Thomas Nugent
Thomas Nugent (* ca. 1700; † 27. April 1772 im Gray’s Inn, London) war ein irischer Gelehrter, Historiker und Reiseschriftsteller. Er ist heute vor allem bekannt durch seine Reiseführer zur Grand Tour, der damals besonders bei jungen englischen Adeligen beliebten Bildungsreise durch Europa. Seine detaillierten Beschreibungen des damaligen Frankreichs, Italiens, Deutschlands und der Niederlande liefern heutigen Historikern eine ergiebige Quelle zur Situation in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Leben
Über seine frühen Jahre ist wenig bekannt. Er stammte zwar aus Irland, verbrachte jedoch die meiste Zeit seines Lebens in London. Dort betätigte er sich als Schriftsteller und Übersetzer. Im Jahr 1749 veröffentlichte er das mehrbändige Werk The Grand Tour - containing an exact description of most of the cities, towns and remarkable places of Europe. Dies war der erste umfangreiche Reiseführer für englische Gentlemen, die sich auf die Grand Tour durch Europa begeben wollten. Ob Nugent davor selbst diese Reise unternommen hatte, ist unbekannt, jedoch auf Grund der äußert detaillierten Angaben und der offensichtlichen Ortskenntnisse anzunehmen. Die folgenden Jahre widmete Nugent der Übersetzung von Werken namhafter Wissenschaftler seiner Zeit, meist aus dem Französischen ins Englische. Dazu gehören eine 1750 veröffentlichte, lange Zeit einzig vollständige Übersetzung von Montesquieus L'esprit des lois („The Spirit of Laws“)<ref>Montesquieu, Charles de Secondat & Nugent, Thomas (19). The spirit of the laws. London: Edited by Thomas Nugent, J. V. Prichard & Oliver Wendell Holmes.[1]</ref>, 1751 die Principes du droit politique des Schweizer Juristen aus Genf Jean-Jacques Burlamaqui (1694–1748) unter dem Titel „Principles of Politic Law“ und 1756 folgte eine Übersetzung von Étienne Bonnot de Condillacs Essai sur l’origine des connaissances humaines („Essay on the origin of Human Knowledge“).
Ebenfalls 1756 wurde sein Reiseführer in einer aktualisierten Fassung neu aufgelegt, diesmal unter dem Titel The Grand Tour, or, A journey through the Netherlands, Germany, Italy and France. Im Jahr 1759 veröffentlichte er weiters eine Übersetzung des französischen Historikers Philippe Macquer (1720–1770) zur römischen Geschichte (Chronological abridgment of the Roman History). Danach widmete er sich der Geschichte Frankreichs von Charles-Jean-François Hénault (Chronological abridgment of the History of France, 1762). Im Jahr 1765 wurde Nugent an der schottischen Universität Aberdeen zum Doktor der Rechte promoviert. Danach begann er, eine Geschichte der Vandalen zu schreiben und begab sich nach dem Erscheinen des ersten Bandes zum weiteren Quellenstudium auf eine Reise nach Deutschland. Er reiste 1766 durch Norddeutschland, von Hamburg über Lübeck nach Mecklenburg, wo er die Urheimat oder das frühere Siedlungsgebiet der Vandalen vermutete. Zurückgekehrt nach England vollendete er nicht nur seine Vandalengeschichte (The history of Vandalia Containing the ancient and present state of the country of Mecklenburg), sondern publizierte 1768 auch seine deutsche Reisebeschreibung in Form von mehreren Briefen an einen fiktiven zu Hause gebliebenen Freund. Dieses Werk (Travels through Germany : containing observations on customs, manners, religion, government, commerce, arts, and antiquities : with a particular account of the Courts of Mecklenburg in a series of letters to a friend) beschreibt unter anderem Hamburg, Lübeck und zahlreiche Städte und Dörfer im damaligen Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, darunter Schwerin, Rostock, Wismar, Ludwigslust, Doberan, Güstrow, Bützow, Waren, Neustrelitz, Mirow und Neubrandenburg.<ref>Thomas Nugent: Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg Neu hrsg., bearb. und kommentiert von Sabine Bock, 2. Aufl. Erläuterter und illustrierter Nachdruck der 1766/67 verfassten, 1781/82 in deutscher Fassung erschienenen Reisebriefe, Thomas Helms Verlag Schwerin 2000, ISBN 3-931185-22-2 [2]</ref> Die von Lorenz Karsten überarbeitete, vielfach kommentierte und 1781/82 herausgegebene erste deutsche Ausgabe der Reisebriefe gelten als frühes Beispiel mecklenburgischer Tourismusliteratur.
