Strahlenschaden
Strahlenschäden sind Schäden, die durch ionisierende Strahlung (α, β, γ) an Lebewesen<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> oder Material hervorgerufen werden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die Strahlung kann aus natürlichen oder künstlichen Quellen stammen. Neutronenstrahlung wirkt nur indirekt ionisierend, verursacht aber ebenfalls Strahlenschäden.<ref>H.-G. Vogt, H. Schultz: Grundzüge des praktischen Strahlenschutzes. Hanser, 1992, ISBN 3-446-15696-8.</ref> Strahlenschäden werden gelegentlich auch als Verstrahlung bezeichnet.<ref>Brockhaus Enzyklopädie. 21. Auflage, 2006.</ref> Die Widerstandsfähigkeit gegen Strahlenschäden wird als Strahlenresistenz bezeichnet.
Beschreibung
Die Strahlung gibt beim Eindringen in Materie an die getroffenen Atome oder Moleküle Energie ab. Dabei werden unter anderem Atome räumlich verschoben, Elektronen aus den Atomhüllen geschlagen und chemische Bindungen aufgebrochen, wobei Radikale entstehen, die ihrerseits wieder Schäden hervorrufen können.
Abgrenzung der Strahlungsarten und Fachgebiete
Der Artikel behandelt ausschließlich Kernstrahlung und deren Wechselwirkungen mit organischer und anorganischer Materie. Schäden, die durch elektromagnetische Strahlung (z. B. UV-Strahlung) oder durch Wärmewirkung von Strahlung (z. B. Verbrennungen) verursacht werden, sind nicht gemeint oder nicht Gegenstand des Artikels. Die Photonen der Gammastrahlung (auch bekannt als γ-Quanten) lassen sich in Bezug auf ihre physikalischen Eigenschaften nicht von Photonen der Röntgenstrahlung (auch bekannt als {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) oder anderen Formen elektromagnetischer Strahlung unterscheiden; sie unterscheiden sich jedoch in ihrem Ursprung und ihrer Energie.
Der Strahlenschutz befasst sich mit dem Schutz vor Strahlung und deren Förderung. Die Radiotoxizität untersucht die Toxizität von Radionukliden für den menschlichen Körper sowie die damit verbundenen potenziellen gesundheitlichen Risiken. Die Radiologie ist das Teilgebiet der Medizin, das Röntgenstrahlung und andere kernphysikalische Verfahren zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken nutzt. Die Radiobiologie untersucht die biologischen Wirkungen ionisierender Strahlung.
Siehe auch die medizinische Physik und die Nuklearmedizin.
Strahlenschäden in Materialien
In festen technischen Materialien, etwa Metallen, verschlechtert das Herausschlagen von Atomen aus ihren Kristallgitterplätzen die Materialeigenschaften. Solche Einzelschäden sammeln sich an, bis es schließlich zu sichtbaren Veränderungen (beispielsweise Ausbleichen) und/oder Veränderungen der Festigkeitseigenschaften, oft in Richtung einer Versprödung, kommt. Letzteres spielt insbesondere bei Bestrahlung mit schnellen Neutronen in Kernreaktoren und zukünftigen Fusionsreaktoren eine Rolle. Diese Schadensart heißt Versetzungsschaden (engl. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) und wird meist in der Maßeinheit Verlagerungen pro Atom (engl. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}, dpa) angegeben.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Eine weitere Art der Gefügeschädigung durch schnelle Neutronen ist die Erzeugung der Gase Wasserstoff und Helium im Material durch Kernreaktionen vom Typ (n,p) bzw. (n,alpha).
Auch die ionisierende Wirkung der Strahlung kann im bestrahlten Material Schaden bewirken, denn sie führt zur Freisetzung eines mehr oder weniger energiereichen geladenen Teilchens, das evtl. seinerseits weitere geladene Teilchen freisetzen kann.
Materialien der Kerntechnik
Die Untersuchung von Strahlung in Bezug auf eine Vielzahl meist anorganischer Materialien spielt seit Beginn des Atomzeitalters (vgl. die Nutzung von Neutronen für Kernreaktionen wie z. B. die Kernspaltung) eine große Rolle.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Dabei beschädigt speziell die Neutronenstrahlung in Kernreaktoren alle Materialien, insbesondere den Kernbrennstoff, Moderator (z. B. Nukleargraphit) und die Brennelemente. Zu diesem Zweck und für andere Aufgaben werden sogenannte Materialtestreaktoren (MTR) errichtet, um Materialien zu prüfen und zu testen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Polymere
In Polymeren, also Plastikmaterialien bilden die durch Strahlungseinwirkung angeregten Moleküle den Ausgangspunkt für vielfältige Folgereaktionen.<ref name="Dannemann">A. Dannemann: Untersuchungen zur Strahlungsresistenz polymerer Materialien für den Einsatz in Experimenten der Hochenergiephysik. Dissertation, Fachbereich Physik der Universität Hamburg, 1996, Interner Bericht: DESY F35D-96-06 (PDF; 5,8 MB), abgerufen am 25. Mai 2013.</ref> Beispielsweise können in Polymeren einzelne H-Atome oder ganze Seitenketten abgelöst oder die Polymerhauptkette aufgetrennt werden. Kleinere Fragmente können aufgrund ihrer höheren Beweglichkeit im Material schneller mit anderen Stoffen reagieren. Die Lebensdauer der Radikale hängt stark von der Temperatur des bestrahlten Materials ab; durch Erwärmung können daher manche Strahlenschäden schneller ausgeheilt werden.<ref>W. Busjan: Strahlungsresistenz szintillierender Kunststoffasern in der Hochenergiephysik: Entstehung und Zerfall kurzlebiger Absorptionszentren. Dissertation, Fachbereich Physik der Universität Hamburg, 1997.</ref>
Halbleiter
In Halbleitermaterialien entstehen Strahlenschäden (siehe Soft Error) wie in Metallen zumeist durch Verlagerung von Gitteratomen des bestrahlten Materials, was zur Amorphisierung des Halbleiters und zur Veränderung der Leitfähigkeit führen kann.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Dementsprechend ist die Strahlenresistenz von Bauteilen und Materialien, die in einem besonderen Strahlungsumfeld zur Anwendung kommen sollen, ein wichtiges Thema in der Materialforschung.<ref name="Dannemann" /><ref name="Wunstorf" /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Unter Umständen kann die Erzeugung von Strahlenschäden aber auch konstruktiv eingesetzt werden, z. B. bei der Ionenimplantation zur Dotierung von Halbleitern.<ref name="Nastasi">M. Nastasi, J. W. Mayer: Ion Implantation and Synthesis of Materials. Springer, Berlin/Heidelberg 2006, ISBN 3-540-23674-0.</ref><ref name="Wunstorf">R. Wunstorf: Systematische Untersuchungen zur Strahlenresistenz von Silizium-Detektoren für die Verwendung in Hochenergiephysik-Experimenten. Dissertation, Fachbereich Physik der Universität Hamburg, 1992, Interner Bericht: DESY FH1k-92-01 (PDF; 93,1 MB), abgerufen am 9. Juni 2013.</ref>
Strahlenschäden bei Lebewesen
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Lebende Organismen – wie auch der Mensch – verfügen über komplexe, bislang nur im Ansatz verstandene Reparatursysteme, die die meisten dieser Schäden rückgängig machen können. Aber auch hier sammeln sich die verbleibenden mikroskopischen Schäden an. Generell können niedere Lebewesen wie Bakterien sehr viel stärkere Strahlungsdosen als höhere Lebewesen wie Säugetiere ertragen. So kann das Bakterium Deinococcus radiodurans sogar im Kühlwasser von Kernreaktoren leben.
Strahlenschutzvorschriften regeln in den meisten Ländern den Umgang mit Strahlen und mit Stoffen, die ionisierende Strahlung abgeben, und setzen Grenzwerte für die maximale Belastung (Strahlendosis) der Bevölkerung fest.
Strahlenschäden bei Mensch und Tier lassen sich einteilen in:
- Somatische Schäden, die beim bestrahlten Organismus selbst auftreten.
- Teratogene Schäden, die während der Schwangerschaft eine Schädigung des Embryos verursachen.
- Genetische Schäden, die erst bei den Nachkommen auftreten.
Bei den somatischen Schäden unterscheidet man Früh- und Spätschäden:
- Somatische Frühschäden treten nach Stunden oder spätestens nach einigen Wochen auf (siehe Strahlenkrankheit). Medizinisch nachweisbar sind diese Schäden erst, wenn eine Mindestdosis (Schwelldosis) an Strahlung aufgenommen wurde, die für den Menschen zwischen 200 und 300 mSv liegt. Krankheitserscheinungen sind beispielsweise ein verändertes Blutbild, Übelkeit, Entzündung der Schleimhäute oder Fieber.
