Volksverein (Baden)
Die Volksvereine wurden von den badischen Demokraten gegründet, um eine Organisation zu schaffen, die sich von den Vaterländischen Vereinen der badischen Liberalen unterschied. Es gab in der Zeit vor der Badischen Revolution 1848/49 noch keine klar voneinander geschiedenen organisierten Parteien.
Geschichte
In Baden war während der zweiten Offenburger Versammlung am 19. März 1848 ein Central-Ausschuss mit Friedrich Hecker als Leiter gebildet worden, um die politische Vereine aufzubauen, die zunächst Vaterländische Vereine genannt wurden.
Nach dem Scheitern des Heckerzuges wurden diese vaterländischen Vereine im Großherzogtum Baden am 4. Mai 1848 durch eine Verordnung<ref>Allerhöchst-landesherrliche Verordnung: Die Auflösung der s.g. Volksausschüsse (Comité's) oder Vereine und deren Verbot betreffend. In: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. XXXI. vom 5. Mai 1848, S. 143–144 (books.google.de).</ref> auf Basis eines Gesetzes von 26. Oktober 1833<ref>Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt, Nr. XXXVIII. vom 30. Oktober 1833, S. 209/210 (books.google.de).</ref> aufgelöst. Sofort nach der Auflösung der vaterländischen Vereine begannen Gustav Struve und Florian Mördes an deren Stelle Demokratische Vereine aufzubauen,<ref>Siehe Kurt Hochstuhl, Regine Schneider: Politische Vereine in Baden 1847–1849. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1998, S. 351–436, hier S. 369.</ref> die aber mit Verordnung vom 22. Juli 1848 auch gleich wieder verboten wurden.<ref>Unmittelbare allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs. In: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt. Nr. L. vom 23. Juli 1848, S. 273–274 (books.google.de).</ref>
Die Diskussion um die Grundrechte des deutschen Volkes und deren Verabschiedung durch die Frankfurter Nationalversammlung am 21. Dezember 1848 gaben den Volksvereinen neuen Auftrieb, da die dort verankerte Vereinsfreiheit<ref>Gesetz, betreffend die Grundrechte des deutschen Volks. [vom 27. Dezember 1848] § 30).</ref> die großherzogliche Regierung in ihrem einem weiterhin restriktiven Kurs gegen politische Vereine behinderte. Unter den radikalen Demokraten Badens gab es jedoch Diskussionen über das Vorgehen. Florian Mördes bemühte sich vergeblich in Diskussionen mit dem Centralmärzverein diesen zu Aktionen zum Schutz der Reichsverfassung zu bringen und den Anschluss der badischen Volksvereine an diesen Centralverein zu betreiben.<ref>Siehe Florian Mördes: Die deutsche Revolution. Mit besonderer Rücksicht auf die badische Revolutions-Episode, Schläpfer, Herisau 1849, S. 204–207 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Die Gruppe um Amand Goegg wollte sich nicht dem zögerlichen Centralverein anschließen und die badischen Volksvereine zur „Speerspitze der republikanischen Bewegung in Deutschland machen.“<ref>Kurt Hochstuhl, Regine Schneider: Politische Vereine in Baden 1847–1849. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1998, S. 351–436, hier S. 377/378.</ref> An Weihnachten 1848 startete Amand Goegg eine neue Initiative zum Aufbau einer landesweiten Organisation demokratischer Vereine.<ref>Kurt Hochstuhl, Regine Schneider: Politische Vereine in Baden 1847–1849. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1998, S. 351–436, hier S. 378.</ref> Bis Mai 1849 entstanden dann über 400 Volksvereine mit rund 35 000 Mitgliedern. Zudem waren zahlreiche Arbeiter- und Turnvereine als Filialvereine in die Organisation aufgenommen worden.<ref name="Goegg14">Amand Goegg: Rückblick auf die Badische Revolution. Unter Hinweisung auf die gegenwärtige Lage Deutschlands / von einem Mitgliede der Badischen constituirenden Versammlung. Verlag der Gesellschaft des Völkerbundes, Paris 1850, S. 14 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Der Landesausschuss war publizistisch sehr aktiv und gab neben vielen einzelnen Flugschriften auch die Wochenzeitung Flugblätter der Volksvereine heraus.<ref name="Goegg14" />
An Weihnachten 1848 startete Amand Goegg eine neue Initiative zum Aufbau einer landesweiten Organisation demokratischer Vereine.<ref>Kurt Hochstuhl, Regine Schneider: Politische Vereine in Baden 1847–1849. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1998, S. 351–436, hier S. 378.</ref> Bis Mai 1849 entstanden dann über 400 Volksvereine mit rund 35 000 Mitgliedern.
Die Organisationsstruktur der badischen Volksvereine orientierte sich am Verwaltungsaufbau des Staates. In den Amtsstädten wurden Bezirksvereine gegründet, die die örtlichen Volksvereine initiieren sollten. An der Spitze aller Volksvereine stand der Landesausschuss.