1771 schrieb er ein Buch über den florentinischen Renaissancebildhauer Benvenuto Cellini. Durch den Erfolg seiner Reiseliteratur angeregt übersetzte er nun auch einen Reiseführer über London und damit erstmals ein Werk, das sich an ausländische Leser richtet, die England besuchen. Dieses Buch (A tour to London, or, New observations on England and its inhabitants) erschien 1772,<ref name="london"/> im selben Jahr in dem Nugent in London verstarb.<ref>1812 Chalmers’ Biography: Thomas Nugent (?–1772), vol. 23, p. 270</ref>
Nach seinem Tod erfreuten sich vor allem seine Reiseführer weiterhin großer Beliebtheit. 1778 erschien die dritte Auflage seiner „Grand Tour“. Sein 1768 erschienener zweibändiger Reisebericht über Norddeutschland – Travels through Germany – stieß nun dort auf Interesse. Der mecklenburgische Professor Lorenz Karsten übersetzte das Werk ins Deutsche und publizierte es 1781 bei Friedrich Nicolai. Dieses Buch, in dem unter anderem der Lübecker Totentanz in der Textfassung von Nathanael Schlott übersetzt und beschrieben ist, machte Nugent in Deutschland bekannt<ref>dodedans.com: Lübeck's Dance of Death - Thomas Nugent</ref> und wurde stark gekürzt 1938, sowie im Jahr 1998 und 2000 in kommentierter Fassung neu verlegt.<ref>Thomas Nugent: Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg Neu hrsg., bearb. und kommentiert von Sabine Bock, 2. Aufl. Erläuterter und illustrierter Nachdruck der 1766/67 verfassten, 1781/82 in deutscher Fassung erschienenen Reisebriefe, Thomas Helms Verlag Schwerin 2000, ISBN 3-931185-22-2 [3]</ref> Goethes Übersetzung von Leben des Benvenuto Cellini aus dem Jahre 1803 basiert teilweise auf dem italienischen Original, teilweise auf der englischen Version von Thomas Nugent.
Digitalisate
- The History of Vandalia. Containing the Ancient and Present State of the Country on Mecklenburg. 3 Bände. London, 1766–1773. (Digitalisate: Band 1)
- Travels through Germany. With a particular account of the court of Mecklenburg. 2 Bände. London 1768 (Digitalisate: Band 1, Band 2).
- Dt. Ausgabe u.d.T. Thomas Nugents Reisen durch Deutschland, und vorzüglich durch Meklenburg. 2 Teile. Friedrich Nicolai, Berlin/Stettin 1781–1782. (Digitalisate: Teil 1, Teil 2)
- Erweiterter und kommentierter Neudruck u.d.T.: Reisen durch Deutschland, und vorzüglich durch Mecklenburg. Thomas Helms Verlag, Schwerin 1998, ISBN 3-931185-22-2.
- The Grand Tour, or, A journey through the Netherlands, Germany, Italy and France. 4 Bände. London 1778 (Digitalisate: Band 1, Band 2, Band 3, Band 4)
- Riverston peerage. Case on behalf of William Thomas Nugent claiming to be baron Nugent of Riverston. (Digitalisat)
- The new pocket-dictionary of the French and English languages. London 1807 (Digitalisat)
Weblinks
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Einzelnachweise
<references> <ref name="london">Die zwei Bücher stammt ursprünglich von Pierre-Jean Grosley, Band 1, Band 2 (Nugents Übersetzung: Band 2). Dazu eine Kritik von L.Davin in The Critical Review, S. 425f, Digitalisat aus dem Jahr 1772</ref> </references>
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- Autor
- Ire
- Gestorben 1772
- Mann
- Geboren im 17. oder 18. Jahrhundert
- Reiseliteratur