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Vielblütige Hainsimse

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Vielblütige Hainsimse
Datei:Luzula multiflora.jpeg

Vielblütige Hainsimse (Luzula multiflora)

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Binsengewächse (Juncaceae)
Gattung: Hainsimsen (Luzula)
Art: Vielblütige Hainsimse
Wissenschaftlicher Name
Luzula multiflora
L.

Die Vielblütige Hainsimse (Luzula multiflora) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hainsimsen (Luzula) innerhalb der Familie der Binsengewächse (Juncaceae).

Beschreibung

Datei:Luzula multiflora s. str. sl34.jpg
Blüten
Datei:Luzula multiflora kz3.JPG
Habitus, Laubblätter und Blütenstände

Vegetative Merkmale

Die Vielblütige Hainsimse ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 40, selten bis zu 55 Zentimetern.<ref name="Podlech1980" /> Sie bildet keine Ausläufer und wächst in dichten Rasen bis Horsten. Die grundständigen Blätter sind auf die bleichen oder rötlichen Blattscheiden reduziert. Die Stängelblätter haben enge, an der Öffnung pinselartig behaarte Blattscheiden. Die Blattspreiten der Stängelblätter sind 2 bis 4 Millimeter, an den unteren Blättern bis 6 Millimeter breit. Sie sind am Rand spärlich behaart und verkahlt fast vollständig.<ref name="Podlech1980" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis August.<ref name="Podlech1980" /> Der aufrechte Blütenstand ist aus 4 bis 17 deutlich gestielten und höchstens einem sitzenden Ährchen zusammengesetzt.<ref name="Schmeil-Fitschen2019" /> Die Äste des Blütenstands sind starr, aufrecht oder die seitlichen etwas abstehend<ref name="Podlech1980" />; sie sind zum Teil über 3 Zentimeter lang.<ref name="Schmeil-Fitschen2019" /> Das unterste Tragblatt des Blütenstands ist laubblattartig und kürzer oder etwas länger als der Blütenstand. Die Ährchen sind kugelig, eiförmig oder verlängert und enthalten 6 bis 16, selten bis zu 18 Blüten.<ref name="Schmeil-Fitschen2019" /> Die Blütenhüllblätter sind blass gelblich-braun, im Alter dann fast immer braun gefärbt. Die äußeren Blütenhüllblätter sind 2 bis 3 Millimeter lang<ref name="Schmeil-Fitschen2019" /> und weisen einen schmalen oder breiten Hautrand auf. Mindestens die inneren Blütenhüllblätter haben eine kurze Spitze.<ref name="Schmeil-Fitschen2019" /> Die Staubblätter sind etwa 2 Millimeter lang und kürzer als die Blütenhülle. Die Staubbeutel sind etwa so lang wie die Staubfäden.<ref name="Podlech1980" /> Der Griffel ist nicht länger als 1 Millimeter und endet in etwa 2 Millimeter langen Narben, die aber rasch abfallen.

Die Samen sind (mit Anhängsel) 1,6 bis 1,9 Millimeter lang<ref name="Podlech1980" /> und haben ein etwa 0,5 Millimeter langes Anhängsel.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24, seltener 12, 14, 28, 36.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Die langlebigen Samen werden von Ameisen ausgebreitet.

Vorkommen

Ihr Verbreitungsgebiet ist circumpolar auf Nord- und Südhalbkugel. In Europa kommt die Vielblütige Hainsimse in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Moldau.<ref name="Euro+Med" /> Die Vielblütige Hainsimse ist in ganz Deutschland verbreitet.<ref name="Schmeil-Fitschen2019" />

Die Vielblütige Haimsimse besiedelt zumeist wechselfrische bis feuchte Sand- und Silikatmagerrasen. Sie besitzt ihr Hauptvorkommen in der Pflanzenformation der Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen und ein Nebenvorkommen in lichten, sauren Laub- und Nadelwälder mit nährstoffarmen Böden. Sie ist zudem in Heiden, auf extensiv genutzten Feuchtwiesen und in Niedermooren zu finden. Pflanzensoziologisch lässt sie sich am ehesten der Ordnung Atropetalia, der Ordnung Caricetalia fuscae und der Klasse Molinio-Arrhenatheretea zuordnen.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w+ (frisch aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 1 (stark sauer), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik und Verbreitung

