Uhthoff-Phänomen
Als Uhthoff-Phänomen im ursprünglichen Sinne wird eine nach körperlicher Anstrengung auftretende vorübergehende Verschlechterung der Sehschärfe bei der Multiplen Sklerose (MS) bezeichnet. Das Phänomen wurde von dem Augenarzt Wilhelm Uhthoff (1853–1927) erstmals beschrieben.<ref>W. Uhthoff: Untersuchungen über die bei der multiplen Herdsklerose vorkommenden Augenstörungen. In: Arch Psychiatr Nervenkrankh. 1890; 21, S. 305–410. doi:10.1007/BF02226770</ref> Zugrunde liegt eine reversible Blockierung der Leitfähigkeit des vorgeschädigten Sehnervs als Folge einer Erhöhung der Körpertemperatur.<ref>R. F. Saul u. a.: Visual evoked potentials during hyperthermia. In: J Neuroophthalmol. 1995; 15, S. 70–78. PMID 7550932</ref>
Als Uhthoff-Phänomen im weiteren Sinne wird auch die vorübergehende Verschlechterung neurologischer MS-Symptome bei einer Erhöhung der Körpertemperatur (z. B. bei Fieber, heißen Bädern oder in der Sauna) bezeichnet. Betroffen sind mehr als 80 % der an MS Erkrankten.<ref>T. C. Guthrie, D. A. Nelson: Influence of temperature changes on multiple sclerosis: critical review of mechanisms and research potential. In: J Neurol Sci. 1995 Mar;129, S. 1–8. PMID 7751837.</ref> Als Ursache wird auch hier eine temperaturbedingte Verschlechterung der Leitfähigkeit demyelinisierter Axone angenommen. Das Uhthoff-Phänomen kann auch bei anderen demyelinisierenden Erkrankungen auftreten.
Tatsächlich fand ein sogenannter Heißbad-Test im 20. Jahrhundert breite diagnostische Verwendung.<ref>A. S. Malhotra, H. Goren: The hot bath test in the diagnosis of multiple sclerosis. In: JAMA. 1981; 246, S. 1113–1114. PMID 7265400</ref> Da in Einzelfällen jedoch die durch die Körpertemperaturerhöhung ausgelöste Verschlechterung der Symptome nicht reversibel war,<ref>J. R. Berger, W. A. Sheremata: Persistent neurological deficit precipitated by hot bath test in multiple sclerosis. In: JAMA. 1983; 249, S. 1751–1753. PMID 6600798</ref> ist dieser Test heute obsolet.
Weil es von einem Erkrankungsschub abgegrenzt werden muss, bleibt das Uhthoff-Phänomen auch heute klinisch bedeutsam. Eine Verschlechterung des Zustandes von MS-Patienten aufgrund von Hitze oder Anstrengung wird auch als Pseudoschub bezeichnet.
Therapie
Die Prophylaxe besteht in der Vermeidung erheblicher körperlicher Anstrengungen sowie in der Vermeidung von Umständen, die die Körpertemperatur erhöhen (z. B. Sauna, heiße Bäder, hohe Außentemperaturen usw.). Die symptomatischen Beschwerden können auch durch das Tragen von Kühlbekleidung wie Kühlwesten, Kühlhauben oder Kühlstrümpfen begrenzt werden. Auch bereits persistente Einschränkungen können durch Kühlung günstig beeinflusst werden.
Einzelnachweise
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