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Vojtěch Náprstek

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Datei:Vojtěch Náprstek 1848.jpg
Vojtěch Náprstek um 1848
Datei:Vojtěch Náprstek Mutter Anna.jpg
Mutter Anna Fingerhutová
links Sohn Ferdinand, rechts Vojta
Datei:Vojta Náprstek – Jan Vilímek – České album.jpg
Vojtěch Náprstek um 1885
Zeichnung von Jan Vilímek

Vojtěch Náprstek, eigentlich Adalbert Fingerhut (* 17. April 1826 in Prag, Kaisertum Österreich<ref>Geburtenbuch Prag St. Gallus, tom. IX, pag. 137 (Faksimile)</ref>; † 2. September 1894 ebenda<ref name=":0">Vojta Náprstek †. In: Montags-Revue aus Böhmen. Wochenschrift für Politik, Volkswirthschaft, Kunst und Literatur / Montagsblatt (Montags-Revue) aus Böhmen / Montagsblatt aus Böhmen, 3. September 1894, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/mbb</ref>) genannt Vojta Náprstek, war ein Philanthrop, Ethnologe, Buchhändler, Gründer eines Museums und eine bedeutende Persönlichkeit im öffentlichen Leben Böhmens.<ref>Alena Škodová: Vojta Náprstek; Český rozhlas</ref><ref>Verlag Dr. C. Müller-Straten: Náprstek (eigentlich: Fingerhut), Vojtěch</ref>

Leben

Er stammt aus einer alten Prager Familie. Sein Vater war Anton Fingerhut, Mutter Anna.

Schon als Jugendlicher beschäftigte er sich mit asiatischen und orientalischen Kulturen. Zunächst absolvierte er ein klassisches Gymnasium. Dann studierte er an der Prager Universität Philosophie, aber die Mutter schickte ihn zum Jura-Studium nach Wien, wo er als Erzieher in einer adeligen Familie seinen Lebensunterhalt verdiente.

Nach seinem juristischen Studium in Wien, wo er sich an der Revolutionsbewegung im Jahre 1848 aktiv beteiligte, verbrachte er zehn Jahre als Emigrant in den Vereinigten Staaten von Amerika.<ref>Wikisource: Die sociale und politische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten</ref> Dort arbeitete er zuerst als Tagelöhner und Steinmetz, dann etablierte er sich als Buch- und Papierhändler in Milwaukee (Wisconsin). Später wurde Übersetzer für slawische Sprachen und Notar. 1856 organisierte er die erste Zusammenkunft der in Amerika lebenden Tschechen.

1858 kehrte er nach Prag zurück und brachte nicht nur technische Neuerungen, sondern auch ethnografische Expositionen und Gegenstände des täglichen Bedarfs mit. Er machte diese Dinge allen Menschen zugänglich und verfolgte damit die Öffnung Prags zu asiatischen, afrikanischen und amerikanischen Kulturen. Er sammelte nicht nur Gegenstände, sondern auch Bücher, Zeitschriften, Postkarten, Drucke, historische Fotografien von Tschechen und ihren Familien, die ausgewandert waren, sowie Grammophon-Platten. Diese Materialien (über 62.000 verschiedene) werden heute in der Bibliothek des Náprstek-Museums aufbewahrt und für Ausstellungen und Publikationen aufbereitet.

Die Entwicklung des Vojta Náprstek zum mildtätigen und die Volksbildung vorantreibenden Menschen wurde insbesondere von seiner Mutter befördert.<ref>Martina Schneibergová: Anna Fingerhutová (Náprstková) und das Haus „U Halanků“; Český rozhlas</ref> Anna Fingerhutová (1788–1873), Inhaberin der Bier- und Branntweinbrauerei „U Halánků“, war bekannt als wohltätige Frau und Mäzenin Prags. Regelmäßig ließ sie Brot und Geld unter den Armen verteilen. Gleichzeitig bemühte sie sich auch um eine entsprechende Entwicklung der Bildung. Dank ihrer Bemühungen fanden regelmäßige Treffen des sogenannten „amerikanischen Damenklubs“ statt. Ihr finanzielles Vermächtnis ermöglichte ihrem Sohn Vojta, das Náprstek-Museum zu gründen. Náprstek selbst sorgte dafür, dass die Gedanken und Ideen seiner Mutter weitergeführt wurden. Er war ein großer Anhänger der ökonomischen Selbständigkeit der Frau. Er wusste, dass die Voraussetzungen dafür jedoch bestimmte Kenntnisse und Bildung sind. In seinem Hause trafen sich regelmäßig führende tschechische Politiker, Wissenschaftler, Künstler, Literaten, Musiker und reisende Forscher.

1. Juni 1888 gründete er mit Vilém Kurz den Klub Tschechischer Touristen (Klub českých turistů; KČT).

Vojta Náprstek starb in der Nacht vom 1. auf 2. September 1894 in Prag.<ref name=":0" />

Leistungen

Museum

Das Museum wurde im Jahre 1862 unter dem Namen „Tschechisches Industrie-Museum“ von Vojta Náprstek gegründet. Die Sammlungen umfassen mehr als 95.000 Exponate aus dem alten Vorderen Osten, Afrika, Amerika, Asien, Australien und Ozeanien.

Bibliothek

Zu Náprsteks Lebzeiten hatte seine Bibliothek einen universalen Charakter und orientierte sich an zeitgenössischer Fachliteratur. Im Jahre 1900 umfasste der Bestand ca. 47.000 Einheiten. Heute sind es 200.000.<ref>Michaela Mautrich: Bibliothekarische Impressionen aus der „Goldenen Stadt“ an der Moldau EDBI</ref><ref>Die Virtuelle Fachbibliothek b2i: Náprstek-Museum für asiatische, afrikanische und amerikanische Kulturen - Bibliothek</ref>

In seinem Nachlass vermachte Náprstek das Museum und die Bibliothek dem böhmischen Volk. Beide wurden unter die Obhut eines Kuratoriums in Prag gestellt. Das Museum setzte die Sammeltätigkeit des Gründers fort, mit dem Schwerpunkt auf außereuropäische Völkerkunde. So entwickelte sich aus dem ursprünglichen Gewerbemuseum ein Museum der Völkerkunde.

Im Jahre 1932 wurden das Museum und die Bibliothek unter Landesverwaltung gestellt, und seit 1949 bilden sie eine selbständige Abteilung des Nationalmuseums (Národní muzeum) in Prag. Die heutige Bezeichnung Náprstek-Museum für asiatische, afrikanische und amerikanische Kulturen trägt das Museum seit 1962.

Kämpfer für Frauenrechte

Er war auch ein früher Kämpfer für Frauenrechte, engagierte sich für das Frauenwahlrecht, für Bildung und Weiterbildung von Frauen, und deren finanzielle Unabhängigkeit. Außerdem stellte er seinen Salon in seinem Geburtshaus zur Verfügung, damit sich dort Frauen im „Amerikanischen Club der tschechischen Damen“ zu Vorlesungen über Politik, Kultur und Wirtschaft treffen konnten. Der Club organisierte auch Besuche in Museen, Fabriken und landwirtschaftlichen Betrieben. Unterstützerinnen des Clubs waren u. a. die Schriftstellerinnen Božena Němcová, Karolina Světlá und Eliška Krásnohorská.<ref>Friedrich Goedeking: Emanzipation dank Nähmaschine. Abgerufen am 14. Dezember 2020.</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Vojtěch Náprstek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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