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Walter Scharwenka

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Gerhard Walter Scharwenka (* 21. Februar 1881 in Berlin; † 8. Juli 1960 ebenda<ref>Standesamt Berlin-Lichterfelde, Sterbeurkunde Nr. 1433 vom 11. Juli 1960 (Landesarchiv Berlin)</ref>) war ein deutscher Komponist, Organist und Kirchenmusiker.

Leben

Walter Scharwenkas Vater war der Komponist und Musikpädagoge Philipp Scharwenka, sein Onkel der Komponist und Pianist Xaver Scharwenka, seine Mutter die Geigerin und Musikpädagogin Marianne Stresow. Er wurde im Berliner Ortsteil Tiergarten geboren. Scharwenka begann seine musikalische Ausbildung 1897, im Alter von 16 Jahren: am Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium studierte er Orgel bei Franz Grunicke (1841–1913) und erhielt von seinem Vater Klavier- und Kompositionsunterricht. 1901 gab er in seiner Heimatstadt sein erstes öffentliches Orgelkonzert und verschaffte sich bald einen ausgezeichneten Ruf als Organist.<ref>Tabellarischer Lebenslauf Walter Scharwenka [1]</ref>

1903 fand Scharwenka in Templin eine Anstellung als Organist, Gesangslehrer und Leiter des dortigen Musikvereins. 1906 kehrte er nach Berlin zurück, um dort das Amt des Organisten an der Paul-Gerhardt-Kirche in Berlin-Schöneberg zu bekleiden und – bis 1914 – als Lehrer am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium zu arbeiten. Von 1907 bis 1916 war er in Dahlem als Organist und Chorleiter der St.-Annen-Kirche sowie als Musiklehrer am Gertrauden-Lyzeum tätig. Von 1916 bis 1918 nahm er als Soldat am Ersten Weltkrieg teil.<ref>Hedwig und Erich H. Mueller von Asow: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. de Gruyter, Berlin 1954. Sp. 1123</ref>

Als die bauliche Fertigstellung der Lukaskirche in Berlin-Steglitz im Jahr 1919 bevorstand, bewarb sich Scharwenka im April des Jahres erfolgreich auf die dort neu einzurichtende Kirchenmusikerstelle. Er gründete dort noch im gleichen Jahr den „Lukas-Kirchenchor“, auf den die heutige „Lukas-Kantorei Berlin“ zurückgeht. Walter Scharwenka entfaltete an der Lukas-Kirche ein reges musikalisches Leben, mit allmonatlichen Abendmusiken und der Aufführung großer Oratorienwerke. Im Mai 1937 übernahm er die Leitung des Klindworth-Scharwenka-Konservatoriums, dessen bisheriger jüdischer Direktor Robert Robitschek wegen „nicht arischer“ Herkunft aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen worden war und die Leitung des Konservatoriums abgeben musste.<ref>Signale für die musikalische Welt vom 12. Mai 1937, S. 315 [2]</ref> Robitschek entging durch Emigration in die USA der weiteren Verfolgung durch die nationalsozialistischen Behörden. Walter Scharwenka leitete das Konservatorium bis zu seinem Tod 1960. Danach wurde der Betrieb wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.

Walter Scharwenkas in den Jahren 1930 bis 1938 nachdrücklich betriebene Ernennung zum Musikdirektor kam aus äußeren Gründen nicht zustande. Während des Zweiten Weltkrieges gelang es ihm, die kirchenmusikalische Arbeit an der Lukaskirche aufrechtzuerhalten. In diese Kriegs- und Nachkriegszeit datieren insbesondere seine Kompositionen für Frauenchor und Orgel, hatte doch der Lukas-Kirchenchor durch den Krieg Verluste unter den Männerstimmen hinnehmen müssen.

Walter Scharwenka komponierte eine Oper, Die Kirschenkönigin (1926), Harfen-, Orgel- und Klavierstücke, Chorwerke, Motetten, Lieder und zwei recht populäre Choralkantaten. Viele diese Kompositionen existierten nur in handschriftlicher Form und fielen 1943 der Zerstörung des Wohnhauses der Familie Scharwenka zum Opfer. Einige der Chorkompositionen haben sich im Notenarchiv der Lukas-Kirche erhalten. Scharwenkas große Liebe galt jedoch zeitlebens der Orgel, insbesondere „seiner“ P. Furtwängler & Hammer-Orgel in der Lukas-Kirche, die dort teilweise im heutigen Instrument enthalten ist.

1950 wurde Scharwenka in den Ruhestand versetzt, übte aber unverändert sein Kirchenmusikeramt an der Lukas-Kirche aus. Obschon ihm nach einer schweren Erkrankung zu Beginn des Jahres 1960 von den Ärzten dringend von körperlicher Belastung abgeraten wurde, war Scharwenkas Tatendrang ungebrochen. Vermutlich infolge solcher Überlastung starb Walter Scharwenka am 8. Juli 1960 in seiner Wohnung in Berlin-Steglitz. Er wurde auf dem Friedhof Steglitz beigesetzt.

Scharwenka heiratete 1904 Else Weiß, die 1906, kurz nach der Geburt der Tochter Felizitas, starb. Von 1909 bis 1926 war er mit der Musiklehrerin Hedwig Schwaßmann (* 1889 in São Paulo; † 1968 in Berlin) verheiratet.<ref>Standesamt Charlottenburg I, Heiratsurkunde Nr. 176 vom 2. April 1909 (Landesarchiv Berlin)</ref> Das Paar hatte die Töchter Edith (1909–1991) und Ingeborg (* 1912) und die Söhne Wolfgang (* 1911) und Herbert (1915–1942), der im Zweiten Weltkrieg fiel. 1927 heiratete er schließlich eine seiner Schülerinnen, die Pianistin Anna Kirchenberger (* 1900 in Steglitz; † 1984 ebendort); die Tochter Marianne wurde 1929 geboren († 2008).<ref>Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. de Gruyter, Berlin 1954. Sp. 1122/23</ref>

Literatur

  • Paul Frank, Wilhelm Altmann: Kurzgefasstes Tonkünstler-Lexikon. Neudruck der Ausgabe von 1936, Heinrichhofen’s Verlag, Wilhelmshaven 1971, ISBN 3-7959-0083-2. S. 536
  • Selbstauskunft Walter Scharwenka in: Hedwig und Erich H. Mueller von Asow: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. de Gruyter, Berlin 1954. Sp. 1123/24. (Dort auch ausführliches Verzeichnis seiner Kompositionen.)
  • Kirchenmusik und Kantor/innen: ein Überblick. In: 100 Jahre Lukas-Kirche: Festschrift 1919–2019, Lukas-Gemeinde, Berlin 2019. S. 57/58. (Mit Foto von Walter Scharwenka.)

Weblinks

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Einzelnachweise

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