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Ulrich Graf (Politiker, 1878)

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Datei:Bundesarchiv Bild 119-1412, Ulrich Graf.jpg
Ulrich Graf (1920), Aufnahme aus dem Hauptarchiv der NSDAP im Bundesarchiv
Datei:Bundesarchiv Bild 183-1982-1213-500, Ulrich Graf.jpg
SS-Sturmbann­führer Ulrich Graf (1934), Aufnahme des Scherl-Verlages im Bundesarchiv

Ulrich Graf (* 6. Juli 1878 in Bachhagel; † 3. März 1950 in München) war ein deutscher Politiker und Parteifunktionär (NSDAP) sowie SS-Brigadeführer.

Leben

Der gelernte Müller trat 1896 in die Armee ein. 1904 schied er wegen Dienstbeschädigung aus dem Armeedienst aus. Danach war er als Kommunalbeamter am Schlachthof in München, zuletzt als Freibankmeister, tätig.<ref name="MR514">Mathias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. S. 514.</ref> Nach dem Ersten Weltkrieg trat Graf zum 16. Februar 1921 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.882).<ref name="Klee196">Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 196.</ref> Er gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der SA. Ab 1921 war er ständiger Begleiter und persönlicher Leibwächter von Adolf Hitler. Während des Hitler-Ludendorff-Putsches stellte er sich, als am 9. November 1923 der Marsch der Putschisten in München bei der Feldherrnhalle durch die bayerische Landespolizei gestoppt wurde, vor Hitler, wurde dabei schwer verletzt und galt seitdem als dessen Lebensretter.<ref name="Vierhaus94">Ulrich Graf. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 4: Görres–Hittorp. K. G. Saur, München 2006, ISBN 3-598-25034-7, S. Vorlage:VonBis (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).</ref> Als Anerkennung erhielt er 1933 den Blutorden mit der Verleihungsnummer 21.

Im Dezember 1924 wurde Graf in den Münchner Stadtrat gewählt, dem er ab dem 1. Januar 1925 angehörte. Zum 22. Juni 1925 trat er der zwischenzeitlich verbotenen und neu gegründeten NSDAP (Mitgliedsnummer 8)<ref>Bundesarchiv, R 9361-IX KARTEI/11681417.</ref><ref>Anton Joachimsthaler: Hitlers Liste. 2003, S. 578.</ref> und im selben Jahr der SS bei (SS-Nummer 26).<ref name="Klee196" /> Im Stadtrat, in den er 1929 erneut gewählt wurde, trat er als Hinterbänkler auf. Das Mandat war vor allem eine Anerkennungsprämie für frühere Verdienste.<ref>Ulrike Haerendel: Kommunale Wohnungspolitik im dritten Reich: Siedlungsideologie, Kleinhausbau und „Wohnraumarisierung“ am Beispiel Münchens. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1999, ISBN 3-486-56389-0, S. 53.</ref> Ab Ende 1925 war er Beisitzer im Parteischiedsgericht der NSDAP.<ref>Mathias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. S. 118.</ref> Ab 1935 war er Ratsherr der Stadt München. 1936 wurde Graf Mitglied des Reichstages. Innerhalb der SS stieg er 1943 bis zum SS-Brigadeführer auf.<ref name="Vierhaus94" /> In Bachhagel wurde die Gauschulungsburg des Gaues Schwaben nach ihm Ulrich-Graf-Burg genannt.<ref>Ansichtskarte. ak-ansichtskarten.de</ref>

Nach Kriegsende wurde Graf per Haftbefehl gesucht. Im September 1948 wurde er im Zuge der Entnazifizierung nach einem Spruchkammerverfahren in München als „belastet“ eingestuft und zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Im Januar 1950 wurde diese Einstufung bestätigt, die Haftzeit aber auf sechs Monate reduziert. Am 13. März 1950 wurde das Verfahren posthum eingestellt.<ref>Eintrag Ulrich Graf auch den Seiten von NS-Doku München</ref> Sein Vermögen wurde jedoch nach seinem Tod eingezogen.<ref>Ulrich Graf. munzinger.de</ref>

Die von Jost Rieblinger (NSDAP-Kreisleiter von Dillingen) herausgegebene Schrift Ulrich Graf, der Bachtalsohn. Zum 60. Geburtstag des „alten Begleiters des Führers“ (Manz, Dillingen/Donau 1939) wurde in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.<ref>polunbi.de</ref>

Literatur

  • Mathias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933: Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2002, ISBN 3-486-56670-9; Volltext digital verfügbar. bsb-muenchen.de
  • Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4, S. 186.
  • Graf, Ulrich. In: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 196
  • Alfred Hoffmann: Ulrich Graf: Ein „Verhältnis, wie es schöner nicht gedacht werden kann“; Hitlers „treuer Begleiter“. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter Helfer Trittbrettfahrer. Band 11: NS-Belastete aus Nord-Schwaben (+ Neuburg). Kugelberg Verlag, Gerstetten 2021, ISBN 978-3-945893-18-0, S. 95–112.

Weblinks

Commons: Ulrich Graf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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