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Vielsamiger Gänsefuß

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Vielsamiger Gänsefuß
Datei:Chenopodium polyspermum sl1.jpg

Vielsamiger Gänsefuß (Lipandra polysperma)

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Atripliceae
Gattung: Lipandra
Art: Vielsamiger Gänsefuß
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lipandra
Moq.
Wissenschaftlicher Name der Art
Lipandra polysperma
(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch

Der Vielsamige Gänsefuß<ref name="BotanikBild_FloÖLS" /><ref name="FloraWeb" /> (Lipandra polysperma, Syn.: Chenopodium polyspermum)<ref name="GRIN" /> ist die einzige Pflanzenart der Gattung Lipandra innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Er ist in Europa, Westasien<ref name="GRIN" /> weitverbreitet und in Nordamerika ein Neophyt.

Beschreibung

Datei:Chenopodium polyspermum Sturm28.jpg
Illustration aus Sturm
Datei:Neuchâtel Herbarium - Chenopodium polyspermum - NEU000004647.jpg
Herbarbeleg
Datei:Chenopodium polyspermum 2005.08.21 15.18.04-p8210049.jpg
Blütenstand
Datei:Chenopodium polyspermum close up 1 AB.jpg
Fruchtstand und Blätter
Datei:Chenopodium polyspermum sl12.jpg
Fruchtstand
Datei:Chenopodium polyspermum sl2.jpg
Früchte

Vegetative Merkmale

Der Vielsamige Gänsefuß ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 8 bis<ref name="FloraWeb" /> meist 15 bis 60, selten bis zu 100 Zentimetern erreicht.<ref name="BotanikBild_FloÖLS" /> Der vierkantige Stängel ist oft rötlich überlaufen. Die Stängel können sowohl aufrecht als auch niederliegend bis aufsteigend wachsen und sind oft von der Stängelbasis an meist stark sowie weit ausladend verzweigt.<ref name="BotanikBild_FloÖLS" /><ref name="FloraWeb" /> Die oberirdischen, hell- oder dunkelgrünen Pflanzenteile sind weder behaart noch mehlig bestäubt und fast geruchlos, nicht stinkend. Im Herbst ist oft auch die ganze Pflanze rot gefärbt.<ref name="BotanikBild_FloÖLS" /> Die Wurzeln reichen bis zu 85 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die untersten Laubblätter sind gegenständig und die oberen wechselständig. Die Laubblätter sind deutlich gestielt. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 4 bis 8 (3 bis 10) Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 4 (1,5 bis 6) Zentimetern breit-eiförmig-rhombisch bis länglich-elliptisch-eiförmig mit gerundetem oberem Ende.<ref name="BotanikBild_FloÖLS" /> Die Blattspreiten des Vielsamigen Gänsefußes sind im Gegensatz zu denen der meisten anderen Gänsefuß-Arten vollkommen ganzrandig. Der Blattrand ist (besonders bei Jungpflanzen) oft deutlich rot.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" /> Die Laubblätter haben anfangs oft eine frisch grüne bis gelblichgrüne Farbe, später sind sie oft mehr oder weniger rot gefärbt.

Generative Merkmale

Die Blütezeit liegt hauptsächlich im Hochsommer<ref name="FloraWeb" /> und reicht von Juni bis August oder September.<ref name="BotanikBild_FloÖLS" /> Die end- und seitenständigen ährigen Blütenstände bestehen aus kugeligen Teilblütenständen, die jeweils mehrere Blüten enthalten. Die grünlichen bis rötlichen Blüten sind zwittrig oder rein weiblich. Die selten vier oder meist fünf hautrandigen und ungekielten Blütenhüllblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen. In zwittrigen Blüten sind ein bis drei, selten bis zu fünf Staubblätter vorhanden. Der Fruchtknoten hat einen sehr kurzen, fast fehlenden Griffel und trägt zwei Narben.<ref name="Aellen1979" />

