Viminatium
Viminatium oder Viminacium, auch als Stari Kostolac oder manchmal auch als „Pompeji Serbiens“ bezeichnet, war in der Antike zwischen dem 1. und 6. Jahrhundert eine bedeutende Grenzstadt der römischen Provinz Moesia.
Viminatium gehörte zu den größeren römischen Städten auf der Balkanhalbinsel und war das Hauptlager der römischen Legio VII Claudia. Die archäologische Fundstätte liegt ähnlich wie Carnuntum in Österreich im freien Gelände und ist nicht durch eine moderne Stadt überbaut, was großflächige Untersuchungen ermöglicht.
Im ehemaligen Stadtgebiet befindet sich ein großes Amphitheater und das Mausoleum des römischen Kaisers Hostilian († 251). Weiter befindet sich auf dem Gebiet ein Mammut-Park. In der Umgebung der Stadt fanden in der ausgehenden Spätantike die Schlachten von Viminacium statt.
Lage
Viminatium war ein Stützpfeiler der römischen Verteidigung gegen von Norden einfallende Barbarenvölker. Sie lag in der Nähe des heutigen Kostolac bei Požarevac im östlichen Serbien, etwa 90 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt Belgrad. Hier traf die Via Militaris auf den Donauweg, welcher Sirmium über Viminatium entlang der Donau mit Dorostorum und Troesmis verband.
Geschichte
Die Siedlung neben dem Lager erlangte während der Herrschaft Hadrians (117–138) den Status eines Municipium, wodurch sie ein gewisses Maß an Autonomie erhielt. Unter der Herrschaft Gordians III. (239) wurde die Stadt in den Stand einer Kolonie römischer Bürger erhoben und erhielt das Recht, lokale Münzen zu prägen. Dies war der höchste Rang, den eine Stadt zu Zeiten des römischen Imperiums erreichen konnte. Viminacium wurde außerdem häufig als Sammelstelle für Truppen und Ausgangspunkt für Feldzüge genutzt.
Im 3. Jahrhundert erlebte die Stadt einen Niedergang infolge der Pest. Im Anschluss an die Morde nach dem Tod Konstantins des Großen trafen sich hier die Kaisersöhne Konstantin II., Constantius II. und Constans, um das Reich unter sich aufzuteilen. Dieses Treffen ist auch als Konferenz von Viminatium bekannt. Um 400 wurde Viminatium von Goten gebrandschatzt, um 440 von Hunnen. Ob die Stadt bereits durch Anastasios I. oder erst unter Justinian wieder aufgebaut und in den Festungsgürtel an der Donau einbezogen wurde, ist nicht bekannt.
584 wurde die Stadt von den Awaren zerstört, doch gelang dem oströmischen Feldherrn Priscus während der Balkanfeldzüge des Maurikios ausgerechnet auf dem nördlichen Donauufer gegenüber von Viminatium 599 erstmals ein großer Sieg über die Awaren in deren eigenem Land. So schuf er die Grundlage für den zunächst noch nicht erkennbaren Niedergang der awarischen Vormachtstellung in Südost- und Osteuropa. Auf ein spätantikes Bistum der Stadt geht das Titularerzbistum Viminacium der römisch-katholischen Kirche zurück.
Ausgrabungen
Römische Funde
Bereits im 19. Jahrhundert begannen in Viminacium erste archäologische Untersuchungen. Zu den bedeutenden Funden gehört der 1899 geborgene Schatz von Viminacium. Intensiviert wurden die Ausgrabungen dann in den letzten 25 Jahren des 20. Jahrhunderts, die bis heute andauern. Bis heute wurden auf dem Gebiet der alten Stadt etwa 14.000 Gräber freigelegt und über 30.000, teils sehr gut erhaltene Objekte aus der römischen Kaiserzeit geborgen. Sie wird deshalb manchmal auch „Pompeji Serbiens“ genannt. Unter anderem wurde die Grabstätte des römischen Soldatenkaisers Hostilian identifiziert. Er wurde 251 nach dem Tod seines Vaters Decius zusammen mit Trebonianus Gallus zum römischen Kaiser proklamiert, regierte nur wenige Monate und starb noch 251 an der Pest. Sein Leichnam wurde vor der Stadt verbrannt und an Ort und Stelle mit ebenfalls verbrannten Beigaben beigesetzt. In der Stadt befand sich eine bedeutende Münzstätte des 3. Jahrhunderts nach Christus, die vor allem Kupfermünzen für den militärisch wichtigen nördlichen Balkanraum prägte.
