Verkannter Wasserschlauch
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Verkannter Wasserschlauch (Utricularia × neglecta) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Utricularia × neglecta | ||||||||||||
| Lehm. |
Der Verkannte Wasserschlauch (Utricularia × neglecta), auch Großer Wasserschlauch genannt, ist eine natürlich vorkommende Hybride aus der Gattung der Wasserschläuche (Utricularia) innerhalb der Familie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae). Es handelt sich um eine Kreuzung aus Utricularia tenuicaulis und Utricularia vulgaris.<ref name="Bobrov2022" />
Beschreibung
Der Verkannte Wasserschlauch ist eine wurzellose submerse Wasserpflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 40 Zentimeter erreicht. Die Blattsprosse schwimmen frei. Die Blätter weisen sehr zahlreiche Endsprosse auf, die entfernt borstig gezähnelt und haarfein sind. Ein Laubblatt trägt 8 bis 75 Fangblasen.<ref name="Fischer" /><ref name="Rothmaler 4" />
Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Der Blütenstiel ist geringfügig nach unten gekrümmt. Er misst 5 bis 18 mm und ist damit rund drei- bis fünfmal so lang wie das Tragblatt; er verlängert sich nach der Anthese.<ref name="Fischer" /> Die Oberlippe der Blüten bildet mit der Unterlippe einen rechten bis stumpfen Winkel. Sie schmiegt sich nicht an den Gaumen an. Der Gaumen ist halbkugelig. Der gaumenfreie Saum der Unterlippe ist fast flach. Der Sporn ist 5,5 bis 7,5 Millimeter lang und mehr oder weniger stumpfkegelig. Die Drüsen an der Innenwand des Sporns sind auf der Ober- und auf der Unterseite zu finden.<ref name="Fischer" /> Die Krone ist hellgelb und 11 bis 17 mm<ref name="Fischer" /> lang.<ref name="Rothmaler 4" />
Die Pflanze bildet als sterile Hybride keine Früchte. Die Chromosomenzahl beträgt n = 18, 19, 20 oder 22.<ref name="PT" />
Vorkommen
Der Verkannte Wasserschlauch ist eine weit verbreitete Pflanze; sein Verbreitungsgebiet reicht von Europa (ausgenommen dem äußersten Nordeuropa) über den ganzen afrikanischen Kontinent bis in das temperierte und tropische Asien.<ref name="POWO" />
In Deutschland kommt die Art zerstreut in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Sachsen, dem östlichen Sachsen-Anhalt, Süd-Bremen und Niedersachsen sowie selten in Nordrhein-Westfalen, dem westlichen Sachsen-Anhalt, dem nördlichen Mecklenburg-Vorpommern (Hiddensee, Grabow) und Schleswig-Holstein vor.<ref name="Rothmaler 4" /> In Österreich ist die Art in Osttirol ausgestorben, ansonsten im ganzen Bundesgebiet zerstreut bis selten. Sie ist als gefährdet eingestuft, im Gebiet der Böhmischen Masse und im nördlichen Alpenvorland als stark gefährdet.<ref name="Fischer" /> In der Schweiz kommt sie vor allem im Mittelland und im Wallis vor, je nach Gebiet ist sie als potenziell gefährdet bis vom Aussterben bedroht eingestuft. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 5u (unter Wasser), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />
In Mitteleuropa besiedelt sie stehende und langsam fließende, oligotrophe bis eutrophe Gewässer wie Tümpel, Gräben, Fischteiche und Torfstiche.<ref name="Rothmaler 4" /> Der pH-Wert kann dabei im sauren oder basischen Bereich liegen. Sie steigt bis in die montane Höhenstufe.<ref name="Fischer" /> Der Verkannte Wasserschlauch ist eine Charakterart des Utricularietum australis aus dem Hydrocharition-Verband.<ref name="Oberdorfer2001" />
Systematik
Der Verkannte Wasserschlauch wurde 1828 von Johann Georg Christian Lehmann erstbeschrieben.<ref name="Lehmann1828" /> Das Epitheton neglecta bedeutet so viel wie „vernachlässigt“ oder "verkannt" und findet sich auch im deutschen Trivialnamen wieder. Ein wichtiges Synonym ist Utricularia major <templatestyles src="Person/styles.css" />Schmidel.
Ursprünglich galt die Pflanze als eine in Eurasien und Afrika vorkommende, sterile Form von Utricularia australis. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Hybride aus Utricularia vulgaris und Utricularia tenuicaulis.<ref name="Bobrov2022" /> Letztere Art galt ihrerseits auch als Linie von Utricularia australis. Anerkannte Populationen von Utricularia australis lassen sich nur noch in Australien und Neuseeland finden.<ref name="POWO2" /> Die verwendeten Einzelnachweise beziehen sich teilweise noch auf die alte Bezeichnung U. australis.
Wie alle in Mitteleuropa vorkommenden Arten gehört sie innerhalb der Gattung zur Sektion Utricularia der gleichnamigen Untergattung.<ref name="PT" />
Die Art wurde immer wieder mit der Elternart Utricularia vulgaris verwechselt, sie wurde auch wiederholt als Untertaxon beschrieben (z. B. Utricularia australis var. mutata <templatestyles src="Person/styles.css" />Döll, Utricularia australis var. japonica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Makino) Yamanaka).<ref name="PT" />
Einzelnachweise
<references> <ref name="Rothmaler 4"> </ref> <ref name="PT"> </ref> <ref name="Fischer"> </ref> <ref name="InfoFlora"> Utricularia australis R. Br. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="POWO"> Utricularia × neglecta . In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Lehmann1828"> Johann Georg Christian Lehmann: Novae stirpium pugillus. Band 1, 1828, S. 38. </ref> <ref name="Bobrov2022"> Bobrov, Andrey A.; Volkova, Polina A.; Kopylov-Guskov, Yuriy O.; Mochalova, Olga A.; Kravchuk, Alexey E.; Nekrasova, Daria M.: Unknown sides of Utricularia (Lentibulariaceae) diversity in East Europe and North Asia or how hybridization explained old taxonomical puzzles. In: Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics. Band 54, 2022, S. 125649, doi:10.1016/j.ppees.2021.125649. </ref> <ref name="POWO2"> Utricularia australis . In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum </ref> </references>
Weblinks
- Verkannter Wasserschlauch. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Verkannter Wasserschlauch. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Thomas Meyer: Wasserschlauch Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.1. Eingestellt von: X. Zhuang, 2011. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.
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