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Thiacloprid

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Thiacloprid ist ein Insektizid aus der Klasse der Neonicotinoide. Es wurde von einer japanischen Niederlassung für Bayer CropScience aus Imidacloprid weiterentwickelt zur Insekten-Bekämpfung von Acker- und Obstschädlingen wie Blattläusen und Mottenschildläusen, Blattflöhen, Apfelwicklern und Rüsselkäfern.<ref>Thiacloprid Pesticide Fact Sheet, Environmental Protection Agency.</ref><ref>Michael Schuld, Richard Schmuck: Effects of Thiacloprid, a New Chloronicotinyl Insecticide, On the Egg Parasitoid Trichogramma cacaoeciae. In: Ecotoxicology, Juni 2000, Band 9, Heft 3, S. 197–205, doi:10.1023/A:1008994705074.</ref> Abweichend von den meisten anderen Mitteln mit entsprechender Ausrichtung wirkt der Wirkstoff Thiacloprid auch gegen den Buchsbaumzünsler.<ref>Buchsbaumzünsler-Bekämpfung</ref>

Toxizität

Toxizität für den Menschen

Thiacloprid gehört zur Gruppe der Neonicotinoide; die Mittel dieser Wirkstoffgruppe sind für Warmblüter wesentlich weniger gefährlich als für Insekten. In Taiwan wurden zwischen 1987 und 2007 insgesamt 70 Fälle von Vergiftungen durch Neonicotinoide registriert. Dabei handelte es sich in der Mehrzahl um Selbstmordversuche, bei denen in kurzer Zeit große Mengen von Mitteln aus der Gruppe der Neonicotinoide aufgenommen wurden. In den 70 untersuchten Fällen kamen zwei Menschen zu Tode, bei acht weiteren Personen wurden schwere Symptome beobachtet, insbesondere Atemprobleme. Die Mehrzahl der Patienten zeigte jedoch nur leichte bis mittlere Auswirkungen, die gut behandelt werden konnten.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Toxizität für Bienen

Die akute Giftigkeit von Thiacloprid für Bienen (LD50) wurde mit 14,6 µg/Biene ermittelt. Bei einer typischen Körpermasse einer Arbeitsbiene von 120 mg entspricht das etwa einem Zehntausendstel des Eigengewichts der Biene. Thiacloprid zählt zu den cyano-substituierten Neonicotinoiden, nitro-substituierte Neonicotinoide wie Imidacloprid oder Clothianidin sind für Bienen bis zum Faktor 1000 toxischer.<ref>Takao Iwasa, Naoki Motoyama, John T. Ambrose, R. Michael Roe: Mechanism for the differential toxicity of neonicotinoid insecticides in the honey bee, Apis mellifera, Crop Protection, Band 23, Ausg. 5, Mai 2004, Seiten 371–378, doi:10.1016/j.cropro.2003.08.018.</ref>

Der BUND kritisierte 2014 die Verbraucherinformationen des Herstellers über die Bienenungefährlichkeit von Mitteln mit diesem Wirkstoff. Bayer erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung, die den BUND zwang, bestimmte Seiten aus dem Internet zu entfernen. Am 11. März 2015 entschied das Landgericht Düsseldorf, der BUND dürfe weiterhin behaupten, dass zwei von Bayer hergestellte Pestizidprodukte für Bienen gefährlich seien und es sich bei dem darauf abgebildeten Logo mit dem Aufdruck „nicht bienengefährlich“ um eine Irreführung von Verbrauchern handele.<ref name="FAZ">FAZ: Pestizide von Bayer dürfen „bienengefährlich“ genannt werden, 11. März 2015.</ref> Die Kritik des BUND stützt sich im Wesentlichen auf die Forschungen von Randolf Menzel.<ref>Randolf Menzel: Wie Pestizide (Neonicotinoide) die Navigation, die Tanz-Kommunikation und das Lernverhalten von Bienen verändern (PDF; 2,6 MB), in Bayer. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Soziale Insekten in einer sich wandelnden Welt. Rundgespräche der Kommission für Ökologie, 43, Verlag Pfeil, München, 2014, S. 75–83, ISBN 978-3-89937-179-6.</ref><ref>FU Berlin: Wenn Bienen den Heimweg nicht finden, Pressemitteilung Nr. 092/2014 vom 20. März 2014.</ref>

Zulassungsstatus

In Deutschland und der Schweiz war Thiacloprid, meist in Form von Sprays oder Suspensions-Emulsionen, gegen eine Vielzahl von beißenden und saugenden Insekten auch zur Verwendung im Haus- und Kleingarten zugelassen. Zu in Deutschland zugelassenen Produkten gehörten unter anderem 'Calypso', 'Lizetan', und 'Biscaya'. In Österreich waren Präparate für Anwendungen im Acker-, Gemüse- und Obstbau zugelassen.<ref name="PSM">Vorlage:PSM-Verz</ref> Thiacloprid wurde im Jahre 2015 von der Europäischen Union wegen seiner endokrin schädlichen Wirkung auf eine Substitutionsliste gesetzt.<ref>Vorlage:EU-Verordnung.</ref> Die EU-Kommission erörterte am 20. Mai 2019 den Entwurf einer Verordnung, die vorsieht, die im April 2020 auslaufende EU-weite Zulassung nicht zu verlängern.<ref>EU-Kommission, Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed, Section Phytopharmaceuticals – Legislation: Agenda 20-21 May 2019.</ref> Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner kündigte an, sich gegen die Wiedergenehmigung einzusetzen.<ref>taz: Thiacloprid schädigt Föten, 23. Mai 2019.</ref> Am 13. Januar 2020 beschloss die EU-Kommission, die Zulassung für Thiacloprid für den europäischen Markt zu beenden.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Die Mitgliedstaaten mussten daher Zulassungen für Thiacloprid-haltige Pflanzenschutzmittel spätestens zum 3. August 2020 widerrufen, die Aufbrauchfrist endete am 21. Februar 2021.<ref>Vorlage:EU-Verordnung.</ref> In der Schweiz wurden sämtliche Bewilligungen für thiaclopridhaltige Pflanzenschutzmittel-Produkte mit einer Ausverkaufsfrist bis 30. September 2021 und einer Aufbrauchsfrist bis Jahresende 2021 beendet.<ref name="PSM" />

Einzelnachweise

<references />