- Somatische Spätschäden machen sich erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Bestrahlung äußerlich bemerkbar, obwohl die Zellen schon unmittelbar nach der Bestrahlung geschädigt wurden. Man kann bei den Strahlenspätschäden zwischen malignen (wie Leukämie) und nicht-malignen Spätschäden (wie Unfruchtbarkeit oder eine Trübung der Augenlinse) unterscheiden.
Zellbiologische Wirkungen von Strahlung
Man unterscheidet Gewebereaktionen (tissue reactions)[32] und stochastische Strahlenschäden:
- Gewebereaktionen: Wenn bei Überschreitung einer bestimmten Schwellendosis genügend viele Körperzellen absterben, kommt es sicher zu schädlichen Effekten. Die Schwere des Schadens steigt proportional zur Dosis.
- Stochastische Strahlenschäden treten dagegen aufgrund von Zellveränderungen auf. Die Wahrscheinlichkeit steigt proportional zur Dosis, daher ist die Strahlenexpositionen so niedrig wie vernünftigerweise möglich zu halten. (ALARA-Prinzip)
Wirkungen auf molekularer Ebene
Trifft ionisierende Strahlung auf einen Organismus, können DNA-Veränderungen (Mutationen) im Zellkern auftreten.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Beim Auftreffen von Strahlen auf die DNA können direkt sowohl Einzel- als auch Doppelstrangbrüche der Nucleotidketten auftreten. Außerdem spielt der indirekte Strahleneffekt eine wesentliche Rolle. Hierbei werden aus Wassermolekülen Radikale gebildet (OH- und H-Radikale), die neben anderen Molekülen die Desoxyribose angreifen können, was infolge zu einer Hydrolyse der Phosphorsäureesterbindung führt. Zusätzlich kann eine Strahlenwirkung auf die Nucleotidbasen stattfinden. Hierbei kommt es beispielsweise zu Ringöffnungen und bei Anwesenheit von Sauerstoff zu Peroxidbildungen (z. B. Thyminhydroxyhydroperoxid). Ebenfalls sind nach Radikalbildung Dimerisierungen von Basen möglich, die zu einer räumlichen Veränderung der Doppelhelix führen. Bei der Transkription können Schäden an der DNA zur Folge haben, dass ein falsches Ablesen durch Basenschäden oder ein Stopp bei Einzelstrangbrüchen auftritt. Bei geringen Schäden ist jedoch auch eine ungestörte Transkription möglich.
Neben der Strahlenwirkung auf die DNA kann generell die Struktur von Proteinen verändert werden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Bedeutungsvoll ist dies bei Enzymen, die dadurch ihre Enzymaktivität verlieren.
Bei einer eukaryotischen Zelle werden Schäden zum größten Teil repariert. Findet eine falsche oder keine Reparatur statt, so zieht dies eine der beiden folgenden Konsequenzen nach sich.
Zelltod
Die Zelle verliert ihre Teilungsfähigkeit und stirbt nach Ablauf ihrer Lebensdauer. Sind ausreichend viele Zellen betroffen, ergeben sich Gewebereaktionen. Da der Zelltod ein natürlicher Prozess im Zyklus einer differenzierten Zelle ist, bedarf es einer gewissen Schwellendosis, bevor ausreichend Zellen sterben und der schädliche Effekt sich manifestiert, indem das betroffene Gewebe seine Funktion verliert. Die Schwere des Schadens steigt proportional zur Dosis, gemäß dem LNT-Modell.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Zu den Gewebereaktionen gehören akute (Früh-)Schäden (zum Beispiel Erythem, akute Strahlenkrankheit), nichtkanzeröse Spätschäden (fibrotische Gewebsveränderungen, Trübung der Augenlinse, Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit, testikuläre Anomalie) und teratogene Effekte (Fehlbildungen des Kindes während einer Schwangerschaft).
