Württembergische Uhrenfabrik Bürk
Die Württembergische Uhrenfabrik Bürk war eines der bedeutendsten deutschen Unternehmen in der Uhrenindustrie mit Sitz in Schwenningen am Neckar (heute Villingen-Schwenningen). Johannes Bürk gründete das Unternehmen im Jahr 1855; es prägte über ein Jahrhundert lang die Geschichte der Stadt, die wegen der Zahl und Bedeutung ihrer Uhrenindustriebetriebe für Jahrzehnte zur „größten Uhrenstadt der Welt“ aufstieg.<ref>Bürk Time Recorders – Workclocks. Abgerufen am 18. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In dieser Phase hatten Unternehmen und Stadt internationale Bedeutung.
Geschichte
Der Schwenninger Stadtschreiber Johannes Bürk gründete die Fabrik 1855 zur Produktion seiner innovativen tragbaren Wächterkontrolluhr, die mit einem umlaufenden Papierband Arbeits- und Patrouillenwege protokollierte. Als Autodidakt führte er Arbeitsteilung und Massenproduktion ein, unterstützt von Ferdinand Steinbeis, und bezog anfangs Messingteile aus Baden sowie Uhrwerke aus der Schweiz; erste Montage erfolgte bei Uhrmacher Michael Vosseler.<ref>Ralf Ketterer: Johannes Bürk und die "Bürk Original" – Zur Bedeutung eines Schwenninger Industriepioniers und seines Produktes. In: Stadt Hoch 2. 19. Juni 2019, abgerufen am 18. Januar 2026.</ref><ref>Museumsgeschichte. Uhrenindustriemuseum, abgerufen am 18. Januar 2026.</ref><ref name=":0">Monika Zwettler: Die Entwicklung der Stechuhr. Konstruktionspraxis, 26. Januar 2024, abgerufen am 18. Januar 2026.</ref>
Durch diese Uhren konnten Nachtwächter ihre Anwesenheit zu bestimmten Zeiten an bestimmten Kontrollpunkten dokumentierten und so ihre Arbeit nachweisen.<ref name=":0" />
Die Bürk-Wächterkontrolluhr Universal Nr. 50 wurde von 1912 bis 1996 hergestellt.<ref>Württembergische Uhrenfabrik im Watch-Wiki.</ref>
Bereits 1865 wurden durch Jakob Bürk, den Bruder des Gründers, die Produkte in den USA verkauft.
Nach dem Tode Johannes Bürks 1872 übernahm sein Sohn Richard Bürk die technische Leitung, während seinem Bruder Hugo Bürk die kaufmännische Leitung oblag.<ref>Kontrolluhren - Zeittafel. Kontrolluhren.de.</ref>
1879 meldet Richard Bürk den "Arbeiter-Kontrolapparat", eine frühe Stechuhr, die er auf Basis der von seinem Vater erfundenen Nachtwächterkontrolluhr entwickelte, zum Patent an.
Dieser war jedoch anfällig für Manipulationen und verbrauchte viel Papier, was ihn unwirtschaftlich machte. Aus diesem Grund entwickelte Bürk 1897 den „Billeteur“, der Arbeitszeiten direkt auf eine Karte stempelte und so Kosten senkte.<ref name=":0" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zeit ist Geld - Kontrolluhrenbau im Schwarzwald. Sonderausstellung im Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen vom 22. April 2005 bis zum 30. Juni 2006 ( vom 18. April 2014 im Internet Archive).</ref>
Im Jahr 1900 gründete Bürk mit dem US-amerikanischen Uhrenhersteller Bundy die International Time Recording Co. (ITR), aus der später durch Fusionen die International Business Machines Corporation (IBM) hervorging.<ref>Historie und Marken. Website von Bürk Mobatime.</ref> ITR produzierte bis 1924 unter Lizenz amerikanische Arbeitszeitmesser unter dem Namen Bürk Bundy. Als das Patent 1924 erlosch, wurde sie unter dem Namen Bürk vermarktet.<ref>Bürk Time Recorders. In: Workclocks.co.uk. Abgerufen am 18. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Seit den 1920er-Jahren wurde die Produktpalette um Systeme aus Haupt- und Nebenuhren erweitert, wie sie insbesondere an Bahnanlagen zum Einsatz kamen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Elektrouhren: Nebenuhrensammlung. Zeigersprung.de ( vom 21. Juni 2015 im Internet Archive).</ref>
Bürk war Inhaber von Patenten in Deutschland und Großbritannien.<ref name="Rechnerlexikon">Bürk, Richard im Rechnerlexikon.</ref><ref name="Landesarchiv">E 170 a Bü 1828: Patent des Richard Bürk in Biel, Kanton Bern, auf eine eigentümliche Konstruktion der J. Bürk’schen Kontrolluhr für Eisenbahnzüge und andere Fuhrwerke. Findbuch E 170 a, Landesarchiv Baden-Württemberg.</ref>
Das Unternehmen gehörte (neben ISGUS) zu den beiden bedeutendsten deutschen Unternehmen für technische Uhren.<ref>Der große Brockhaus. 16. Auflage, Band 11 (Sol–Unj), Wiesbaden 1957, S. 726.</ref>
Das Unternehmen musste 1984 Konkurs anmelden und wurde als Bürk Zeitsysteme weitergeführt, die 1996 ebenfalls in Konkurs geriet. 1997 ging aus ihr die Bürk Mobatime GmbH hervor, eine Tochtergesellschaft der schweizerischen Mobatime-Gruppe.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mobatime worldwide: Organization at a glance. ( vom 31. Dezember 2017 im Internet Archive) Website der Mobatime-Gruppe.</ref>
Heute befindet sich in dem ehemaligen Fabrikgebäude das Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen.
Siehe auch
Literatur
- Hans-Heinrich Schmid: Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850–1980. Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten. 3. erweiterte Auflage, Deutsche Gesellschaft für Chronometrie e. V., 2017, ISBN 978-3-941539-92-1.
- Gudrun Kopf: Zeit-Ordnung. Eine Geschichte der Stechuhr. Diplomarbeit an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar 2002, S. 18. (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF ( vom 7. Oktober 2009 im Internet Archive))
- Meyers Großes Konversations-Lexikon. 5. Auflage, 1897, Bd. 10, S. 514 f. und 6. Auflage, 1905, Bd. 11, S. 446. (zitiert nach Kopf, S. 18)
- Werner Schmid: Die Württembergische Uhrenfabrik in Schwenningen und ihre Erzeugnisse. In: Zeit ist Geld. Kontrolluhren aus dem Schwarzwald. Ausstellungskatalog zur Sonderausstellung im Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen von April 2005 bis April 2006. (online als PDF-Dokument)
- Richard Bürk: Die Schwenninger Uhrmacher bis um’s Jahr 1929. Kuhn, Villingen-Schwenningen 1990.
Weblinks
- Firmengeschichte auf watch-wiki.de
- Bürk Mobatime
- Bürk Uhrenzentrale
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters
archive-todaymuss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. - Kurzbiographie Johannes Bürks und Bilder
- Geschichte, Beschreibung und Bilder der Nachtwächter-Kontrolluhren (englisch)
- Beschreibung einer Hauptuhr
- Technische Beschreibung der Nachtwächter-Kontrolluhr: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, 1866, S. 202–205 (Vorschau bei Google Books)
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 48° 3′ 52,5″ N, 8° 31′ 50,2″ O
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