In den letzten Jahren legte man besonders Wert auf die Erkundung des Amphitheaters, welches fast so groß wie die heutige Belgrader Štark-Arena sein soll. „Wir haben einen Raum von fast 400 Hektar zur Erkundung, wobei wir bloß zwei Prozent des Viminatiums bisher ausgegraben haben“, so der Direktor in Viminatium Miomir Korać. Es wird bewertet, dass Viminatium sehr schnell von Millionen von Touristen besichtigt werde könnte.<ref name="voiceofserbia"/> 2013 wurden hier unter anderem die Überreste eines Kamels aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. entdeckt. Teile der Ausgrabungsstätte sind für Besucher und Touristen in Serbien bereits zugänglich.
2020 wurden im Kohletagbau Drmno mehrere Schiffe gefunden, die nach vorläufigen Untersuchungsergebnissen aus der Zeit vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis in das 17. Jahrhundert datieren. Ein befahrbarer Donauarm muss daher in diesen Epochen nahe Viminacium verlaufen sein; bei Auffindung lagen die gesunkenen Schiffe mehr als 7 m in der Erde.<ref name="Mrdic2022"/><ref name="n-tv_Schiff"/>
Mammutfunde
Im Jahr 2009 wurden im Drmno-Tagebaurevier in unmittelbarer Nähe der Ausgrabungsstätte in 27 Metern Tiefe das nahezu unversehrte Skelett eines „Vika“ genannten 50 bis 60 Jahre alten Steppenmammuts (Mammuthus trogontherii) entdeckt, nur ein Stoßzahn und der linke Kiefer wurden dabei von einer Baggerschaufel teilweise zerstört sowie einige Rippenknochen beschädigt. Das Tier war etwa 4,5 Meter groß (vier Meter hoch und 5 Meter lang) und wog etwa 10 Tonnen. Das Alter des Fossils wurde zunächst grob auf etwa 1 bis 5 Millionen Jahre geschätzt.<ref name="voiceofserbia"/><ref name="welt"/><ref name="telegraph"/><ref name="blic"/> Nach anderen Quellen war das am 28. Mai 2009 in 27 m Tiefe gefundene Steppenmammut etwa 62 Jahre alt und muss etwa 9,5 (9,4 bis 9,7) Tonnen gewogen haben. Nur der linke Schädel und die Stoßzähne wurden bei der Bergung beschädigt. Das Skelett ist etwa 4 m hoch, der Fund datiert in das Alt- bis Mittelpleistozän und ist zwischen 1 Million und 400.000 Jahre alt. Nach dieser Quelle war das Exemplar männlich.<ref name="Lister2012"/>
Im Jahr 2012 wurde zunächst die Entdeckung eines weiteren Mammuts an derselben Lokalität bekannt.<ref name="voiceofserbia"/> Es stellte sich alsbald heraus, dass man auf einen ganzen Mammutfriedhof von großer wissenschaftlicher Bedeutung gestoßen war. Die Fossilien fanden sich in Gruppen im Abstand von jeweils etwa 30 Metern,<ref name="rts"/><ref name="telegraph"/> so dass man auf bis zu sieben Mammut-Skelette schließen konnte.<ref name="telegraph"/> Man erwartete daher zusätzlich zu den bis dahin gefundenen Exemplaren Vika und Nosko fünf bis sechs weitere Individuen; eines davon war nur ca. 10 Meter vom Fundort von Vika entfernt.<ref name="telegraph"/><ref name="rts"/> Vier der nach Vika gefundenen Exemplare waren männliche Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) und viel jünger: ca. 180.000 Jahre (bzw. 126.000–10.000<ref name="rts"/>). Drei der nach Vika und Nosko gefundenen Individuen wurden Trbuško, Mapi und Džomla getauft,<ref name="blic"/> insgesamt also fünf. Diese stammen aber aus Lössschichten des oberen Pleistozäns und sind daher vorläufig auf zwischen 126.000–10.000 Jahre vor Chr. bestimmt.<ref name="rts"/> Die Tiere könnten in einem Sumpfgebiet,<ref name="welt"/> auf einer Insel im Pannonischen See,<ref name="telegraph"/> oder im Morava-Delta am sich zurückziehenden Pannonischen See<ref name="blic"/> ihr Ende gefunden haben. Die Bedeutung dieses Mammutfriedhofs ergibt sich daraus, dass bis dato weltweit nur etwa zwanzig bis dreißig Mammuts gefunden wurden, die meisten davon im 19. Jahrhundert und überwiegend in Sibirien<ref name="voiceofserbia"/><ref name="blic"/> inklusive der Wrangelinsel.
