Zum Inhalt springen

Tiergarten (Neue Mühle)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Tiergarten

IUCN-Kategorie IV – Habitat/Species Management Area

Datei:KW1 Tiergarten Neue Muehle.JPG
Tiergarten, Uferweg an der Staabe

Tiergarten, Uferweg an der Staabe

Lage Königs Wusterhausen, Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg, Deutschland
Fläche/Ausdehnung 155,47 ha / 3 km
Kennung 1197
WDPA-ID {{#property:p809}}
Natura-2000-ID DE3747302
FFH-Gebiet/Ausdehnung 153,26 ha / 3 km
Geographische Lage 52° 17′ N, 13° 39′ OKoordinaten: 52° 17′ 16″ N, 13° 38′ 52″ O
 {{#coordinates:52,2879|13,6477|primary
dim=3000 globe= name=Tiergarten region=DE-BB type=forest
  }}
Tiergarten (Neue Mühle) (Brandenburg)
Tiergarten (Neue Mühle) (Brandenburg)
Einrichtungsdatum {{#property:p571}}
Verwaltung Landesumweltamt Brandenburg (Abteilung Ökologie, Naturschutz, Wasser)
Rechtsgrundlage Richtlinie 92/43/EWG

Der Tiergarten ist ein Erholungs- und Naturschutzgebiet in Königs Wusterhausen, Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg. Der Kern des Eichenwaldes liegt im Wohnplatz Neue Mühle an den Ufern der Staabe (Teil der Dahme) und der Dahme-Ausbuchtung Krimnicksee, der nach Osten in den Krüpelsee übergeht. Der Tiergarten ging aus einem historischen Jagdrevier hervor.

Geschichte

Datei:KWBrückeStorkower.jpg
Die Spukbrücke oder Teufelsbrücke an der Chaussee im Tiergarten
Datei:Skulptur Friedrich Wilhelm I.jpg
Skulptur Friedrich Wilhelm I
Datei:Skulptur Spukbrücke.jpg
Skulptur Spukbrücke im Tiergarten Neue Brücke
Datei:Skulptur Preußischer Husar Tiergarten KW.jpg
Skulptur Husar auf der Landzunge Husareneck

Östlich seines Jagdschlosses Wusterhausen ließ der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. 1725 in einem 900 Hektar großen Waldgebiet einen Tiergarten für die Jagd anlegen. In dem urwaldartigen Gebiet sicherten verschiedene Gatter den Bestand des Rot-, Dam- und Schwarzwildes. 1749 kamen Gehege für Rebhühner und Fasanen hinzu. Die Zuchttiere sollten die Tafel Friedrich Wilhelm I. bereichern, der im Schloss die berühmten Tabakskollegien abhielt. Noch 1800 ging der Tiergarten direkt in den Schlosspark über.<ref>Angaben laut Informationstafel vor Ort, Stand Mai 2008 und laut @1@2Vorlage:Toter Link/www.dahme-seen.deDahme-Seen Tourismus, Rundgang durch Königs Wusterhausen (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot (PDF)</ref>

Nach der Schließung der letzten Gatter 1918 entwickelte sich der Wald zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner. 1930 wurde das Gebiet mit seinen bis zu 270 Jahre alten Eichen erstmals unter Naturschutz gestellt. Das verbliebene Areal mit dem Namen Tiergarten weist eine Fläche von rund 100 Hektar auf und liegt im Dreieck des Staabesüd- und Krimnitzseewestufers sowie der Bahnverbindung Königs Wusterhausen – Cottbus. Ein Uferweg, der die Landzunge Husareneck am Übergang des Sees in die Staabe einbezieht, und mehrere Querwege erschließen das Gebiet. Im westlichen Tiergarten, an der Streuobstwiese, informiert ein Waldlehrpfad auf einem rund 1,5 km langen Rundweg über Fauna und Flora der Region. Es besteht ein 7,5 km langer Skulpturenpfad mit Werken zu Geschichte und Legenden um den Tiergarten.

Im Tiergarten befindet sich weiter ein im Volksmund als Spukbrücke oder auch Teufelsbrücke bezeichneter Übergang über den Fanggraben. Das Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert wurde während der Bauarbeiten an der Chaussee 1889 verbreitert und diente bis 1907 als Zollbrücke. Im Volksmund wird erzählt, dass zu Mitternacht merkwürdige Geräusche zu hören seien. Einer anderen Sage nach soll ein angetrunkener Mann in den Fanggraben gefallen, dort ertrunken sein und seither als Gespenst sein Unwesen treiben.<ref>Informationstafel Erholungswald Tiergarten – Königs Wusterhausen, Inaugenscheinnahme im Februar 2016.</ref>

Bis 2024 sind auf dem Skulpturenpfad Rundwanderweg Tiergarten 11 Skulpturen aus Eichenholz bis zu 4 m hoch entstanden.<ref>Rentmeister, Hans: Der Tiergarten in Königs Wusterhausen, Heimatkalender Königs Wusterhausen und Dahmeland 2024, S. 116–122.</ref> Die ersten beiden Skulpturen Langer Kerl und Jäger wurden im Jahr 2016 aufgestellt. Später entstanden Skulpturen Fischer, Fährmann, Fasanerie und Gundling. Im November 2020 wurden die Skulpturen Bauer Berthold und Spukbrücke,<ref>Weitere Skulpturen für den Tiergarten berichten von Königs Wusterhausener Mythen und Legenden. (PDF;) Stand: 25.11.2020. In: Rathaus aktuell - Mit Amtsblatt für die Stadt Königs Wusterhausen. Abgerufen am 30. Juni 2024.</ref> im September 2021 die Skulptur Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.,<ref>Soldatenkönig steht als Holzskulptur im Tiergarten von Königs Wusterhausen. Märkische Allgemeine, 24. September 2021, abgerufen am 30. Juni 2024.</ref> im Dezember 2021 die Skulptur Husar<ref>Husar gibt Einblick in die Zeit Napoleons. Rathaus aktuell Mit Amtsblatt für die Stadt Königs Wusterhausen, 22. Dezember 2021, abgerufen am 30. Juni 2024.</ref> und Januar 2024 wurde die elfte Skulptur Der König und der Müller aufgestellt.<ref>Kunst in Holz. Neuer Hingucker im Tiergarten - Künstler Roland Karl setzt Geschichten von Friedrich I. in Szene. blickpunkt - Onlineportal für das Land Brandenburg, 16. Januar 2024, abgerufen am 30. Juni 2024.</ref> Die ersten beiden Skulpturen, Langer Kerl und Jäger, wurden vom Künstler Frank Winkler gestaltet und alle weiteren Skulpturen inklusive der Skulptur Der König und der Müller vom Kettensägenkünstler Roland Karl. Der Skulpturenpfad entstand auf Initiative und mit den Ideen von Hans und Christiane Rentmeister, den Wanderwegewarten der Stadt Königs Wusterhausen.

Naturschutz

Natura-2000- und FFH-Gebiet

Das NSG Tiergarten ist Teil des kohärenten europäischen ökologischen Netzes besonderer Schutzgebiete Natura 2000. Der Steckbrief des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) enthält für das 153,26 Hektar umfassende FFH-Gebiet unter der Nummer 3747-302 folgende Charakterisierung:

„Waldkomplex aus Stieleichen-Hainbuchen-, Erlen-Eschen- und Erlenbruchwäldern mit Bedeutung für Höhlenbewohner, angrenzend bzw. eingeschlossen Standgewässer, Feuchtwiesen und Fließgewässer“

Naturschutzgebiet

Datei:KW2 Tiergarten Neue Muehle.JPG
Tiergarten, Informationstafel Waldlehrpfad

Seit dem 10. Oktober 1995 besteht das neugebildete „Naturschutzgebiet Tiergarten“, das mit einer Gesamtfläche von 158 Hektar Flächen der Gemarkungen von Königs Wusterhausen, Senzig und Zeesen einbezieht. Dazu gehören beispielsweise der Krebssee mit seinem nach Süden führenden Graben sowie der Fanggraben, der den Zeesener See durch das Senziger Luch<ref>Das Senziger Luch wird in verschiedenen Karten als Naturschutzgebiet bezeichnet, ist aber mit Stand Mai 2008 in den offiziellen Listen des Landes Brandenburg nicht enthalten, siehe auch Liste der Naturschutzgebiete in Brandenburg</ref> zur Dahme entwässert. Die Verordnung über das Naturschutzgebiet beinhaltet als Schutzzweck unter anderem

„[…] die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes […] als Standort seltener, in ihrem Bestand bedrohter wildwachender Pflanzengesellschaften, insbesondere der bestehenden Vielfalt von naturnahen Waldgesellschaften, einschließlich der durch die historischen Nutzungen des Gebietes entstandenen Besonderheiten, der großflächigen Röhrichte, der die Niederungen besiedelnden Erlen- und Weidenbrüche, der naturnahen Fließgewässer (u. a. des Fanggrabens) mit ausgeprägten Uferpflanzengesellschaften; […].“

Unter den bestandsbedrohten Tierarten nennt die Verordnung den Schutz vom Aussterben bedrohter, an aquatische Habitate gebundener Säugetiere und Reptilien. Ferner sollen die Lebensräume von Höhlenbrütern und Rallen, die an reichstrukturierte und großflächige Feuchtgebiete gebunden sind, erhalten werden. Arten wie Fledermäuse, die an das Vorhandensein naturnaher Waldkomplexe gebunden sind, und Großschmetterlingsarten, die Grenzlebensräume zwischen Wald- und Offenlandschaft benötigen, stehen gleichfalls im Mittelpunkt der Schutzmaßnahmen.

In dem durch Besiedelungsdruck geprägten Gebiet sollen durch Übernutzung und nachfolgende Nutzungsaufgabe gefährdete Feuchtwiesen revitalisiert werden. Die Maßnahmen sollen zudem zur Sicherung des Biotopverbundes DahmegewässerPätzer Seen beitragen.<ref name="BRAVORS" />

Flora und Fauna

Pflanzen

Datei:Streuobstwiese Tiergarten Königs Wusterhausen.jpg
Streuobstwiese im Tiergarten
Datei:Krebssee Königs Wusterhausen.jpg
Der Krebssee gehört zum Naturschutzgebiet Tiergarten

Unter den Lebensraumtypen listet der FFH-Steckbrief folgende Pflanzen- beziehungsweise Waldgesellschaften auf: Pfeifengraswiesen (Natura 2000-Code 6410), Feuchte Hochstaudenfluren (6430; Convolvuletalia sepium, Glechometalia hederaceae und Filipendulion), Alte bodensaure Eichenwälder auf Sandböden mit Stieleiche (9190; Birken-Eichenwald), Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder (9160; Stellario-Carpinetum), Hainsimsen-Buchenwälder (9110; Luzulo-Fagetum), Fließgewässer mit flutender Wasservegetation (3260) und Natürliche und naturnahe nährstoffreiche Stillgewässer mit Laichkraut- oder Froschbiss-Gesellschaften (3150; Magnopotamion oder Hydrocharition).<ref name="FFH" />

Tiere

Nach Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und der Verordnung des Landes sind einschließlich ihrer für Fortpflanzung, Ernährung, Wanderung und Überwinterung wichtigen Lebensräume besonders geschützt: unter den Säugetieren der Fischotter (Lutra lutra) und unter den Fischen der Bitterling (Rhodeus amarus).<ref name="FFH" />

Siehe auch

Literatur

  • Karl-Heinz Wollenberg: Das Naturschutzgebiet „Tiergarten“. Naturschutz im Dahmeland. Prieros, 1997.
  • Hans Rentmeister: Skulpturenpfad, Rundwanderweg Tiergarten, Stadt Königs Wusterhausen 2021

Weblinks

Commons: Naturschutzgebiet Tiergarten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Alteno-Radden • Bergen-Weißacker Moor • Biebersdorfer Wiesen • Birkenwald • Borcheltsbusch und Brandkieten • Börnichen • Brasinski-Luch • Briesener Luch • Briesensee und Klingeberg • Bukoitza • Byhleguhrer See • Dahmetal bei Briesen • Dammer Moor • Dammühlenfließniederung • Dolgensee • Dollgener Grund • Dubrow • Dürrenhofer Moor • Ellerborn • Flutgrabenaue Waltersdorf • Görlsdorfer Wald • Hain Lübben • Heideseen • Höllengrund – Pulverberg • Innerer Oberspreewald • Innerer Unterspreewald • Josinsky-Luch • Katzenberge • Kleine und Mittelleber • Kockot • Krossener Busch • Lehnigksberg • Leue • Lieberoser Endmoräne • Linowsee-Dutzendsee • Löptener Fenne-Wustrickwiesen • Luchsee • Mahnigsee-Dahmetal • Meiereisee • Mühlenfließ-Sägebach • Naturentwicklungsgebiet Abramka • Naturentwicklungsgebiet Kockrot • Neu Zaucher Weinberg • Neuendorfer Seewiesen • Ostufer Stoßdorfer See • Pätzer Hintersee • Pätzer Kiesgrube • Prierow bei Golßen • Prierowsee • Radeberge • Reicherskreuzer Heide und Schwansee • Replinchener See • Ribocka • Rochauer Heide • Schuge- und Mühlenfließquellgebiet • Schwarzes Luch • Skabyer Torfgraben • Sölla • Stintgraben • Stockshof – Behlower Wiesen • Storkower Kanal • Streganzsee-Dahme • Sutschketal • Teufelsluch • Tiergarten • Töpchiner Seen • Torfbusch • Uferwiesen bei Niewisch • Urstromtal bei Golßen • Verlandungszone Köthener See • Wacholderschluchten Hohendorf • Wanninchen • Wernsdorfer See • Wiesenau • Wudritzniederung Willmersdorf-Stöbritz • Wutscherogge • Zützener Busch

Vorlage:Klappleiste/Ende