Mit der Volksversammlung am 13. Mai 1849 in Offenburg übernahmen die Volksvereine die Führung in der badischen Mai-Revolution.
Landesausschuss und Exekutivkommission
Am 12. Mai 1849 – einen Tag vor der Offenburger Volksversammlung – fand in Offenburg ein allgemeiner Landeskongress der badischen Volksvereine statt, wobei die Anträge an die Volksversammlung formuliert wurden. Bei der Volksversammlung am 13. Mai wurde aufgrund dieser Anträge auch ein Landesausschuss der Badischen Volksvereine als Führungsgremium gewählt, dem ab 14. Mai folgende 28 Personen angehörten:
- Lorenz Brentano
- Joseph Fickler
- Amand Goegg
- Joseph Ignatz Peter
- Maximilian Werner
- Eduard Rehmann, Offenburg<ref>Kurzbiografie bei Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, 1991, ISBN 3-7700-5164-5, S. 346.</ref>
- Philipp Stay, Heidelberg<ref>Kurzbiografie bei Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, 1991, ISBN 3-7700-5164-5, S. 350.</ref>
- Johann Baptist Willmann, Pfohren
- Karl Friedrich Philipp Steinmetz, Durlach<ref>Kurzbiografie bei Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, 1991, ISBN 3-7700-5164-5, S. 350.</ref>
- Heinrich Wernwag, Kenzingen<ref>Vorlage:LeoBW</ref>
- Franz Joseph Richter
- Georg Ludwig Degen, Mannheim<ref>Zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. B 795. Karlsruhe (Urtheil.) Nr. 4350, 1. Senat. In: Beilage zu Nr. 75 der Karlsruher Zeitung vom 29. März 1850.</ref>
- Karl Ritter, Karsau<ref>Zur Person siehe Heinrich Raab: Todesurteile der Kriegsgerichte in Baden nach der Revolution 1848/49. In: Clemens Rehm (Hrsg.): Baden 1848/49. Bewältigung und Nachwirkung einer Revolution (= Oberrheinische Studien, Band 20). Thorbecke, Stuttgart 2002, S. 149–150 Digitalisat der UB Heidelberg.</ref> (Soldat aus der Garnison Rastatt)
- J. Stark, Lottstetten (Soldat aus der Garnison Rastatt)
Als Ersatzmänner wurden gewählt (am 14. Mai zu ordentlichen Mitgliedern erklärt)
- Karl Heinrich Hoff, Mannheim<ref>Kurzbiografie bei Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, 1991, ISBN 3-7700-5164-5, S. 340.</ref>
- Gervas Torrent, Waldshut<ref>Gervas Torrent, Rechtspraktikant mit Schriftverfassungsrecht in Administrativ- und Justizsachen. 1850 in Abwesenheit zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt.</ref>
- Karl von Rotteck
- Heinrich Happel, Mannheim<ref>Kurzbiografie bei Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, 1991, ISBN 3-7700-5164-5, S. 339.</ref>
- Damian Junghanns
- Christian Friedrich Kiefer
- Aurelius Cordel, Philippsburg (Ersatzmann der Soldaten)
- Sebastian Bannwarth, Bleichheim (Ersatzmann der Soldaten)
nachträglich am 14. Mai kooptiert:
- Gustav Struve
- Emil Barbo, Emmendingen<ref>Vorlage:LeoBW</ref>
- Carl Damm
- Hanneka (Dragonerwachtmeister)
- Philipp Adam Thibauth, Ettlingen<ref>Kurzbiografie bei Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, 1991, ISBN 3-7700-5164-5, S. 351.</ref>
- Karl Theodor Ziegler, Karlsruhe<ref>Kurzbiografie bei Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, 1991, ISBN 3-7700-5164-5, S. 355.</ref>
Am 15. Mai wählte der Landesausschuss eine Exekutivkommission, die die Regierungsgeschäfte übernahm.<ref>Siehe Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, 1991, ISBN 3-7700-5164-5, S. 21.</ref>
| Amt | Name |
|---|---|
| Vorsitzender<ref>Der Vorsitzende des Landesausschusses der Volksvereine, Lorenz Brentano, übernahm die Leitung der Ressorts des Inneren und des Äußeren.</ref> | Lorenz Brentano |
| Finanzen | Amand Goegg |
| Justiz | Joseph Ignatz Peter |
| Krieg | Karl Eichfeld vom 14. Mai 1849 bis zum 26. Mai 1849; Stellvertreter August Mersy. |
| Franz Sigel vom 26. Mai 1849 bis zum 13. Juni 1849 |
Literatur
- Revolution im Südwesten. Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft hauptamtlicher Archivare im Städtetag Baden-Württemberg, 2. Auflage, Karlsruhe 1998, ISBN 3-88190-219-8.
- Kurt Hochstuhl, Regine Schneider: Politische Vereine in Baden 1847–1849. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1998, S. 351–436.
- Sonja-Maria Bauer: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849, Düsseldorf 1991.
Einzelnachweise
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