Von 1972 bis 1978 hat Hildebrandt Kunstgeschichte und Sonderpädagogik in Bonn und Köln studiert. Anschließend bezog er ein Atelier in Duisburg, wo er bis 1988 blieb. Seitdem wohnt und arbeitet Hildebrandt in Köln. 1992 erhielt er den Kunstpreis der Anker Bank Köln.
Werk
Ende der 1970er Jahre ist das Werk Volker Hildebrandts der Konzeptkunst zuzuordnen; mit den Mitteln der Sprache erfolgt eine Auseinandersetzung mit Raum und Zeit. Anfang der 1980er Jahre wendet sich Hildebrandt verstärkt den elektronischen Medien Fernsehen, Computer und Bildschirmtext (BTX) zu, später auch Video, um in seiner Kunst die für diese Geräte typischen Verfahren der Bilderstellung kritisch zu überprüfen. Die Auseinandersetzung mit der Struktur und den Produktionsweisen medialer Bilder ist ein wesentlicher Aspekt seiner Kunst. Auch die Wahrnehmung und Rezeption von Medienikonen aus Film, Kunst, Sport und Politik macht einen großen Teil seiner künstlerischen Arbeit aus.
Nach der Einführung des BTX in Deutschland 1983 war Hildebrandt der erste deutsche Künstler, der das neue Medium zur Übertragung einer immateriellen Ausstellung von eigens dafür konzipierten Kunstwerken verwendete (Bildstörung – Hildebrandt, 1983; BTX Dance, 1983; Hotel Rasputin, 1989) und diese damit vielen Rezipienten unabhängig von ihrem Aufenthaltsort simultan zugänglich machte.
1983 hat Volker Hildebrandt sich außerdem erstmals mit dem Phänomen der Bildstörung im Fernsehen auseinandergesetzt, in dessen Unbestimmtheit alle denkbaren Bilder als Möglichkeit enthalten sind (BTX-Ausstellung, 1985). Das Schneetreiben der weißen, grauen und schwarzen Punkte übersetzt Hildebrandt seitdem in pastos aufgetragene, materiell greifbare Malerei, mit der er Leinwände (Ausstellungen Pictory, 1994), Objekte (TV-Baby, 1998) und räumliche Installationen (Rosa Raum, 1985; Rosa Schnecke, 1986; Rosa Zimmer, 1997) überzieht. Dabei spielt die Einbeziehung von Sprache erneut eine Rolle, was insbesondere bei der Arbeit mit Tageszeitungen zum Ausdruck kommt (Ausst. spektakuleer, 1991): auf den mit flirrenden Punkten überzogenen Zeitungsseiten geben einzig die freigelassene Überschriften einen ironischen Kommentar zum ansonsten inhaltsleeren Farbauftrag.
Vergleichbar mit dem Phänomen der Bildstörung sind für Hildebrandt in den 1990er Jahren die verschlüsselten Bilder des Pay-TV, die nur unscharf das Gezeigte erkennen lassen und damit laut Hildebrandt im Unterschied zu herkömmlichen Fernsehbildern die Phantasie der Betrachter anregen, insbesondere bei der codierten Übertragung von Pornofilmen (Kiss, 1998; Moodoo, 1999).
Die hierbei schon angelegte Beschäftigung mit der bildlichen Konstruktion der Wahrnehmung durch die Massenmedien führt Volker Hildebrandt in der Reihe der VIPs fort. In ihre Einzelteile zersplitterte Sequenzen von Film- oder Videoaufnahmen berühmter Stars legen einerseits den Prozess der Bilderstellung offen, ergeben andererseits – im kleinen Format rasterförmig aneinandergereiht – ein völlig neues, von weitem nicht mehr zu entzifferndes Bild. Umgekehrt überträgt Hildebrandt beispielsweise die fotografischen Porträts der deutschen Kanzler (2005) in eine pointillistische Graumalerei, die erst aus der Ferne ein erkennbares Bild ergeben.
Seit 2000 arbeitet Volker Hildebrandt auch mit und in den Medien Film (Kill Bill Still, 2007) und Video (M dna, 2002). 2008 stellt er einen Antrag an das Welterbe-Komitee der UNESCO, das Phänomen Bildstörung in die Liste der schützenswerten Güter aufzunehmen und zum Welt-Kulturerbe zu erklären.