Villa Willmer
Die Villa Willmer (auch: Tränenburg oder „Rittergutshaus Döhren“) war ein schlossartiges Gebäude in Hannover. Standort der im 19. Jahrhundert erbauten und 1971 abgerissenen „prächtigsten und größten Villa der klassischen Hannoverschen Architekturschule“<ref name="SLH Tränenburg">Helmut Knocke: Tränenburg (siehe Literatur)</ref> war die Hildesheimer Straße Ecke Güntherstraße<ref name="SLH Willmer">Waldemar R. Röhrbein: Willmer, Friedrich. In: Stadtlexikon Hannover, S. 680</ref> im Stadtteil Waldhausen,<ref name="SLH Tränenburg" /> das Gelände des heutigen Parkplatzes nahe dem Döhrener Turm.<ref name="Lindau">Friedrich Lindau: Villa Willmer, im Volksmund „Tränenburg“ genannt. Ein bedeutendes Bauwerk ... (siehe Literatur)</ref><ref>Anmerkung: Die Ortsangabe erschließt sich auch mittels der Geokoordinaten (oben rechts über diesem Artikel, dort anklicken und dann einen Geodienst-Anbieter auswählen)</ref>
Geschichte
Hintergründe und Entstehung
Die Villa entstand auf dem Hintergrund der Biographie des Unternehmers Friedrich Willmer. Dieser hatte durch Heirat und Schenkung eine Ziegelei an der Hildesheimer Straße erworben, deren Gelände er durch Zukäufe kontinuierlich vergrößerte. Nachdem er 1878 die Ritterschafts-Stimme des Gutes „Luttmersen II“ erworben hatte, gab er seinem Grundbesitz zunächst den Namen „Rittergut Döhren II“, ab 1894, in Abgrenzung zu seinem Konkurrenten, dem Ziegeleibesitzer Carl Georg Fiedeler, den Namen „Rittergut Waldhausen“.<ref name="SLH Willmer" />
Um seinen sozialen Aufstieg Ausdruck zu verleihen, mangelte es Friedrich Willmer an einem repräsentativen und möglichst weithin sichtbaren Herrenhaus.<ref name="Lindau" /> Auf Anregung des Architekten Conrad Wilhelm Hase hatte Willmer die Herstellung von Verblend- und Formsteinen sowie Terrakotten in sein eigenes Ziegelei-Programm aufgenommen. Nun beauftragte er Carl Börgemann,<ref name="SLH Willmer" /> einen Schüler von Hase,<ref>Helmut Knocke: Börgemann, Karl. In: Stadtlexikon Hannover, S. 72</ref> mit dem Bau des gewünschten „Schlosses“ mit den eigenen Ziegeln.<ref name="SLH Willmer" />
kolorierte Ansichtskarte
So entstand von 1884 bis 1886<ref name="SLH Tränenburg" /> an der Hildesheimer Chaussee 2 (später: Hildesheimer Straße 200),<ref name="Lindau" /> auf dem später bis auf mehr als 106 Hektar vergrößerten Grundstück,<ref name="SLH Willmer" /> doch weit entfernt vom Lärm der eigenen Ziegelei,<ref name="Lindau" /> die „Tränenburg“. Den Spitznamen für die Villa mit ihren rund 75 Zimmern vergab der Volksmund „wohl wegen Willmers harter Behandlung seiner Arbeiter“:<ref name="SLH Tränenburg" /> Nach anderen Quellen soll Willmer beauftragte Handwerker dermaßen im Preis für Lieferungen und Leistungen gedrückt haben, dass ihnen „die Tränen kamen“.<ref name="Lindau" />
Wiederaufbaujahre und Zerstörung
1970 in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
Die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg hatte die Tränenburg vergleichsweise unbeschadet überstanden. Stattdessen fiel sie 1971 der Abrissbirne zum Opfer, wegen eines seinerzeit noch fehlenden Denkmalschutzgesetzes für das Land Niedersachsen – und wegen des Stadtbaurates Rudolf Hillebrecht: Der Bund Deutscher Architekten hatte in den Wiederaufbaujahren der Nachkriegszeit einen Ersatz für die fehlende Gesetzgebung vorgelegt in Form eines Satzungsentwurfes für den Rat der Stadt Hannover. Dem Entwurf war 1964 eine detaillierte Liste schützenswerter Bauten beigefügt, darunter die Villa Willmer. Hillebrecht hatte eine solche Schutzregelung jedoch verhindert, um der „Neugestaltung unserer Stadt“ keinerlei Einschränkungen entgegenzusetzen. Nachdem die Erben von Friedrich Willmers Tränenburg die Villa 1970 an die Hannoversche Industrie- und Wohnungsbaubetreuungs-Gesellschaft Wolf KG verkauft hatten, stellte diese nun den Antrag auf Abriss zwecks Baus neuer Appartementwohnungen. Nun erklärte Hillebrecht, „ihm [fehle] jegliche baurechtliche Handhabe“ zur Verhinderung des Abrisses. Immerhin konnte etwa der Bauhistoriker Günther Kokkelink in buchstäblich „letzter Minute“ noch einige Fotos für die Nachwelt aufnehmen von der Stelle, an der sich heute ein Parkplatz befindet.<ref name="Lindau" />
Siehe auch
Literatur
- Günther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland. Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850–1900. Schlüter, Hannover 1998, ISBN 3-87706-538-4, S. 139
- Friedrich Lindau: Villa Willmer, im Volksmund „Tränenburg“ genannt. Ein bedeutendes Bauwerk der Hannoverschen Architekturschule und seine Vernichtung. In: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen Identität, Schlütersche, Hannover 2001 (2. Auflage), ISBN 3-87706-607-0, S. 215–251; detailreich bebildert und beschrieben, großteils online über Google-Bücher
- Helmut Knocke: Tränenburg. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 626.
- Sebastian Scherer: „Villa Willmer“ wird nur „Tränenburg“ genannt auf der Seite der Neuen Presse vom 15. September 2009, zuletzt abgerufen am 14. Dezember 2025
Weblinks
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Einzelnachweise und Anmerkungen
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