Thomsonsche Schwingungsgleichung
Mit der Thomsonschen Schwingungsgleichung lässt sich die Resonanzfrequenz <math>f_0</math> eines Schwingkreises (Reihenschwingkreis und idealer Parallelschwingkreis) mit der Kapazität <math>C</math> und der Induktivität <math>L</math> berechnen. Sie wurde 1853 von dem britischen Physiker William Thomson erstmals formuliert und lautet:
- <math>f_0 = \frac{1}{2\pi\sqrt{LC}}</math>
Oder umgeformt für die Periodendauer (Schwingungszeit):
- <math>T = \frac{1}{f_0} = 2\pi\sqrt{LC}</math>
Herleitung
Allgemein
Im Resonanzfall ist der Resonanzwiderstand so groß wie der Serienwiderstand. Der kapazitive Widerstand <math>X_C</math> des Kondensators und der induktive Widerstand <math>X_L</math> der Spule innerhalb des Schwingkreises kompensieren sich auf null:
- <math>X_L + X_C = 0 \quad\Leftrightarrow\quad \omega_0 L - \frac{1}{\omega_0 C} = 0</math>
- <math>\omega_0 L = \frac{1}{\omega_0 C}</math>
- <math>2\pi f_0 L = \frac{1}{2\pi f_0 C}, \quad</math> da gilt <math>\quad \omega=2 \pi f</math>
- <math>{f_0}^2 = {\frac{1}{4\pi^2LC}}</math>
- <math>f_0 = \frac{1}{2\pi\sqrt{LC}}, \quad</math> üblich ist auch die Form: <math>\quad\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{LC}}</math>
Nach dem Energieerhaltungssatz
Betrachten wir den elektrischen Schwingkreis als ein geschlossenes System, so ist die Summe aller Energieformen in diesem System zu jeder Zeit <math>t</math> konstant.
- <math>E_\text{mag}(t) + E_\text{el}(t) = E_\text{Gesamt}</math>
- <math>E_\text{mag}</math>: magnetische Feldenergie der Spule
- <math>E_\text{el}</math>: elektrische Feldenergie des Kondensators
- <math>E_\text{Gesamt}</math>: Gesamtenergie des Systems (konstant)
Setzt man die entsprechenden Formeln ein, so kommt man auf folgende Differentialgleichung:
- <math>\frac{1}{2}LI^2(t) + \frac{1}{2C}Q^2(t) = E_\text{Gesamt}</math>
Aus
- <math>I(t) = \frac{dQ(t)}{dt} = \dot Q(t)</math>
folgt:
- <math>\frac{1}{2}L\dot Q^2(t) + \frac{1}{2C}Q^2(t) = E_\text{Gesamt}</math>
Nun leitet man diese Gleichung nach der Zeit ab und erhält:
- <math>L\dot Q \ddot Q(t)+\frac{1}{C}Q \dot Q(t) = 0</math>
- <math>I(t)\left(L \ddot Q + \frac{1}{C}Q(t)\right) = 0</math>
- <math>L \ddot Q + \frac{1}{C}Q(t) = 0</math>, da im Schwingkreis gilt: <math>I(t) \ne 0</math>.
Um diese Gleichung zu lösen, müssen wir einen Zusammenhang zwischen <math>Q(t)</math> und <math>\ddot Q(t)</math> herstellen. Dazu verwenden wir eine Sinusfunktion als Lösungsansatz, da sie sich auf Grund ihrer Periodizität gut zur Beschreibung einer Schwingung eignet.
- <math>Q(t) = \hat Q \cdot \sin(\omega t + \varphi)</math>
- <math>\dot Q(t) = \omega \hat Q \cdot \cos(\omega t + \varphi)</math>
- <math>\ddot Q(t) = -\omega^2 \hat Q \cdot \sin(\omega t + \varphi) = -\omega^2 \cdot Q(t)</math>
- <math>\hat Q</math>: maximale Ladung (Amplitude)
- <math>\omega</math>: Kreisfrequenz
- <math>\varphi</math>: Phasenverschiebung
Durch Einsetzen ergibt sich:
- <math>\frac{1}{C}Q(t)-\omega^2 L Q(t) = 0</math>
- <math>Q(t)\left(\frac{1}{C} - \omega^2 L\right) = 0</math>
- <math>\frac{1}{C} - \omega^2 L = 0</math>, da im Schwingkreis gilt: <math>Q(t) \ne 0</math>
Daraus folgt mit <math>\omega = 2\pi f</math>:
- <math>\frac{1}{C} - 4 \pi^2 f_0^2 L = 0</math>
- <math>{f_0}^2 = {\frac{1}{4\pi^2LC}}</math>
- <math>f_0 = \frac{1}{2\pi\sqrt{LC}}</math>
Die thomsonsche Schwingungsgleichung gilt nur für Serienschwingkreise und ideale Parallelschwingkreise. Bei komplexeren Topologien muss, ausgehend von <math>\left\vert X_L \right\vert = \left\vert X_C \right\vert</math>, die Frequenz abgeleitet werden.
Des Weiteren muss bei der Anwendung der thomsonschen Schwingungsgleichung darauf geachtet werden, dass sich das jeweilige System im Schwingfall befindet – die Dämpfung durch den ohmschen Widerstand also nicht zu groß ist. Bei nicht zu großer Dämpfung kann die beim Parallelschwingkreis veränderte Resonanzfrequenz mit dem Verlustwiderstand RL von L berechnet werden:
- <math>\omega_D = \omega_0{\sqrt{1-R_L^2 \frac{C}L}}</math>
Literatur
- Lothar Papula: Mathematik für Ingenieure und Naturwissenschaftler. 12. Auflage. Band 1. Vieweg + Teubner, 2009, ISBN 978-3-8348-0545-4.