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Wassili Michailowitsch Blochin

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Wassili Michailowitsch Blochin (russ. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); * 7.jul. / 19. Januar 1895greg. in Gawrilowskoje (Wladimir); † 3. Februar 1955 in Moskau) war ein sowjetischer NKWD-Offizier.

Er gilt als einer der grausamsten Vollstrecker der stalinistischen Säuberungen und exekutierte mit seiner Dienstpistole persönlich mehrere Tausend Menschen.

Leben

Blochin stammte aus einer bäuerlichen Familie. Er diente in der Armee des Zaren und nach der Oktoberrevolution ab 1918 in der Roten Armee zunächst in Unteroffiziersrängen. Bereits 1921 kam er zur Tscheka. Von 1924 bis zu Stalins Tod im März 1953 war er mit Hinrichtungen insbesondere von „Staatsfeinden“ betraut. Nebenbei nahm er an Fernkursen des Instituts für die Erhöhung der Qualifikation ingenieurtechnischer Arbeiter teil.<ref name="nowgas">Der Mann mit der Lederschürze (russ.) Nowaja gaseta, 2. August 2010.</ref>

Wie eine Untersuchung der Menschenrechtsorganisation Memorial ergab, war Blochin persönlich mit der Erschießung von Spitzenfunktionären und Intellektuellen befasst, über die Stalin Todesurteile verhängen ließ.<ref name="nowgas" /> Anfang der 1930er Jahre befehligte er ein Exekutionskommando, dem ein fester Stamm von einem halben Dutzend Geheimpolizisten angehörte. Während des Großen Terrors in den Jahren 1936 bis 1938 wurden fast alle Mitglieder des Kommandos zum Tode verurteilt, Blochin persönlich erschoss seine früheren Kameraden. 1937 befehligte er die Exekution der zum Tode verurteilten Mitglieder der obersten Militärführung, darunter Michail Tuchatschewski und Iona Jakir. Persönlich erschoss er seine beiden in Ungnade gefallenen früheren NKWD-Chefs Genrich Jagoda und Nikolai Jeschow sowie zahlreiche bekannte Intellektuelle und Künstler, darunter den Schriftsteller Isaak Babel,<ref>Jewrejskij Obosrewatel 3.2004</ref> den Journalisten Michail Kolzow und den Regisseur Wsewolod Meyerhold.<ref>Katyn 1940–2000. Dokumenty. Red. N. I. Lebedewa. Moskau 2001, S. 35.</ref>

Der Nachfolger Jeschows an der Spitze des NKWD, der Georgier Lawrenti Beria, hatte dem Memorial-Bericht zufolge auf die von Stalin abzuzeichnenden Exekutionslisten auch Blochin gesetzt. Doch habe Stalin dessen Namen gestrichen.<ref name="nowgas" /> Blochin, der nach Aussagen ehemaliger Geheimdienstoffiziere bei seinen Exekutionen immer lederne Metzgerschürzen trug, um seine Uniform zu schonen, hat im Frühjahr 1940 mit einer deutschen Walther im Keller des NKWD-Sitzes von Kalinin mehrere Tausend kriegsgefangene polnische Offiziere und Intellektuelle persönlich erschossen, die zuvor im Sonderlager Ostaschkow interniert waren. Er kam auf eine Quote von 200 bis 350 Opfern pro Nacht.<ref>Katyn 1940–2000. Dokumenty. Red. N. I. Lebedewa. Moskau 2001, S. 36.</ref> 1945 stieg er durch die Beförderung zum Generalmajor in die Führung der Geheimpolizei auf.

Ein Einschnitt in seiner Biografie war der Tod Stalins im März 1953. Am 26. Juni 1953 wurde Beria verhaftet und am 23. Dezember 1953 erschossen. Nikita Chruschtschow setzte sich im Machtkampf um die Nachfolge Stalins durch. Auch ein Teil der bisherigen Geheimdienstführung um Beria wurde erschossen. Blochin wurde in den Ruhestand versetzt, offiziell „aus Gesundheitsgründen“.<ref>Vitali Šentalinskij: Donos na Sokrata. Dokumental'nye povesti. Moskau 2011, S. 91.</ref> In seinen letzten Lebensjahren litt er unter Alkoholismus und psychischen Problemen. 1954 wurde ihm der Generalsrang aberkannt, „weil er sich bei seiner Arbeit in den Organen diskreditiert hat“ ("как дискредитировавший себя за время работы в органах").<ref>N. W. Petrow, K. W. Skorkin: "Кто руководил НКВД. 1934–1941" (russisch; deutsche Übersetzung des Titels: Wer leitete das NKWD 1934–1941)</ref>

Tod

Wenige Monate später starb er im Alter von 60 Jahren, in seinen Personalakten ist als Todesursache ein Herzinfarkt angegeben. Nach Aussagen des ehemaligen KGB-Generals Dmitri Tokarew, der 1940 für die Organisation der Exekution der Polen in Katyn verantwortlich gewesen war, hat Blochin Suizid begangen.<ref>Katyń. Dokumenty zbrodni. Tom 2. Zagłada marzec — czerwiec 1940. Red. W. Materski et al. Warschau 1998. S. 465.</ref> Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Friedhof des Donskoi-Klosters begraben, auf dem viele seiner Opfer in Massengräbern verscharrt worden waren.<ref>Thomas Urban: Katyn 1940. Geschichte eines Verbrechens. München 2015, S. 184.</ref>

2021 legte eine Delegation der Kommunistischen Partei Russlands an seinem Todestag einen Kranz und Blumengebinde auf dem Grab ab.<ref>Na rękach miał krew tysięcy. Stalinowski kat w skórzanym fartuchu onet.pl, 5. Februar 2023.</ref>

Literatur

  • Anna M. Cienciala, Natalia S. Lebedeva, Wojciech Materski (Hrsg.): Katyń. A crime without punishment, Übersetzung der Dokumente Marian Schwartz, Anna M. Cienciała, Maia A. Kipp. New Haven : Yale University Press, 2007, ISBN 978-0-300-10851-4, S. 386

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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