Zellveränderung
Die Zelle teilt sich, vererbt aber die veränderte DNA an die Tochterzellen weiter. Die Folgen sind stochastische Strahlenschäden. Sie treten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Exposition auf. Für sie gibt es vermutlich keine Schwellendosis; die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines solchen Schadens ist proportional zur Dosis. Die Höhe der Dosis beeinflusst dabei nicht die Schwere der Erkrankung, sondern nur die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens. Die stochastischen Strahlenschäden sind entscheidend bei niedrigen Dosen und für die Abschätzungen des Strahlenrisikos im Strahlenschutz. Sie haben ähnliche Auswirkungen wie zufällige, spontan entstehende DNA-Veränderungen, zum Beispiel Zell-Transformationen, die zu Krebs führen, Mutationen und Erbkrankheiten, oder auch teratogene Effekte.
Letale Dosis für Lebewesen und Viren
Die LD50|30-Werte (50 % Letalität nach 30 Tagen, nach Daten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) u. a.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Lethality as a Function of Dose and LD50/60 - Illustration - Radiation Emergency Medical Management|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Lethality as a Function of Dose and LD50/60 - Illustration - Radiation Emergency Medical Management}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://remm.hhs.gov/LD50-60.htm%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Lethality as a Function of Dose and LD50/60 - Illustration - Radiation Emergency Medical Management}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://remm.hhs.gov/LD50-60.htm}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Lethality as a Function of Dose and LD50/60 - Illustration - Radiation Emergency Medical Management}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:REMM{{#if: 2025-11-05 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}
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| Lebensform | Letale Dosis LD50|30 Gray (Gy) |
|---|---|
| Meerschweinchen | 2,5–4 |
| Ziege | 3,5 |
| Mensch | 3–4,5<ref name=":0" /> |
| Hund | 4–5,5 |
| Rhesusaffe | 5,5 |
| Ratte | 6 |
| Goldfisch | 8,5 |
| Hamster | 9–11 |
| Forelle | 15 |
| Escherichia coli | 50 |
| Fledermaus | 50 |
| Schnecke | 200 |
| Wespe | 1.000 |
| Tabakmosaikvirus | 2.000 |
| Bärtierchen | 5.700 |
| Deinococcus radiodurans | 10.000 |
Geschichte der Strahlenschäden
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Am 28. Dezember 1895 veröffentlichte Wilhelm Conrad Röntgen seine Studie Über eine neue Art von Strahlen<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>; einen Monat später berichtete er in einer Vorlesung erstmals über die geheimnisvollen „X-Strahlen“ und röntgte vor den Augen der Zuschauer eine Hand des Schweizer Anatomie-Professors Rudolf Albert von Kölliker. Die belichtete Aufnahme – das Bild ist bis heute bekannt – zeigt deutlich erkennbar die Handknochen. Diese Erfindung löste große Begeisterung aus und revolutionierte die Medizin schnell. Die New York Sun sprach von einem „Triumph der Wissenschaft“: Röntgen habe „ein Licht entdeckt, das Holz und Fleisch durchdringt“.<ref name="kriener">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Ende 1896 dokumentierten Fachblätter 23 Fälle schwerer Strahlenschäden. Manche Patienten erlitten Verbrennungen durch unerwartete Streuungen; andere seien in den ersten Jahren der Anwendung „auf dem Behandlungstisch regelrecht hingerichtet worden“, schrieb James Ewing, ein Pionier der Radiologie.<ref>Catherine Caufield: Das strahlende Zeitalter. München 1994, S. 21.</ref>
Professor Friedrich Clausen (1864–1900), der zwischen 1896 und 1900 in zahlreichen Experimentalvorträgen die Röntgenstrahlung demonstrierte,<ref>An ihn wird auch im Ehrenbuch der Radiologen aller Nationen erinnert, 3. erw. Auflage Mai 1998, ISBN 3-89412-132-7.</ref> hatte schon 1896 Verbrennungen an den Händen. Diese ignorierte er, wie viele andere Kollegen auch. Er verlor erst einige Fingerglieder an der rechten Hand; später musste ihm der rechte Arm amputiert werden. Die Amputation kam zu spät; er starb sechs Wochen nach der Operation.<ref>P. S. Geyer: Strahlenschutz und Strahlenschäden beim Umgang mit Röntgenstrahlen in der Veterinärröntgenologie, FB Veterinärmedizin der FU Berlin, Dissertation, 2003, diss.fu-berlin.de Kapitel 3 als PDF-Datei, abgerufen am 8. Juni 2013.</ref>
Bleiabschirmungen wurden entwickelt, aber viele Ärzte fanden sie zu teuer bzw. umständlich, schützten sich nicht und starben. „Man solle die Gesundheitsschäden nicht dramatisieren“, forderte einer der führenden Radiologen, der Armenier Mihran Kassabian. Er fürchtete um den Fortschritt, wenn die Gefahren des Röntgens allzu plastisch beschrieben werden. Kassabian starb 1910 selbst an Strahlenfolgen.<ref name="kriener" />
Herbert Hawks, ein technikbegeisterter Student der Columbia University, durchleuchtete in New Yorker Warenhäusern vor staunendem Publikum immer wieder den eigenen Körper. Bald fielen seine Haare aus, seine Augen waren blutunterlaufen, seine Brust „brannte wie Feuer“.
