuco-Brometea-Klasse, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Cirsio-Brachypodion oder Geranion sanguinei vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Sie steigt nur ausnahmsweise höher als die Weinrebe, so etwa in Tirol bis in Höhenlagen von 1300 Metern und im Puschlav bis 1320 Meter.<ref name="HegiGams1964" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands ist Prunella laciniata in Kategorie 3+ = „gefährdet“. Prunella laciniata sollte wegen ihrer Seltenheit und Gefährdung nicht gesammelt werden. In der Schweiz gil die Art als "verletzlich".<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 als Varietät Prunella vulgaris var. laciniata durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 2, S. 600.<ref name="Linné1753" /> Die Bezeichnung laciniata der Varietät hatte er wie so oft aus Caspar Bauhins ΠΙΝΑΞ [Pinax] Theatri botanici, S. 261 entnommen (Brunella folio laciniato). Er selbst hat diese Sippe 1763 in Species Plantarum, 2. Auflage, Band 2, S. 837 als Prunella laciniata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) L. in den Artrang gestellt. Weitere Synonyme für Prunella laciniata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) L. sind: Prunella grandiflora var. laciniata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Trevir., Prunella vulgaris subsp. laciniata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Čelak., Prunella afriquena <templatestyles src="Person/styles.css" />Pau & Font Quer, Prunella alba <templatestyles src="Person/styles.css" />Pall. ex M.Bieb. nom. illeg., Prunella alba var. integrifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Godr., Prunella alba var. pinnatifida <templatestyles src="Person/styles.css" />(Coss. & Germ.) Gren. & Godr., Prunella grandiflora var. alba <templatestyles src="Person/styles.css" />Trevir., Prunella integerrima <templatestyles src="Person/styles.css" />Beck, Prunella laciniata var. integerrima <templatestyles src="Person/styles.css" />(Beck) Nyman, Prunella laciniata var. integrifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Godr., Prunella laciniata var. intermedia <templatestyles src="Person/styles.css" />Nyman, Prunella laciniata var. macrostachya <templatestyles src="Person/styles.css" />Pau & Font Quer, Prunella laciniata var. pinnatifida <templatestyles src="Person/styles.css" />Coss. & Germ., Prunella laciniata subsp. subintegra <templatestyles src="Person/styles.css" />(Buch.-Ham.) Franco, Prunella laciniata var. subintegra <templatestyles src="Person/styles.css" />Buch.-Ham., Prunella sulphurea <templatestyles src="Person/styles.css" />Mill., Prunella vulgaris subsp. alba <templatestyles src="Person/styles.css" />(M.Bieb.) Bonnier & Layens, Prunella vulgaris subsp. laciniata <templatestyles src="Person/styles.css" />Arcang.<ref name="POWO" /> Vorlage:Hinweisbaustein Die Arten der Gattung Prunella neigen stark zur Bildung von Bastarden. Oft werden sie nicht als solche erkannt, da in vielen Fällen einer der Elternteile (besonders die seltenere Prunella laciniata) fehlt oder übersehen wurde. Die Hybriden überdauern aber, wenn etwa Prunella laciniata nicht mehr vorhanden ist. Hybride Formen, bei denen Prunella laciniata ein Elternteil ist, lassen sich durch gewisse typische Merkmale doch erkennen. Verwechslungen sind möglich durch weißblühende Formen von Prunella vulgaris (f. leucantha <templatestyles src="Person/styles.css" />Schur). Diese sind jedoch weniger behaart und die Blüten deutlich kleiner.

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="InfoFlora"> Prunella laciniata (L.) L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Rothmaler4-10"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="HegiGams1964"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2378–2379. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Lavandula angustifolia bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, 1753, S. 600 (Erstveröffentlichung als Varietät von Prunella vulgaris) </ref> </references>

Weblinks

Commons: Weiße Braunelle (Prunella laciniata) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien