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Trebisonda Valla

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Datei:Ondina Valla.jpg
Trebisonda Valla

Trebisonda „Ondina“ Valla (* 20. Mai 1916 in Bologna; † 16. Oktober 2006 in L’Aquila) war eine italienische Leichtathletin und Olympiasiegerin im 80-Meter-Hürdenlauf.

Leben

Trebisonda Valla wurde als erstes Mädchen nach vier Brüdern in Bologna geboren. Ihr Vater war Schmied, ihre Mutter Hausfrau.<ref>Gigliola Gori: Physical education and sporting activity for women during the fascist era. Diss., Universität Göttingen 2000, S. 234.</ref> Der in Italien unübliche Vorname ist wohl zurückzuführen auf die türkische Stadt Trabzon (ital. Trebisonda). Von Freunden und in der Familie wurde sie Ondina („kleine Welle“) gerufen. Ihr Talent war schon als junges Mädchen erkannt worden und im Alter von 13 Jahren gehörte sie bereits zu den besten Athletinnen Italiens. Mit 14 Jahren wurde sie italienische Meisterin und in die Nationalmannschaft aufgenommen. 1931 gewann sie bei der Olimpiadi della Grazia in Florenz Silber über 80 Meter Hürden. An den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles durfte sie dennoch nicht teilnehmen.<ref name="Nicolas Basse">Nicolas Basse: Die Welle. Eine Pionierin, die dem Faschismus dient: Trebisonda Valla widersetzt sich dem Frauenbild des Papstes und überwindet Hürden nicht nur im Stadion. Als erste italienische Olympiasiegerin schwärmt sie dennoch lebenslang von Diktator Mussolini. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Februar 2026, S. 27 (online, abgerufen am 7. April 2026).</ref> Bei den Internationalen Studentenspielen 1933 in Turin siegte sie über 80 Meter Hürden, über 100 Meter sowie im Hochsprung und gewann Bronze im Weitsprung. An der ersten Leichtathletik-Europameisterschaft, 1934 in Turin, konnte sie jedoch nicht teilnehmen, Frauen waren noch nicht zugelassen.<ref name="Nicolas Basse" />

Ihren größten Erfolg feierte Valla bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Im Halbfinale stellte sie mit 11,6 s einen neuen Weltrekord über 80 Meter Hürden auf. Dieser Weltrekord wurde offiziell anerkannt, obwohl ein unerlaubter Rückenwind von 2,8 m/s gemessen wurde. Das Finale gewann sie in 11,7 s vor der Deutschen Anni Steuer (Silber) und der Kanadierin Elizabeth Taylor (Bronze). Um über den knappen Sieg zu entscheiden, wurde ein spezielles Fotofinish, die „Zielzeitkamera“, eingesetzt, die eine Zeit von 11,748 Sekunden registrierte.<ref>Paola Vago: Olimpiadi: Ondina Valla – La nostra prima volta. In: La Rivista di Educatione Fisica Scienze Motorie e Sport, Jg. 5 (2016), Heft 4, S. 13 (online, italienisch)</ref> Damit war sie die erste Italienerin, die olympisches Gold gewann, bei diesen Spielen das einzige siegreiche Mitglied der italienischen Leichtathletik-Mannschaft und die einzige Frau unter den italienischen Medaillengewinnern aller Disziplinen. Zur Belohnung erhielt sie einen Orden für herausragende sportliche Leistungen, 5000 Lire und eine Anstellung als Sekretärin im Büro des Partito Nazionale Fascista in Bologna, wo sie Mitgliederkarteikarten zu tippen hatte.<ref>Gigliola Gori: Physical education and sporting activity for women during the fascist era. Diss., Universität Göttingen 2000, S. 239.</ref> In der 4-mal-100-Meter-Staffel belegte sie mit der italienischen Mannschaft in 48,7 s den vierten Platz. 1944 bestritt sie ihren letzten Wettkampf. Ein Comeback bei den Olympischen Spielen 1948 in London scheiterte verletzungsbedingt.

Während ihrer Karriere verbesserte Valla 35-mal italienische Rekorde in der Leichtathletik und stellte außerdem noch 13-mal Rekorde ein.<ref>Gustavo Pallicca: Ondina Valla: la campionessa che aprì la strada alla donna nello sport. In: Angela Teja, Arnd Krüger und andere (Hrsg.): Corpo e senso del limite – Sport and a sense of the Body’s limits. Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte, Hannover 2014, S. 173–182.</ref>

Trebisonda Valla heiratete 1944 Guglielmo de Lucchi, den Chirurgen, der sie ab 1943 wegen ihrer Rückenbeschwerden behandelt hatte. 1945 gebar sie einen Sohn. Seit den 1950er Jahren lebte die Familie in L’Aquila.

Auch wenn sie nicht dem Frauenideal des Faschismus entsprach, so diente sie doch der Propaganda als Beispiel für die Leistungsfähigkeit der italienischen Sportler.<ref>Gigliola Gori: Physical education and sporting activity for women during the fascist era. Diss., Universität Göttingen 2000, S. 237.</ref> Über ihre Rolle im Faschismus schwieg sie. Stattdessen schwärmte sie noch im hohen Alter von Mussolini.<ref name="Nicolas Basse" />

Persönliche Bestleistungen

  • 100 m: 12,5 s, 6. August 1935, Bologna
  • 80 m Hürden: 11,6 s, 21. Juli 1940, Florenz
  • Hochsprung: 1,56 m, 5. September 1936, Bologna
  • Weitsprung: 5,39 m, 11. August 1935, Bologna

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Ekkehard zur Megede: The Modern Olympic Century 1896–1996. Track and Field Athletics. Deutsche Gesellschaft für Leichtathletik-Dokumentation e. V., Neuss 1999.
  • Gigliola Gori: Physical education and sporting activity for women during the fascist era. Diss., Universität Göttingen 2000, S. 234–242 (online)
  • Gustavo Pallicca: Ondina Valla: la campionessa che aprì la strada alla donna nello sport. In: Angela Teja, Arnd Krüger und andere (Hrsg.): Corpo e senso del limite – Sport and a sense of the Body’s limits. Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte, Hannover 2014, ISBN 978-3-932423-38-3, S. 173–182.
  • Nicolas Basse: Die Welle: Eine Pionierin, die dem Faschismus dient: Trebisonda Valla widersetzt sich dem Frauenbild des Papstes und überwindet Hürden nicht nur im Stadion. Als erste italienische Olympiasiegerin schwärmt sie dennoch lebenslang von Diktator Mussolini. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3. Februar 2026, S. 27.

Weblinks

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Einzelnachweise

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