Die rötlichbraunen bis dunkelbraunen Nussfrüchte sind etwa 1 Millimeter breit und im offen stehenden, zur Fruchtzeit unveränderten Perigon sichtbar. Die Fruchthülle ist häutig. Der horizontal stehende Same ist rundlich bis flach-kugelförmig.<ref name="Fuentes 2012" /> Die braune bis schwarze Samenschale ist gerillt<ref name="Fuentes 2012" /> und fein grubig punktiert<ref name="FloraWeb" />.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegt Diploidie vor mit einer Chromosomenzahl von 2n = 18.<ref name="IPCN" /><ref name="FloraWeb" />

Ökologie

Beim Vielsamigen Gänsefuß handelt es sich um einen hygromorphen Therophyten.<ref name="FloraWeb" />

Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.<ref name="FloraWeb" />

Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch Wasser oder den Wind.<ref name="FloraWeb" />

Vorkommen

Der Vielsamige Gänsefuß kommt in Europa und den gemäßigten Gebieten Westasiens vor. In verschiedenen Gebieten Nordamerikas ist er ein Neophyt. In Europa kommt er in fast allen Ländern vor; er fehlt nur in Island.<ref name="Euro+Med" /> Er steigt im Kanton Wallis bis 1230 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Aellen1979" />

Der Vielsamige Gänsefuß wächst in Mitteleuropa an nährstoffreichen, nicht zu trockenen Standorten, beispielsweise an Ufern von langsam fließenden oder stehenden eutrophen Gewässern. Dort ist er eine der Charakterarten der Pflanzengesellschaften der Knöterich-Uferflur-Gesellschaften (Polygono-Chenopodietalia), besonders des Chenopodio-Oxalidetum fontanae und der Zweizahn-Teichufer-Gesellschaften (Bidentetalia tripartitae), aus dem Verband Chenopodion rubri.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Außerdem findet man ihn zum Beispiel auf nicht zu trockenen Äckern, an frischen Ruderalstellen oder als „Unkraut“ in Gärten.

Systematik

Die Erstveröffentlichung als Chenopodium polyspermum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.<ref name="SpPl" /> Die Artbezeichnung "polyspermum" = "vielsamig" hatte Linné von Caspar Bauhin übernommen. Nach molekulargenetischen Untersuchungen trennten Fuentes-Bazan et al. 2012 diese Art von der Gattung Chenopodium ab und reaktivierten die Gattung Lipandra mit der Neukombination zu Lipandra polysperma <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) S.Fuentes, Uotila & Borsch.<ref name="Fuentes 2012" /> Das Artepitheton polyspermum bedeutet vielsamig. Der Gattungsname Lipandra setzt sich aus den Worten liparos für glänzend und andros für Mann zusammen.

Der akzeptierte Gattungsname ist Lipandra, der von Alfred Moquin-Tandon 1840 in Chenopodearum monographica enumeratio, S. 19 erstveröffentlicht wurde und Oliganthera <templatestyles src="Person/styles.css" />Less. 1835 ersetzt, da es sich um ein Homonym des früher veröffentlichten Namens Oligandra <templatestyles src="Person/styles.css" />Less. 1832 handelt.<ref name="Fuentes 2012" /><ref name="Tropicos" /><ref name="FloraPalaestina" /> Weitere Synonyme des Gattungsnamens Lipandra <templatestyles src="Person/styles.css" />Moq. sind: Gandriloa <templatestyles src="Person/styles.css" />Steud. nom. illeg., Oliganthera <templatestyles src="Person/styles.css" />Endl. nom. illeg., Chenopodium [ohne Rang] Polysperma <templatestyles src="Person/styles.css" />Standl. und Chenopodium subsect. Polysperma <templatestyles src="Person/styles.css" />(Standl.) Kowal ex Mosyakin & Clemants.<ref name="Fuentes 2012" />