Im Ersten Weltkrieg setzte sich „das Röntgen“ endgültig durch: man konnte zum Beispiel Geschosse oder Granatsplitter lokalisieren und Knochenbrüche unter Sichtkontrolle richten. Die Strahlen wurden vorsichtiger dosiert; in den zwanziger Jahren bemühten sich viele Ärzte, die Strahlung so zu dosieren, dass die oberste Hautschicht (Epidermis) sich nicht rötlich färbte.<ref name="kriener" />
Andere Wissenschaftler experimentierten mit Strahlen emittierenden Stoffen:
- Der französische Physiker Henri Becquerel entdeckt im Februar 1896, dass Uranbrocken Strahlen aussenden, die Materie durchdringen, und entdeckte so die Radioaktivität.
- Die polnische Physikerin Marie Curie prägte in Paris den Begriff „radioaktiv“ für die Eigenschaft von Materialien, Strahlen auszusenden. Im Dezember 1898 identifizierte sie in einer Uranerzprobe aus dem Erzgebirge ein neues Element: Radium. Ohne die Gefahren zu ahnen, versuchten sie und ihr Mann, größere Mengen der stark radioaktiven Substanz zu isolieren und zu messen. 1934 starb sie 67-jährig und fast blind an aplastischer perniziöser Anämie.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Thomas Meißner|Thomas Meißner: }}{{#if:|{{#if:Das-PTA-Magazin.de|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Das-PTA-Magazin.de}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.das-pta-magazin.de/service-und-mehr/heftarchiv/artikel/marie-curie-krankhaft-fasziniert-1974134.html%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Das-PTA-Magazin.de}}}}%7C[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.das-pta-magazin.de/service-und-mehr/heftarchiv/artikel/marie-curie-krankhaft-fasziniert-1974134.html}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Das-PTA-Magazin.de}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:2017-07-31{{#if: 2022-08-01 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}||1}}}}
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- 1903 entdeckte Ernest Rutherford, dass es Alpha-, Beta- und Gammastrahlung gibt und dass diese verschieden tief in den Körper eindringen.
- Der britische Erfinder Alexander Graham Bell erkannte 1907 das Potenzial strahlender Substanzen für die Krebstherapie. Es gebe keinen Grund, warum man nicht „ein kleines Stückchen Radium […] mitten in einen Krebsherd“ platzieren sollte.
Radium war 1920 mit 120.000 Dollar je Gramm extrem teuer und wurde auch gegen Herzbeschwerden und Impotenz eingesetzt. In Uhrenfabriken trugen Arbeiterinnen mit feinen Pinseln Leuchtfarbe mit Radiumgehalt auf die Uhrzeiger auf, damit diese bei Dunkelheit leuchten, unabhängig von einer vorhergehenden Bestrahlung mit Licht. Viele Arbeiterinnen, auch als „Radium Girls“ bezeichnet, hatten nach kurzer Zeit schwere Strahlenschäden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Daneben gab es auch skurrile Anwendungen und Ideen, wie die US-Journalistin Catherine Caufield in ihrem Buch Das strahlende Zeitalter 1989 dokumentierte. Zum Beispiel mischte man Radiumpartikel in Ölfarben, damit das Bild bei Dunkelheit leuchtet. Radiumwasser wurde als „ewiger Sonnenschein, flüssiger Sonnenschein“ verkauft.<ref name="kriener" /> Die Thorium-haltige Zahnpasta Doramad wurde als heilkräftig angepriesen.
In manchen Schuhgeschäften standen ― in Österreich bis zumindest 1961 ― international vertriebene Röntgengeräte, mit denen Kunden im Stehen die Vorfüße samt Schuhen durchleuchtet werden konnten, um bei der Auswahl passender Schuhe zu unterstützen.
Siehe auch
Literatur
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Weblinks
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Einzelnachweise
<references />
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