Im Juni 2014 wurde die Präsentation der Funde im ersten Mammutpark in Europa eröffnet.<ref name="serbiennachrichten"/><ref name="futuring"/> Das 2009 gefundene Exemplar Vika (kyrillisch Вика)<ref name="ancient-origins"/> befindet sich am Fundort etwa 30 Meter unter der Erde<ref name="mamut-park"/> auf einer überdachten Fläche von 1.200 Quadratmetern (unterirdischer Teil). Der gesamte Mammutpark soll einmal eine Fläche von 10.000 m² umfassen.<ref name="Nikolic2019" /> Damit wollte man das Ambiente beibehalten, in dem das Steppenmammut hunderttausende von Jahren begraben lag. Neben diesem Steppenmammut beinhaltet es noch vier weitere Mammuts. Vika ist das einzige Mammutskelett bzw. diese fünf sind die einzigen Mammuts, die direkt am Fundort ausgestellt sind, denn alle anderen befinden sich in Museen weit von ihren Fundorten entfernt.
Weblinks
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Einzelnachweise
<references> <ref name="n-tv_Schiff"> "Erstaunlich gut erhalten": Kohleabbau legt über 1500 Jahre altes Schiff frei. Auf: n-tv.de vom 3. August 2023. </ref> <ref name="voiceofserbia"> Internationales Radio Serbien: Wertvolle Entdeckung – Ein weiteres Mammut in Viminatium. Auf: Voice of Serbia, 8. Juni 2012. Memento im Webarchiv vom 19. August 2014. </ref> <ref name="ancient-origins"> Ed Whelan: Viminacium: Where Mammoths Roamed and Romans Ruled. Auf: Ancient Origins (ancient-origins.net) vom 3. Oktober 2019 ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}). </ref> <ref name="blic"> Na ovom mestu u Srbiji možete se družiti sa PRAVIM MAMUTOM . Auf: Blic (blic.rs), 17. November 2017. An diesem Ort in Serbien können Sie mit einem ECHTEN MAMMUT ihre Zeit verbringen (Übersetzung mit Google Translate). </ref> <ref name="futuring"> Viminacium: Mamut park, 3D-Präsentation auf futuring.rs </ref> <ref name="mamut-park"> Mamut park (Übersicht), Details: Mamut park (serbisch), Mammutpark (Übersetzung durch Google Translate). </ref> <ref name="rts"> Откривено „читаво крдо“ мамута! (serbisch). In: Radio-televizije Srbije (rts.rs), 13. Juni 2012. Memento im Webarchiv vom 11. September 2012. </ref> <ref name="serbiennachrichten"> V. Simovic: Mammut-Park in Viminacium eröffnet! Auf: Serbien Nachrichten (serbiennachrichten.com) vom 30. Juni 2014. </ref> <ref name="telegraph"> Mammoth graveyard discovered in Serbia. In: The Telegraph, 28. Juni 2012. Memento im Webarchiv vom 19. September 2012. </ref> <ref name="welt"> Thomas Roser: Mächtiges fossiles Mammut in Serbien entdeckt. In: Die Welt Online, 6. Juli 2009. </ref> <ref name="Lister2012"> Adrian M. Lister, Vesna Dimitrijević, Zoran Marković, Slobodan Knežzević, Dick Mol: A skeleton of ‘steppe’ mammoth (Mammuthus trogontherii (Pohlig)) from Drmno, near Kostolac, Serbia. Quaternary International 276–277, 2012, S. 129–144, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}. </ref> <ref name="Mrdic2022"> Nemanja Mrđić: Eine überraschende Entdeckung. Die Schiffsfunde aus Viminacium in Serbien. In: Antike Welt, Band 53, Ausgabe 1, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2022, S. 26–29. </ref> <ref name="Nikolic2019"> Emilija V. Nikolić: Creation of the Mammoth Park at Viminacium, Serbia. In: Geoheritage, Band 11, S. 935–947, 4. Januar 2019; doi:10.1007/s12371-018-00345-y. </ref> </references>
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