Synonyme für Lipandra polysperma <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) S.Fuentes, Uotila & Borsch, die auf demselben Typusexemplar beruhen, sind Chenopodium polyspermum <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Atriplex polysperma <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Crantz und Vulvaria polysperma <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Bubani. Auf anderen Typusexemplaren beruhen die Synonyme Anserina betifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Montandon, Chenopodium acutifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Sm., Chenopodium acutifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Kit. nom illegit., Chenopodium angustifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Gilib., Chenopodium bisaeriale <templatestyles src="Person/styles.css" />Menyh., Chenopodium marginatum <templatestyles src="Person/styles.css" />Spreng. ex Hornem., Chenopodium polispermum <templatestyles src="Person/styles.css" />Neck., Chenopodium polyspermum var. acutifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />(Sm.) Gaudin, Chenopodium polyspermum var. spicatum <templatestyles src="Person/styles.css" />A.Gray, Lipandra atriplicoides <templatestyles src="Person/styles.css" />(Less.) Moq. und Oligandra atriplicoides <templatestyles src="Person/styles.css" />Less.<ref name="Fuentes 2012" />

Die Gattung Lipandra gehört zur Tribus Atripliceae in der Unterfamilie Chenopodioideae innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae).<ref name="Fuentes 2012" />

Verwendung

Die Samen des Vielsamigen Gänsefußes wurden früher als Lockmittel beim Fischfang verwendet.<ref name="Aellen1979" /> Daher wird er auch manchmal Fisch-Gänsefuß oder Fischmelde<ref name="BotanikBild_FloÖLS" /> genannt.

Trivialnamen

Für den Vielsamigen Gänsefuß bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Fischmelden, Maier, Stauderich (Frankfurt an der Oder) und Vielsamen (Ostpreußen).<ref name="Pritzel1882" />

Quellen

  • Siegfried Danert: Urania Pflanzenreich. Die große farbige Enzyklopädie: Blütenpflanzen 1. Urania, Leipzig 1993, ISBN 3-332-00496-4.
  • Dietmar Brandes: Bidentetea-Gesellschaften. Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.
  • J. Gasquez (Hrsg.), J.-P. Lonchamp: HYpermédia pour la Protection des Plantes - Adventices - Chenopodium polyspermum. 2000, Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.
  • Joachim Schmitz: Schmitzens Botanikseite. Rheinische Pflanzengesellschaften. Donau-Knöterich-Uferflur, Chenopodio-Polygonetum bittringeri <sic!>. 2004, Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.
  • United States Department for Agriculture (Hrsg.): Plants Profile: Chenopodium polyspermum L. var. obtusifolium Gaudich. USDA Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Tropicos"> Lipandra polysperma bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="IPCN"> Chenopodium polyspermum bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="FloraPalaestina"> Lipandra bei Tropicos.org. In: Flora Palaestina. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="FloraWeb"> Chenopodium polyspermum L., Vielsamiger Gänsefuß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Fuentes 2012"> Susy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila, Thomas Borsch: A novel phylogeny-based generic classification for Chenopodium sensu lato, and a tribal rearrangement of Chenopodioideae (Chenopodiaceae). In: Willdenowia, Volume 42, 2012, S. 14. DOI:10.3372/wi.42.42101</ref> <ref name="BotanikBild_FloÖLS"> Chenopodiaceae / Chenopodium polyspermum - Vielsamen-Gänsefuß / Fisch-Gänsefuß / Fischmelde - Datenblatt mit Fotos bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol, 2011, letzter Zugriff am 14. September 2017.</ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 220, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D220%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D</ref> <ref name="Pritzel1882">Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 92 (online).</ref> <ref name="Euro+Med"> Pertti Uotila (2011+): Amaranthaceae. Datenblatt Lipandra polysperma In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="InfoFlora">Chenopodium polyspermum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Aellen1979">Gustav Hegi et al. 1979: Chenopodium. In: .</ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Gerald Parolly: Chenopodiaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 604.</ref> </references>

Weblinks