Die Vielblütige Hainsimse wurde 1790 durch Jakob Friedrich Ehrhart in Beiträge zur Naturkunde und den damit verwandten Wissenschaften, besonders der Botanik, Chemie, Haus- und Landwirthschaft, Arzneigelahrtheit und Apothekerkunst, Band 5, S. 14 als Juncus campestris var. multiflorus erstbeschrieben. Alexandre Louis Simon Lejeune erhob diese Varietät zur Art und setzte sie 1811 in Flore des Environs de Spa ..., Band 1, S. 169 als Luzula multiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ehrh.) Lej. in die Gattung Luzula. Weitere Synonyme für Luzula multiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ehrh.) Lej. sind Juncus multiflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ehrh.) Hoffm., Luzula campestris subsp. multiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ehrh.) Schübl. & G.Martens, Luzula campestris var. multiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ehrh.) Čelak.<ref name="Euro+Med" />

Luzula multiflora hat mehrere Verwandte, die teils als Unterarten, teils als eigene Arten angesehen werden. Darunter zählen: Luzula congesta <templatestyles src="Person/styles.css" />(Thuill.) Lej. (Syn.: Luzula multiflora subsp. congesta <templatestyles src="Person/styles.css" />(Thuill.) Arcang.), Luzula divulgata <templatestyles src="Person/styles.css" />Kirschner, Luzula sudetica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willd.) Schult., Luzula alpina <templatestyles src="Person/styles.css" />Hoppe, Luzula pallescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Sw., Luzula divulgatiformis <templatestyles src="Person/styles.css" />Bačič & Jogan und Luzula exspectata <templatestyles src="Person/styles.css" />Bačič & Jogan.<ref name="Schmeil-Fitschen2019" />

Darüber hinaus gibt es je nach Autor mehrere Unterarten:<ref name="POWO" />

  • Luzula multiflora subsp. frigida <templatestyles src="Person/styles.css" />(Buchenau) V.I.Krecz.: Sie kommt von Nordeuropa bis ins westliche Sibirien und vom subarktischen Nordamerika bis in die nordöstlichen Vereinigten Staaten vor.<ref name="POWO" />
  • Luzula multiflora subsp. hibernica <templatestyles src="Person/styles.css" />Kirschner & T.C.G.Rich: Dieser Endemit kommt nur in Irland vor.<ref name="POWO" />
  • Luzula multiflora subsp. monticola <templatestyles src="Person/styles.css" />Kirschner: Sie kommt in den zentralen und östlichen Pyrenäen von Spanien vor.<ref name="POWO" />
  • Luzula multiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ehrh.) Lej. subsp. multiflora: Sie kommt in den subarktischen und gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel vor.<ref name="POWO" />
  • Luzula multiflora subsp. sibirica <templatestyles src="Person/styles.css" />V.I.Krecz.: Sie kommt von Zentralasien bis China und Russlands fernem Osten vor.<ref name="POWO" />
  • Luzula multiflora subsp. snogerupii <templatestyles src="Person/styles.css" />Kirschner: Sie kommt nur in Bulgarien sowie Griechenland vor.<ref name="POWO" />

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="InfoFlora"> Luzula multiflora (Ehrh.) Lej. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Podlech1980"> Dietrich Podlech: Familie Juncaceae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band II, Teil 1. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1980, ISBN 3-489-54020-4, S. 401–403. </ref> <ref name="Schmeil-Fitschen2019"> Michael Koltzenburg: Luzula. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 97. Auflage. S. 260–261. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2019. ISBN 978-3-494-01700-6</ref> <ref name="Euro+Med"> World Checklist of Selected Plant Families 2010, The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. In: Datenblatt Luzula multiflora In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Luzula multiflora bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Vielblütige Hainsimse (Luzula multiflora) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien